Von finnischen Waldarbeitern, schwedischen Hebammen und einer Schnapsbrennerei auf einer Pazifik-Insel ... Ein von der UN gechartetes Flugzeug verunglückt über dem Stillen Ozean. Die Passagiere können sich retten und aus dem Flugzeugrumpf jede Menge kupferner Verhütungsspiralen und einiges andere Notwendige wie Äxte und Messer bergen. Weit und breit ist keine Rettung in Sicht, und die illustre Truppe muss sich zusammenraufen. Ein Jahr vergeht, bis ein fantasievoller SOS-Plan realisiert werden kann ...
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Verschollen im Paradies
Bewertung am 21.09.2024
Bewertungsnummer: 2297599
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieses neuaufgelegte Buch ist trotz seines ursprünglichen Erscheinungsjahres von 1974 brandaktuell, denn es beschreibt Überlegungen zum menschlichen Zusammenleben, die immer noch Gültigkeit haben. Das sehen die Lesenden auch daran, dass das Buch schon 2004 eine erste Neuauflage hatte.
Der Autor beschreibt den Flugzeugabsturz einer Passagiermaschine über dem Stillen Ozean, die - gechartert von den Vereinten Nationen – als Fluggäste Krankenschwestern, Hebammen, Ärzte, Waldarbeiter und Mechaniker für verschiedene humanitäre Einsätze an Bord hat und dazu natürlich die Crew, aber auch einen außerplanmäßigen Journalisten.
Dieser ist es, der als Ich-Erzähler aus der rückwärtsgewandten Sicht diesen Bericht/dieses Buch schreibt und uns Lesenden damit die Geschichte erzählt. Dabei hat er einen sehr trockenen Stil und Humor. Manche Ereignisse, die, die ihn selber betreffen, erfährt man also sofort, andere werden nachgeliefert, je nachdem, wann der Journalist von ihnen erfahren hat. Da die Gruppe klein ist, erhält der Journalist und damit auch die Lesenden über alles, was geschehen ist, Kenntnis.
Nach dem Flugzeugabsturz wird den Überlebenden bald klar, dass sie so schnell nicht wieder von dieser Insel wegkommen werden. Also werden Pläne fürs Überleben geschmiedet und ein „Vorstandskomitee“ für Entscheidungen gewählt. Das Buch beinhaltet viele Ideen der ehemaligen Passagiere, wie sie überleben, aber auch, wie sie sich das Überleben angenehm machen können. Dabei kommt für die Lesenden Erstaunliches heraus, z. B. der Bau eines Kühlschranks in tropischer Hitze, eine Schnapsbrennerei, Hütten und anderes mehr.
Doch noch viel interessanter ist die politische Sicht auf das Zusammenleben, denn es entwickelt sich eine gelassene Form des Sozialismus/Kommunismus, die niemandem aufgezwungen wurde, die allein durch Abstimmungen, Fehler und Richtiges tun zustande kommt und mit der fast alle fast immer sehr zufrieden sind. Sogar die Integration eines Fremden gelingt dabei wunderbar.
Den Lesenden stellt sich also die Frage: Würde das Zusammenleben der Menschen weltweit besser gelingen, wenn alle nur genauso viel zum Leben hätten, wie sie bräuchten und sich auch nur darum kümmern müssten?
„Ganz nebenbei“ lässt der Autor auch die Lage der Welt in seinem Buch aufblitzen, denn auf der anderen Seite der Insel tobt ein Krieg, der wohl auch noch andere Bereiche der Welt umfasst. Die „Schutzmacht“, die die Überlebenden am Ende nach einer spektakulären SOS-Sendeaktion, „rettet“, geht ziemlich rigoros zu Werke und lässt niemanden auf der Insel bleiben, selbst die nicht, die sich das wünschen und vehement zur Wehr setzen.
Ein erstaunlich aktuelles, 50 Jahre altes Buch, das sich in seinem flüssigen Stil zu lesen lohnt, um über die Probleme der Welt mit trockenem Humor nachzulesen und nachzudenken – also ein altersloses Buch! Empfehlenswert!
Nach einem Flugzeugabsturz…
Margit aus Dosssenheim am 01.08.2024
Bewertungsnummer: 2874722
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nach einem Flugzeugabsturz über den indonesischen Inseln finden sich finnische Waldarbeiter, schwedische Krankenschwestern und Ärzte sowie englisches Flugpersonal an einem einsamen Strand wieder. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines finnischen Journalisten, der die UN-Gruppe begleitet hat, in der Rückschau nach der Rettung. Der Stil ist nüchtern bis lakonisch, leicht und flüssig lesbar, mit einigen skurrilen Einfällen, wie die Gruppe sich zusammenrauft und ihr Überleben auf der Insel mit den gegebenen Mittel organisiert. Das ist manchmal amüsant und lässt staunen über die Findigkeit der Überlebenden, etwa was sie mit Kupferspiralen alles anfangen, wie sie einen Kühlschrank bauen, Salz gewinnen, Schnaps brennen und eine Riesenschneise in Form eines SOS-Zeichens in den Urwald schlagen und dann anzünden. Faszinierend auch, wie sie das soziale Miteinander gestalten. Es gibt gewählte Vorstände sowie ein Strafsystem bei allerlei Vergehen. Als die Gestrandeten nach fast einem Jahr gerettet werden, wollen einige von ihnen die Insel überhaupt nicht verlassen. Sie werden jedoch zwangsläufig von den amerikanischen Rettern nach Hause gebracht. Nur der Kapitän des Flugzeugs kommt später auf die Insel zurück um dort zu leben. Ansonsten bleibt man in losem Kontakt und arrangiert sich wiederum mit dem alten / vorigen Leben. Nachdenklich macht es, wie aktuell der 1974 geschriebene Roman mit der unterschwelligen Gesellschafts- und Sozialkritik anmutet. Der Autor läd ein zu der Frage: Was brauchen wir wirklich zum Leben ? Absolut empfehlenswert. Macht neugierig auf weitere Paasilinna-Lektüre.
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