Romina, Romi genannt, erwartet ihr zweites Kind, und seit kurzem gibt es da auch einen zweiten Mann. Szibilla findet es grundsätzlich unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen, und Romis Polyamorie ist für sie nichts anderes als eine Möglichkeit, sich noch mehr von Männern abhängig zu machen. Was sie verbindet, ist ihre beste Freundin Nora. Doch Nora flieht mit ihrer kleinen Tochter zu ihrer Mutter ins Schweizer Rheintal, legt sich geradewegs ins Bett ihres Jugendzimmers - und schweigt. Ratlos reisen die Freundinnen ihr nach, mieten sich in ein billiges Wellnesshotel ein. Während Romi sich Sorgen um Nora macht, ist Szibilla überzeugt, dass sie diese Auszeit braucht, um wieder zu sich selbst zu kommen. In den fünf Tagen, in denen sie Lebensentwürfe diskutieren, reißen die Gräben zwischen Romi und Szibilla immer weiter auf - bis Nora schließlich ihr Schweigen bricht.
Was bedeutet Freiheit, was Verantwortung? Was prägt uns, was wollen wir weitergeben? In ihrem dritten Roman taucht Laura Vogt tief ein in die Gefühlswelt ihrer Figuren, Frauen um die dreißig, und zeigt sie uns mit all ihren Schwächen und Stärken, Enttäuschungen und Hoffnungen. Ein lebendiger, lebensbejahender Roman, der deutlich macht, wie Individualismus, Mutterschaft und Selbstbestimmung ständig neu verhandelt werden müssen.
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Bewertung am 10.12.2023
Bewertungsnummer: 2085809
Bewertet: eBook (ePUB 3)
»Nora liegt da, als wäre sie eine Attrappe, und sie selbst ist sonst wo, weit weg; ich fühle mich wie gelähmt. Bleibe einen Moment so stehen. Setze mich dann neben die Matratze auf dem Boden.« |31
Anstatt mit ihren Freundinnen Szibilla und Romi nach Berlin zu verreisen, hat Nora sich hingelegt und schweigt fast den ganzen Roman. Widerstereitende Gefühle zwischen ihrer Mutter Anni und ihr hängen in der Luft und trotzdem ist die um die 30jährige Nora in ihr beklemmendes Jugendzimmer zurück. Hätte Anni Nora besser nicht bekommen sollen? Hätte sie die Freiheit gehabt, das zu entscheiden?
Vier Tage verhandelt der multiperspektivische selbstgespräch- und dialogreiche Debattenroman, in dem vorrangig Szibilla und Romi mit sich selbst und miteinander ringen. Sie reisen zur liegenden Nora und verfangen sich in Diskussionen. Szibilla verteidigt Théophile de Girauds Thesen zum Antinatalismus und Klima. Der zum zweiten Mal schwangeren Romi wirft sie das sich abhängig machen, Vernachlässigung ihrer selbst und der Umwelt vor. Über ihre Einsamkeit, Bindungswünsche und - Ängste schweigt sie lieber, auch wenn sie sich entwickelt und sogar verliebt. Romi verteidigt ihre Suche nach einer Öffnung ihrer Beziehung. Sie sucht nach neuen Modellen, in denen, anders als bei ihren Eltern, auch eine neue Liebe Platz findet. Innerlich hadert sie mit ihren Eltern, mit dem Umzug in die Provinz, dem Wunsch auszubrechen und zu schreiben.
Mitunter wirkt die Konstellation der »Liegenden Frau« sehr absichtsvoll. Der in seinen Brüchen gezeichnete Versuch, Fragen der Lebensentwürfe kategorisch zu verhandeln, strengte an. Doch erscheint mir genau das typisch für die verhandelte Lebensphase, in der sich die Ahnung einschleicht, dass Weichen des Lebens gestellt worden sind, Freiheiten und Verantwortlichkeiten sich setzen, Themen der Eltern nahekommen und nach neuen Wege gesucht wird.
Das Gestern, das Jetzt und das Morgen
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 09.03.2025
Bewertungsnummer: 2433112
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
3 Frauen. Romina, Szibilla und Nora. 3 Freundinnen. 3 Lebenswelten. Ein wunderbares Konzept. Schon in „Was wir sind“ von Anna Hope und in „Katzenzungen“ von Borger & Straub hat mich dieses Konzept begeistert. Und dieses Begeistern schafft auch Laura Vogt in „Die liegende Frau“.
Freundinnen. Ein immerwährendes Thema denke ich. Frau braucht sie genauso, wie sie sich daran reibt. Ein Ritt auf einem Pulverfass. Manchmal. Oft. Dennoch ist die Freundinnenschaft auch etwas Essentielles.
Und auch hier ist das so. Romina, Szibilla und Nora stehen in ihren Leben. Sie sind erwachsen. Autark. Konventionell und auch unkonventioneller. Sie kommen zusammen. Doch anders als geplant. Nora reist mit ihrer Tochter zur Mutter ins schweizerische Rheintal, verfällt dort in ein neuordnendes Schweigen, zieht sich in sich selbst zurück. Ihre Freundinnen Romina und Szibilla kommen nach und müssen warten, bis Nora wieder da ist, wieder in der Aktion ist und haben in der Zwischenzeit sich selbst. Ihre doch recht unterschiedlichen Welten und Sichten prallen aufeinander. Dann wird aus der Welt zu zweit wieder eine Welt zu dritt. Und das Annähern der Frauen geht weiter. Ihre Sichten. Ihre Welten. Ihr Wollen. Ihr Miteinander. Ihre Schwesternschaft.
Ein wunderbares Buch! „Die liegende Frau“. Ein Buchtitel. Doch eigentlich noch viel mehr. Dieses ach so tolle Patriarchat, welches sich fügsame und steuerbare Frauen wünscht und die heutige Welt, in der die Frauen aufwachen und diese altbekannten Lebensentwürfe zu hinterfragen beginnen. Das ist das Thema des Buches. Und wer meine Lesegewohnheiten kennt, wird wissen, ja, für dieses Buch brennt sie. Und genau so war es. 3 unterschiedliche Frauen, die sich begegneten, die sich anfreundeten. Ob das hier real ist? Warum nicht? Man lernt sich in einem bestimmten Moment kennen und dann kommt die Zeit, sie verändert, man wächst, bzw. man sollte wachsen. Und später kommt man dann an den Punkt altbekanntes zu überdenken. An diesem Punkt sind auch Nora und Szibilla und auch Romina.
Die Leserschaft darf daran teilhaben, darf mitfiebern. Und noch etwas darf die Leserschaft. Die eigenen Sichten hinterfragen. Und dabei wünsche ich besonders viel Spaß!
Ein richtig gutes Buch, dem ich eine große Zahl an Lesenden wünsche. Gestern war der 8. März, der feministische Kampftag. Und Simone de Beauvoir sagte: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen Nichts!“
„Die liegende Frau“ ist ein Roman über 3 Freundinnen, über ihre Sichten, über ihr Wollen. Und das ist etwas über das wir alle einmal nachdenken sollten! Ein Bundestag mit nicht mal 33 % Frauenanteil, was kann so ein Bundestag für uns Frauen, für unsere Sichten, für unsere Freiheit bewirken. Und wollen wir das? Wollen wir liegen oder wollen wir schreien? Mädels, wacht endlich auf!
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