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Zeitzuflucht Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

6919

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

14.11.2023

Verlag

Aufbau TB

Seitenzahl

342

Maße (L/B/H)

19/11,8/3,2 cm

Gewicht

281 g

Farbe

Camel / Dunkelbraun

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

Vremeubezhishte

Übersetzt von

Alexander Sitzmann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7466-3996-3

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Rezension

»Witzig, liebevoll und erschreckend veranschaulicht Gospodinov: Wir müssen zurück in die Zukunft - die Vergangenheit ist vorbei.« Rike Hug NZZ 20241124

Produktdetails

Verkaufsrang

6919

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

14.11.2023

Verlag

Aufbau TB

Seitenzahl

342

Maße (L/B/H)

19/11,8/3,2 cm

Gewicht

281 g

Farbe

Camel / Dunkelbraun

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

Vremeubezhishte

Übersetzt von

Alexander Sitzmann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7466-3996-3

Herstelleradresse

Aufbau Taschenbuch Verlag
Prinzenstraße 85
10969 Berlin
DE

Email: info@aufbau-verlag.de

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Amnesie statt Anästhesie Der…

Bories vom Berg aus München am 22.07.2024

Bewertungsnummer: 2872990

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Amnesie statt Anästhesie Der kryptische Titel «Zeitzuflucht» des neuen Romans von Georgi Gospodinov steht für eine kreative Thematik. Der Ich-Erzähler, ein bulgarischer Schriftsteller, hat sich einen Psychiater als Protagonisten erschaffen, den er Gaustin nennt, ein Zeitreisender, der durch die Jahrzehnte des 20ten Jahrhunderts flaniert. Mit seiner amüsanten Dekonstruktion nostalgischer Sehnsüchte desavouiert der Autor gekonnt den aktuellen politischen Rechtsruck in Europa, der alles andere als lustig ist. Nicht zuletzt deshalb, und für die literarisch exzellente Umsetzung des Stoffes, erhielt der Autor 2023 den International Booker Prize für fremdsprachige Erzählungen. Die Figur des Gaustin hat sich im Roman quasi verselbständigt, der Autor und er arbeiten eng zusammen, diskutieren miteinander und vertreten sich gegenseitig. Bei der Behandlung von Demenzkranken ist Gaustin auf die Idee gekommen, den Patienten durch einen Rückgriff auf die Vergangenheit zu helfen. Und zwar durch eine vertraute Umgebung, an die sie sich erinnern können und wo sie sich dann auch wieder zurechtfinden im Leben, immer nach dem Motto: «Amnesie statt Anästhesie!» Er baut in Zürich eine Klinik auf, in der in jedem Stockwerk ein anderes Jahrzehnt des 20ten Jahrhunderts detailgetreu wie im Museum rekonstruiert ist. Ein therapeutischer Ansatz, der sich als äußerst erfolgreich erweist und andernorts viele Nachahmer findet. Alle haben die Hoffnung, durch diesen Zeitenwechsel den Schrecken der Gegenwart entfliehen zu können, und schon bald verwandelt sich die Therapie in ein politisches Programm. In kürzester Zeit werden ganze Stadtviertel in ein vergangenes Jahrzehnt zurückversetzt, bald auch ganze Städte. Schließlich ist die Sehnsucht nach Vergangenheit so groß, dass einzelne Staaten und dann auch die gesamte EU sich in die Vergangenheit zurückversetzen wollen. In verschiedenen Ländern werden Referenden abgehalten, bei denen die Bevölkerung das vergangene Jahrzehnt wählen kann, in dem die Menschen künftig wieder leben wollen. Mit nicht zu übersehendem Spott berichtet der Schriftsteller von den Diskussionen mit seinem Protagonisten Gaustin, der ziemlich entrückt das Geschehen aus der Ferne verfolgt und dann immer wieder mal für Jahre spurlos verschwunden ist. Genüsslich schildert Georgi Gospodinov das von ihm erdachte, aberwitzige Szenario, berichtet von seinen Erlebnissen in den verschiedenen Jahrzehnten, die er besucht. - Wohlgemerkt, man besucht nicht mehr Orte, sondern Zeiten! Und geschickt nutzt der Autor auch das entstandene Chaos zu vielfältigen Reflexionen über politische und historische Gegebenheiten, so wenn er gegen Schluss ausführlich über die Referenden in den einzelnen Staaten Europas berichtet. Dabei lässt er sich kenntnisreich und amüsant über dortige Animositäten, Befindlichkeiten und Sehnsüchte aus. All das ist eine kontemplative Tour d’Horizont auf nostalgischen Pfaden der europäischen Geschichte, prall gefüllt mit Anekdoten, Ereignissen, Wegmarken und Irrwegen. Konsequent lässt er die Menschen in diesem speziellen Setting alle historischen Stationen durchlaufen, auch Erster und Zweiter Weltkrieg nicht ausgeschlossen, er thematisiert die Balkankriege ebenso wie den Brexit oder Donald Trump. Besonders aber die ehemaligen Ostblockstaaten werden kritisch durchleuchtet in ihren Befindlichkeiten. Viel Raum nimmt dabei natürlich Bulgarien ein, das zwar mit Spott und Häme überzogen wird, letztendlich aber immer die Heimat des Autors bleibt, soviel Patriotismus sei ihm erlaubt! Diesen Roman zu schreiben ist ein wahrhaft schwieriges Unterfangen mit vorhersehbaren Problemen gewesen, die der Autor aber souverän zu unterlaufen versteht mit allerlei literarischen Tricks. Zu denen gehört insbesondere die scheinbar eigenmächtig handelnde Figur des Gaustin, Spießgeselle des Autors. Es gibt dermaßen viele historische Verweise, literarische Bezüge und philosophische Thesen, dass der Leser über so manche surreale Konstellation hinweg liest oder das Fehlen von Realität partout nicht empfindet. Er schwebt vielmehr gedanklich in anderen Jahrzehnten, zumal wenn er zu den «älteren Semestern» zählt. Fazit: erstklassig

Amnesie statt Anästhesie Der…

Bories vom Berg aus München am 22.07.2024
Bewertungsnummer: 2872990
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Amnesie statt Anästhesie Der kryptische Titel «Zeitzuflucht» des neuen Romans von Georgi Gospodinov steht für eine kreative Thematik. Der Ich-Erzähler, ein bulgarischer Schriftsteller, hat sich einen Psychiater als Protagonisten erschaffen, den er Gaustin nennt, ein Zeitreisender, der durch die Jahrzehnte des 20ten Jahrhunderts flaniert. Mit seiner amüsanten Dekonstruktion nostalgischer Sehnsüchte desavouiert der Autor gekonnt den aktuellen politischen Rechtsruck in Europa, der alles andere als lustig ist. Nicht zuletzt deshalb, und für die literarisch exzellente Umsetzung des Stoffes, erhielt der Autor 2023 den International Booker Prize für fremdsprachige Erzählungen. Die Figur des Gaustin hat sich im Roman quasi verselbständigt, der Autor und er arbeiten eng zusammen, diskutieren miteinander und vertreten sich gegenseitig. Bei der Behandlung von Demenzkranken ist Gaustin auf die Idee gekommen, den Patienten durch einen Rückgriff auf die Vergangenheit zu helfen. Und zwar durch eine vertraute Umgebung, an die sie sich erinnern können und wo sie sich dann auch wieder zurechtfinden im Leben, immer nach dem Motto: «Amnesie statt Anästhesie!» Er baut in Zürich eine Klinik auf, in der in jedem Stockwerk ein anderes Jahrzehnt des 20ten Jahrhunderts detailgetreu wie im Museum rekonstruiert ist. Ein therapeutischer Ansatz, der sich als äußerst erfolgreich erweist und andernorts viele Nachahmer findet. Alle haben die Hoffnung, durch diesen Zeitenwechsel den Schrecken der Gegenwart entfliehen zu können, und schon bald verwandelt sich die Therapie in ein politisches Programm. In kürzester Zeit werden ganze Stadtviertel in ein vergangenes Jahrzehnt zurückversetzt, bald auch ganze Städte. Schließlich ist die Sehnsucht nach Vergangenheit so groß, dass einzelne Staaten und dann auch die gesamte EU sich in die Vergangenheit zurückversetzen wollen. In verschiedenen Ländern werden Referenden abgehalten, bei denen die Bevölkerung das vergangene Jahrzehnt wählen kann, in dem die Menschen künftig wieder leben wollen. Mit nicht zu übersehendem Spott berichtet der Schriftsteller von den Diskussionen mit seinem Protagonisten Gaustin, der ziemlich entrückt das Geschehen aus der Ferne verfolgt und dann immer wieder mal für Jahre spurlos verschwunden ist. Genüsslich schildert Georgi Gospodinov das von ihm erdachte, aberwitzige Szenario, berichtet von seinen Erlebnissen in den verschiedenen Jahrzehnten, die er besucht. - Wohlgemerkt, man besucht nicht mehr Orte, sondern Zeiten! Und geschickt nutzt der Autor auch das entstandene Chaos zu vielfältigen Reflexionen über politische und historische Gegebenheiten, so wenn er gegen Schluss ausführlich über die Referenden in den einzelnen Staaten Europas berichtet. Dabei lässt er sich kenntnisreich und amüsant über dortige Animositäten, Befindlichkeiten und Sehnsüchte aus. All das ist eine kontemplative Tour d’Horizont auf nostalgischen Pfaden der europäischen Geschichte, prall gefüllt mit Anekdoten, Ereignissen, Wegmarken und Irrwegen. Konsequent lässt er die Menschen in diesem speziellen Setting alle historischen Stationen durchlaufen, auch Erster und Zweiter Weltkrieg nicht ausgeschlossen, er thematisiert die Balkankriege ebenso wie den Brexit oder Donald Trump. Besonders aber die ehemaligen Ostblockstaaten werden kritisch durchleuchtet in ihren Befindlichkeiten. Viel Raum nimmt dabei natürlich Bulgarien ein, das zwar mit Spott und Häme überzogen wird, letztendlich aber immer die Heimat des Autors bleibt, soviel Patriotismus sei ihm erlaubt! Diesen Roman zu schreiben ist ein wahrhaft schwieriges Unterfangen mit vorhersehbaren Problemen gewesen, die der Autor aber souverän zu unterlaufen versteht mit allerlei literarischen Tricks. Zu denen gehört insbesondere die scheinbar eigenmächtig handelnde Figur des Gaustin, Spießgeselle des Autors. Es gibt dermaßen viele historische Verweise, literarische Bezüge und philosophische Thesen, dass der Leser über so manche surreale Konstellation hinweg liest oder das Fehlen von Realität partout nicht empfindet. Er schwebt vielmehr gedanklich in anderen Jahrzehnten, zumal wenn er zu den «älteren Semestern» zählt. Fazit: erstklassig

Ein geniales Experiment

Bewertung aus Villach am 07.06.2022

Bewertungsnummer: 1726235

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Zu Beginn dieser Dystopie steht das Altern im Zentrum, und zwar das Altern mit Demenz. Es wird ein Experiment versucht, in dem Kliniken mit Stationen errichtet werden, in denen jedes Zimmer bezogen auf den Demenzzustand der Patient*innen ausgestattet ist. Ziel dieses Experiments ist nicht nur ein „schöner Tod“, sondern dass die Menschen glücklich altern. Befindet sich zB ein*e Demenzpatient*in im Jahr 1968, wird das Zimmer mit typischen Möbeln jener Zeit eingerichtet, alte Zeitungen werden aufgelegt (der Wetterbericht ist auch heute unzuverlässig), moderne Drinks der Zeit werden bereit gestellt und vieles mehr. „Wissenschaftlich“ anmutend wird argumentiert, dass Demenz und Alzheimer in den kommen Jahren wie ein Virus um sich greifen und viele Menschen in Europa und der westlichen Welt daran erkranken werden. Dies werde Unsummen verschlingen. Man rechnet mit einer hohen Dunkelziffer, denn nicht bei allen Menschen werden diese Erkrankungen diagnostiziert werden und es gibt bis dato kaum Behandlungsmöglichkeiten. Diese Einrichtungen, die sich über Europa ausbreiten, finden jedoch nicht nur Anklang bei Erkrankten, sondern immer mehr Gesunde wollen in die Vergangenheit zurück, in das 20. Jahrhundert, an das heute mit Melancholie gedacht wird und das doch so verheerend war: zwei Weltkriege und der Kommunismus in den Oststaaten. Im zweiten Teil des Romans wird offensichtlich, dass gehandelt werden muss. Immer mehr Menschen wollen der Gegenwart (2021) und der unbekannten, nicht erfreulichen Zukunft fliehen. Die EU-Staaten entschließen sich zu einer Abstimmung in ihren Ländern, in welches Jahr der Staat zurückkehren möchte. Ein Referendum wird beschlossen und „Parteien“ stehen für eine bestimmte Zeit oder Jahreszahl: besonders amüsant fand ich, dass Großbritannien wieder in die Zeit vor dem Brexit zurück möchte, darf aber nicht mitabstimmen, weil es kein EU-Mitgliedsland mehr ist. Ich war sehr begeistert von diesem Buch - dieses Experiment hat schon was für sich. Besonders spannend fand ich die Gedanken des Autors, warum das 20. Jahrhundert aus heutiger Sicht so viel besser sein soll, mit seinen beiden Kriegen und dem Eisernen Vorhang.

Ein geniales Experiment

Bewertung aus Villach am 07.06.2022
Bewertungsnummer: 1726235
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Zu Beginn dieser Dystopie steht das Altern im Zentrum, und zwar das Altern mit Demenz. Es wird ein Experiment versucht, in dem Kliniken mit Stationen errichtet werden, in denen jedes Zimmer bezogen auf den Demenzzustand der Patient*innen ausgestattet ist. Ziel dieses Experiments ist nicht nur ein „schöner Tod“, sondern dass die Menschen glücklich altern. Befindet sich zB ein*e Demenzpatient*in im Jahr 1968, wird das Zimmer mit typischen Möbeln jener Zeit eingerichtet, alte Zeitungen werden aufgelegt (der Wetterbericht ist auch heute unzuverlässig), moderne Drinks der Zeit werden bereit gestellt und vieles mehr. „Wissenschaftlich“ anmutend wird argumentiert, dass Demenz und Alzheimer in den kommen Jahren wie ein Virus um sich greifen und viele Menschen in Europa und der westlichen Welt daran erkranken werden. Dies werde Unsummen verschlingen. Man rechnet mit einer hohen Dunkelziffer, denn nicht bei allen Menschen werden diese Erkrankungen diagnostiziert werden und es gibt bis dato kaum Behandlungsmöglichkeiten. Diese Einrichtungen, die sich über Europa ausbreiten, finden jedoch nicht nur Anklang bei Erkrankten, sondern immer mehr Gesunde wollen in die Vergangenheit zurück, in das 20. Jahrhundert, an das heute mit Melancholie gedacht wird und das doch so verheerend war: zwei Weltkriege und der Kommunismus in den Oststaaten. Im zweiten Teil des Romans wird offensichtlich, dass gehandelt werden muss. Immer mehr Menschen wollen der Gegenwart (2021) und der unbekannten, nicht erfreulichen Zukunft fliehen. Die EU-Staaten entschließen sich zu einer Abstimmung in ihren Ländern, in welches Jahr der Staat zurückkehren möchte. Ein Referendum wird beschlossen und „Parteien“ stehen für eine bestimmte Zeit oder Jahreszahl: besonders amüsant fand ich, dass Großbritannien wieder in die Zeit vor dem Brexit zurück möchte, darf aber nicht mitabstimmen, weil es kein EU-Mitgliedsland mehr ist. Ich war sehr begeistert von diesem Buch - dieses Experiment hat schon was für sich. Besonders spannend fand ich die Gedanken des Autors, warum das 20. Jahrhundert aus heutiger Sicht so viel besser sein soll, mit seinen beiden Kriegen und dem Eisernen Vorhang.

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