Für den Krieg, der in Russland bis vor Kurzem noch als "militärische Spezialoperation" bezeichnet wurde und im Westen "russischer Angriffskrieg" genannt wird, zeichnet sich keine Lösung ab. Das Sterben in der Ukraine schreitet voran. Obwohl dieser Krieg täglich in den Medien präsent ist, bleibt vieles unterbelichtet, denn seine Vorgeschichte wird lediglich unvollständig dargestellt oder sogar ignoriert. Eine zu einfache Schuldzuweisung hat sich etabliert und verringert die Chancen auf eine Verhandlungslösung. Auf der Grundlage von Dokumenten, die hauptsächlich von den USA, der Ukraine, der russischen Opposition und internationalen Organisationen stammen, stellt dieses Buch einen sachlichen Blick auf die Realität dar und öffnet die Tür für eine unvoreingenommene Einschätzung des Kriegs in der Ukraine. Jacques Baud stellt in diesem Buch klar: Es ist höchste Zeit, zurück zu den Fakten und zurück zum Dialog zu kommen.
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Regt zum Nachdenken an
Gertie G. aus Wien am 06.08.2023
Bewertungsnummer: 1994996
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Während der Tage des Wagner-Putsches vor wenigen Wochen schien Putin den Berichten zufolge, nicht mehr ganz Herr des Geschehens zu sein. Die Geister, die er rief, haben sich verselbstständigt. Umso eigenartiger ist es, dass sich diese Söldner-Truppe dann plötzlich anders entschlossen hat. Ist hier viel Geld im Spiel?
Allerdings muss man, wie immer bei den Nachrichten aus dem Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, vorsichtig sein. Wenig davon ist seriös überprüfbar. Daher habe ich mir von diesem Buch einiges erwartet, zumal der Autor lt. Verlag Analyst für den Schweizer Strategischen Nachrichtendienst war und sein Operationsgebiet die (nunmehr ehemaligen) Ostblockstaaten war.
Doch leider wurde ich ziemlich enttäuscht und ratlos zurückgelassen. Mir ist schon bewusst, dass der Verlag Westend oftmals Autoren, die eine freundliche Haltung Russland und Putin gegenüber vertreten, Platz gibt. Und das darf und soll auch so sein.
Der Autor beschwört die westlichen Staaten, sich endlich wieder auf die Fakten zu besinnen und mit Russland auf Augenhöhe zu kommunizieren. Doch wie soll das gehen, wenn Putin Täter/Opfer-Umkehr betreibt? Kann irgendwer (außer Putin und seine Gefolgsleute) wirklich glauben, dass ein kleines Land wie die Ukraine den Riesen Russland überfallen hat?
Der Westen hat 2014 bei der Annexion der Krim durch Russland aus diversen politischen Gründen weggesehen. Seit dem 24.2.2022 macht er das nicht mehr.
Das Verhalten des Westens von 2014 erinnert ein wnig an die Appeasement-Politik von Neville Chamberlain, der Hitler keinen Einhalt gebot, als er das Sudetenland annektierte. Erst als er am 15.3.1939 in Prag einmarschiert, ändert man die Beschwichtigungspolitik und spielt damit Hitler in die Hände.
Es scheint, als könnte aus der Geschichte, spät, aber doch gelernt werden und deshalb wird nun versucht, Putin Einhalt zu gebieten.
Dass der Westen nicht immer die glaubwürdige Rolle innehat, die er sich selbst anmaßt, ist auch klar. Dennoch finde ich die manchmal reißerische Wortwahl nicht angebracht, wenn Russland gelobt und der Westen verteufelt wird. Klar, spielt Propaganda auf beiden Seiten eine Rolle. Die eigenen Verluste werden kleingeredet, die des Gegners vervielfacht. Manche Vorwürfe, die Putin gemacht werden, wie dass er hinter den Gelbwesten-Protesten stehen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Die sind vermutlich von der französischen Regierung schon hausgemacht.
Ich denke, man wird erst mit dem Abstand von 70, 80 Jahren herausfinden, welche Motive hinter dem Krieg zu finden sind. Was will er damit bezwecken, Millionen Menschen in Afrika, die auf das Getreide der Ukraine angewiesen sind, genau dieses durch den Ausfuhrboykott und die Vernichtung der Lebensmittel vorzuenthalten? Denn eigenes Getreide kann er ja in der benötigten Menge auch nicht liefern, ohne seine eigene Bevölkerung dem Hungertod preiszugeben. Auch das hatten wir schon einmal - um die benötigten Devisen für die Kollektivierung der russischen Landwirtschaft aufzubringen, wurde ukrainisches (!) Getreide verkauft. Man erinnere sich an den Holodomor von 1931/32. Möglicherweise hat sich Wladimir Putin verrechnet und ist tatsächlich nicht mehr Herr des Geschehens.
Fazit:
Ganz so sachlich, wie er von sich behauptet zu sein, finde ich den Autor nicht. Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten. Der eine oder andere Gedanken ist es wohl wert, sich damit näher zu beschäftigen. Letztlich kann Jacques Baud die Frage, ob Putin noch Herr des Geschehens ist, nicht schlüssig beantworten. Nach langem Abwägen gibt es 3 Sterne.
Brilliant recherchiert
Bewertung am 01.04.2024
Bewertungsnummer: 2168032
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Man merkt, dass Jacques Baud eine nachrichtendienstliche Vergangenheit hat. Seine Aussagen sind präzise und mit der Quelle hinterlegt, das mit Datum und Zeitangabe. Es ist hochspannend und nicht wertend geschrieben. Der Leser kann sich ein neutrales Bild über die Vorgänge machen, welche zur heutigen Situation geführt haben. Gemäss meinem Hintergrundwissen beurteile ich den Inhalt als korrekt. Auch danke ich Jacques Baud, der in diesem Umfeld gearbeitet hat, für seine schonungslose Offenlegung der Vorgänge in der jüngeren Geschichte um Russland, die USA und der Nato.
Meinung aus der Buchhandlung
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Jacques Baud liefert hier ein sehr spannendes und gut recherchiertes Buch. Alle Aussagen werden mit beigefügten Quellen sowie Datum und Uhrzeitstempeln untermauert. Das Hauptaugenmerk wird auf diplomatische Irrungen des Westens gelegt, ohne dabei gleich eindeutig Position für Russland zu beziehen. Vieles wirkt sehr schlüssig, anderes wäre förderlich gewesen, auch aus anderen Perspektiven zu betrachten. Aber alles in allem ein gutes Buch, welches zum nachdenken anregt.
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