Am Anfang steht eine wissenschaftliche Entdeckung: Wegen eines Unfalls im Gravitationssys-tem stürzt die Erde in die Sonne zurück. «Es wird immer heisser werden, und schnell wird alles sterben», schreibt C.¿F. Ramuz lakonisch dazu. Die Menschen am Ufer des Genfersees wollen das erst nicht glauben und erfreuen sich am schönen Wetter. Aber dann wird klar, dass es vor der Hitze kein Entkommen gibt, die Freude schlägt um in Angst, als die Gletscher schmelzen, die Flüsse austrocknen, die Bäume verdorren. 1922, als der Roman erstmals erschien, wusste C.¿F. Ramuz noch nichts von der Bedro-hung der globalen Erwärmung, der wir heute gegenüberstehen. Doch das düstere Bild, das er in diesem visionären Text in seiner einzigartig verdichteten Sprache zeichnet, liest sich wie eine Prophezeiung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
5/5
05.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
DER Roman zum Klimawandel schlechthin....
DER Roman zum Klimawandel schlechthin. Geschrieben vor über 100 Jahren! Endlich hat der verdienstvolle Limmat-Verlag dieses bedrückende und beglückende Buch des Schweizers C. F. Ramuz ins Deutsche übersetzen lassen. Man meint, Ramuz hätte unsere heutigen Tagesthemen gesehen...
Bewertung
5/5
05.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Durch einen Unfall im Gravitationssystem...
Durch einen Unfall im Gravitationssystem stürzt die Erde in die Sonne zurück.
Die unerträgliche Hitze lässt das soziale Gefüge auseinander brechen.
Dieses 'Gedankenspiel' verfasste Ramuz 1922 - heute liest es sich wie eine Prophezeiung - ein Weckruf!
Herausfordernde Sprache.
Bewertung
5/5
30.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Originaltitel nicht korrekt übersetzt
CHARLES FERDINAND RAMUZ:
« Présence de la mort » (Roman, 1922)
Erste deutsche Übersetzung durch Steven Wyss:
«Sturz in die Sonne» (Limmat Verlag, 2023).
Der grossartige, beunruhigende Roman eines Schweizer Schriftstellers, erstmalig in Deutscher Übertragung veröffentlicht.
Warum wurde der französische Originaltitel völlig verfremdet und nicht wortgetreu übersetzt? Es gibt nämlich den anderen Ramuz-Roman «Si le soleil ne revenait pas » («wenn die Sonne nicht wiederkäme»); also besteht die Möglichkeit einer Verwirrung/ Verwechslung.
Angeblich soll Ramuz einen «Sturz in die Sonne»-ähnlichen Titel ursprünglich geplant, jedoch verworfen haben. Das soll aber nicht heissen, seine ultimative Entscheidung kann ignorieren werden; das ist respektlos. Ein finaler Buchtitel muss ein finaler Buchtitel bleiben, auch in einer Übersetzung – ausser es handelt sich um die Veröffentlichung einer alternativen Buchfassung.
Ich vermute, dass bei dieser vom Limmat Verlag veröffentlichten Übersetzung marktschreierische Gründe dahinterstecken: Der Roman hat nämlich die Klimaerwärmung als Thema; es geht um eine extreme Hitzewelle, die Ramuz im Sommer von 1921 selbst erleben musste und in eine literarische Fantasie umsetzte. Nun soll heute das Buch unbedingt als «prophetischer Klimaroman» vermarktet werden.
Der Titel «Sturz in die Sonne» verkauft sich heutzutage, wo alle über das Klima reden, bestimmt besser als «Présence de la mort» («Anwesenheit des Todes»).
Wenn es hier bereits mit einem fake Titel anfängt, kommen vielleicht auch im Text ähnliche marketing-taktische «Transformationen» vor. Dies sollen Spezialisten herausfinden. Der Roman hat nämlich mit mehr als mit einer Klimakatastrophe zu tun: Es geht um vom Tod bedrohten Landschaften und Menschen – wie die Menschen durchdrehen und wie sie dagegen kämpfen nachdem alle gesellschaftlichen Systeme zerstört werden. Nur wenige werden diese Krise überleben – um dann als Menschen in einer «neuen Form» weiterzuleben; darum geht es bei Ramuz.
Kaffeeelse
4/5
06.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erschreckendes Szenario
Ich sitze gerade in meiner heißen Wohnung, schwitze fröhlich vor mich hin und muss deswegen schon etwas schmunzelnd an die Lektüre dieses interessanten Buches von Charles Ferdinand Ramuz zurückdenken. Thematisch ist es ja geradezu in den Zeiten des Klimawandels und in der Zeit der Letzten Generation ein Volltreffer.
Noch interessanter ist allerdings der Fakt, dass dieses Buch des schweizerischen Autors schon 1922 entstanden ist. Ein Hitzesommer des Vorjahres inspirierte Ramuz zu diesem Werk, welches heute 100 Jahre später fast schon prophetisch klingt und damit leider auch einen unangenehmen Unterton besitzt. Denn dieses Buch trifft, der spröde und auch eigenwillige Klang des Textes macht dieses Buch in meinen Augen noch intensiver, noch dichter. Wäre der Autor einfühlsamer mit seinen auftauchenden Charakteren umgegangen, hätte seine Geschichte mit deren Schicksal effektheischender geschrieben, hätte dieses Buch einen großen Teil seines Zaubers und seiner Intensität in meinen Augen verloren. Denn gerade solche Betroffenheitslektüre gibt es wohl schon genügend und gerade dieser Thematik würde diese Effekthascherei in der heutigen Zeit überhaupt nicht guttun. Gerade diese spröde und schnöde Schreibe lässt mich innehalten, lässt mich nachdenken, lässt mich erschauern. Denn Ramuz erkennt die Menschen hervorragend, erkennt das rücksichtslose Raubtier in uns und gerade dies überzeugt mich so an diesem Buch. Gerade dies lässt in mir den Wunsch auftauchen, dass dieses Buch unbedingt viele Leser bekommt. Andererseits wieder denke ich, dass die Leser, die zu diesem Buch greifen werden, wohl kaum überzeugt werden müssen. Sie werden wohl schon begriffen haben, was auf uns zu kommt, was in diesem Buch so drastisch dargestellt wird, was der gesamten Menschheit Angst machen sollte und nicht nur eine Letzte Generation mobilisieren sollte, sondern uns alle, weil es uns alle angeht. Denn wir leben ja alle auf dieser Erde und ein neuer Planet scheint mir noch nicht gefunden. Ergo gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit! Der Mensch müsste eigentlich sein zerstörerisches Tun auf unserem Planeten einstellen und endlich universeller denken und nicht nur den eigenen Reibach im Kopf haben. Denn ein Sturz in die Sonne bekommt uns glaube ich nicht gut!?!?
clematis
4/5
10.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Apokalypse 1921
Wissenschaftler haben erkannt, dass ein Unfall im Gravitationssystem die Erde zurück in die Sonne stürzen lässt. Hochaktuelle Zeitungsausgaben weisen die Bevölkerung auf das bevorstehende Unheil hin, allerdings schenkt der Ankündigung kaum jemand Glauben. Alles geht seinen gewohnten Lauf, unter Nachbarn winkt man ab oder tippt sich gar mit verdrehten Augen an die Stirn. Schön ist es, gehen wir zum See, erfreuen wir uns am ordentlich getrockneten Getreide und am mundenden Wein. Reaktionen gibt es erst, als die Trockenheit anhält, Bäume verdorren, Gletscher immer mehr im Schmelzwasser versinken.
Mit seiner höchst eigenwilligen, ganz individuellen Schreibweise zeichnet C. F. Ramuz ein Bild der Apokalypse, einer bedrohlichen Klimaerwärmung durch die immer größere Nähe der Erde zur Sonne. Keine Handlung im klassischen Sinn liest man in diesem düsteren Büchlein, eher gleicht dieser Roman einer Galerie von Bildern, Kapitel, welche einzeln und in beliebiger Reihenfolge betrachtet werden können. Einmal ist es jemand, der die Katastrophe aus der Ich-Perspektive beschreibt, dann Personen mit Namen, wie die Brüder Panchaud, die regelmäßig zum Fischen auf den See hinausfahren, und zwischendurch wiederum anonyme Leute ohne nähere Bezeichnung. Wie vor einem großen Gemälde steht der Leser vor Ramuz‘ Text und kann dem großen Ganzen Einzelheiten entnehmen: Menschen, die nicht individuell sterben werden, sondern gemeinsam aufgrund der unerträglichen Hitze, da eine Bäckerin, die noch völlig unbeeindruckt Semmeln verkauft, daneben überfüllte Züge, die Flüchtende transportieren – in den Norden, in den Süden, in die Höhe.
Eindrucksvoll und in einem völlig ungewohnten Stil streut der Autor seine Beobachtungen aus, betrachtet die Art und Weise, wie Menschen ganz unterschiedlich mit der Herausforderung umgehen, wiederholt mehrfach, verneint schon im nächsten Halbsatz und lässt das Chaos auch in die Wahl der Erzählzeit fließen, indem er Gegenwart und Vergangenheit willkürlich durcheinandermischt und damit auch immer wieder den Leser verwirrt und innehalten lässt. Szenen wechseln einander oft ohne Zusammenhang ab, der einzige rote Faden ist die Hitze, welche von Tag zu Tag steigt, heute 38 Grad Celsius, morgen 39, und immer so weiter.
Der Hitzesommer 1921 in Savoyen (Westschweiz) ist Vorbild für Ramuz‘ Roman und möglicherweise nicht nur für den literarischen Text, sondern auch für die einstmals drohende Realität? Die Originalausgabe von Présence de la mort ist bereits im Jahre 1922 erschienen, die Neuauflage 2023 steht dieser in seiner Aktualität um nichts nach.
Gewöhnungsbedürftig, speziell und ganz und gar individuell – in jedem Falle lesenswert: Ramuz‘ Roman Sturz in die Sonne.
Titel Sturz in die Sonne
Autor C. F. Ramuz
ISBN 978-3-03926-055-3
Sprache Deutsch
Ausgabe Gebundene Ausgabe (200 Seiten)
Erscheinungsdatum 10. Mai 2023
Verlag Limmat
Originaltitel Présence de la mort
Übersetzer Steven Wyss
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5/5
19.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine literarische Erkundung menschlichen Verhaltens am Ende seiner Existenz
Auch wenn die Erzählung "Sturz in die Sonne" von C.F. Ramuz anlässlich des Klimawandels als eine dystopische Vorwegnahme wiederentdeckt wurde, so sollte man sie als das nehmen, was sie ist: als eine literarische Erkundung menschlichen Verhaltens am Ende seiner Existenz. Als das Buch im Jahr 1922 publiziert wurde, ahnte der Autor Ramuz gewiss nicht, was heute auf uns zukommt. Außerdem ist die kosmische Katastrophe, der die Menschheit in der Erzählung ausgesetzt ist, auch kein "hausgemachter" Klimawandel. Jedoch in einem Punkt wird Ramuz wohl recht behalten: Das Erste, was die Mehrheit der Menschheit macht, wenn sie eine Nachricht über ihr katastrophales Schicksal vernimmt, ist eben die Verdrängung oder Leugnung des Kommenden. In der Erzählung beginnt die Erde durch ein Gravitationsereignis auf die Sonne zu stürzen und zwar recht rasch: So die Erkenntnisse aus der Wissenschaft und die täglichen Temperaturen beginnen auch von Tag zu Tag anzusteigen.
Wie gesagt, die Nachricht vom drohenden Weltuntergang ging um die Erde und kein Mensch hörte hin, denn die Gefahr war im ersten Moment für niemanden wahrnehmbar. So breitet C.F. Ramuz ein Tableaux in dreißig Abschnitten aus, das die Entwicklung und Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen angesichts des Unausweichlichen herzeigt.
Man würde allerdings den Autor C.F. Ramuz völlig unterschätzen, wenn man ihn auf den Plot der dystopischen Katastrophe festlegen würde. Dieser Plot ergab sich nur aus der Wetterkapriole des Hitzesommer 1921. Schriftstellerisch stand C.F. Ramuz den zeitgenössischen und experimentellen Strömungen in der französischen und schweizerischen Literatur, Musik und bildenden Kunst nahe. Er pflegte Kontakte zu / schätzte Begegnung mit Claudel, Céline, Strawinsky, Gide, Péguy und Budry.
Er verstand sich in erster Linie als Arrangeur oder Komponist mit dem Werkzeug eines Dichters. So ordnen sich die Abschnitte des Buches zu der Impression einer Landschaft angesichts des menschlichen Niedergangs. Mal farbenfroh in der Lüge letzter Tage, mal in den dunklen Strichen der Resignation oder brachial dem Ende entgegen. Der Ton, in dem das Buch geschrieben ist, gleicht dem eines ruhigen Berichts, der versucht den verschiedenen Stimmungslagen gerecht zu werden. Damit schafft er es die Erde, bevor sie endgültig in der Sonne verglüht, noch einmal in den verschiedensten Farbfacetten aufglühen lassen.
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