Miryam ist dreißig Jahre alt und vor einigen Monaten Mutter geworden. Auf der Party einer alten Bekannten strahlt sie mit ihrem weißen T-Shirt um die Wette. Aber ist wirklich alles gut? Seit der Geburt ihres Kindes ist Miryam von Selbstzweifeln geplagt. Sie kann nicht stillen, leidet an postnatalen Depressionen und versucht trotzdem alles richtig zu machen. Getrieben von der Scham über ihre Herkunftsfamilie und aus Angst, ihre gewaltvolle Kindheit zu wiederholen, tut sie alles, um so heil zu wirken wie die Mütter aus ihrem Umfeld und Instagram-Feed. Sie postet weichgefilterte Selfies von sich und ihrem Kind, informiert sich zu bedürfnisorientierter Erziehung und gesunden Beikost-Snacks. Doch Miryam zieht sich immer mehr zurück. Auch online findet sie keinen richtigen Austausch. In den sozialen Medien wird zwar vieles besprochen, nicht aber die eigenen Familientraumata, die möglicherweise wieder auftauchen, sobald man selbst Mutter wird. Sie fühlt sich immer stärker überfordert, auch ihre Partnerschaft geht zu Bruch, doch schließlich findet sie ihren ganz eigenen Weg aus der Krise - und damit doch noch zu sich selbst. Dem Roman gelingt es, mit ironisch-humorvollem Ton die Emanzipation einer jungen Mutter von familiär erlernten, destruktiven Mustern zu erzählen und ihren Weg in die Selbstbestimmtheit aufzuzeigen. Der Roman widmet sich den wichtigen Themen Mutterschaft und familiäre Gewalt mit viel Ironie und Eindringlichkeit. Zwischen Fläschchen und Instagram-Filtern: Im Prinzip ist alles okay zeichnet ein Porträt einer jungen Mutter, die Elternrollen und ihre eigene Kindheit hinterfragt. Das gleichnamige Hörbuch erscheint als Download bei GOYALiT.
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Mutter sein ist nicht immer leicht
Daniela Heinen aus Sankt Augustin am 17.06.2024
Bewertungsnummer: 2224598
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch fand ich wirklich gut und sehr berührend. Es ist eine Geschichte über das Mutter sein, das in diesem Fall nicht rosarot und herrlich ist. Die Protagonistin Miryam leidet unter postnataler Depression und hat mit den Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit zu kämpfen. Sie ist zerrissen zwischen ihren Gefühlen und der Angst, ihrem Kind keine gute Mutter sein zu können und dem Traum, eben diese Mutter zu sein. Darum versucht sie alles, um eine glückliche Fassade aufrecht zu erhalten.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass hier ganz deutlich das Bild einer Mutter gezeigt wird, die eben nicht Influencer-like alle Aufgaben und Gefühle ihrer Mutterschaft genießen und meistern kann. Es macht deutlich, wie man an den Erwartungen der Gesellschaft und seiner Umgebung auch kaputtgehen kann. Und es zeigt, dass es manchmal nötig ist, andere Wege einzuschlagen.
Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Die Autorin konnte mich schnell fesseln, und ich habe das Buch auch kaum aus der Hand gelegt.
Wichtiges Buch und tolles Debüt
mari_liest am 02.12.2023
Bewertungsnummer: 2080344
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„[…] ich könnte Papa verzeihen, […] und endlich eine Familie werden. […] Und er hat ja nicht nur schlechte Seiten. Er hat sogar echt viele gute Eigenschaften: Er ist zum Beispiel großzügig. Er hat mir eine Wohnung besorgt und mir geholfen, von meinem schlimmen Exfreund freizukommen. Er will mich eigentlich immer vor allem Übel beschützen (bis auf vor sich selbst). […]“ (S. 128)
Im Prinzip ist NIX ok. Miryam wurde gerade ungeplant Mutter und lebt mit Baby und Freund Robert nun gemeinsam als kleine Familie. Nix ok ist, weil sie an einer postnatalen Depression leidet, weil sie an einer traumatisch erlebten Kindheit leidet, weil sie daran leidet nicht ernst genommen zu werden und weil sie daran leidet, dass sie nicht perfekt für ihr Kind ist. Sie möchte es besser machen. Ihr Vater: Gewalttäter gegenüber der Mutter, arbeitete seinen Narzissmus und Minderwertigkeitsgefühle an ihr ab. Heute will er davon nix mehr wissen. Darüber sprechen, es nur anzusprechen oder auszusprechen, sich zu entschuldigen, endet immer in einer Katastrophe. Ihre Mutter ließ dies über sich ergehen; als Schutz für die Kinder, konstatiert sie heute, um sich nicht ihrem minderen Selbstwertgefühl stellen zu müssen; romantisiert immer wieder. Miryam schlittert in jungen Jahren in eine Beziehung mit einem gewalttätigen Partner und landet irgendwann in einer Psychotherapie. Ihr einziger Leuchtturm ist ihr Bruder. Lebenspartner Robert scheint DER verständnisvolle Mensch zu sein, den Miryam zur eigenen Rettung (was im Grunde ja nicht möglich ist) benötigt. Und doch zieht er irgendwann ihr Verhalten mit Vorwürfen und eingelassenen Bädern mit Badesalz ins Lächerliche. Und die Schwiegermutter, ja die ist ja ein ganz besonders übles Geschenk.
„Robert sei doch auch nur fertig gewesen, weil ich es ihm mit meinen Launen, meiner Depression so schwer gemacht habe. Sein „Handeln“ sei nur ein Hilfeschrei gewesen, den ich hätte erhören müssen. Es gehe so vielen Frauen auf der Welt so viel schlechter als mir.“ (S. 323)
Und da sind wir nun, meine Lieben. In der Realität. Wie oft ist uns so etwas schon untergekommen?? Vermutlich in anderer Konstellation, mit anderen Themen.
Was alle Personen in diesem Roman vereint: ein klassisches Generationentrauma und Epigenetik! Beschönigung und Romantisierung, schönreden. Sehr gruselig! Dies alles gepaart mit Depressionen, massiver Gewalterfahrung (egal ob körperlich oder verbal) oder Ignoranz. Persönliche Übergriffigkeiten formen das Geschehen(e). Doch was Miryam unterscheidet ist ihr Wille dies zu ändern. Sich aus diesen toxischen Mustern zu befreien und es anders zu machen. Dieser Stress, den sie sich selbst auferlegt, gepaart mit Perfektionismus, lässt sie gefühlt immer scheitern und mehr verzweifeln. In regelmäßigen und kurzen Abständen, wird Miryam alles abgesprochen, was sie fühlt, was sie psychisch niederringt. Sie ist verbal übergriffigen Gesprächen ausgesetzt und reagiert dann in erlernter „Normalität“ darauf. Ihre Schuldgefühle dehnen sich immer mehr aus, ihr Selbstwert rauscht zum Erdmittelpunkt, und dies alles versucht sie mit gefilterten Social-Media-Bildern zu übertünchen, um sich kurzfristig eine heile Welt vorzugaukeln.
„Sie war ein Opfer, ja. Aber meist wirkt sie eher traurig auf mich, dass ihre Ehe vorbei ist, nicht darüber, was in der Ehe passiert ist. Ihr schleppendes Siechtum kommt mir oft vor wie eine Trauer um eine verlorene Identität.“ (S. 215)
Ja, auch Robert ist so einer, den ich gerne mal in der Wanne in den Schaum getunkt hätte. Auch eine Person, die nie zu reflektieren gelernt hat. Vogelstraußpolitik regelt Dinge, das ist sein Motto. Und wenn das nicht hilft, ja dann geht’s mit Wahrheit(en) passend machen, Demütigung oder Vorwürfen. Im Grunde auch eine arme Haut.
„Ich würde Robert in diesen Momenten so gern so richtig eine aufs Maul geben. Und dass ich das gern tun würde, macht mir Angst. […] Mein gesamter Zustand beschämt mich.“ (S. 149)
„Und Robert ist gut im Lügen. Jeder andere Mensch würde ihm glauben. Aber ich habe nicht nur Traumata, sondern auch Skills aus meiner Kindheit mitgenommen.“ (S. 164)
Diese Beklemmung habe ich beim Lesen gespürt, diese Angst, was als Nächstes geschehen wird. Auch ihre „Skills“ Menschen zu lesen, konnte ich so gut nachvollziehen.
Ich möchte diese junge Frau einfach nur in den Arm nehmen, drücken und ihr ein Quäntchen Halt geben. Ihr sagen, dass sie auf einem guten Weg ist und es besser werden wird.
Yasmin Polat bildet in nicht chronologischen Rückblenden das Leben von Miryam ab und fügt die Geschichte wie ein Puzzle nach und nach zusammen. Die eingearbeiteten Themen wie Generationentraumata, Depression, Mutterschaft, Partner*innenschaft, Erwartungen, Narzissmus, dysfunktionale Familien, Täter*innen, Opfer, Selbstliebe, Grenzen (ich könnte noch weiter schreiben …) kommen ganz heimtückisch daher und sind in die Geschichte nahtlos verwoben. Nichts davon ist zu viel oder zu wenig. Und im Grunde sind auch die anderen Personen gefangen in sich selbst; haben alle nicht die Kompetenz (und auch nicht den Willen!) über ihre eigenen Handlungen und Aussagen zu reflektieren oder Fehler zuzugeben. Schuld sind ja, bekanntlich, meist „die Anderen“.
Trotz der Schwere der Themen schafft es die Autorin an vielen Stellen einen humorvollen Ton zu bewahren. Sie vermittelt die Geschichte in einer direkten und authentischen Sprache, die die emotionalen und psychologischen Aspekte des Romans stark zum Ausdruck bringt.
Toller #Debütroman und von mir eine fette #leseempfehlung und viele Leser*innen!
Meinung aus der Buchhandlung
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Eine junge Frau hadert mit ihrer Mutterrolle und sich selbst. Zwischen dem Druck ihres Umfeldes und auf Instagram und Co. immer perfekt zu sein, kämpft sie sich durch ihre Depression, Überforderung und Traumata ihrer Kindheit durch. Die Handlung des Buches ist keine leichte Kost, aber sehr behutsam sowie teils ironisch und witzig geschrieben.
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