Drei Männer verschwinden spurlos auf der MS Rjúkandi, einer Nordatlantikfähre. Zwei Frauen machen sich auf den Weg, um nach ihren verschollenen Freunden zu suchen – und sie besteigen das Schiff nach Island in der festen Überzeugung, bald wieder zu Hause zu sein. Aber schon in den ersten Tagen an Bord fallen ihnen merkwürdige Dinge und die seltsame Atmosphäre auf: Die Crew ist überirdisch gutaussehend, der Kapitän scheint bei aller Erhabenheit und Coolness stets einen Sack voll Schuld mit sich herumzuschleppen, und was zur Hölle ist eigentlich mit der Barfrau los?
In unnachahmlicher Lakonie erzählt Simone Buchholz von Freundschaft und Liebe, von der Endlichkeit des Lebens und der Unendlichkeit des Ozeans, und von Iva und Malin, die sich plötzlich in einer Parallelwelt ohne Ausgang wiederfinden, in der alles, was sie im Leben für wichtig hielten, plötzlich nicht mehr zählt.
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Sehr faszinierender Roman
bookloving am 21.12.2022
Bewertungsnummer: 1846899
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Unsterblich sind nur die anderen“ ist der Titel des neuesten Romans von der deutschen Autorin und mehrfachen Deutschen Krimipreis-Gewinnerin Simone Buchholz, die mich mit ihrer mehrbändigen in Hamburg angesiedelten Krimireihe rund um die unkonventionelle und in jeglicher Hinsicht außergewöhnliche Staatsanwältin Chastity Riley sehr begeistern konnte. Daher war ich auch sehr neugierig, was mich in ihrer Geschichte Experimentelles und faszinierend Neues jenseits der üblichen Muster erwarten wird.
In „Unsterblich sind nur die anderen“ erzählt die Autorin eine Parabel über das Leben, die Unsterblichkeit, Liebe, Vergänglichkeit und Endlichkeit allen Seins und führt uns auf eine skurrile, sehr geheimnisvolle Reise quer durch verschiedenste Genres. Schon der mysteriöse Einstieg in die tiefgründige Geschichte mit der rätselhaften Rahmenhandlung rund um das Buddelschiff für den alltäglichen Bedarf als Bindeglied ist äußerst faszinierend und hat mich zusammen mit der beklemmenden, fast mystischen Atmosphäre auf Anhieb in den Bann gezogen. Im Mittelpunkt der abenteuerlich anmutenden Geschichte stehen die beiden Frauen Malin und Iva, die sich auf die Spurensuche nach ihren verschwundenen Freunden Tarik, Flavio und Mo an Bord des Fährschiffs MS Rjukandi begeben und inmitten des wilden Nordatlantiks in wahrlich unvorhersehbare und sehr seltsame Geschehnisse geraten. Die atmosphärisch dichten Beschreibungen lassen sofort das Kopfkino anspringen. Schon bald entfaltet die Handlung eine ganz eigene Dynamik und entwickelt sich in eine unerwartet mysteriöse Richtung, auf die man sich kaum einen Reim machen kann. Vieles gibt es hier an vagen Andeutungen zu ergründen und einzuordnen: Was hat es beispielsweise mit der überirdisch gut aussehenden Crew oder dem attraktiven, unnahbaren Kapitän und seiner unwiderstehlichen Aura auf sich? Was sollen nur die frechen Kommentierungen der Meeresgöttinnen verschiedener Mythologien in den eingestreuten lyrischen Passagen bedeuten?
Zunehmend verwischen die Grenzen zwischen Realem und Unwirklichen, so dass wir uns etwas irritiert in einer fantastischen bis bizarren Parallelwelt mit grellen, stets wechselnden Szenen und ineinander fließenden Bildern wiederfinden. Gekonnt jongliert die Autorin mit unterschiedlichsten Perspektiven, Zeitebenen und Erzählformen. So ist die Handlung immer wieder durchsetzt von Rückblicken, Tagebucheinträgen, lyrischen Einschüben und schließlich sogar einem kleinen Theaterstück aus 3 Akten. Zudem hat Buchholz auch vieldeutige, spielerische Bezüge zu TITANIC, dem BERMUDA-Dreieck oder gar dem Fliegenden Holländer in ihre überaus originelle, fesselnde Geschichte eingebaut. Wieder klar erkennbar ist auch der unverwechselbare Buchholz-Sound, der zum besonderen Flair des Romans beiträgt – ein ungewöhnlicher Schreibstil, der prägnant, ironisch, derb und mit viel Witz und Esprit daher kommt,knackige Dialoge, wundervolle Sprachbilder und genial untermalt mit einer abwechslungsreichen Playlist.
Auch bei der Zeichnung ihrer wirklich ungewöhnlichen Charaktere bleibt sich Buchholz durchaus treu. So begegnen wir einem bunt gemischten, skurrilen Figuren-Ensemble an Bord des Fährschiffs, allerlei kettenrauchender Charaktere mit derbem Charme und verborgenen Geheimnissen sowie vielen gebrochenen, verletzlichen Seelen, die mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben und sich irgendwo verloren zu haben scheinen. Wirklich nah bin ich allerdings auch den Protagonistinnen nie gekommen.
Gebannt verfolgt man die sich zuspitzende Dynamik, lässt sich mit den Figuren in der Unendlichkeit treiben und versucht sich an immer wieder neuen Interpretationsmöglichkeiten für die rätselhaften Entwicklungen. Bis zum packenden Ende bietet dieser vielschichtige Roman zwischen den Zeilen unendlich viel Raum zum anspruchsvollen Sinnieren und Reflektieren.
Mich ließ er allerdings doch mit seinen vielfältigen Andeutungen etwas verwirrt und ratlos zurück. Dennoch hat mich dieses gewagte, sehr anspruchsvolle und bisweilen albtraumhafte Leseabenteuer, in dem nichts so ist, wie es zunächst scheint, trotz der vielen offenen Fragen bestens unterhalten und sehr fasziniert.
FAZIT
Ein außergewöhnlicher, tiefgründiger Roman – fesselnd, skurril, mystisch, experimentell und rundum einzigartig!
Ein anspruchsvolles, aber ganz besonderes Leseerlebnis für Mutige!
Ein Märchen für Erwachsene:…
Herr Wieland aus GE-Resse am 05.12.2022
Bewertungsnummer: 2788970
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein Märchen für Erwachsene: Auf dieses Buch muss man sich einlassen. Von Beginn an weiß man nicht so recht, woran man ist. Nach der letzten Seite ist einiges klar, längst aber nicht alles. Die Geschichte beginnt ein wenig wie die Unendliche von Michael Ende, in der sich Bastian in ein Buch, in das Buch, verliert. Hier verliert sich jemand in ein Buddelschiff, in das Buddelschiff, dem man später wieder begegnet. Kurz darauf fahren zwei »normale Frauen« drei verschwundenen »normalen Typen« hinterher. Eine dieser Frauen wird letztlich zur Protagonistin, mit der wir das Schiff und seine Merkwürdigkeiten entdecken; die ein Kind hat, um das sie sich sorgt, die sich verliebt, die kämpft und Entscheidungen treffen muss. An Bord und beim Lesen begegnen einem Zauber und Mystik, Liebe und Eifersucht. Begegnen einem Zeiten- und Perspektivwechsel, viele Zigaretten, Schönheit, Drogen, Gruppensex und die ganz großen Fragen der Philosophie. Das alles wechselt in hohem Tempo, wird mit klarer, direkter Sprache erzählt. Die Geschichte ist leicht zu lesen, aber nicht lapidar. Man bekommt derart viele Interpretationsansätze geschenkt, dass dieses Buch nur einmal zu lesen kaum reichen kann. Dabei bleibt es jederzeit spannend. Man mag die Protagonistin begleiten. Man will wissen, wie es ausgeht. Ich las, dass Simone Buchholz bislang Krimis geschrieben hat. Ich mag keine Krimis. Ich verließ mich auf den Satz in der Kurzdarstellung, dass »die Krimi-Autorin mit diesem Roman zu neuen Ufern aufgebrochen« sei. Ich bin nach der Lektüre hochzufrieden.
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