Der 1974 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom und Sozialphilosoph Friedrich August von Hayek (1899-1992) gilt weithin als einer der bedeutendsten Denker des Liberalismus im 20. Jahrhundert. Von Beiträgen zur ökonomischen Theorie ausgehend wandte er sich später den Fragen nach der "Verfassung der Freiheit" und der evolutorischen Entstehung von Institutionen als Grundlage für eine freiheitliche Ordnung zu. Der vorliegende Band befasst sich mit dem Ausgangspunkt dieser Entwicklung und zeigt Hayek auf dem Weg zur Herausarbeitung seiner liberalen Positionen. Der Band enthält (als erster von zwei diesem Themenbereich gewidmeten Bänden) die frühen und unveröffentlichten Schriften aus den 1920er und den frühen 1930er Jahren. Einen Schwerpunkt bildet die kritische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Geldpolitik nach 1918, in der Hayek bereits erste Keime jener künstlich hervorgebrachten Hochkonjunktur sah, die notwendig zur Krise führen müsse. Daneben stehen Beiträge zum Stellenwert der Konjunkturforschung und bereits auf seine spätere Keynesianismus-Kritik vorausweisend die Ablehnung einer Unterkonsumtionstheorie der Krise und der darauf basierenden Krisenpolitik durch Schaffung von Kaufkraft. Darüber hinaus werden auch zwei unvollendet gebliebene Buchmanuskripte erstmals abgedruckt, die ersten Kapitel der noch vor den geld- und konjunkturtheoretischen Hauptwerken entstandenen "Geldtheoretischen Untersuchungen" und die Abschnitte zur "Geschichte des Geldwesens" aus einem für den "Grundriß der Sozialökonomik" geplanten Band über Geld und Kredit.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
1 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Das Büchlein des Wirtschafts-N…
Bwurm aus Zeilarn am 29.10.2017
Bewertungsnummer: 2710874
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Büchlein des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Friedrich von Hayek war sein letztes Werk und ist aus meiner Sicht außerordentlich empfehlenswert. Es ist sein Vermächtnis in Sachen ökonomischer Ordnung und kultureller Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Seine Kernbotschaft zur Gesellschaft ist die Bedeutung der „Erweiterte Ordnung des menschlichen Zusammenwirkens“, von der „... nicht nur die Entstehung, sondern auch der Fortbestand unserer Zivilisation ... abhängen.“ Er verbindet in der Erweiterte Ordnung den Pluralismus der spontanen selbstorganisierten Prozesse in der Gesellschaft mit ihrer gewachsenen Kultur. Eine wesentliche Voraussetzung für den Pluralismus ist die Freiheit der Menschen, aber auch ihre Verantwortung dafür, was sie tun. Im ersten Kapitel weist Hayek darauf hin, dass sich die komplexe Ordnung der menschlichen Gesellschaft lange dem menschlichen Verständnis entzogen hat. Aristoteles glaubte, die Ordnung könne sich nur so weit erstrecken, wie die Stimme eines Herolds reicht. (Er konnte natürlich noch nicht wissen, dass moderne Herolde weltumspannend gehört und gesehen werden können.) In den Horden der Jäger und Sammler wurden das Zusammenwirken noch von Instinkten gesteuert, von zwischenmenschlichen Gefühlen wie Solidarität und Altruismus, von der Fähigkeit zur Empathie sowie von persönlicher Autorität. Das alles aber nur innerhalb der eigenen Horde. Die heutige Ordnung der Gesellschaft in ihrer Größe und Komplexität sieht er als Ergebnis einer Evolution der Kultur der Gesellschaft (bei ihm oft "Tradition" genannt), und nicht als Ergebnis eines rational geplanten Moralsystems. Diese Evolution ist ein ontologischer Prozess, der nur empirisch untersucht werden kann. Die geistigen Fähigkeiten der Menschen entwickeln sich im Rahmen der kulturellen Evolution in einer Ko-Evolution von Kultur und Geist. Dabei entwickelten sich auch abstrakte Regeln menschlichen Verhaltens, die als Verbote oder Gebote das Zusammenleben von Großgesellschaften möglich machen. Dazu gehört Tausch und Handel, Risikobereitschaft, Vertragstreue, persönlicher Besitz uva. Also das, was wir inzwischen durch Gesetze, Ethik und Moral beschreiben. Die Wirkung der Gefühle stand und steht dazu oft im Wiederspruch. Sie beschränkte sich zunehmend auf Nahbereiche wie die Familie, wo sich Menschen dauerhaft persönlich kennen und vertrauen. In weiteren Kapiteln werden in hoher Dichte die Ursprünge von Freiheit, Eigentum und Gerechtigkeit beschrieben, die Evolution der Märkte, die „sozialistische Gegenbewegung“ als Aufstand von Instinkten und scheinbarer Vernunft mit dem Ergebnis der „verhängnisvollen Anmaßung“ zentral geplanter Staaten. Ich möchte noch ein paar Aussagen hervorheben, die aus meiner Sicht gegenwärtig besonders relevant sind: •Der fatale Irrtum der Sozialisten und anderer Ideologen besteht darin, die Evolution der Kultur aus ihrer eigenen theoretischen Denkweise heraus steuern zu wollen. •Die Instinkte der Kleingruppen kann man nicht ungestraft auf anonyme Großgesellschaften übertragen (vgl. „Willkommenskultur“). Die Menschen müssen also allmählich lernen, in beiden Umgebungen zu leben, und sie nicht zu vermischen. •Nur der freie, pluralistische Markt ist fähig, dezentral vorhandenes Wissen der Bürger wirksam zu machen und neues Wissen zu erzeugen. •Die von Hayek geforderte wissenschaftliche Untersuchung des Konflikts zwischen seiner Erweiterten Ordnung und den zentral gesteuerten sozialistischen Gesellschaftsordnungen (Buch S. 4) hat in Form eines empirischen Großversuchs über Jahrzehnte stattgefunden und ist 1989 zugunsten der freien Marktwirtschaft ausgegangen. Fazit: Ich finde das Buch uneingeschränkt lesenswert, vor allem in der heutigen, immer noch stark ideologisch geprägten Zeit. Auch wenn der Listenpreis mit 69 € für ein 195-Seiten-Buch ungewöhnlich hoch ist ...
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.