In diesem Band, dessen englische Originalausgabe "The Fatal Conceit - The Errors of Socialism" 1988, kurz vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums erschien, präsentiert Friedrich August von Hayek die Hauptargumente für eine freiheitliche, marktwirtschaftliche Ordnung und legt sein Manifest über die 'Irrtümer des Sozialismus' vor. Hayek stellt dar, daß der Sozialismus seit seinen Anfängen auf irrigen faktischen und theoretischen Annahmen beruht. Die wiederholten Mißerfolge in vielen verschiedenen Anwendungen der sozialistischen Ideen betrachtet Hayek als direktes Ergebnis dieser Irrtümer. Als "verhängnisvolle Anmaßung" bezeichnet er die Vorstellung, daß der Mensch "die Welt um sich nach seinen Wünschen formen kann". Im Alter von fast 80 Jahren und nach einer lebenslangen Auseinandersetzung mit sozialistischen Vorstellungen schrieb Hayek dieses Buch als Manifest für eine öffentliche Debatte über die Frage: 'War der Sozialismus ein Fehler?' Das Ergebnis ist wahrscheinlich das zugänglichste und gleichzeitig das umstrittenste seiner Werke. Die Hauptaufgabe seines Buches, so Hayek, sei es zu zeigen, daß der Sozialismus als eine der einflußreichsten politischen Bewegungen unserer Zeit von nachweislich falschen Voraussetzungen ausgeht und - entgegen den guten Absichten und trotz der herausragenden Intelligenz mancher seiner Vertreter - den Lebensstandard und sogar das Leben eines Großteils der Menschheit gefährdet hat und gefährdet. Zwar umstritten, aber hervorragend zu lesen, ist "Die verhängnisvolle Anmaßung" ein Werk von beträchtlicher Gelehrsamkeit und Ausdruckskraft, das einen wesentlichen Beitrag zur Debatte über die jeweiligen Verdienste der sozialistischen und kapitalistischen Weltsicht leistet.
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Das Büchlein des Wirtschafts-N…
Bwurm aus Zeilarn am 29.10.2017
Bewertungsnummer: 2710874
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Büchlein des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Friedrich von Hayek war sein letztes Werk und ist aus meiner Sicht außerordentlich empfehlenswert. Es ist sein Vermächtnis in Sachen ökonomischer Ordnung und kultureller Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Seine Kernbotschaft zur Gesellschaft ist die Bedeutung der „Erweiterte Ordnung des menschlichen Zusammenwirkens“, von der „... nicht nur die Entstehung, sondern auch der Fortbestand unserer Zivilisation ... abhängen.“ Er verbindet in der Erweiterte Ordnung den Pluralismus der spontanen selbstorganisierten Prozesse in der Gesellschaft mit ihrer gewachsenen Kultur. Eine wesentliche Voraussetzung für den Pluralismus ist die Freiheit der Menschen, aber auch ihre Verantwortung dafür, was sie tun. Im ersten Kapitel weist Hayek darauf hin, dass sich die komplexe Ordnung der menschlichen Gesellschaft lange dem menschlichen Verständnis entzogen hat. Aristoteles glaubte, die Ordnung könne sich nur so weit erstrecken, wie die Stimme eines Herolds reicht. (Er konnte natürlich noch nicht wissen, dass moderne Herolde weltumspannend gehört und gesehen werden können.) In den Horden der Jäger und Sammler wurden das Zusammenwirken noch von Instinkten gesteuert, von zwischenmenschlichen Gefühlen wie Solidarität und Altruismus, von der Fähigkeit zur Empathie sowie von persönlicher Autorität. Das alles aber nur innerhalb der eigenen Horde. Die heutige Ordnung der Gesellschaft in ihrer Größe und Komplexität sieht er als Ergebnis einer Evolution der Kultur der Gesellschaft (bei ihm oft "Tradition" genannt), und nicht als Ergebnis eines rational geplanten Moralsystems. Diese Evolution ist ein ontologischer Prozess, der nur empirisch untersucht werden kann. Die geistigen Fähigkeiten der Menschen entwickeln sich im Rahmen der kulturellen Evolution in einer Ko-Evolution von Kultur und Geist. Dabei entwickelten sich auch abstrakte Regeln menschlichen Verhaltens, die als Verbote oder Gebote das Zusammenleben von Großgesellschaften möglich machen. Dazu gehört Tausch und Handel, Risikobereitschaft, Vertragstreue, persönlicher Besitz uva. Also das, was wir inzwischen durch Gesetze, Ethik und Moral beschreiben. Die Wirkung der Gefühle stand und steht dazu oft im Wiederspruch. Sie beschränkte sich zunehmend auf Nahbereiche wie die Familie, wo sich Menschen dauerhaft persönlich kennen und vertrauen. In weiteren Kapiteln werden in hoher Dichte die Ursprünge von Freiheit, Eigentum und Gerechtigkeit beschrieben, die Evolution der Märkte, die „sozialistische Gegenbewegung“ als Aufstand von Instinkten und scheinbarer Vernunft mit dem Ergebnis der „verhängnisvollen Anmaßung“ zentral geplanter Staaten. Ich möchte noch ein paar Aussagen hervorheben, die aus meiner Sicht gegenwärtig besonders relevant sind: •Der fatale Irrtum der Sozialisten und anderer Ideologen besteht darin, die Evolution der Kultur aus ihrer eigenen theoretischen Denkweise heraus steuern zu wollen. •Die Instinkte der Kleingruppen kann man nicht ungestraft auf anonyme Großgesellschaften übertragen (vgl. „Willkommenskultur“). Die Menschen müssen also allmählich lernen, in beiden Umgebungen zu leben, und sie nicht zu vermischen. •Nur der freie, pluralistische Markt ist fähig, dezentral vorhandenes Wissen der Bürger wirksam zu machen und neues Wissen zu erzeugen. •Die von Hayek geforderte wissenschaftliche Untersuchung des Konflikts zwischen seiner Erweiterten Ordnung und den zentral gesteuerten sozialistischen Gesellschaftsordnungen (Buch S. 4) hat in Form eines empirischen Großversuchs über Jahrzehnte stattgefunden und ist 1989 zugunsten der freien Marktwirtschaft ausgegangen. Fazit: Ich finde das Buch uneingeschränkt lesenswert, vor allem in der heutigen, immer noch stark ideologisch geprägten Zeit. Auch wenn der Listenpreis mit 69 € für ein 195-Seiten-Buch ungewöhnlich hoch ist ...
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