Schein und Sein um 1920 und das ganz normale Leben eine Berliner Kleinfamilie Familie Hempel lebt in einem Mietshaus in Berlin und stellt die unterste Gesellschaftsschicht dar. Die fleißige Frau Hempel kümmert sich emsig, als eine Art Hausmeisterin/Hauswirtschafterin, um die besser gestellte Oberschicht in diesem Haus. Ihr Wunsch ist es, dass es ihrer einzigen Tochter Laura einmal besser gehen wird. Sie spart eisern jede Mark und es zahlt sich am Ende tatsächlich aus. Frau Hempel hat ein sehr gutes Geschick für Geschäfte und in der Familie "die Hosen" an. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er hat von Beginn an eine gewisse Komik und ich musste oft über die dargestellten Situationen schmunzeln. Z.B. Seite 52: "Auch Ida weihte einer getrüffelten Pute ein letzte Lied" oder Seite 110 " Der See glich einer guten Boullion mit Fettaugen". Schein und Sein werden mit einem ganz besonderen Humor entlarvt. Auch die dargestellten Werte und Lebensumstände werden sehr lebendig beschrieben. Frauen sind in diesem Roman nicht das schwächere Geschlecht. Sie sind schlau, mutig, ausdauernd und helfen sich gegenseitig. Ich konnte mir alle beschriebenen Ereignisse sehr gut vorstellen und bin eine Zeitlang, in eine ganz andere Welt eingetaucht. Anfangs habe ich mich ein bisschen schwer getan, mit der so ganz anderen Erzählweise/Sprache. Wie in diesem Buch wird heute nicht mehr gesprochen. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt. Am Ende der Geschichte gibt es für die Fremdwörter eine kleine Erklärung. Auch zur Autorin Alice Berend, wird einiges berichtet und das fand ich wirklich sehr interessant. Ich finde, Sie war eine ganz besondere Frau. Was wäre wohl aus ihr geworden, mit ihrem besonderen Talent Geschichten zu erzählen, wenn sie in unserer Zeit gelebt hätte? Sie hätte sich sicher entfalten können und wäre nicht nieder gemacht wurden von einem Naziregime und dann verarmt im Exil gestorben. Der Leser/die Leserin bekommt viele Redewendungen geboten und erhält Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit. Ich finde die Geschichte sehr interessant und lehrreich. Eigentlich hat sich die Menschheit doch nicht so stark verändert. Die Charaktere, die Wünsche und Gedanken, die hier beschrieben werden, findet man auch heute noch in den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Ich empfehle allen Lesern/Leserinnen dieses Buch, die sich gern mit der damaligen Zeit auseinandersetzen und Geschichten über das Leben um 1900 mögen. Es ist ein ganz besonderer Roman und ich gebe gern 5 Sterne! Schön, dass der Reclam Verlag diesen alten Roman neu rausgebracht hat und wir die Geschichte von Alice Berend kennenlernen können. Sie ist nicht vergessen!
Sandra
aus Rottweil
5/5
08.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schein und Sein um 1920 und das ganz "normale" Leben einer Kleinfamilie in einem Mehrfamilienhaus in Berlin mit viel Humor erzählt
Familie Hempel lebt in einem Mietshaus in Berlin und stellt die unterste Gesellschaftsschicht dar.
Die fleißige Frau Hempel kümmert sich emsig, als eine Art Hausmeisterin/Hauswirtschafterin, um die besser gestellte Oberschicht in diesem Haus. Ihr Wunsch ist es, dass es ihrer einzigen Tochter Laura einmal besser gehen wird. Sie spart eisern jede Mark und es zahlt sich am Ende tatsächlich aus. Frau Hempel hat ein sehr gutes Geschick für Geschäfte und in der Familie "die Hosen" an.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er hat von Beginn an eine gewisse Komik und ich musste oft über die dargestellten Situationen schmunzeln. Z.B. Seite 52: "Auch Ida weihte einer getrüffelten Pute ein letzte Lied" oder Seite 110 " Der See glich einer guten Boullion mit Fettaugen".
Schein und Sein werden mit einem ganz besonderen Humor entlarvt. Auch die dargestellten Werte und Lebensumstände werden sehr lebendig beschrieben. Frauen sind in diesem Roman nicht das schwächere Geschlecht. Sie sind schlau, mutig, ausdauernd und helfen sich gegenseitig. Ich konnte mir alle beschriebenen Ereignisse sehr gut vorstellen und bin eine Zeitlang, in eine ganz andere Welt eingetaucht.
Anfangs habe ich mich ein bisschen schwer getan, mit der so ganz anderen Erzählweise/Sprache. Wie in diesem Buch wird heute nicht mehr gesprochen. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt. Am Ende der Geschichte gibt es für die Fremdwörter eine kleine Erklärung.
Auch zur Autorin Alice Berend, wird einiges berichtet und das fand ich wirklich sehr interessant. Ich finde, Sie war eine ganz besondere Frau. Was wäre wohl aus ihr geworden, mit ihrem besonderen Talent Geschichten zu erzählen, wenn sie in unserer Zeit gelebt hätte? Sie hätte sich sicher entfalten können und wäre nicht nieder gemacht wurden von einem Naziregime und dann verarmt im Exil gestorben.
Der Leser/die Leserin bekommt viele Redewendungen geboten und erhält Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit. Ich finde die Geschichte sehr interessant und lehrreich. Eigentlich hat sich die Menschheit doch nicht so stark verändert. Die Charaktere, die Wünsche und Gedanken, die hier beschrieben werden, findet man auch heute noch in den verschiedenen Gesellschaftsschichten.
Ich empfehle allen Lesern/Leserinnen dieses Buch, die sich gern mit der damaligen Zeit auseinandersetzen und Geschichten über das Leben um 1900 mögen.
Es ist ein ganz besonderer Roman und ich gebe gern 5 Sterne! Schön, dass der Reclam Verlag diesen alten Roman neu rausgebracht hat und wir die Geschichte von Alice Berend kennenlernen können. Sie ist nicht vergessen!
SiRose
5/5
02.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterhaltsamer 20-er-Jahre-Klassiker über Aufstieg einer kleinen-Leute-Familie
Für die Reihe DAMALS – HEUTE – MORGEN: Reclams Klassikerinnen aus der Versenkung geholt, wurde „Frau Hempels Tochter“ zu Recht von Alice Berend wieder hervorgeholt. Dieser Roman ist 1913 erschienen und somit schon über 110 Jahre alt. In diesem Roman möchte die Portiersfrau Hempel in einem Berliner Mietshaus ein gutes Leben für die Tochter Laura haben. Diese arbeitet für einen Bankdirektor als Kindermädchen und träumt von einem verarmten Grafen, den sie vom Fenster gegenüber beobachtet. Die tüchtige und resolute Mutter Hempel möchte raus aus dem Miethaus in dem unterschiedliche Gesellschaftsschichten leben. Wird das gelingen und es ein Happy End für Laura und ihrem Grafen geben?
Berend (1875-1938) war eine erfolgreiche jüdische Schriftstellerin, deren Werke vor 1933 sechsstellige Auflagen erreichten. Hier erliest man in komischen Beschreibungen vom Berliner Kleinbürgermilieu und erfährt viel vom Hempel‘schen Leben mit „heiterem Darüberstehen“. Das enthält 33 flüssig erzählte farbige Kapitel. Zum Ende gibt es eine Erklärung, dass Orthographie und Interpunktion behutsam modernisiert, aber der Lautstand gewahrt wurde. Das ist wahrlich unterhaltsam mit den Schilderungen des Milieus vom Mietshaus, zum Bauernhof mit See und Badeanstalt bis hin zum großbürgerlichen Haus. Dabei überwiegt der Furor des Kampfes der sich krumm machenden Frau Hempel, deren Sparbücher dadurch wachsen. Man taucht ein in das pralle Milieu der vielzitierten „kleinen Leute“ und erlebt den Aufstieg der Familie einfühlsam mit. Zum Schluss freut man sich mit der Familie. Gönnt der Familie den vorerst zarten Blütenstamm eines vermeintlichen Mandelbäumchen, den aber ein Gärtner irrtümlich gepflanzt hat und zum blaue Früchte tragenden Pflaumenbaum heranreift, worunter sie sich irgendwann alle betten. „Ein verzeihlicher Irrtum. Denn man erkennt den Baum erst an seinen Früchten wie den Menschen an seinen Taten.“ Ein fulminant widerbelebtes Stück Zeigeschichte der goldenen 20-er Jahre.
ullap64
aus Kleve
5/5
26.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Pfiffige Protagonistin mit viel Lebensklugheit
Der Roman wurde bereits vor rund 100 Jahren geschrieben und spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin. Dort wohnt in der Portierswohnung Familie Hempel. Anders als der Titel vermuten lässt, steht in diesem Buch eigentlich Mutter Hempel im Fokus, Mädchen für alles , die das in ihren diversen Nebenjobs verdiente Geld eisern aufs Sparbuch legt, damit es die einzige Tochter Laura einmal besser haben soll. Trotz des harten Lebens verliert hier keiner der Familie jemals den Mut oder die gute Laune, insbesondere die Mutter hat hier eine ganz besondere Art, mit den Widrigkeiten des Alltags geschickt umzugehen.
Die Geschichte hat mich im positiven Sinne sehr überrascht, hat sie doch von ihrer Aktualität nichts verloren. Der Sprachstil ist ein wenig nüchtern und sachlich, die Sätze kurz, passend zur Geschichte, alles jedoch leicht und angenehm zu lesen. Neben der in ihrer Einfachheit doch sehr lebensklugen und geschickt agierenden Mutter Hempel hat mich hier auch der große Zusammenhalt innerhalb der Familie sehr beeindruckt. Ebenso hat die Autorin die damalige Lebenssituation in einem Berliner Hinterhaus sehr plastisch geschildert, dass ich mich direkt mit vor Ort fühlen konnte. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist gut dargelegt, die Botschaft, dass sich aber niemand mit seinem Schicksal begnügen muss und harte Arbeit auch oftmals belohnt wird, kommt bei mir als Leser an. Daher eine klare LEseempfehlung für einen auch nach einem Jahrhundert immer noch aktuellen Roman!
Bewertung
5/5
26.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit Fleiß und Courage gelingt der Aufstieg vom kleinbürgerlichen Berliner Milieu in die bessere Gesellschaft
Frau Hempel wohnt mit ihrem Mann, Schuster Hempel, und Tochter Laura in einer bescheidenen, dunklen Wohnung im Erdgeschoss eines stattlichen Berliner Hauses und versorgt dort die Arbeiten einer Portiersfrau. Stets hilfsbereit und anpackend, und immer wachsam ob sich nicht ein zusätzlicher Taler verdienen lässt, ist sie von morgens bis abends auf den Beinen. Ihre Tochter soll es einmal besser haben; dafür hat sie 3 Sparbüchlein angelegt, die sie in der untersten Schublader der Kommode gut versteckt hat, und die bald die erste zehnstellige Zahl erreichen.
Laura ist eine folgsame, hübsche junge Frau, die nach einer schulischen Ausbildung, durch Vermittlung ihrer Mutter, eine Anstellung in der besseren Berliner Gesellschaft findet. Dabei lernt sie schnell die Welt hinter den glänzenden Fassaden kennen.
Als Frau Hempel ein Haus mit Badeanstalt außerhalb der Metropole angeboten wird, überlegt sie nicht lange. Ihr Wunsch nach Eigenständigkeit und einem besseren Leben sind Grund genug, das Wagnis einzugehen. Zusammen mit ihrem Mann und Laura zieht sie an den See, der im Sommer als Freibad und in den Wintermonaten als Eislaufplatz beliebt ist.
Meine persönlichen Leseeindrücke
„Frau Hempels Tochter“ ist im Zuge der Buchreihe „Reclams Klassikerinnen“ 2025 vom Reclam Verlag neu aufgelegt worden. Ein neues Lesepublikum darf sich somit an diesen Kassenschlager von 1912 erfreuen.
Wie kaum eine andere erzählt Alice Berend in feinem Humor von einer Berliner Kleinbürgerfamilie, die es durch Fleiß, Geschäftssinn und Courage von Frau Hempel zu Wohlstand bringt. Dabei ist Frau Hempel eine einfache, aber überaus energische Frau, etwas füllig und mit Händen, die von körperlicher Arbeit zeugen. Ihr Mann, der fleißige Schuster Hempel, ist die Liebenswürdigkeit in Person. Einfach, aber nicht einfältig, ist er der Ruhepol in der Familie, der auch die hübsche, zierliche Tochter Laura angehört. Sie soll es einmal besser haben; das ist die Triebfeder von Frau Hempel.
„Frau Hempels Tochter“ ist ein Roman, der dem Berliner Milieu verpflichtet blieb, schreibt Margret Greiner in ihrem Nachwort. Alice Berends Romane heben eine detailgetreue, realistische Schilderung der kleinen Leute, die häufig bodenständige Berufe wie Schuster, Portiersfrauen ausübten, hervor. Besonders gelungen ist Berends humoristisch Entfaltung der Themen und Figuren und viele Sätze zeugen von einem mit Erfahrung gesättigten Leben.
Stets zaubern mir Alice Berends Schilderungen ein Lächeln auf die Lippen und ich freue mich mit Frau Hempel, dass sie ein so gutes Händchen bei geschäftlichen Angelegenheiten an den Tag legt. Die mit Detailreichtum hervorgehobenen Romanfiguren und ausgeschmückten Szenen garantieren eine entspannende, spannende Lektüre. So gelingt es mir federleicht, mir das Leben der Familie Hempel vorzustellen.
Natürlich wird Laura die große Liebe finden und natürlich gibt es ein Happy End. Der Roman, der beste Unterhaltung bietet, will mir nicht noch mehr Sorgen aufbürden, als ich schon selber zu tragen habe. „Frau Hempels Tochter“ ist ein Roman zum Zeitvertreib, ein wenig zum Träumen und zum Verlieben, etwas für das Herz und das Gemüt, mit einer ordentlichen Prise an Courage, gesundem Menschenverstand, pfiffigen und flotten Redewendungen und Sprichwörtern.
Einziges Manko ist das Cover, denn die hübsche Frau hat weder etwas mit Frau Hempel noch mit ihrer Tochter Laura zu tun. Das ist das einzige das mich vielleicht etwas irritiert hat, ansonsten bin ich restlos begeistert.
Fazit
„Frau Hempels Tochter“, aus der Feder von Alice Berend, ist ein überaus unterhaltender Roman über Frau Hempel, die es von einer einfachen Portiersfrau zu Wohlstand gebracht hat. Umgeben von ihrem liebenswürdigen Mann und einer folgsamen, hübschen Tochter entkommt Frau Hempel dem kleinbürgerlichen Berliner Milieu und steigt auf in die bessere Gesellschaft. Der Roman besticht durch einen niveauvollen Erzählstil und einem feinen Humor.
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