Die Autorin erzählt ihre Erlebnisse und Erfahrungen als Schwarze in den vierziger und fünfziger Jahren: damals waren Rassismus und Diskriminierung der Schwarzen - besonders noch als Frau - in den USA omnipräsent. Sie erschienen in unterschiedlichem Gewand, oft subtil und verdeckt, aber letztlich doch schwer erträglich. Maud Martha hat all diese „Schmach“ mit einem kämpferischen Geist überstanden, gepaart mit Humor und viel Klugheit. Ein Buch, das auch mit viel Witz geschrieben ist. Sehr lesenswert. Nur ist das Thema vielleicht etwas zu weit weg und schon zu oft behandelt worden, als dass es einen älteren Schweizer Leser wirklich zu faszinieren vermöchte.
Ein wichtiges Buch zum Thema Rassismus
MarieOn am 27.05.2024
Bewertungsnummer: 2209741
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Maude Martha Brown lebt im Chicago der 1940er-Jahre. Als fünfjähriges schwarzes Mädchen wünscht sie sich nichts mehr, als gerngehabt zu werden, was gar nicht einfach ist, denn neben ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Helen scheint sie zu verschwinden.
An einem Schultag im roten Backsteingebäude machte die Sonne kleine Versprechungen. Da wehten mit dem Wind die Kinder heran und um punkt fünf nach neun war der Schulhof leergefegt, keine Kappe oder Haarschleife mehr zu sehen.
Wenn ihre Eltern streiten träumt die kleine Maude von Gorillas, die aus dem Zoo auszubrechen drohen.
Bei einem Besuch im Regal Theater sah Maude Howie Joe Jones, ein riesiges braunes Etwas, dessen Stimme Maude nicht beeindruckte, es hatte sie nicht gepackt.
Das Publikum hatte applaudiert. Befremdlich ausgelassen gestampft. Die Finger in den Mund gesteckt und gepfiffen. S. 20
Sie würde sich nie so zur Schau stellen, ihr inneres nach außen kehren. Sie wollte kein Star sein, wollte der Welt einfach eine gute Maud Martha schenken.
Wenn Maude im Zug saß stellte sie sich vor nach New York zu fahren. Sie lehnte sich im Plüsch zurück und träumte von dem überteuren italienischen Geschirr, den antiken Porzellanfiguren in hellblau und gold. Frauen in schlichten Kleidern zu keineswegs schlichten Preisen, wie sie sich so lässig bewegten als trügen sie irgendwelche Fetzen.
Fazit: Maude Martha ist der einzige Roman, den Gwendolyn Brooks geschrieben hat. Für einen ihrer Gedichtbände hat sie den Pulitzerpreis bekommen. Maude Martha ist eine autofiktionale Erzählung mit kurzen Kapiteln, die recht unabhängig voneinander, wie Kurzgeschichten geschrieben sind. Die Autorin gibt einen klaren Eindruck ihrer Zeit, über ihr Leben und ihren Alltag als „Schwarze Frau“, wie sie sich selbst bezeichnete. Die Sprache ist leichtfüßig und einfallsreich. Die Themen schwer und ungerecht. Es geht um herablassende privilegierte weiße Frauen, die sich für wertvoller halten als ihre schwarzen Angestellten. Weiße Frauen, die so problemlos wie widerspruchslos das N….Wort benutzen. Weihnachtsmänner, die ein schwarzes kleines Mädchen keines Blickes würdigen. Gwendolyn Brooks beschreibt den Rassismus, die Ungleichheit ihrer Zeit, wie ihre Hautfarbe, das Maß ihres Selbstwerts bestimmt, die Art ihrer Ehe und das Glück ihrer Kinder. Es geht um Selbstbestimmung, Anstand und Selbstachtung.
Wie kann man einer Gesellschaft mit Selbstbestimmung begegnen, wenn diese das nicht vorsieht? Wie lässt sich Anstand kultivieren, wenn einem das Zuhause jederzeit von der Bank entrissen werden kann? Wie entwickelt man Selbstachtung, wenn man das weniger geliebte Kind der Eltern ist? Wenn hellhäutigere Schwarze aufgrund der dunkleren Hautfarbe auf einen herabschauen? Wenn ein Mann die Beziehung zu einer Frau nicht aus Begehren, sondern aus einem realistischen Blick auf die eigenen Möglichkeiten eingeht? S. 147
Daniel Schreiber
Ein erhellendes kleines Buch, das kaum etwas an Aktualität eingebüßt hat, das ich unbedingt empfehlen möchte.
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