Die Autorin Aliza erhält einen anonymen Brief mit dem Auftrag, einen Roman über ein großes Thema zu schreiben: das Leben. Sie soll dafür unter den Bewohnern eines kleinen Ortes im österreichischen Waldviertel recherchieren. Dazu schenkt der Absender ihr eine hohe Geldsumme. Aliza lässt sich auf den Vorschlag ein und macht sich auf den Weg. Bei ihrer Arbeit begegnet sie kauzigen und eigensinnigen Menschen, und allmählich eröffnen sich ihr die wesentlichen Dinge: die Zartheit und Wucht der Natur – und die Kraft der Liebe.
Ein berührender Roman über den Wert und die Schönheit des Lebens – mit wirkmächtiger Sprache erzählt vom Autor der Bestseller »Fuchserde« und »Milchblume«
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
06.05.2021
eBook (ePUB 3)
Was die Welt im Innersten zusammenhält
Ein feines Buch, ein besonderes, ungewöhnliches und aus meiner Sicht ganz bezauberndes Buch ist Thomas Sautner hier geglückt. Auch wenn es weit davon entfernt ist, ein philosophischer Roman zu sein, geht es unter dem Deckmäntelchen einer Geschichte voller kauziger Figuren doch um's Eingemachte: die großen Fragen der Menschheit, vor allem die Frage (frei nach Goethe), was die Welt im Innersten zusammenhält. Hierauf gibt es am Ende sogar einen Hauch von Antwort - es ist eben dann doch nur ein Roman und keine philosophische Abhandlung.
Ein Wort zur Handlung: Schriftstellerin Aliza Berg bekommt einen anonymen Auftrag: Ein Buch soll sie schreiben, Honorar ist reichlich vorhanden - einzige Bedingung: Es muss um eine rurale Gegend rund um das fiktive Litstein in der "Grenzregion" gehen, und um die wenigen Bewohner:innen dieser Gegend. Anhand dieser soll das Buch dem Leben hinter die Kulissen schauen. Aliza fühlt sich herausgefordert und bricht umgehend auf nach Litstein, wo sie ein gutes Jahr bei Gräfin und Graf von Hohensinn im hiesigen Schloss residiert - und die Leser:innen dürfen sie auf diese ungewisse Mission begleiten.
Mir hat besonders der zuerst ungewohnte, dann aber gut aufgehende Spagat zwischen herkömmlicher Handlung und leicht wissenschaftlich anmutenden Ausführungen gut gefallen - denn Thomas Sautner verbindet beide Seiten der Medaille durch feinen, hintergründigen Humor. Verbunden mit einem Faible für abseitige Szenen und Charaktere kommt das Buch über weiter Strecken sehr leicht daher, behält jedoch gleichzeitig immer das große Ganze im Blick. Und so freue ich mich schon sehr darauf, die zahlreichen Vorgänger-Romane des Autors zu lesen, die mir (vollkommen unverständlich!) bisher verborgen geblieben sind.
Bewertung
aus Söhrewald
5/5
02.05.2021
eBook (ePUB 3)
Über das Leben nachdenken
Ich beginne mal mit dem Fazit: „ Ein schönes, nachdenkliches, aber auch anspruchsvolles Buch.“
Die Schriftstellerin Aliza Berg, welche von ihren unbekannten Auftraggeber „G“ in das schone Litstein geschickt wird, um sich über die dort lebenden Personen ein Bild zu machen, die Lebensweise zu recherchieren , aber nur in dem vorgegebenen Gebiet. Schon eine ungewohnte abstrakte Auftragsvergabe, die bereits vor der Abreise mit einem Vorschuss belohnt wird, oder besser, als Anreiz? Ja sie nimmt den Auftrag an und nimmt die Leser sofort mit auf die Reise. Gemeinsam mit Graf und Gräfin von Hohenstein und weiteren Figuren des Romans durchwandert sie das kleine und große der Existenz und durchleuchtet mit Wortspielen, teils poetisch, den Sinn und das Sein des Lebens. Manche Passagen muss man nachklingen lassen, andere lassen sich flüssig lesen. An manchen Stellen auch etwas langatmig.
yellowdog
5/5
28.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Origineller Roman
Der Roman hat eine interessante Ausgangssituation. Eine Schriftstellerin mit dem Pseudonym Aliza Berg bekommt unerwartet einen anonymem, aber hochdotierten Auftrag über das Leben und die Menschen in dem Dorf Litstein zu schreiben.
Das ermöglicht ein Spiel mit literarischen Mitteln und der Entstehung eines Romans, in der die Schriftstellerin schließlich selbst ein Teil wird.
Es bleibt auch ein Drang, die Identität des geheimnisvollen Mäzen G. herauszufinden.
Bestimmt wird der Roman anfänglich vom Blickwinkel der Icherzählerin, dem man gerne folgt, denn sie lässt das Ganze auf sich wirken und hat auch viel Wortwitz. Die Begegnung mit den Menschen in Litstein, die sie schon freudig erwartet haben, sind hinreißend geschrieben.
Im zweiten Teil wechselt die Perspektive und lässt eine Blick von Außen auf die Schriftstellerin und ihrer literarischen Recherche zu.
Im dritten Teil ist es dann wieder überwiegend Alizas Perspektive.
Es ist typisch für viele Bücher des Picus-Verlags, dass sie originell und anspruchsvoll, aber auch ansprechend und voller Leichtigkeit sind. Und Thomas Sautner macht mit seinem einfallsreichen Roman „Die Erfindung der Welt“ da keine Ausnahme. Das schätze ich sehr.
Circlestones Books Blog
5/5
28.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielschichtig, poetisch, einfühlsam, humorvoll
„Für gewöhnlich fügen sich Romanfiguren zumindest im Groben der Idee des Buches, diesmal aber entwickeln sie nicht nur, wie man gerne sagt, ein Eigenleben, diesmal boykottieren sie mich regelrecht. Sie pfeifen auf mich.“ (Zitat Seite 359)
Inhalt
Aliza Berg, eine erfolgreiche Schriftstellerin, erhält von einem unbekannten Auftraggeber das schriftliche Angebot, einen Roman zu schreiben. „G.“, so nennt sich die Person, überweist sofort eine großzügige Anzahlung, die sie auf jeden Fall behalten kann. Eine einzige Bedingung ist an den Auftrag geknüpft, es muss ein Roman über das Leben selbst sein, am Beispiel einer genau vorgegebenen Region und aller Bewohner. Die im Auftrag markierte Gegend liegt außerhalb einer Ortschaft und zeigt hauptsächlich Wald, Wiesen und einige Teiche. Es scheint nur ein Haus und eine Burg oder Schloss zu geben. Dass es sich tatsächlich um beides handelt, ein neues Schloss und eine mittelalterliche Burg, sieht Aliza, als sie nach Litstein reist und sie wohnt sogar in diesem Schloss, als Gast von Gräfin Elli und Graf Leopold Hohensinn. Zu ihrem Ärger war ihr Kommen von G. groß angekündigt worden und sie will sofort umkehren, zurück fahren, aber es kommt anders.
Thema und Genre
In diesem Roman geht es um das Leben und seine besonderen Überraschungen, um den Lauf des Jahres und die vielfältige Schönheit der Natur, auch in den kleinsten Dingen, um Literatur, das Schreiben, Freundschaft und die Liebe.
Charaktere
Es sind schrullige und in ihren manchmal schroffen Eigenheiten liebenswerte Figuren, denen die Schriftstellerin begegnet. Spontan beschließt sie, sich nicht um die Vorgaben von G. zu kümmern, sie allein entscheidet, welche Menschen sie als Figuren in ihren Roman aufnimmt. Aliza lernt alle ihre Figuren erst kennen, ich habe mit großem Vergnügen auch Bekannte aus Großmutters Haus wiedergetroffen.
Handlung und Schreibstil
„An jenem Abend war ich seit etwa zwei Wochen in der Gegend. Seit zwei Wochen auf Recherche für einen Roman, von dem ich noch nicht wusste, ob ich ihn schreiben würde.“ (Zitat Seite 10). Das Gespräch an jenem Abend führt, ebenso wie Elli Hohensinn, mit dazu, dass sie bleibt. Beinahe ein Jahr lang recherchiert Aliza Berg, beobachtet ihre Figuren, lernt ihre Geheimnisse kennen und die ihr bisher unbekannten Seiten der Natur, weil sie sich Zeit nimmt, alles zu beobachten. Es sind lustige Begebenheiten, sehr skurrile Erlebnisse und sehr traurige. Der Autor spielt mit unterschiedlichen Erzählperspektiven, stellt nicht nur abwechselnd eine seiner Figuren in den Mittelpunkt, sondern es kann auch plötzlich ein Teil der Natur sein, oder Aliza als Ich-Erzählerin. Mit einem humorvollen Augenzwinkern beobachtet er seine Schriftstellerin bei ihren Recherchen, führt sie immer wieder in überraschende Situationen. Verbunden mit der poetischen, leichten und gleichzeitig eindrücklichen Sprache, den wunderbar detaillierten Schilderungen der Natur und der Menschen, ergänzt durch eingestreute philosophische Betrachtungen, führt dies zu seinem Roman, in den man versinkt und plötzlich mit Bedauern bemerkt, schon an der letzten Seite angekommen zu sein.
Fazit
Der Autor lässt in diesem Roman die Schriftstellerin llse Hofstätter während einer Vorlesung über Literatur sagen: „Alles, was sie zu wissen glaube, sei, Literatur solle mutig, ja übermutig sein, solle Kopf- und Herztöne zusammenführen, durcheinanderwirbeln und spielerisch wieder auffangen. Dann sei in ihr alles enthalten, selbst das, was ungesagt geblieben ist.“ (Zitat Seite 394) Besser kann man diesen Roman nicht beschreiben.
Philo
aus Frankfurt a.M.
5/5
25.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anders als erwartet, aber unglaublich gut
Das war mein erstes Buch von Thomas Sautner. Ich bin total begeistert von der Geschichte, auch wenn sie ganz anders verlief als ich es mir aufgrund der Buchbeschreibung vorgestellt habe. Die Sprache und vor allem wunderbare Wortschöpfungen haben mich für den Autor eingenommen.
Die Schriftstellerin Aliza Berg fährt nach einem anonymen Auftrag, mit G unterzeichnet, und vorab bereits hoch dotiert, in den kleinen Ort Litstein, um dort das geforderte Buch über „das Leben“ zu schreiben. Der Radius, in dem die zu beschreibenden Menschen leben, ist klein, mittendrin Burg Hohensinn, in der das gräfliche Ehepaar Elisabeth und Georg von Hohensinn lebt. Hier quartiert sich Aliza ein. Es sind nicht viele Protagonisten, denen man begegnet, aber alle sind besondere Personen, die in nicht erwarteten Beziehungen zueinander stehen.
Jede einzelne Figur ist gut charakterisiert, und ich konnte mir alle sehr gut
vorstellen und ihre zum Ausdruck gebrachten Gefühle verstehen.
Mal wird die Geschichte in der Ich-Form aus Sicht von Aliza beschrieben, mal aus der Sicht eines unbekannten Erzählers.
Auf dieses Buch muss man sich einlassen. Der Autor legt sein Augenmerk nicht nur auf seine Protagonisten, sondern auch auf die die Burg umgebende Landschaft
mit großem Waldbestand und Seen. Sein Anliegen ist es, den Lesern Flora und Fauna näherzubringen. Der Ausflug ins Weltall hat mich überwältigt, aber auch ein wenig überfordert.
Es ist ein ganz wunderbares Buch, dem ich viele Leser wünsche und es deshalb mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung versehe.
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4/5
25.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch über das Schreiben von dem selbigen Buch
Tatsächlich und wahrhaftig, vollkommenes Rating sind von mir 3,5 Sterne … oder wenn es einem lieber ist und im Zuge des Buches passender wären wohl 7,5/10 Sterne.
Sautner schafft es immer wieder sehr simpel, einfach, verständlich, immens komplizierte Themen aufzugreifen. Und diese in tatsächlicher Handlung zu verstecken. So wie er die Welt und das Leben in seinen Figuren versteckt.
Und vielleicht versteckt er auch sich selber in seinen Figuren. In Aliza Berg zum Beispiel. Das jedoch hat es geschafft mich bis jetzt zu verwirren und das ist das größte Mysterium, die dringlichste Frage, die sich mir stellt; hat er dieses Buch geschrieben? Gibt es Thomas Sautner wirklich? Wer ist Aliza Berg? Wer ist G.? Wer ist Autor dieses Romanes? Interpretiere ich zu viel in die Danksagung hinein??
Ein tolles Werk, dass einen die eigene Existenz hinterfragen lässt, Antworten bietet - zwar vielleicht nicht verrät auf welche Fragen, aber es bietet Antworten — und gekonnt die Liebe zur Literatur, zur Sprache und zum Schreiben offenlegt. ✍
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