1629 begibt sich die neunjährige Mayken mit ihrem Kindermädchen auf eine abenteuerliche Reise. Auf dem berühmtesten Schiff der holländisch-indischen Kompanie, der Batavia, will sie nach Java zu ihrem Vater, an den sie sich kaum noch erinnern kann. Fasziniert von dem Leben an Bord, erobert sie mit ihrer Neugier das riesige Schiff und gewinnt Freunde, wahre und falsche, auf Deck und unter Deck. Freunde, die ihr helfen zu überleben, als das Schiff auf ein Riff aufläuft und Chaos und Terror ausbrechen.
1989 ist der neunjährige Gil fasziniert von dem Schiffswrack der Batavia, das Wissenschaftler an der Küste vor einer kleinen Insel zu bergen versuchen. Seit dem Tod seiner Mutter lebt der Junge bei seinem Großvater, einem wortkargen Fischer, mit dem auf der Insel keiner etwas zu tun haben will. Das Leben mit dem alten Mann verstärkt in dem schüchternen Jungen das Gefühl der Einsamkeit. Doch vor allem bedrückt ihn, dass er nicht über die Geschehnisse nach dem Tod seiner Mutter reden kann.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
mariederkrehm
5/5
13.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wieder mal ganz außergewöhnlich
Dies ist die Geschichte des Segelschiffs Batavia, das 1629 vor der Westküste Australiens gesunken ist. Es ist ebenso die Geschichte der neunjährigen Mayken, die auf der Batavia nach Java zu ihrem Vater reist. Und es ist die Geschichte des gleichaltrigen Gil, der 1989 nach Beacon Island zu seinem Großvater gebracht wird - auf eben jenen Landflecken, den die Schiffbrüchigen der Batavia einst für eine rettende Insel gehalten haben.
Vor der Lektüre sei angeraten, die historische Rahmenhandlung zu recherchieren, denn der Roman gibt die Wahrnehmungen der Kinder wieder und lässt das aus, was sie nicht erleben oder was die Erwachsenen ihnen zu wissen ersparen. Andernfalls bleibt der sogenannte „Suspense“ aus, also die Spannung, die das Vorhersehbare beim Lesen erzeugt.
Dies wäre kein Jess Kidd-Roman, wenn übernatürliche Wesen und geisterhafte Verbindungen ausgespart und die Brücke zum Jenseits ausgelassen würde. Das Buch ist wieder mal außergewöhnlich und überhaupt ganz großes Kino.
Der Übersetzerwechsel tut dem Werk (Original: The Night Ship) allerdings nicht gut. Die Sätze rattern über weite Strecken eintönig voran, es fehlt die Finesse, der Wortreichtum und insgesamt der Schmelz, mit dem das Übersetzerpaar Wasel und Timmermann die drei vorhergehenden Romane der britischen Autorin überzogen haben.
Bewertung
5/5
12.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unheimlich spannend - im wahrsten Sinne des Wortes
Jess erzählt uns die Geschichte zweier neunjähriger Kinder auf zwei Zeitebenen.
Mayken sticht 1628 mit der Batavia, einem Schiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie in See, um nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem Vater zu gelangen, einem reichen Handelsvertreter in Java. Mayken ist ein aufgewecktes, neugieriges Kind, dass sich nicht um Verbote schert, und die Langeweile auf der mehrmonatigen Reise damit verbringt, die unteren Decks der Batavia zu erforschen. Ich mochte Mayken sofort, ihre Unbekümmertheit, ihre Furchtlosigkeit, ihre Freundlichkeit zu jedermann. Doch die Eintönigkeit, die fremden Geräusche, die Gerüchte um die unteren Decks lassen alte schaurige Geschichten lebendig werden. Bullebak, ein aalähnliches Wesen treibt sein Unwesen an Bord und ist angeblich für den Tod von einiger Menschen verantwortlich.
Die Batavia sank vor der Küste Westaustraliens, die wenigen Überlebenden stranden auf einer kargen Insel. Die anschließende Meuterei wird vielen von ihnen das Leben kosten. (So weit die reale Geschichte.)
1989 wird der neunjährige Gil auf dieser Insel ankommen, auf der sich in der Saison ein paar Langustenfischer in kargen Behausungen niedergelassen haben. Auch Gil hat seine Mutter verloren und soll nun auf Beacon Island seinem wortkargen Großvater beim Fischen helfen. Hatte er bisher kein leichtes Leben, so wird es ihm hier nicht besser gehen, steht er doch schnell im Kreuzfeuer der rivalisierenden Erwachsenen. Das Einzige, was Gil fasziniert, sind die Ausgrabungen der Wissenschaftler, die die Überreste der damals gesunkenen Batavia bergen. Auch diese Gegend ist wie geschaffen für gruselige Geschichten, heißt es doch, Little Mays Geist würde noch immer auf der Insel leben.
Das schöne friedliche Cover täuscht darüber hinweg, was wir in Kidds neustem Buch zu erwarten haben. Es ist mein 2. Buch der Autorin, aber ich bin jetzt schon ein großer Fan von ihrem außergewöhnlichen Erzählstil. Auch hier begegnen wir wieder typischen Außenseitern und Übernatürlichem. Man sollte hier zumindest etwas für Schauergeschichten übrighaben und sich mitreißen lassen.
Ich mochte es sehr, wie sie die beiden Geschichten fiktiv miteinander verknüpfte. Gerade das Wissen um das wahre, grausame Ende der Passagiere der Batavia hat die Spannung enorm angezogen. Doch auch in Gils Geschichte liegt eine spürbare Bedrohung, die sich parallel zuspitzt. Hier wird von menschlichen Abgründen, Elend, Überlebensinstikt, Ungerechtigkeit und Außenseitern erzählt, das mir zum Teil sehr nahe gegangen sind. Einzig die Zeit, die Mayken auf dem Schiff mit ihren Erkundungen verbringt, ist zumindest teilweise heiter, wenn auch immer mit lauerenden Gefahren gespickt. Doch die Düsternis, die Kidd hier gekonnt inszeniert, hat mich gepackt. Sie hat zwei Welten konstruiert, die für zarte Kinderseelen nicht die richtigen Orte sind und doch müssen Mayken und Gil irgendwie damit zurechtkommen und Strategien entwickeln, nicht daran zu zerbrechen. Auch da hat mich Kidd überzeugt, dass es oftmals nur die Flucht in eine Fantasie- oder Scheinwelt sein kann.
Wahrscheinlich wird die Geschichte aufgrund des Übernatürlichen nicht jedermanns Geschmack sein, aber ich wurde bestens unterhalten. Aber wer historischer Abenteuergeschichten mag, ist hier mit Sicherheit richtig.
J. Kaiser
5/5
02.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Geschichte, ein Highlight
Die neunjährige Mayken und ihre Kindermädchen gehen 1628 auf eine abenteuerliche Reise. Sie will zu ihrem reichen Vater nach Java. An Bord kennt man sie bald. Sie gewinnt Freunde gute und weniger gute. Als das Schiff auf ein Riff aufläuft helfen ihr Freunde zu Überleben. 1989 ist Gil neunjährig und schaut fasziniert den Wissenschaftlern zu, die vor der Küste ein Wrack bergen wollen. Der junge lebt nach dem Tod seiner Mutter bei seinem Grossvater. Auf der Insel will niemand mit dem Fischer etwas zu tun haben. Mich hat das Buch fasziniert, weil zwei Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen geschildert werden. Und doch haben beide etwas Gemeinsames. Zum einen ist diese Geschichte grossartig aber auch atemberaubend und grausam. Mich hat die Geschichte von Beginn an gefesselt und je länger man darin liest, desto neugieriger wird man, wie es Enden wird. Das Buch konnte ich fast nicht weglegen. Das Buch kann ich empfehlen.
Hanna von Buchsichten
aus Düsseldorf
5/5
23.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Lektüre, die tief in menschliche Abgründe blicken lässt
Im Jahr 1628 geht die neunjährige Mayken gemeinsam mit ihrem Kindermädchen Imke im holländischen Texel an Bord der "Batavia". Das Ziel der beiden ist die gleichnamige Stadt in Indonesien, wo Maykens Vater lebt, zu dem sie nach dem Tod ihrer Mutter gebracht werden soll. Doch vorher müssen sie eine monatelange Reise überstehen, bei der die Passagiere von Krankheiten heimgesucht werden. Mayken ist sich sicher, dass der unheimliche Bullebak dahintersteckt, ein Monster, auf das sie Jagd machen will.
361 Jahre später wird der neunjährige Gil nach dem Tod seiner Mutter zu seinem Großvater Joss gebracht, der Fischer auf Beacon Island ist, einer kleinen Insel vor der Küste Westaustraliens. Hier leben nur wenige Menschen: Andere Fischer, die Joss allesamt nicht zu mögen scheinen, und Wissenschaftler, die sich für das Wrack der "Batavia" vor der Insel sowie interessieren sowie alles, was sich auf der Insel von den Schiffbrüchigen finden lässt.
Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Mayken und Gil erzählt und beginnt jeweils mit ihrem Eintreffen in einer neuen Umgebung: Mayken an Bord der Batavia und Gil auf Beacon Island. Auch wenn die beiden 361 Jahre trennen, so gibt es einige Paralellen zwischen Maykens Erlebnissen im Jahr 1628 und Gils im Jahr 1989: Beide haben viele lange Tage ohne gleichaltrige Spielgefährten vor sich und nutzen ihre Fanatsie, um sich die Zeit zu vertreiben. Dabei üben schaurige Geschichten eine Faszination auf sie aus. Mayken schleicht sich auf die unteren Decks, wo sie verschiedenste Geschichten wie die des Bullebaks aufschnappt, während die Inselbewohner Gil vom Schicksal der Schiffbrüchigen der Batavia erzählen und des Geistes von Little May, der auf der Insel umherstreifen soll.
Die Geschichten bieten den Kindern Ablenkung und Zeitvertreib, während sich ihre eigene Situation zuspitzt. Trotz ihrer kindlichen Unschuld ziehen sie durch ihr Verhalten oder auch nur durch ihre Existenz den Unmut Erwachsener auf sich. Gespannt verfolgte ich ihre Abenteuer. Trotz einiger amüsanter Momente herrscht eine bedrohliche Atmosphäre vor. Das fürchterliche Schicksal von Mayken und der "Batavia" ist durchs Gils Perspektive bekannt, und auch bei ihm baut sich durch das Verhalten der anderen Fischer gegenüber ihm und seinem Großvater eine Drohkulisse auf.
Die Autorin Jess Kidd schafft es, die beiden Handlungsstränge immer wieder auf subtile Weise miteinander zu verweben. Dabei hat sie gelungen historische Fakten mit Fiktion vermischt und daraus eine ergreifenden Geschichte über Verlust, Trauer und Traumata gemacht. Die Lektüre ist keine leichte, sie lässt tief in menschliche Abgründe blicken. Die Schicksale von Mayken und Gil haben mich sehr berührt und den Roman zu einem eindrücklichen Leseerlebnis gemacht, das lange nachklingt.
Mikka Liest
aus Zwischen den Seiten
4/5
10.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lass mich meine Eindrücke in…
Lass mich meine Eindrücke in Worte fassen: »Fesselnd«, »düster« und »traurig«? Mhm-hm. »Bewegend«? »Überraschend«? »Tragisch«? Ja, ja und abermals ja. Diese eindringliche Geschichte entfaltet eine enorme Sogwirkung, obwohl sie alles andere als leichte Unterhaltung ist – und manchmal nur schwer zu ertragen. Ich taste mich weiter voran: »Einfallsreich«? »Tiefgründig«? Auf jeden Fall. Und »grauenvoll«, oh ja. Die Autorin lässt in zwei Handlungssträngen – einer spielt in 1628/1629, einer in 1989 – zwei neunjährige Kinder auftreten, deren Schicksal deutliche Parallelen aufweist. Beide haben kürzlich ihre Mütter verloren und kennen ihre Väter nicht; beide brechen mit konventionellen Erwartungen. Mayken, ein Mädchen ‘aus gutem Hause’, treibt sich lieber als Junge verkleidet unter Deck herum. Gil, der eigentlich seinem Großvater beim Fischen zur Hand gehen soll, trägt gerne schöne Kleidung und Lippenstift. Beide Kinder sind vielschichtige Charaktere, die nicht rührselig auf ihr herzzerreißendes Schicksal reduziert werden. Durch ihre Augen wirken die Geschehnisse und die anderen Charaktere oft wie direkt aus einem Märchen gegriffen, und dennoch glaubhaft und schlüssig. Kidd greift eine historische Begebenheit auf: den Schiffbruch der Batavia, der 1629 in einem Massaker endete. Sie verbindet diesen ganz realen Horror mit magischem Realismus und Folklore, um menschliche Abgründe auszuloten – und das mit schonungsloser Ehrlichkeit. Dieses Miasma von Trauma, Verlust und Gewalt schnürt dir als Leser:in die Kehle zu, und doch, und doch … Der wunderschöne Schreibstil geleitet dich durchs finstere Tal; hier und dort blitzen als Leuchtfeuer die positiven Aspekte der menschlichen Natur auf, wie ein selbstloses Geschenk oder ein Moment des stillen Trostes. Die Autorin brilliert mit einer einzigartigen Erzählweise voller Atmosphäre und lebendiger Bilder – und einer Prise Humor, die hilft, das Unerträgliche erträglich zu machen. Dennoch solltest du das Buch in dem Wissen beginnen, dass dich eine schmerzlich bedrückende Handlung erwartet. Doch in meinen Augen lohnt sich das, denn Jess Kidd entwirft ein bestechendes Panorama der menschlichen Seele.
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