Akira Kido ist Scheidungsanwalt und beschäftigt sich mit kaputten Ehen. Doch auch seine eigenen Gewissheiten – seine Ehe, seine Familie – scheinen ihm brüchig. Durch einen neuen Fall gerät er in eine Parallelwelt, in der Männer mit bedenklichen Vergangenheiten Identitäten tauschen und ganze Familien mit Lügen leben.Kido kann sich dem fatalen Verlangen immer weniger entziehen: Was, wenn auch er das Leben eines Anderen führen würde?
Was geschieht, wenn wir mit einer anderen Person die Identität tauschen? Wie liebt man, wie lebt man in der Lüge? Keiichirō Hirano, der große, bisher noch nicht ins Deutsche übersetzte Gegenwartsautor Japans, schreibt in einem raffinierten literarischen Spiel über eine scheinbar ganz normale japanische Familie – und über das fatale Verlangen, das Leben eines Anderen zu führen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
4/5
15.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Philosophischer Detektivroman mit origineller Prämisse
Was wäre, wenn ich die Identität eines anderen Menschen annehmen könnte? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Roman „Das Leben eines Anderen“.
Der Anwalt Akira Kido bekommt einen Auftrag von einer jungen Frau, die ihren Mann durch einen tragischen Unfall verloren hat. Doch ihr Mann war nicht die Person, für die er sich ausgegeben hat. Kido beginnt den Fall zu untersuchen und hinterfragt dabei immer mehr seine eigene Identität.
Dabei bewegt sich der Roman zwischen Detektivroman und philosophischer Gesellschaftskritik. Es ist spannend der Auflösung des Falls zu folgen. Warum hat der Betrüger eine andere Identität angenommen und wie war es ihm möglich? Aber auch Kidos Hinterfragen seiner eigenen Identität hat philosophische Züge. Wer ist er eigentlich? Gerade durch diesen philosophischen Aspekt wirkt die Geschichte eher ruhig.
Im Roman gibt es viele vielschichtige Charaktere mit einigen Abgründen, aber gerade Kido steht als Ermittler im Mittelpunkt der Geschichte.
Wer eine philosphische Detektivgeschichte mit einer orignellen Prämisse sucht, wird mit diesem Roman fündig.
lucieliest
5/5
17.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was wäre wenn ...
Akira Kido ist Scheidungsanwalt und beschäftigt sich mit kaputten Ehen. Doch auch seine eigenen Gewissheiten – seine Ehe, seine Familie – scheinen ihm brüchig. Durch einen neuen Fall gerät er in eine Parallelwelt, in der Männer mit bedenklichen Vergangenheiten Identitäten tauschen und ganze Familien mit Lügen leben. Kido kann sich dem fatalen Verlangen immer weniger entziehen: Was, wenn auch er das Leben eines Anderen führen würde?
Zuerst muss ich sagen, dass ich von dem Schreibstil total fasziniert bin. Es hat etwas gedauert, bis ich in die Geschichte reingekommen bin. Der Schreibstil hat eine strukturierte Erzählweise mit wenig Emotion und viel Schilderungen. Aber dann konne ich nicht mehr aufhören zu lesen. Man könnte sagen, es ist eine art Krimi. Der Protagonist ist ein Anwalt, der ein Auftrag bekommt, mehr über eine Person herauszufinden, der „X“, wie er ihn nennt, da er seinen richtigen Namen nicht kennt. Wärend er die Recherche führt, kommen ihm die Gedanken über seine eigene Identität und sein eigenes Leben.
Ich fand das Buch interessant. Allerdings gewönungsbedürftig sind die japanische Namen, auch die Gewohnheiten und Beweggründe unterscheiden sich doch sehr von unseren, auch manche Einsichten fand ich sehr fremdartig. Dennoch, oder gerade deswegen sehr interessant. Für mich ist es ein sehr philosophischer Roman über eigene Identität. Das Buch lässt mich sehr nachdenklich zurück.
Klara
5/5
08.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Menschen können das Leben eines Anderen leben
Rechtsanwalt Akira Kido, Ende 30, ist unzufrieden mit seinem Leben und nicht glücklich in seiner Ehe. Eines Tages sucht ihn eine Klientin auf, die er acht Jahre zuvor bei ihrer Scheidung von ihrem ersten Ehemann vertreten hatte. Rie hat ihren zweiten Mann Daisuke Taniguchi nach nicht einmal vier Jahren glücklicher Ehe durch einen Arbeitsunfall bei einer Baumfällung verloren. Ihr Mann hatte ihr viel von seinem früheren Leben erzählt, ihr aber ausdrücklich untersagt, Kontakt zu seinem Bruder aufzunehmen. Ein Jahr nach seinem Tod trifft sie den unsympathischen Kyoichi und erfährt, dass ihr Mann nicht der war, für den er sich ausgegeben hat. Rie beauftragt den Anwalt mit den Ermittlungen. Dieser sucht nun mit großem persönlichen Einsatz nach der wahren Identität des Verstorbenen und nach dem echten Daisuke. Dabei entdeckt er, dass es Menschen gibt, die Identitätstausch zu einem Geschäftsmodell gemacht haben und viele Kunden, die davon Gebrauch machen, einige sogar mehrfach. Manche wünschen einfach den radikalen Bruch mit ihrer Familie, andere wollen nicht Sohn oder Tochter eines bekannten Mörders sein. Auch Kido findet die Idee, das Leben eines anderen zu führen, nicht unattraktiv, eröffnet sie doch die Möglichkeit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eventuell eine neue Beziehung einzugehen, zumal seine Ehe in einer schweren Krise steckt: „Menschen können das Leben eines Anderen leben“ (S. 88). Auch der Leser wird sich bei der Lektüre vielleicht fragen, was ihn zu dem macht, der er ist und möglicherweise die eigene Existenz in Frage zu stellen.
Kido ist insofern in einer besonderen Situation, als er als Japaner mit koreanischen Wurzeln bei zunehmendem Rechtsextremismus in der japanischen Gesellschaft immer noch Anfeindungen befürchten muss, obwohl er voll integriert ist und seit seiner Schulzeit einen japanischen Pass besitzt. Ihn stört es empfindlich, wenn Menschen in typischem Schubladendenken nicht in ihrer Gesamtheit gesehen, sondern auf einzelne Merkmale reduziert werden: Koreaner, Rechtsanwalt.
Der Roman ist kein Thriller, aber er liest sich hervorragend, zumal er noch eine Reihe weiterer Themen behandelt: die Todesstrafe, durch die sich der Staat von jeder Verantwortung für die Taten eines Individuums freispricht, Erdbeben und Tsunami-Flutwellen inklusive Schäden an Atomkraftwerken, insbesondere die Katastrophe von 2011, durch die Tausende von Menschen starben, das Massaker an Koreanern von 1923, die Erfassung und Sicherung aller persönlichen Daten durch den Staat. Hiranos Roman gewährt Einblick in die japanische Kultur und Lebensart und ist sehr empfehlenswert.
Klara
5/5
08.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Menschen können das Leben…
Menschen können das Leben eines Anderen leben Rechtsanwalt Akira Kido, Ende 30, ist unzufrieden mit seinem Leben und nicht glücklich in seiner Ehe. Eines Tages sucht ihn eine Klientin auf, die er acht Jahre zuvor bei ihrer Scheidung von ihrem ersten Ehemann vertreten hatte. Rie hat ihren zweiten Mann Daisuke Taniguchi nach nicht einmal vier Jahren glücklicher Ehe durch einen Arbeitsunfall bei einer Baumfällung verloren. Ihr Mann hatte ihr viel von seinem früheren Leben erzählt, ihr aber ausdrücklich untersagt, Kontakt zu seinem Bruder aufzunehmen. Ein Jahr nach seinem Tod trifft sie den unsympathischen Kyoichi und erfährt, dass ihr Mann nicht der war, für den er sich ausgegeben hat. Rie beauftragt den Anwalt mit den Ermittlungen. Dieser sucht nun mit großem persönlichen Einsatz nach der wahren Identität des Verstorbenen und nach dem echten Daisuke. Dabei entdeckt er, dass es Menschen gibt, die Identitätstausch zu einem Geschäftsmodell gemacht haben und viele Kunden, die davon Gebrauch machen, einige sogar mehrfach. Manche wünschen einfach den radikalen Bruch mit ihrer Familie, andere wollen nicht Sohn oder Tochter eines bekannten Mörders sein. Auch Kido findet die Idee, das Leben eines anderen zu führen, nicht unattraktiv, eröffnet sie doch die Möglichkeit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eventuell eine neue Beziehung einzugehen, zumal seine Ehe in einer schweren Krise steckt: „Menschen können das Leben eines Anderen leben“ (S. 88). Auch der Leser wird sich bei der Lektüre vielleicht fragen, was ihn zu dem macht, der er ist und möglicherweise die eigene Existenz in Frage zu stellen. Kido ist insofern in einer besonderen Situation, als er als Japaner mit koreanischen Wurzeln bei zunehmendem Rechtsextremismus in der japanischen Gesellschaft immer noch Anfeindungen befürchten muss, obwohl er voll integriert ist und seit seiner Schulzeit einen japanischen Pass besitzt. Ihn stört es empfindlich, wenn Menschen in typischem Schubladendenken nicht in ihrer Gesamtheit gesehen, sondern auf einzelne Merkmale reduziert werden: Koreaner, Rechtsanwalt. Der Roman ist kein Thriller, aber er liest sich hervorragend, zumal er noch eine Reihe weiterer Themen behandelt: die Todesstrafe, durch die sich der Staat von jeder Verantwortung für die Taten eines Individuums freispricht, Erdbeben und Tsunami-Flutwellen inklusive Schäden an Atomkraftwerken, insbesondere die Katastrophe von 2011, durch die Tausende von Menschen starben, das Massaker an Koreanern von 1923, die Erfassung und Sicherung aller persönlichen Daten durch den Staat. Hiranos Roman gewährt Einblick in die japanische Kultur und Lebensart und ist sehr empfehlenswert.
Lena
5/5
10.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über tragische Vergangenheiten…
Über tragische Vergangenheiten Dies war der erste japanische Roman den ich je gelesen habe und ich bin begeistert. Wir werden mitgenommen auf eine spannende Suche nach der wahren Identität von Taniguchi Daisuke. Dabei verliert sich unser Hauptprotagonist Kido Akira selbst fast in dem Traum, irgendwo völlig neu anzufangen. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und toll zu lesen. Ich liebe diese nüchterne Beschreibung der Personen und wie die Reise zur Wahrheit beschrieben wird. Dabei wird es trotz der einfachen Schreibweise nie langweilig. Auch die ganzen Nebenstories sind schlüssig und passen sehr gut in die komplette Erzählung. Ich bekam richtig Mitleid mit allen Beteiligten und kann definitiv verstehen, warum einige von ihnen ein neues Leben beginnen wollten. Zusätzlich erhält man noch ein bisschen japanischen Geschichtsunterricht und lernt noch etwas dazu. Ich empfehle dieses Buch definitiv weiter!
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