Ein Burnout ist kein Trend, den man mitmachen muss. Es ist eine schwere Krise, die immer mehr Menschen voll erwischt: körperlich, seelisch, sozial.
Jede:r von Burnout Betroffene erlebt diese Krise anders. Dennoch ähneln sich Krankheitsphasen, Stimmungen und Gefühle sowie Denkmuster, Therapieerlebnisse und Erkenntnisse.
Dieses Buch ist kein Ratgeber – es ist eine authentische tagebuchartige Darlegung und zugleich der Versuch, zu verstehen, was da eigentlich mit einem geschieht. Die Leser:innen begegnen Verzweiflung, Schmerz und Traurigkeit – aber ebenso Wut, Kraft und Aufbruch. Und manchmal geht es sogar heiter und humorvoll zu. Die Autorin lässt die Leser:innen zudem auf angenehm leichte Weise an ihrem Erleben der Psychotherapie teilhaben.
Ein Buch, das sich geschickt zwischen Abstand und Involviertsein bewegt und vor allem so empathisch vermittelt, mit einem Burnout nicht alleine zu sein und immer einen Weg finden zu können.
Kundinnen und Kunden meinen
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Ein mutiges, berührendes, kluges und anregend geschriebenes Buch!
Bewertung am 05.07.2022
Bewertungsnummer: 1742216
Bewertet: Buch (Paperback)
Ich habe dieses schonungslos ehrliche, berührende und zumindest für mich sehr hilfreiche Buch in nur zwei Tagen durchgelesen, weil es mich sofort gepackt hat. Ich habe mich in Vielem wiedererkannt, manchmal auch ertappt gefühlt und gemerkt, an welchen Punkten ich mit mir selbst noch nicht ehrlich genug bin, an anderen Stellen einfach nur miterlebt, mitgefühlt, mitgelitten und mit Hoffnung geschöpft, an manchen Punkten auch leise gelacht. Als selbst Burnout-Betroffene hat es mir Trost und Zuversicht gegeben, auch und gerade, weil mein Weg nicht der Gleiche ist - aber weil genau das okay ist.
Mein Mann hat sich bereits als nächster Leser angemeldet und ich werde es auch an andere weitergeben, die entweder selbst Suchende sind oder besser verstehen möchten, was - zumindest ähnlich - in Menschen vorgeht, die von Burnout betroffen sind. Und ich habe mir vorgenommen, das Buch in ein paar Wochen ein zweites Mal zu lesen, weil ich beim jetzigen "Verschlingen" viele Punkte als bedenkens- und nachdenkenswert empfunden, aber mir selbst nicht die Zeit dafür gelassen habe.
Vielen Dank an die Autorin für ihren Mut, die Anregungen und das Gefühl, nicht alleine zu sein. Alles Gute für den eigenen Weg!
Ein authentischer Beitrag zur Sichtbarmachung und Enttabuisierung eines stigmatisierten Syndroms
Bewertung am 20.07.2022
Bewertungsnummer: 1751290
Bewertet: eBook (ePUB)
In einer reflektierten Gedankensammlung erzählt Nora Knappe, was es für sie heißt, von Burnout betroffen zu sein. Sie legt dar, dass nicht nur „Manager und Geschäftsführerinnen, (…) So Typen, die sich 28 Stunden am Tag abrackern, keinen Feierabend kennen, unersetzbar sind oder sich dafür halten, überall einspringen, wo Not ist, und gern mal noch ein Projekt zusätzlich reißen“ (S. 12 f.) ausbrennen und ihren Alltag nicht mehr gemeistert bekommen. Sie selbst arbeitete über ein Jahrzehnt als Redakteurin einer Lokalzeitung und am Ende sogar weniger Stunden.
Ihre (Selbst-)Beobachtungen und Erinnerungen sind mal melancholisch, mal abrechnend, mal ironisch und vor allem ehrlich. Die Vielfalt der Textstücke (Monologe, Listen, kurze Erzählungen u. a.) dokumentiert den Weg, die Zeit und Ungeradlinigkeit, die es braucht, um nach einer Krise weiterzumachen. „Ich glaube“, schreibt Knappe, „ich puzzle mich gerade anders zusammen“ (S. 89).
Sie gibt einen nachfühlbaren Einblick in das Leben, das es plötzlich zu füllen heißt, wenn man aufgrund einer Erkrankung den Job verliert, der einen unter anderem erst in diese Situation gebracht hat. Zwischen Genesung und Orientierung schildert sie ihre Ängste und stellt sich immer wieder die Frage, wie sie das, was gerade mit ihr geschieht, anderen erklären soll. Ohne einen Seelenstriptease hinzulegen, nimmt sie die Leser:innen mit in die Therapiesitzung – ihre „Selbstgespräche unter Aufsicht“ (S. 143) – und teilt Szenen der Vergangenheit, die sie sehr geprägt haben.
Dabei sieht sie sich mit der Systemfrage konfrontiert, wie lange man eigentlich (psychisch) krank sein darf, bevor die Solidargemeinschaft in Person der Krankenkasse einen wieder auf den Arbeitsmarkt schicken möchte. Personen, die einen schweren Verlust erlitten haben und trauern, kennen den Druck, nach einem kulturell festgelegtem Trauerjahr wieder nach vorn blicken zu müssen.
Warum jetzt? Warum noch so ein Buch?, mag man sich fragen. Es ist die Zeit einer Generation gekommen, die Traumata und den Ballast der Eltern, die alles runterschluckten oder nicht drüber redeten, endlich abzugeben. Eben nicht mehr nur aushalten und totschweigen. Diese Generation ist es, die die Leistungsgesellschaft und die Verantwortung für nachfolgende Generationen trägt. Die immer gern wiederholte Haltung, dass ‚es‘ ja früher auch niemandem geschadet hätte oder man ‚so etwas‘ früher nicht hatte, ist schlichtweg veraltet und falsch. Wann sich welche Symptome zeigen, ist nur eine Frage der Zeit.
Nora Knappes Buch ist der Versuch, dass schwer (Be-)Greifbare in Worte zu fassen, um anderen Betroffenen etwas an die Hand zu geben und Angehörigen und Freund:innen einen Eindruck davon zu geben, wie sich Burnout bemerkbar machen und anfühlen kann.
Vor allem ist es aber ein Beitrag zur Sichtbarmachung und Enttabuisierung eines stigmatisierten Syndroms, dass eben kein Trend sondern eine schwerwiegende persönliche Krise ist.
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