Alice und John haben den Krieg in England überdauert. Doch die Sehnsucht nach der alten Heimat lässt Alice auch nach Jahren nicht los. Als sie 1945 das Angebot erhalten, nach Berlin zurückzureisen, um dort eine amerikanische Sondereinheit, die sogenannten »Monuments Men«, bei der Suche nach geraubten Kunstwerken zu unterstützen, sagen sie zu. Bei ihrer Ankunft wird Alice schmerzlich bewusst, was der Krieg zerstört hat: nicht nur Gebäude und Straßen, sondern auch Vertrauen, Würde und Menschlichkeit. Doch ihre Liebsten sind noch am Leben, und das ist alles, was für Alice zählt. Bis sie erfährt, was die vergangenen Jahre ihrer Familie tatsächlich abverlangt haben – und welch hohen Preis sie zu zahlen bereit waren, um durchzukommen.
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Alice und die Monuments Men - Familiengeheimnisse und Wahrheitssuche nach dem Krieg 1945!
Bewertung am 20.04.2023
Bewertungsnummer: 1925881
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„`Was auch immer Sie über Ihre Familie erfahren werden, Mrs. Stevens, urteilen Sie nicht zu schnell. Manchmal wirken die Dinge anders, als sie es tatsächlich sind.´ (...) Alice sah John an und fühlte sich, als ob gerade ein kleines Licht in einem sehr dunklen Raum angezündet worden wäre." (Wiedersehen am Potsdamer Platz, S. 85)
Der dritte Band der Galeristinnen-Saga bildet einen gelungenen Abschluss der Trilogie! Dabei haben mir beim Lesen gleich mehrere Dinge gefallen. Zunächst einmal ist da die kluge Konstruktion des Buches. Wie ein Krimi aufgebaut, thematisiert der historische Roman Alice und Johns Rückkehr nach Deutschland und ihre Suche nach der Wahrheit. Um diese geht es gleich auf mehreren Ebenen: gesellschaftlich, kunstgeschichtlich, familiär und ganz persönlich für die Protagonistin selbst. Es ist also nur konsequent, dass Alice sich nach allen Gefahren und Kämpfen in den drei Roman-Bänden befreit und endlich ihren eigenen Weg, ihre eigene Wahrheit im letzten Teil der Geschichte findet. Man kann ihren Frieden und ihr leichtes Herz am Ende deutlich fühlen!
Als großer Historien-Fan freute ich mich außerdem über das ausgewählte Thema des Buches. Denn John und Alice schreiben gemeinsam eine Reportage über die Arbeit der "Monuments Men" - die amerikanische Sondereinheit mit der Aufgabe, von den Nazis geraubte Kunstwerke aufzuspüren und an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Ein spannendes Gebiet, über das ich durch das Buch noch mehr erfahren habe. Erneut beeindrucken die fundierten Recherchen und die geschichtlichen Details! Ein toller Zusatz ist wiederum das informative Glossar am Ende des Buches.
Schließlich habe ich mich über das Wiedersehen mit Alice selbst sehr gefreut. Musste ich mich zu Beginn der Trilogie noch an ihre ungestüme Art gewöhnen, ist sie mir über Band 2 ans Herz gewachsen. Als ich mit Band 3 begann, war sie für mich wie eine alte Freundin. Deshalb war ich zu Beginn des Romans auch erschrocken, dass ihre Londoner Galerie, in die sie so große Hoffnungen gesetzt hatte, bombardiert worden war. Noch dazu hatte sie Leonie wieder weggeben müssen, was ich traurig fand, weil mir das Verhältnis der beiden in Band 2 so gefallen hatte. Im wahrsten Sinne des Wortes steht Alice also vor den Trümmern ihrer Vergangenheit, als sie das zerstörte Galeriegebäude aufsucht, und doch macht sie, als starke Frauenfigur, das Beste daraus. Am Ende hat sie sich gerade durch die Rückschläge entwickelt und findet sich erfolgreich selbst. Damit hat die Autorin der Figur nicht nur einen Vorbildcharakter, sondern auch ein sinnstiftendes Element zur Identifikation des Lesers verliehen.
Gleichzeitig ist auch das Verhältnis zwischen Alice und John schön erzählt und zieht einen durch die emotionale Schilderung ihrer alltäglichen Herausforderungen und ihres tiefen Verständnisses füreinander in die Geschichte. Auch wirkt der dritte Band insgesamt tiefergehend in den beschriebenen Gefühlen und in den Fragen, die die Geschichte aufwirft. Ebenfalls wirkt das Buch erzählerisch gereift. Rückblicke sind mit Feingefühl und Timing platziert, szenische und historische Details gekonnt herausgearbeitet. Dadurch konnte ich mir das Deutschland der Nachkriegszeit sehr lebendig vorstellen und mit Alice mitfühlen, die in London nicht zuhause ist, aber auch in Berlin keine Heimat mehr findet. Die von beiden Seiten mit Vorurteilen konfrontiert ist und irgendwo dazwischen ihre Familie finden will, aber sich auch bei ihr nicht mehr geborgen fühlt.
Dieses moderne Entfremdungsgefühl als gesellschaftliches Phänomen seit dem 2. Weltkrieg wird sehr gut vermittelt. Auch die Fragen nach Schuld und Verantwortung sind nachvollziehbar aufbereitet. Gekonnt wendet sich der Roman von plakativen Werturteilen ab und beleuchtet reflektiert die erschütternden Grauzonen menschlichen Verhaltens. Dabei balanciert er die unterhaltenden Elemente mit Impulsen zum Nachdenken mühelos aus. Unbedingt kaufen, unbedingt lesen!
Ein grandioses Finale
JDaizy aus Berlin am 01.08.2022
Bewertungsnummer: 1758486
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Die Deutschen ... Das Selbstverständnis, mit dem sie sich selbst als Deutsche gesehen hatte, war ...zerstört worden. Dabei war sie einst stolz auf dieses Land gewesen. Auf seinen Fortschritt. Sein Wissen. Seine Kultur. ... Umso schmerzlicher war es, dass all diese Hoffnungen, die nicht nur sie gehegt hatte, dass all das Gute, Helle zerschlagen, ermordet oder aus dem Land gejagt worden war. "
Voller Vorfreude habe ich auf das Finale der Galeristinnen-Trilogie gewartet. Nur zu gern wollte ich wissen, wie es mit Alice, John und der kleinen Leonie weitergeht. Sind sie gut in London angekommen, haben sie Fuß fassen können und Arbeit gefunden, ist der Neuanfang geglückt? Wird Alice ihre Familie in Deutschland nach dem Krieg wiedersehen können und Leonie ihre Eltern? So viele Fragen.
Viele Jahre sind vergangen als Alice zurück nach Deutschland kommt. Sie und John sollen auf Wunsch der britischen und amerikanischen Regierung eine Reportage mit Aufnahmen über die Arbeit der Monuments Men schreiben. Ein weiteres sehr spannendes Thema, dass die Autorin in ihrer Geschichte verpackt hat. Und ein sehr emotionales noch dazu. Überhaupt überzeugt mich das Finale vor allem mit seinen tiefen Gefühlen und offenen Fragen. Ich habe mich gefragt, wie ich gedacht, (vor-)verurteilt und entschieden hätte. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es immer noch ein Grau in tausend Farbnuancen.
Schon in Band 2 bin ich der Hauptprotagonistin Alice sehr viel näher gekommen. Aber jetzt habe ich sie wirklich in mein Herz schließen können, mit allen Ecken und Kanten, die sie hat und die sie tatsächlich ausmachen. Ich muss lächeln, wenn ich an die innige Beziehung zwischen ihr und John denke, an ihren Kampfgeist und ihren Gerechtigkeitssinn. Eine wunderbare Frau, die anderen starken Frauen im Buch in nichts (mehr) nachsteht.
Was mich auch nach dem Ende des Buches noch bewegt zurücklässt, ist das nicht nur äußerlich zerstörte Berlin. Was macht ein Krieg mit den Menschen? Was tut man, um zu überleben? Und darf oder muss man eigene Grenzen überschreiten, auch wenn es unmoralisch anmutet? Gerade in der heutigen Zeit ein sehr aktuelles Thema. Dieses Gefühl von Überforderung und des Verlorenseins kennen heutzutage sicher viele von uns.
Wer wissen möchte, ob und wen Alice in ihrer Heimat wiederfindet und was sie dort an Herausforderungen erwartet, sollte unbedingt dieses Buch (und natürlich auch seine Vorgänger) lesen. Es hat mir schöne und auch sehr berührende Lesestunden verschafft.
"Wiedersehen am Potsdamer Platz" erschien 2022 im HarperCollins Verlag. Das Taschenbuch ist hochwertig verarbeitet und hat eine angenehme Schriftgröße.
Auch Teil 3 wartet wieder mit einem wunderschönen, im Gedächtnis bleibenden Cover auf. Ich bin begeistert von dieser schlichten, unaufdringlichen Eleganz und dem hohen Wiedererkennungswert.
Fazit:
Ein gelungener Abschluss der Galeristinnen-Trilogie. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort sein. Das wünsche ich mir für uns alle. Ich werde Alice, John und all die anderen aufrichtig vermissen.
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