Helga Schubert erzählt in kurzen Episoden und klarer, berührender Sprache ein
Jahrhundert deutscher Geschichte – ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit
zugleich. Doch vor allem ist es die Geschichte einer Versöhnung: mit der Mutter,
einem Leben voller Widerstände und sich selbst. Nominiert für den Preis der
Leipziger Buchmesse 2021.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Esther N.
Book Circle Community
5/5
19.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbares Buch / Hörbuch
Reflexionen, Erzählungen und Sinneseindrücke in 29 Kapiteln aus dem Leben von Helga Schubert. Diese Stücke widmen sich den drei Hauptthemen: Verwandschaft, Freiheit/Unfreiheit und dem Schreiben.
Helga Schubert, 1940 geboren, beschreibt ihre Lebensreise. Sie schreibt vom frühen Tod ihres Vaters, ihrer Flucht aus Hinterpommern nach dem Krieg, dem Leben in der DDR, ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter, der Arbeit, ihrem Schreiben und paart dabei Realitäten und Fiktionen auf wunderbare Weise.
Diese Beschreibungen sind alle sanft, atmosphärisch und bildhaft. Sie sind ruhig ohne Groll.
Die Sprecherin dieses wunderbaren Hörbuchs ist Ruth Reinecke. Ihre Erzählweise und ihre Stimme passen sehr gut zu den Erzählungen von Frau Schubert. Ich habe Autorin und Sprecherin als Harmonie empfunden.
Als Hörerin habe ich das Hörbuch zudem genossen, weil alle 29 Kapitel für sich stehen und einzeln zu geniessen sind.
Bewertung
5/5
16.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was eine Wiederentdeckung! Im...
Was eine Wiederentdeckung! Im Alter von 80 Jahren gewann Helga Schubert mit ihrem Text "Vom Aufstehen" 2020 den Bachmann-Wettbewerb. Zum Glück für uns Leser wurde sie und ihr Werk dadurch wieder ans Licht gebracht. Unfassbar lebenskluge Erzählungen, die zutiefst berühren.
Bewertung
5/5
13.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderbare Erzählungen
Von der ersten bis zur letzten Seite habe ich diese Erzählungen genossen. Herrlicher Stil, starke Emotionen, viele historische Komponenten! Helga Schubert hat ihr Leben und das ihres familiären Umfelds auf überzeugende Weise in ihren Erzählungen verarbeitet!
Bewertung
5/5
12.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderbare Geschichten
Helga Schubert beschreibt in 29 Erzählungen das Leben einer Frau, die sich im Alter mit dem Erlebten, mit den Menschen und mit der politischen Geschichte versöhnt hat. Sie entwirft darin die Lebensgeschichte einer Mutter, Tochter, Ehefrau, Schriftstellerin und auch einer gläubigen Christin und Bürgerin. Manchmal sind es nur Andeutungen dann wieder ganz konkrete Situationen, die herausgehoben werden. Als Leser spürt man sehr genau, was die Autorin einem mitteilen möchte, ohne dabei zu intim zu werden.
Da gibt es zum Beispiel eine etwas längere Erzählung über Wahlverwandschaften, in dem ihr schwieriges und distanziertes Verhältnis zur Mutter und die familiäre Konstellation zwischen Mutter, Tochter, Enkeltocher thematisiert wird. Erst kurz vor dem Tod der Mutter kann die Erzählerin, trotz aller Widrigkeiten, die ihr entgegengebracht wurden, eine Dankbarkeit und Versöhnung spüren, die sie dankbar macht für das geschenkte Leben.
Oder auch das kurze und sehr poetische Kapitel über das Schreiben, in dem sie reflektiert über das Hinsehen und Nachdenken über den Lebensfluss und dass ‘nichts einfach gut oder böse ist’. Diese Reflexion kommt auch sehr schön im Abschnitt der ‘Dämmerung eines Tages’ zum Ausdruck. Man kann die Dinge immer von verschiedenen Seiten her betrachten. Man muss sie aber zuerst überhaupt wahrnehmen durch Hinsehen und Staunen und sich dann überlegen, wie etwas auch noch sein könnte.
Einige Texte sind ergänzt durch treffende Zitate oder Aphorismen, die die Erzählerin ein Leben lang begleiten. Sie halfen ihr auch die Lebensjahre in der DDR, die immer absurder wurde zu relativieren: ‘Nicht was wir erleben, sondern wie wir erleben, was wir erleben, macht unser Leben aus’ von Marie von Ebener-Eschenbach. Es gibt auch Anklänge von humorvollen Gedanken, die einem ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern.
Die Erinnerungen an die DDR-Diktatur und die Sehnsüchte der Menschen nach einer Freiheit, die es wohl nie geben würde, dann aber doch noch wahr wurde: Gelungen dazu fand ich insbesondere die Textstelle zur Spargelzeit und wie sich die Menschen darüber freuten, als Spargeln, Erdbeeren und einfach ganz alltägliche Dinge plötzlich erhältlich waren.
Sowohl die politische wie auch die persönliche Freiheit sind weitere grosse Themen. Die christliche Verantwortung und insbesondere das ‘ein guter Mensch-sein-wollen’ ist nicht immer einfach umsetzbar in einem Unrechtsstaat. Ein ganz wunderbares Kapitel zum Thema Gläubigkeit findet man in ‘Meine Ostergeschichte’.
Ich bin tief beeindruckt von der Weisheit und Güte dieser Frau und freue mich sehr, dieses Buch gelesen zu haben. Es ist ein sehr tröstendes, leises und unaufdringliches Buch, in welchem die Tiefe und psychologische Ebene erst nach und nach in Erscheinung tritt und einem umso mehr berührt. Ich freue mich sehr, dass diese Autorin in hohem Alter des letztjährigen Ingeborg-Bachmannpreis gewonnen hat, nachdem sie viele Jahre zuvor, bereits einmal eingeladen wurde, aber nicht ausreisen durfte.
Bewertung
5/5
17.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Rückblick
In diversen Episoden erzählt Helga Schubert aus ihrem Leben. Sehr geschickt hat sie so einen Mix aus ihren Erinnerungen und aus Fiktion geschaffen. Die Autorin schreibt schlicht, bewegend und überzeugt so mit den Schilderungen über den Alltag in der DDR. Deutsch-deutsche Geschichte wird so interessant und eindrucksvoll beleuchtet.
Lesenswert!
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