Rosewater ist eine Stadt an der Grenze – an der Grenze zu der Biokuppel, die die außerirdischen Woodworm in Nigeria, unweit von Lagos, errichtet haben. Angesiedelt haben sich dort die Hoffnungsvollen, die Hungrigen und die Hilflosen – all diejenigen, die dabei sein wollen, wenn sich ein Mal im Jahr dieser Dom öffnet und jeden, der sich in dessen Umgebung befindet, von seinen Leiden heilt.
2066 – Kaaro besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, über die von den Aliens verbreitete, sporenartige Xenosphäre auf Gedanken, Gefühle und Erinnerungen anderer Menschen zuzugreifen. Wegen seiner Begabung arbeitet er nicht ganz freiwillig für eine geheime Regierungsbehörde, um Kriminelle aufzuspüren. Doch als eine unsichtbare Seuche beginnt, andere mit derselben Begabung zu töten, setzt Kaaro alles daran, herauszufinden, wer oder was dahintersteckt.
Biopunk, Cyberpunk, Afrofuturismus, SF-Thriller und Alien-Invasion-Story – all das vereint Tade Thompson in seinem klugen und innovativen Roman »Rosewater«
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Tiefgründige Science-Fiction aus Nigeria
gaia am 26.02.2022
Bewertungsnummer: 1664633
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieser Roman von Tade Thompson bringt schon spannende Grundvoraussetzungen mit, ohne dass man ein Wort daraus gelesen hat. Denn der Autor ist ein nigerianischer Psychiater, der sich hier eine ausufernde Welt in nicht allzu ferner Zukunft des Jahres 2066 ausdenkt, in der die Außerirdischen bereits lange auf der Erde angekommen sind. Und sie sind vielleicht laut Plothistorie 2012 erstmals in London angekommen, aber tatsächliche Auswirkungen zeigen sie - ganz ungewohnt - eben nicht in Europa oder Amerika, sondern auf dem afrikanischen Kontinent, speziell auf dem Gebiet Nigerias. Somit krempelt dieser Roman schon einmal vollkommen die Lesegewohnheiten von uns mitteleuropäischen Sci-Fi-Leser:innen gehörig um.
Im Zentrum des Geschehens steht Kaaro, ein Mitte 40-Jähriger sogenannter "Empfänger". Er hat seit seiner Kindheit "übernatürliche" Fähigkeiten (welche später noch sehr gut wissenschaftlich fundiert erklärt werden), durch welche er - einfach gesagt - die Gedanken anderer Menschen lesen kann. Das ist jetzt stark verkürzt dargestellt, denn eigentlich ist er fähig, sich in die sogenannte Xenosphäre einzuklinken. Diese besteht aus zahlreichen miteinander vernetzten pilzartigen Organismen, die durch die Luft schweben und für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sind. Prinzipiell handelt es sich um ein ausgeweitetes Informationsnetzwerk, auf welches nur wenige Menschen (ich lasse hier mal offen weshalb) zugreifen können. Kaaro lebt in Rosewater, einer Stadt, die sich nach dem Auftauchen einer außerirdischen Entität, einer riesigen Kuppel mit einem Durchmesser von 50 km, um diese Kuppel herum gebildet hat. Denn - wieder entgegen der altbekannten Seh- und Lesegewohnheiten - zeigt sich die Entität nicht angriffslustig, sondern gütig in Form von Heilungen kranker Menschen, die einmal pro Jahr in ihrer Nähe stattfinden. Um Kaaro entwickelt sich ein fast schon Agenten-Plot, da er aufgrund seiner Fähigkeiten von einer Regierungsbehörde angeworben wurde.
All dies erfahren wir durch verschiedene Erzählstränge, die jedoch stets beim Ich-Erzähler Kaaro bleiben. Allein die Zeitebene wechselt ständig. Die so betitelte "Jetzt"-Zeit spielt 2066, dann gibt es noch Rückblicke in die "Früher"-Zeit beginnend mit 2031 bis ca. 2059, welche viel Wissen um Kaaros Fähigkeiten und die Geschehnisse bis aktuell vermitteln, sowie "Zwischenspiele" oder "Missionen", die besondere Ereignisse/Missionen in den letzten 10 Jahren von Kaaros Leben bis jetzt darlegen, mit dem Fokus auf seine "Agenten"-Tätigkeit. Das ist tatsächlich der verwirrendste Part dieses Romans. Meines Erachtens hätte es die gesondert betitelten "Zwischenspiele" nicht gebraucht bzw. wirkten diese ab und an überfordernd, wenn man sie gedanklich versucht, in das Gesamtbild chronologisch korrekt einzuordnen. Aber das ist eine minimale Kritik im Rahmen meiner allgemeinen Begeisterung für diesen Roman.
Denn dem Buch merkt man im allerbesten Sinne die Berufung des Autors als Psychiater an. So entwirft er die Charaktere des Romans nicht nur glaubwürdig sondern stellt psychologische Zusammenhänge, die sich aus der Fähigkeit des "Gedankenlesens" ergeben, schlüssig und fachlich fundiert dar. Auch das mykologische Konstrukt um die außerirdische Entität herum ist plausibel erschaffen. Der technische Fortschritt ist authentisch an das Jahr 2066 angepasst und wird gut erklärt. Was mich aber besonders am Roman begeistert hat: Thompson spart nicht an Gesellschaftskritik. So wird immer wieder das Thema der als "illegal" eingeordneten Homosexualität in Nigeria, welche in unserer Zeit 2022 vorherrscht, aber im Roman auch noch in 2066 dort besteht. Die Verfolgung dieser Menschengruppe bis zum Tod durch den Mob. Weiterhin findet die Vergangenheit Nigerias, als ein durch die Kolonialisierung traumatisiertes Land, Eingang in die Erzählung. Eine despotische, korrupte Herrscherrieger darf natürlich auch in 2066 nicht fehlen. So legt Thompson mit seinem als Science-Fiction "getarnten" Roman den Finger in gleich mehrere gesellschaftliche und politische Wunden seines Heimatlandes.
Insgesamt bin ich also äußerst begeistert von diesem ungewohnten Lektüreerlebnis. Science-Fiction mit Tiefgang auf mehreren Ebenen. Wirklich empfehlenswert für alle, die sich grundsätzlich auf die oben beschriebenen Grundannahmen einlassen können.
überzeugende, afrikanische Hard Science Fiction!
thrill.tastic am 21.03.2020
Bewertungsnummer: 1306011
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Was für ein Rausch. Nachdem ich "Rosewater" zugeklappt hatte, musste ich erst mal durchatmen. Aber ich bin begeistert.
Vor allem liebe ich Nigeria als gewählten Schauplatz. Seit einigen Jahren ragt dort eine Biokuppel in den Himmel, um die sich die fiktive Stadt Rosewater gebildet hat. Die Menschheit weiß, dass sie nicht alleine im Universum ist und die Kuppel infolge der Landung außerirdischen Lebens entstand, doch nach wie vor stellt sie die Bevölkerung vor große Rätsel. Sie öffnet sich einmal im Jahr und heilt Kranke von ihrem Leid, außerdem haben einige wenige Menschen durch sie spezielle Fähigkeiten erhalten. Einer davon ist Kaaro, der in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Menschen eindringt und sich damit seinen Lebensunterhalt verdient. Er ist der Regierung unterstellt und muss sich auf die Suche nach Antworten begeben, als nach und nach immer mehr der begabten Personen an einer mysteriösen Seuche erkranken.
Seinen Weg verfolgen wir auf zwei Zeitebenen, die sich kapitelweise abwechseln. Zum einen wird das Leben des jungen Kaaro erzählt, bevor er Agent wurde, zum anderen seine gegenwärtigen Erlebnisse im Jahr 2066. Kaaro ist eine sehr nüchterne, gefühlskalte Person. Ich kam ihm emotional nicht sonderlich nahe, obwohl wir aus seiner Sicht lesen, aber das ist in Ordnung.
Das Buch glänzt durch andere Aspekte, denn es passiert unheimlich viel Groteskes und Abenteuerliches. Der Autor verwebt die rauen nigerianischen Sitten und den dortigen Aberglaube kreativ mit allerhand schaurigen Kreaturen und Hard Science Fiction. Der Spannungsbogen nimmt keine wilden Kurven aber blieb für mich beim lesen immer gleichbleibend hoch. Die kurzen Kapitel bieten oft genug eine Verschnaufpause aber wer den Anschluss nicht verlieren will, sollte dran bleiben.
Tade Tompspns Ideenreichtum hat mich wirklich umgehauen. Die Tatsache, dass er Yoruba ist und in Nigeria aufwuchs, gibt dem Roman so viel Authentizität. Mir wurde definitiv mehr Lust auf afrikanische Sci-Fi gemacht und ich kann die Fortsetzung der Reihe kaum erwarten.
Meinung aus der Buchhandlung
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Wir werden nicht längst tot sein, wenn das Sterben beginnt.
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zu einer meiner siebzehnten Buchempfehlung in der Quarantäne muss ich vorweg gestehen, dass mir das Literaturgenre „Science-Fiction“ überhaupt nichts sagt. Allerdings befinde ich mich jetzt in der Quarantäne, eine Freundin wies mich auf das Buch hin und die Tageszeitung der „Standard“ empfahl das Buch: „Rosewater“ von Tade Thompson. Also, es ist Zeit, andere Sachen zu machen.
Tade Thompson wuchs in Lagos/ Nigeria auf, wo auch der Großteil des Romans spielt. Mittlerweile lebt er in London, studierte Medizin und Sozialanthropologie und gewann mit „Rosewater“ den Arthur C. Clarke Award.
Ich gebe zu, dass ich nicht die Qualität des Romans beurteilen kann. Mir sagt das Buch nicht viel. Die Geschichte ist sehr sprunghaft geschrieben und spielt mit vielen Rückblenden.
Der Plot: Nicht zum ersten Mal landen Aliens auf der Erde. Sie schlagen meteorhaft im Londoner Hyde Park ein. Exterrestrisches Leben, plus deren Fauna und Flora im Gepäck, webt sich durch und über den Planeten. Es sind andere Spezifika von Leben und Technik, die das exterrestrisches Leben auf der Erde kultivieren. Xenoformen breiten sich in den irdischen Strukturen und Körpern aus.
Der Roman zieht eine Parallele zwischen dem Kolonialismus (durch das exterrestrische Leben) und dem Klimawandel: Das Ereignis wird nicht später und irgendwann stattfinden. Vielmehr heißt es bei Tade Thompson: „Bei der Katastrophe werden wir alle dabei sein. Wir werden in der ersten Reihe sitzen.“ Wir werden nicht längst tot sein, wenn das Sterben beginnt.
Damit kann ich etwas anfangen.
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