Lon ist sechzehn. Und Lon ist am seltenen Usher-Syndrom erkrankt, das die Augen ebenso angreift wie das Innenohr. Dass Lon schlecht hört, ist nichts Neues, aber das sich zunehmend verengende Gesichtsfeld wird zu einer echten Herausforderung. Denn Lon erzählt niemandem davon, selbst der Mutter oder dem Arzt nicht. Und auch Nelly und Oscar, Lons Freunde, ahnen nichts. Auf dem Weg in die Dunkelheit sehnt sich Lon nur nach einem: Liebe. Doch zuerst muss Lon lernen, sich selbst zu lieben.
Der preisverdächtige Roman strotzt vor Erzählkraft, die tief beeindruckt.
Einfühlsamer Umgang mit den Themen »Diversität« und »Krankheit«.
Ein besonderes Buch voller Hoffnung und Sehnsucht für junge Erwachsene ab 14 Jahren.
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Selten und trotzdem gibt es ein Leben
Bewertung am 21.07.2022
Bewertungsnummer: 1751405
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Usher-Syndrom, erblich bedingt, selten, drei Formen und Lon hat eine davon. Er ist von Geburt an gleichbleibend hochgradig schwerhörig, aber damit kann er leben. Mit seinen Hörgeräten ist das Leben für ihn nahezu genauso wie für andere. Inzwischen er ein Teenager, ein ganz normaler Typ mit einem besten Freund, Oscar und alle anderen in der Klasse sind auch sehr in Ordnung. Er spielt Volleyball und Zuhause, das sind seine Mutter, seine Schwester Annie und sein Stiefvater 'Cord', den Lon nicht so mag, obwohl der echt sein Bestes gibt. Doch etwas stimmt nicht. Lon sieht zunehmend schlechter, was er aber niemandem sagt. Und es ist ihm klar, was das bedeutet, dass er wohl die Variante 2 des Usher-Syndroms hat, die sich durch die zunehmende Netzhautdegeneration in der Pubertät zeigt, bis hin zur Erblindung. Tag um Tag, Lon macht einfach weiter, kämpft sich durch alles durch. Er weiß, es gibt kein Zurück, es wird passieren, aber er will noch eine 'Gnadenfrist', wie er selbst es nennt, noch ein bisschen normal sein, dazugehören, nicht bemitleidet werden, bevor es vielleicht wirklich Nacht wird, für immer. Und dann, so denkt er, ist das Leben für ihn sowieso vorbei.
Diese Geschichte, das ist Lon, der um Aufschub kämpft, der hier spricht, hier fühlt, der seinen Sport aufgibt, stolpert, öfter mal die Orientierung verliert und sich dann auch noch durch die mehrtägige Klassenfahrt 'quält'. Und wir, die Leser, sind mitunterwegs, fühlen mit, hoffen mit, verzweifeln, haben Angst, genauso, wie Lon selbst das erlebt.
Und das Fazit, ein ganz tolles Buch und ein 'warum ich' gilt einfach nicht, aber es gilt, es gibt ein Leben und das ist schön.
berührendes Jugendbuch
Bewertung aus Birkenfeld am 12.07.2022
Bewertungsnummer: 1746262
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Blindfisch" lautet der Titel dieser Neuerscheinung von Autorin Karen-Susan Fessel. Mit seiner interessanten Coveraufbereitung ist es ein wahrer Blickfang im Buchregal. Passend zur Hauptthematik springt der Titel in Gestalt eines Sehtests förmlich ins Auge. Ebenso die Farbwahl, die unscharf-verwischte Gelbtönung ist dem Inhalt angemessen gewählt.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der sechzehnjährige Junge Lon. Wie viele seiner Freunde und Mitschüler hat er mit den Problemen des Erwachsenwerdens zu tun: Die erste Liebe, Sexualität, Schule...
Doch eines unterscheidet Lon von allen anderen: Seine Erkrankung am seltenen Usher-Syndrom. Dass Lon zunehmend schlechter hört, ist dabei nichts Neues. Als er schließlich immer mehr an seiner Sehkraft verliert, wird dies zu einer echten Herausforderung. Denn Lon erzählt niemandem davon, selbst der Mutter oder dem Arzt nicht. Ebenso seine Freunde Nelly und Oscar ahnen nichts...
Mit dem 205 Seiten umfassenden Hardcover ist der Autorin Karen-Susan Fessel ein wahrer Pageturner gelungen. Ihr Schreibstil ist unglaublich fesselnd. Prägnante, kurze Sätze machen den Erzählstil der Autorin aus. Dies ist ungemein stimmig mit der Erkrankung und den Gefühlen des Protagonisten Lons. Als Leser kann man sich richtig gut in ihn hineinversetzen. Seine Figur wirkt durch und durch authentisch. Mit zunehmender Verschlechterung seiner Erkrankung, hadert er mit sich selbst, seiner Persönlichkeit und seinem Leben. Doch bald schon macht er die Erfahrung, dass selbst in den dunkelsten Stunden Freunde und Familie zu ihm stehen und ihn nicht fallen lassen. Als Leser begleitet man den Sechzehnjährigen auf dem Weg zu dieser Erkenntnis. Einfühlsam und berührend sind dabei die einzelnen Kapitel der Geschichte. Drama und Romantik befinden sich die ganze Handlung hindurch im Gleichgewicht. Gegen Ende hin kommt des Weiteren richtig Spannung auf.
Mein Fazit: Eine rundum gelungene Lektüre. Und definitiv ein Buch, welches man am Ende mit dem Gedanken "Ach, war das schön zu lesen" und einem Lächeln im Gesicht zuschlägt! Klare Leseempfehlung!!
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