Wer heute den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde, besteigen möchte, braucht dafür weder besondere Kenntnisse noch eine erausragende Kondition. Ein voller Geldbeutel und die Bereitschaft, »über Leichen zu gehen«, genügen. Der für die Einheimischen heilige
Berg ist zu einem Ort für einen pervertierten Massentourismus der Luxusklasse geworden. Mit fatalen Folgen für die Bewohner, die Bergsteiger und die Natur. Kenntnisreich und spannend beschreibt Oliver Schulz in seinem Buch die Entwicklung des Everest vom kolonialen Forschungsobjekt zum begehrten Tourismusziel. Welche Folgen hat diese Entwicklung für die Menschen, die im Himalaja leben? Was bedeutet sie für diejenigen, die aus falsch verstandenem Ehrgeiz auf 8849 Meter Höhe geschleppt werden? Schulz erzählt vom Traum und Albtraum am höchsten Berg der Erde, vom Geschäft mit dem Höhenwahn, der beispielhaft für den Irrsinn des gesamten internationalen Alpinismus steht.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Sikal
5/5
30.07.2022
Buch (Taschenbuch)
Nur der Gipfel ist das Ziel
Nicht der Weg auf den höchsten Berg der Welt ist für viele Menschen das Ziel, sondern nur der Gipfel und das Beweisfoto auf eben diesem. Dafür scheint jedes Mittel recht und Unsummen von Geld werden dafür bezahlt. Kondition oder Kenntnisse im Bergsteigen sind anscheinend nicht mehr die Grundvoraussetzung für dieses Erlebnis. Mittlerweile ist der Mount Everest geprägt vom Massentourismus. Mit den Auswirkungen müssen die Einheimischen leben.
Der Autor Oliver Schulz gibt einen guten Überblick über den Berg, der so viele Menschen fasziniert und wie ein Magnet anzieht. Von den Erstbesteigern Edmund Hillary und Tenzing Norgay erfahren wir ebenso wie vom Stau auf den Gipfel, von Leichen, die den Weg pflastern, vom Müll, der allgegenwärtig ist sowie auch von Schummlern oder Covid-19 am Berg.
Besonders einprägsam liest man über die Eiskatastrophe im Jahr 2014, bei der 16 Tote zu beklagen waren. Doch auch die Ausbeutung der Einheimischen ist ein Thema und der Aufstand der Sherpas, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Erschreckend finde ich den Diebstahl der Ausrüstung in den vorbereiteten Lagern was für viele Bergsteiger tödlich enden kann. Einen guten Einblick der unterschiedlichen Werte erhält man durch Interviews mit einem westlichen und einer nepalesischen Expeditionsagentur.
Das Buch liest sich flüssig und so verfliegen die Seiten. Die Kapitel sind kurz und liefern geballte Informationen. Obwohl man schon viel über diese Themen gehört hat, finde ich das Buch großartig zusammengefasst und vergebe gerne 5 Sterne.
Markus
aus Hannover
5/5
11.06.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein tolles Buch. Absolut Empfehlenswert für alle Everestinteressierten
Von der Entdeckung, den wichtigen Ereignissen, bis in das Jahr 2022 wird hier die Geschichte des Bergs erzählt. Besonders empfehlenswert für alle, die die Berichte über Mallory, Hillary und Co. immer wieder interessant finden.
Liselottchen
aus Rankweil
5/5
08.06.2022
Buch (Taschenbuch)
Manchmal ist der Preis das Leben
Über den Mount Everest habe ich schon einiges gelesen und gehört, Spielfilme und Dokumentationen geschaut. Was ist die Faszination für gewisse Menschen, auf den Berg zu kraxeln, unter härtesten Bedingungen, die sogar das Leben kosten könnten? Und ist diese Leistung noch so glorreich anzusehen, wie früher?
Der Autor kennt sich aus. Einige Kapitel handeln von der Geschichte des Berges und weshalb er bei uns unter dem Namen Everest bekannt ist, obwohl er doch von den Einheimischen bereits getauft war. Auch den Pionieren widmet er ausführliche Kapitel, dem gescheiterten Mallory, dessen Leichnam 1999 nach über 70 Jahren gefunden wurde und natürlich Edmund Hilary und Tenzing Norgay, den Erstbesteigern. Er schildert das Leben der Sherpas, die die Routen sichern, Leitern und Seile legen über die die westlichen Bergsteiger dann ›spazieren‹ können. Zum Glück hat sich die Lage der Sherpas geändert, sie verdienen jetzt für ihre Arbeit gutes Geld und können ihre Familien ernähren. Aber die Tourismusbranche hat den Berg ebenfalls für sich entdeckt, eine Besteigung ist nicht mehr an große Alpinerfahrungen gebunden. Wer das nötige Kleingeld hat, der kann sich eine Tour buchen, all inklusive. Dennoch ist der Berg unberechenbar, das beweisen die zahlreichen Todesopfer, viele der Kletterer übernehmen sich und sterben beim Abstieg aus Erschöpfung oder überleben nur knapp. Und die Leichen bleiben liegen, teilweise sogar sichtbar, sodass die Bergsteiger oft buchstäblich über Leichen klettern müssen. Eine Bergung der Leichen ist meist unmöglich und birgt neue Lebensgefahren für die Retter.
Ein weiteres Thema war der zunehmende Diebstahl und Betrug am Berg, da werden teure Ausrüstungsgegenstände gestohlen, sodass die Bergsteiger, wenn sie vom Gipfel kommen, ein ausgeräumtes Lager vorfinden und Gefahr laufen, zu erfrieren. Und natürlich der Müll, der zurückbleibt, und der wiederum von den Sherpas entfernt werden muss.
Der Autor schreibt in einen gut zu lesenden Stil, erklärt sämtliche Zusammenhänge lebendig, dass alles auch für mich als Laien gut verständlich war. Was das Ganze noch ein wenig anschaulicher gemacht hätte, wären ein paar Fotos gewesen und genauere Pläne. Es ist zwar auf dem Umschlag ein Plan, mit der ursprünglichen Route, die Edmund Hilary damals gewählt hat. Zu dieser Zeit waren es insgesamt 7 Camps üblich. Aber interessant wären auch die anderen Routen und jetzigen Camps gewesen.
Trotz dieser kleinen Kritik war es ein hochinteressantes Buch, dass ich in einem Zug durchgelesen habe. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.
Gertie G.
aus Wien
5/5
31.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Vom Irrsinn, um jedem Preis auf dem Gipfel des Mt.Everest stehen zu wollen
Der höchste Berg der Welt ist für viele Menschen das Ziel ihrer Träume. War es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nur wenigen Bergsteigern und Bergsteigerinnen vergönnt, ihren Traum zu (er)leben, so ist es aktuell für jedermann/jederfrau möglich, den Berg zu erklimmen. Man braucht nur, wie der Autor ziemlich trocken feststellt, „einen vollen Geldbeutel und die Bereitschaft, über Leichen zu gehen“. Es ist nicht mehr notwendig, über beste Kondition und bergsteigerisches Können zu verfügen. Traurig aber wahr, der heilige Berg der Einheimischen ist zu einem Hotspot des Massentourismus geworden, an dem vor allem westliche Tourenanbieter verdienen. Einige lokale Anbieter mischen in diesem Wettbewerb mit, den sie nicht gewinnen können. Ein ruinöser Preiskampf ist die Folge, bei dem der Kunde oft buchstäblich auf der Strecke bleibt.
Was kann der interessierte Leser noch erfahren? Einmal einen guten historischen Überblick der Mount Everest-Geschichte: Von Mallory & Irvine, Hillary & Tenzing Norgay, Reinhold Messner & Peter Habeler über die Katastrophe von 1996
bzw. das Unglück im Khumbu-Eisbruch von 2014 bis hin zur handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen den Sherpas und Simone Moro & Ueli Steck.
Wie es zur Katastrophe von 1996 gekommen ist, hat Jon Krakauer in seinem Buch „In eisigen Höhen“ ja penibel beschrieben. Wer glaubt, dass die Expeditionsveranstalter und/oder Teilnehmer daraus gelernt haben, liegt falsch. Es scheint das Gegenteil zu sein. Immer öfter werden zahlungskräftige Kunden quasi auf den Berg getragen.
Oliver Schulz hat sich, gemäß dem Untertitel „Massentourismus, Tod und Ausbeutung“ mit diesen Schlagworten beschäftigt. Er greift das Thema Umweltverschmutzung durch liegen gebliebene Ausrüstung und Leichen sowie die Ausbeutung der Einheimischen auf. Hier habe ich mir ein wenig mehr erwartet. Schulz berichtet von Streiks der Sherpas, die um bessere Bezahlung kämpfen. Immerhin riskieren sie Leib und Leben, um den Bergsteigern den Aufstieg zu ermöglichen.
Der Autor geht auch auf den Wertewandel innerhalb der Sherpa-Familien ein. Wer kann, versucht seinen Söhnen eine gute Ausbildung und einen Job abseits des Berges, zu ermöglichen.
Interessant auch, welches mafiöse „Nischenbusiness“ sich über die Jahrzehnte entwickelt hat: Das Ausrauben von Biwaks, das organisierte Stehlen von Ausrüstung oder das nicht ordnungsgemäße Füllen der Sauerstoffflaschen, was für zahlreiche Expeditionsteilnehmer den sicheren Tod bedeutet.
Oliver Schulz beleuchtet auch den brutalen Wettbewerb zwischen China und Nepal um die Devisen. Nepal, eines der ärmsten Länder der Welt, füllt mit diesem Massentourismus seine leeren Staatskassen auf, staatlich sanktionierte Korruption inklusive.
Am Ende des Buches kann man die Interviews eines österreichischen und eines nepalesischen Expeditionsanbieters, die getrennt voneinander befragt wurden, lesen, um deren Sicht kennenzulernen.
Erschreckend ist das Coverfoto, auf dem eine schier unüberschaubare Menschenschlange dicht an dicht drängt, darauf wartet, endlich am Gipfel zu stehen.
Fazit:
Ein gelungenes Buch über den Mount Everest und dem Irrsinn, um jeden Preis den Gipfel erreichen zu wollen. Gern gebe ich hier 5 Sterne.
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