Ein Schuss in der Dunkelheit. Diana findet ihren Mann verblutend in der Scheune. Die Polizei geht von Selbstmord aus, doch Diana glaubt nicht daran. Auf eigene Faust macht sie sich auf die Suche nach seinem Mörder, ganz auf sich allein gestellt, mit immer weniger Freunden - und immer mehr Feinden. Gequält von Selbstzweifeln und dunklen Geheimnissen.
Ein idyllisches Dorf. Heimat, die zum feindlichen Ort wird. Eine Familie, der man nicht trauen kann. Und die wahre Bedrohung ist viel näher, als du fürchtest.
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Im Angesicht einer dörflichen Omerta
Bewertung am 12.02.2022
Bewertungsnummer: 1655593
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Als ich das Cover sah, musste ich dieses Buch einfach haben. Ein Bolldog der Marke Kramer, Baujahr: irgendwann in den Fünfzigerjahren, aber unzerstörbar. Selbst zwar nicht aus dem Mühlviertel stammend, jedoch aus dem benachbarten Bayerischen Wald (Niederbayern), funktionierte das Cover perfekt als Türöffner für meine Gedanken, um in jene bäuerliche Welt, in die die Autorin uns entführt, einzutauchen. Diana, die Heldin des Buches, verdächtigt die Mitglieder ihrer eigenen Familie, ihren Ehemann umgebracht zu haben. Niemand will ihr glauben, alle halten an der Selbstmordtheorie fest. Gott sei Dank gibt es da noch diesen Freund aus Kindertagen, der inzwischen in München lebt, der zur Beerdigung ins Mühlviertel zurückgekehrt ist, bei dem Diana sich ausweinen kann. Sie braucht seinen Beistand, schließlich lebt Diana im Famillienverbund auf dem Bauernhof, wo häusliche Gewalt existiert, aber ebenso wie so vieles andere im Dorf totgeschwiegen wird. Ihr Bruder hatte ein Motiv, den Ehemann zu ermorden, Nachbarn, Freunde, die sich schließlich alle gegen Diana wenden, selbst Bankangestellte und Polizisten sind mit den möglichen Tätern verbandelt, weil einfach niemand der miefigen Enge und dieser oberösterreichischen Omerta entkommen kann. Selbst aus einem Betrieb mit Viehwirtschaft stammend, hat mir die Beschreibung der Landwirtschaft sehr gut gefallen, ohne jedes Pathos. Man spürt auf jeder Seite die Traumata, die die Menschen beherrschen, worüber sie aber niemals reden würden. Es ist eine Geschichte über eine Außenseiterin in einer dörflich geprägten Gesellschaft, die schließlich selbst gegen Hass und Misstrauen zu kämpfen hat und doch eigentlich nur die Wahrheit herausfinden will. Mich hat die Beschreibung der dichten Atmosphäre seitenweise getriggert, daher ließ die Geschichte mich nicht mehr los. Am Schluss entlädt sich erwartungsgemäß, was viel zu viele Jahre unter den Teppich des Schweigens gekehrt wurde und man ahnt, dass im Angesicht der Wahrheit nichts mehr so sein wird, wie es in Wahrheit niemals wahr. Von mir eine Leseempfehlung, 5 Punkte
Der Täter ist näher als du denkst
Gertie G. aus Wien am 06.02.2022
Bewertungsnummer: 1652044
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eva Reichl, bekannt durch ihre Mühlviertel-Krimis, nimmt uns in einen Ort nahe Freistadt mit.
Mehrere der kleinteiligen Landwirte suchen nach Alternativen, um gegenüber den landwirtschaftlichen Fabriken zu bestehen. Die einen mit der Idee, auf eine reine Biolandwirtschaft umzusatteln, die anderen mit dem Verkauf ihrer Felder.
Oliver wird von seiner Frau Diana sterbend in der Scheune des Vierkanters aufgefunden. Für die Polizei sieht alles nach Selbstmord aus. Doch Diana hat ihre Zweifel, als sie nach und nach aus ihrem von Beruhigungsmitteln gedämpften Alltag auftaucht. Niemand will ihr glauben, weshalb sie auf eigene Faust recherchiert. Warum geistert immer die Melodie von „I was made for lovin you..“ in ihrem Kopf herum? Was will ihr das Unterbewusstsein mitteilen?
Jede Frage, die sie stellt, wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden und beschert ihr zusehends Feinde im Dorf. Es werden Gerüchte über Diana ausgestreut, die sich verselbstständigen und gegen die es keine Handhabe gibt.
Warum hat Oliver die gesamten Ersparnisse abgehoben? Warum mauschelt ihr Vater, der gerne und oft zuschlägt mit dem Nachbarn Heuböck? Auch ihre Mutter weiß nichts von den Absprachen ihres Mannes.
Diana ist in einem bizarren Albtraum gefangen, aus dem ein kein Entrinnen gibt. Nur Johannes Heuböck, der Sohn des Nachbarn, scheint ihr zur Seite zu stehen. Doch als Johannes‘ Handy klingelt, erkennt Diana die Zusammenhänge ...
Meine Meinung:
Eva Reichl ist ein erstklassiger Thriller gelungen. Wir nehmen hautnah an den Ereignissen teil, denn sie werden von Diana in der Ich-Form erzählt. Wir können teilhaben Dianas (Selbst)Zweifeln und der Verzweiflung, dass niemand, auch ihre Eltern nicht, an ihrer Seit stehen. Die gespenstige Situation ist sehr gut dargestellt.
Bei der Verwandlung der idyllischen Dorfgemeinschaft zu einer brutalen Ausgrenzungsgesellschaft zieht die Autorin alle Register. Hier wird eine bislang bekannte Heimat zu einem feindlichen Ort, werden seine Bewohnerinnen und Bewohner zu Hyänen, die glauben, Diana sei Freiwild für alle. Das Erschreckende ist, dass auch die eigene Familie zu einem Herd des Misstrauens geworden ist, oder hat die Feindseligkeit immer schon bestanden, und niemand hat sie bislang wahrgenommen?
Eva Reichl spielt mit sowohl den Gefühlen ihrer Protagonisten als auch mit denen ihrer Leser. Die subtilen Anspielungen lassen die Bedrohungen viel näher kommen, als man sie befürchtet.
Fazit:
Ein gelungener Thriller, der zeigt, wie aus einer dörflichen Idylle ein veritabler Albtraum wird. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
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