Ein Schuss in der Dunkelheit. Diana findet ihren Mann verblutend in der Scheune. Die Polizei geht von Selbstmord aus, doch Diana glaubt nicht daran. Auf eigene Faust macht sie sich auf die Suche nach seinem Mörder, ganz auf sich allein gestellt, mit immer weniger Freunden - und immer mehr Feinden. Gequält von Selbstzweifeln und dunklen Geheimnissen.
Ein idyllisches Dorf. Heimat, die zum feindlichen Ort wird. Eine Familie, der man nicht trauen kann. Und die wahre Bedrohung ist viel näher, als du fürchtest.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
5/5
12.02.2022
Buch (Taschenbuch)
Im Angesicht einer dörflichen Omerta
Als ich das Cover sah, musste ich dieses Buch einfach haben. Ein Bolldog der Marke Kramer, Baujahr: irgendwann in den Fünfzigerjahren, aber unzerstörbar. Selbst zwar nicht aus dem Mühlviertel stammend, jedoch aus dem benachbarten Bayerischen Wald (Niederbayern), funktionierte das Cover perfekt als Türöffner für meine Gedanken, um in jene bäuerliche Welt, in die die Autorin uns entführt, einzutauchen. Diana, die Heldin des Buches, verdächtigt die Mitglieder ihrer eigenen Familie, ihren Ehemann umgebracht zu haben. Niemand will ihr glauben, alle halten an der Selbstmordtheorie fest. Gott sei Dank gibt es da noch diesen Freund aus Kindertagen, der inzwischen in München lebt, der zur Beerdigung ins Mühlviertel zurückgekehrt ist, bei dem Diana sich ausweinen kann. Sie braucht seinen Beistand, schließlich lebt Diana im Famillienverbund auf dem Bauernhof, wo häusliche Gewalt existiert, aber ebenso wie so vieles andere im Dorf totgeschwiegen wird. Ihr Bruder hatte ein Motiv, den Ehemann zu ermorden, Nachbarn, Freunde, die sich schließlich alle gegen Diana wenden, selbst Bankangestellte und Polizisten sind mit den möglichen Tätern verbandelt, weil einfach niemand der miefigen Enge und dieser oberösterreichischen Omerta entkommen kann. Selbst aus einem Betrieb mit Viehwirtschaft stammend, hat mir die Beschreibung der Landwirtschaft sehr gut gefallen, ohne jedes Pathos. Man spürt auf jeder Seite die Traumata, die die Menschen beherrschen, worüber sie aber niemals reden würden. Es ist eine Geschichte über eine Außenseiterin in einer dörflich geprägten Gesellschaft, die schließlich selbst gegen Hass und Misstrauen zu kämpfen hat und doch eigentlich nur die Wahrheit herausfinden will. Mich hat die Beschreibung der dichten Atmosphäre seitenweise getriggert, daher ließ die Geschichte mich nicht mehr los. Am Schluss entlädt sich erwartungsgemäß, was viel zu viele Jahre unter den Teppich des Schweigens gekehrt wurde und man ahnt, dass im Angesicht der Wahrheit nichts mehr so sein wird, wie es in Wahrheit niemals wahr. Von mir eine Leseempfehlung, 5 Punkte
Gertie G.
aus Wien
5/5
06.02.2022
Buch (Taschenbuch)
Der Täter ist näher als du denkst
Eva Reichl, bekannt durch ihre Mühlviertel-Krimis, nimmt uns in einen Ort nahe Freistadt mit.
Mehrere der kleinteiligen Landwirte suchen nach Alternativen, um gegenüber den landwirtschaftlichen Fabriken zu bestehen. Die einen mit der Idee, auf eine reine Biolandwirtschaft umzusatteln, die anderen mit dem Verkauf ihrer Felder.
Oliver wird von seiner Frau Diana sterbend in der Scheune des Vierkanters aufgefunden. Für die Polizei sieht alles nach Selbstmord aus. Doch Diana hat ihre Zweifel, als sie nach und nach aus ihrem von Beruhigungsmitteln gedämpften Alltag auftaucht. Niemand will ihr glauben, weshalb sie auf eigene Faust recherchiert. Warum geistert immer die Melodie von „I was made for lovin you..“ in ihrem Kopf herum? Was will ihr das Unterbewusstsein mitteilen?
Jede Frage, die sie stellt, wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden und beschert ihr zusehends Feinde im Dorf. Es werden Gerüchte über Diana ausgestreut, die sich verselbstständigen und gegen die es keine Handhabe gibt.
Warum hat Oliver die gesamten Ersparnisse abgehoben? Warum mauschelt ihr Vater, der gerne und oft zuschlägt mit dem Nachbarn Heuböck? Auch ihre Mutter weiß nichts von den Absprachen ihres Mannes.
Diana ist in einem bizarren Albtraum gefangen, aus dem ein kein Entrinnen gibt. Nur Johannes Heuböck, der Sohn des Nachbarn, scheint ihr zur Seite zu stehen. Doch als Johannes‘ Handy klingelt, erkennt Diana die Zusammenhänge ...
Meine Meinung:
Eva Reichl ist ein erstklassiger Thriller gelungen. Wir nehmen hautnah an den Ereignissen teil, denn sie werden von Diana in der Ich-Form erzählt. Wir können teilhaben Dianas (Selbst)Zweifeln und der Verzweiflung, dass niemand, auch ihre Eltern nicht, an ihrer Seit stehen. Die gespenstige Situation ist sehr gut dargestellt.
Bei der Verwandlung der idyllischen Dorfgemeinschaft zu einer brutalen Ausgrenzungsgesellschaft zieht die Autorin alle Register. Hier wird eine bislang bekannte Heimat zu einem feindlichen Ort, werden seine Bewohnerinnen und Bewohner zu Hyänen, die glauben, Diana sei Freiwild für alle. Das Erschreckende ist, dass auch die eigene Familie zu einem Herd des Misstrauens geworden ist, oder hat die Feindseligkeit immer schon bestanden, und niemand hat sie bislang wahrgenommen?
Eva Reichl spielt mit sowohl den Gefühlen ihrer Protagonisten als auch mit denen ihrer Leser. Die subtilen Anspielungen lassen die Bedrohungen viel näher kommen, als man sie befürchtet.
Fazit:
Ein gelungener Thriller, der zeigt, wie aus einer dörflichen Idylle ein veritabler Albtraum wird. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Fredhel
4/5
05.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Suizid oder Mord?
Vorab gesagt: ich vergebe hier 4 Lesesterne, weil man diesen Regionalkrimi in einem Rutsch durchlesen kann. Wenn man dann nicht weiter darüber nachdenkt, hat man eine angenehme Lesezeit verbracht.
Diana ist auf einem Bauernhof groß geworden. Sie wird ihn auch später erben. Zusammen mit ihrem Mann hatte sie große Pläne in Richtung Bio-Landwirtschaft. Doch plötzlich liegt ihr Mann erschossen in der Scheune und die ganze Zukunft bricht zusammen. An einen Suizid will Diana einfach nicht glauben. Mit wilden Spekulationen verdächtigt sie einen Mann nach dem anderen. War es ihr bornierter, gewalttätiger Vater, oder ihr Bruder, oder der Bankdirektor, oder der Nachbar? Mit ihren Anschuldigungen schafft sie sich immer mehr Feinde im Dorf. Ebenso führt ein Projekt ihres Vaters zu einem heftigen Aufruhr in der Gemeinde. Bis zur Auflösung des Falles liegen viele spannende Seiten. Die Autorin schreibt flüssig und das Ende ist wirklich nicht vorhersehbar.
Genauer betrachtet ist die Handlung allerdings sehr unglaubwürdig. Die trauernde junge Witwe wirft sich schnell in die Arme eines anderen Mannes, es gibt eine fragwürdige Erpressung und eine Gruppenvergewaltigung lässt sich mit etwas gutem Willen ziemlich schnell verarbeiten.
Insofern entspricht dieses Buch nicht so ganz meinen Erwartungen, aber wie gesagt, es lässt sich gut lesen.
Bewertung
4/5
27.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Das Böse gibt es einfach überall
Diana ist die Erbin eines hübschen Bauernhofes im beschaulichen Mühlviertel.
Doch noch gibt ihr Vater sehr strenge Regeln für die ganze Familie vor.
In der Kindheit gab es auch Schläge von ihm.
Aber die junge Frau hat gemeinsam mit ihrem Mann Oliver große Pläne für die Zukunft.
Sie wollen artgerechte Tierhaltung und genug Auslauf für die Tiere - ein schöner Bio-Bauernhof schwebt ihnen vor, und sie sparen fleißig dafür.
Aber in einer einzigen Nacht ändert sich alles: Oliver liegt erschossen in der Scheune.
Diana kann und will nicht akzeptieren, dass es Selbstmord gewesen sein soll.
Obwohl es ihr sehr schlecht geht, gibt sie nicht auf, den Mörder zu suchen.
Ihre Verdächtigungen schließen selbst ihre eigene Familie mit ein.
Sie tritt eine Lawine los und verliert fast ihr Leben.
Ich habe auch die anderen Titel der Autorin gelesen, und mir haben sie gut gefallen.
Ich bin überhaupt begeistert, wieviele österreichische Autoren derzeit gute Krimi-Spannung bieten.
Sikal
3/5
08.12.2022
Buch (Taschenbuch)
Verstrickt in den eigenen Gedanken
Diana findet ihren Mann verblutend in der Scheune, neben ihm sein Gewehr. Voller Pläne und Träume war der Mann von Diana. Den Hof umgestalten und nachhaltig bewirtschaften, standen ganz oben auf der Liste. Warum also sollte er sich so plötzlich das Leben nehmen?
Niemand will die Geschichte von Mord jedoch aufgreifen – nicht die eigene Verwandtschaft und auch nicht die Polizei. Als Diana jedoch damit beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren, steht sie plötzlich selbst unter Mordverdacht. Niemandem in ihrer Familie kann Diana mehr vertrauen, niemand steht auf ihrer Seite. Einzig Johannes, der bereits seit Kindesbeinen mit Diana befreundet ist, steht auf ihrer Seite. Johannes hilft Diana durch ihre schwerste Zeit und begleitet sie bei ihren Ermittlungen. Langsam beginnen auch andere am Selbstmord ihres Mannes zu zweifeln.
Die Autorin Eva Reichel stellt ihre Protagonisten in ein Dorf, welches mit Einwohnern gespickt ist, die aus dem Mittelalter stammen könnten. Traditionen werden ebenso hochgehalten wie Vorurteile – und, ist hier einmal jemand Opfer von Vorverurteilung geworden, so dreht sich diese Spirale nur noch weiter nach unten.
Die Geschichte hätte das Zeug dazu, diese ländlichen Gepflogenheiten aufzuzeigen und darüber hinaus ein Bild zu zeichnen, wie Vorurteile ein Leben zerstören können. Da die Autorin in ihren Schilderungen jedoch zu tief in die Trickkiste greift, wirken die Handlungen der Dorfbewohner - und teilweise auch der Protagonisten - zu aufgesetzt. Letztendlich verliert die Erzählung dadurch stark an Glaubwürdigkeit.
3 Sterne gibt es dennoch für den Versuch, die veralteten Strukturen mancher Gegenden darzustellen.
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