Eine Frau am Wendepunkt. Ein Geheimnis, das sie von allen trennt, die ihr wichtig sind. Und die Möglichkeit, mit viel Verständnis füreinander Brücken zu schlagen.
Surie Eckstein erfüllt ihr Leben als Oberhaupt einer Großfamilie. Sie erwartet gerade ihr erstes Urenkelkind, als eine Katastrophe eintritt – oder ist es ein Gottesgeschenk? Mit 57 Jahren ist sie noch einmal schwanger - mit Zwillingen! Plötzlich fühlt sich Surie, in der chassidischen Gemeinde von Brooklyn hochangesehen und ständig von Menschen umgeben, völlig allein. Nicht einmal Yidel, der nicht nur ihre große Liebe, sondern auch ihr bester Freund ist, wagt sie sich anzuvertrauen, so groß ist ihre Scham. Denn was sollen bloß die Leute denken? Zum ersten Mal stellt Surie die starren Regeln infrage, die ihr ganzes Leben geprägt haben.
„Ein Buch voller Weisheit, über die Differenz zwischen dem Leben, wie es sein sollte und wie es ist.“ Amy Bloom
„Eine lebenserfahrene ältere Frau in einem jugendlichen Dilemma. Ein Roman, so schön wie überraschend.“ Claire Messud
„Goldie Goldbloom zeigt, wie schwierig es ist, sich selbst zu akzeptieren, sich selbst wirklich zu kennen.“ Audrey Niffenegger
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Lia48
5/5
20.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Spannende Einblicke in eine chassidische Familie - habe das Buch inhaliert!
„Wenn sie die Schwangerschaft irgendwie beenden könnte auf eine Weise, die nicht zu schrecklich war, die rabbinisch sanktioniert war, sie würde es tun. Wäre auf und ab hüpfen hilfreich? Oder bäuchlings auf dem Boden liegen? Beten? Sie wusste es nicht. Sie hatte Angst, es zu versuchen. Sie wollte nichts Verbotenes tun.“
INHALT:
Surie Eckstein kann es kaum glauben, als sie erfährt, mit 57 Jahren nochmals schwanger zu sein. Mit Zwillingen! Wie ist das nur möglich?
Generell sieht ihre chassidische Großfamilie Kinder als das größte Glück auf Erden.
Aber in ihrem Alter doch nicht! „Sie schämte sich für sich selbst, für ihren heimtückischen Körper.“
Was sollen nur die Leute denken!?? In ihrer chassidischen Gemeinde in Brooklyn ist Surie hoch angesehen, sie halten sich an die strengen Regeln ihres Glaubens. Was wird ihr Mann Yidel, der Rabbi dazu sagen? Wird die Familie sie dafür verstoßen? Der schlechte Ruf wird schließlich auf sie alle zurückfallen!
Surie hatte sich darauf gefreut, die nächsten Jahre etwas mehr Zeit für sich zu haben. 10 eigene Kinder hat sie über die Jahre hinweg zur Welt gebracht und auch die 32 Enkelkinder sorgen weiterhin für ein turbulentes Familienleben im Haus.
Yidel plant, in den Ruhestand zu gehen. Wie soll sie ihm das nur beibringen?
Plötzlich steht ihr ganzes Leben auf dem Kopf...
MEINUNG:
Nach „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ und „Unorthodox“ wollte ich schon länger weitere Bücher über ultraorthodoxe Juden lesen. In „Eine ganze Welt“ setzt sich ein weiterer Roman mit dieser Thematik auseinander. Mich persönlich hat er sogar noch mehr beeindruckt, als die zwei anderen.
Erneut war ich erstaunt, welche strengen Vorschriften, Gebote und Rituale in der chassidischen Gemeinde herrschen.
Auch Surie selbst hat genaue Vorstellungen davon, was das Auftreten, Kleidung und Manieren angeht.
Immer wieder gab es Dinge, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie für andere als unanständig oder nicht angebracht gelten würden.
Manches fand ich auch schlimm. Z. B., dass die Kinder manche ihrer eigenen Körperteile nicht benennen können, weil sie keine Worte dafür beigebracht bekommen (weltliche Bücher bekommen sie ja nicht zu Gesicht). Bei medizinischen Problemen, Schwangerschaft oder Missbrauch, kann das durchaus auch mal problematisch werden! Allgemein scheinen die Menschen dort nur wenig aufgeklärt zu sein.
Auch Surie plagen viele Fragen und Sorgen, als sie aufgrund ihrer Risikoschwangerschaft die örtliche Klinik aufsuchen muss, was sie gerne vermieden hätte.
Noch nie hat sie vorher eine anatomische Abbildung eines Frauenkörpers zu Gesicht bekommen. Das gehört sich doch nicht! Dazu kommen Sprachbarrieren, da sie vor allem Jiddisch und nur wenig Englisch spricht.
Verständlich, dass dies bei der werdenden Mutter Ängste schürt. Für sie prallen zwei komplett verschiedene Welten aufeinander, die sich nicht einfach miteinander vereinbaren lassen!
Mir tat sie stellenweise wirklich leid. Sie steckt in einer verzwickten Lage und hat schon einiges mitgemacht.
Aber gleichzeitig habe ich mich auch richtig über sie geärgert! Warum muss sie sich selbst so fertig machen? Warum geht sie davon aus, dass alle Menschen wegen einer späten Schwangerschaft schlecht über sie reden und sich von ihr abwenden werden? Wieso hat sie so einen Hass auf sich selbst? Warum quält sie sich so sehr?
Ich hätte ihr gerne hin und wieder einen Schubs verpasst, damit sie endlich diese Unsicherheiten aus dem Weg räumt, ihre Sorgen und Ängste mit anderen teilt und Unterstützung aus ihrem Umfeld erfährt!
Als Leser*in bekommt man vor allem einen Einblick in Suries Umgang mit der bevorstehenden Geburt, aber auch in das Familien- und Glaubens-Leben aus ihrer Perspektive. Die große Anzahl an Kindern in den Familien hat mich sehr beeindruckt. Doch die Frauen scheinen diese als ihre größte Aufgabe zu sehen. Sie betrachten Kinder als das Wertvollste überhaupt: „Mein ganzes Leben ist Kindern gewidmet, Kinder zu kriegen, Kinder großzuziehen.“
Das Buch rüttelt an einem. Es zeigt auf, wie wichtig Kommunikation und Vertrauen in einer Beziehung sind. Und es wirft Fragen auf: Ist die strikte Einhaltung von strengen religiösen Geboten und Ritualen so viel Leid und Kummer wert? Steht dies wirklich über dem Wohlergehen aller? Was wiegt mehr? Was, wenn jemand vom rechten Weg abkommt? Und wie weit ist man selbst bereit zu gehen, egal, was andere sagen?
FAZIT: Ein Buch, welches beim Lesen an einem rüttelt und einen nicht so schnell wieder loslässt. In mir klingt es noch immer nach und ich habe es regelrecht inhaliert. Wen das strenge chassidische Familien- und Glaubensleben interessiert, oder wer bereits Romane wie „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ und „Unorthodox“ mochte, dem kann ich das Buch sehr ans Herz legen! Ganze 5/5 Sterne!
(TW: Risikoschwangerschaft, Suizid, HIV, Tod,…)
ANMERKUNG: Bei der Ausgabe würde ich eine Print-Version gegenüber einem digitalen Exemplar bevorzugen, da das Buch hinten ein Glossar mit vielen jiddischen Begriffen sowie einen Familienstammbaum beinhaltet, was zum Blättern oft praktischer sein kann.
Bewertung
5/5
02.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein Roman, der Eindruck hinterlässt
Surie, Mitglied einer chassidischen Gemeinde, wird mit 57 Jahren nochmals schwanger. Statt es ihrer Familie zu sagen, behält sie diese Nachricht für sich. Hebamme Val, die bereits Suries andere Kinder entbunden hat, wird zu etwas wie einer Vertrauten für sie. Ausgelöst durch die Schwangerschaft, dringt die Vergangenheit an die Oberfläche und Surie beginnt an den Regeln zu zweifeln...
Goldbloom entführt in eine andere Welt, die sich strikt von der säkularen unterscheidet. Eine Welt, in der persönliche Empfindungen weniger zählen, als das Einhalten von Regeln. Und dennoch ergreift dieses Buch keine Partei oder stellt diese Welt gar in Frage, sondern sie wird dank Suries Innenleben, ihrem Handeln und ihrer Gedanken einfühlsam näher gebracht. Ein wundervoller Roman, der zum Nachdenken anregt und sich genauso wunderbar lesen lässt.
carowbr
aus Rheinland-Pfalz
4/5
16.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Als Surie mit 57 Jahren…
Als Surie mit 57 Jahren schwanger wird, macht sie sich Gedanken, was ihre strenge Gemeinde und Familie wohl dazu sagen wird. In einer Welt, die von Traditionen und religiösen Vorschriften geprägt ist, stellt die Protagonistin durch ihre ungewöhnliche Schwangerschaft ihr Leben in Frage. Der Stil der Autorin ist unaufgeregt und detailgetreu und beschäftigt sich vor allem mit den Gedanken, die Surie sich zu den Umständen ihrer Schwangerschaft macht. Die Erzählung lässt einen eintauchen in eine starre Welt voll religiöser Bräuche und konservativer Lebensführung. Der Einstieg in die Geschichte hat etwas gedauert, da mir vieles fremd war und die Erzählweise ruhig und ohne Spannungsbogen aufgebaut war. Doch nach und nach machten sich immer mehr Nuancen in den Charakteren und der Geschichte als Ganzes bemerkbar. Dadurch hat mir das Buch dann doch gut gefallen, da es eine Lebensrealität abbildet, die so gar nicht meiner entspricht. Mit dem Hinterfragen gesellschaftlicher Normen und Traditionen kann sich jedoch jeder identifizieren und etwas für sich mitnehmen.
Isabel (engi)
aus Bietigheim-Bissingen
5/5
12.03.2025
Hörbuch (CD-ROM)
Also ich muss ja sagen,…
Also ich muss ja sagen, dieses (Hör)buch fand ich höchstinteressant und sehr, sehr berührend. Im Mittelpunkt steht die 57jährige Suri Eckstein. Suri entstammt einer chassidischen Familie. Die "Chassidim" sind ultraorthodoxe Juden, deren Bräuche ins 18. Jahrhundert zurückreichen und von denen die meisten – wenn nicht in Israel - in New York leben. Ich betone an dieser Stelle ihr Alter, denn Suri ist schwanger, mit Zwillingen, und gerät dadurch in höchste Not. Sie kann sich niemandem anvertrauen, denn sie würde Schande über die Familie bringen. So schiebt sie das Offensichtliche vor sich her und versucht den Babybauch zu vertuschen. Nicht einmal ihrem Mann Yidel kann sie sich öffnen, so groß ist ihre Scham. Doch dann eröffnet sich für sie „Eine ganze Welt“, in dem sie auf Freiwilligenbasis im Krankenhaus arbeiten kann, um anderen Frauen in Not zu helfen und sei deren Not auch nur dem Fakt geschuldet, dass sie neben Jiddisch nie die englische Sprache erlernt haben. Sie lässt ihr Leben während ihrer eigenen ungewollten Schwangerschaft nochmal Revue passieren und stellt fest, dass nicht alles wofür der Glaube steht, in Ordnung ist. Nicht in Ordnung ist es totzuschweigen, wenn junge Mädchen von ihrem Psychiater gegen ihren Willen missbraucht werden. Nicht in Ordnung ist es auch, dass ihr eigener Sohn den Freitod wählte, weil er schwul war und von der Gemeinde geächtet wurde. So viel scheint nicht in Ordnung … Die Autorin Goldie Goldbloom lebt als Chassidin in Chicago und hat acht Kinder. Sie schreibt also aus eigener Erfahrung, was den Roman rund um Suri so authentisch macht. Ich hatte keine Ahnung, dass diese Welt so komplex und streng ist aber ihren Mitgliedern wohl gleichzeitig auch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl vermitteln soll. Möchte ich tauschen? Niemals! Dennoch fand ich diesen literarischen Ausflug in die Gemeinde Williamsburg in Brooklyn sehr bereichernd. Von mir gibt es ohne zu Zögern mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter an all die LeserInnen, die mal aus ihrer eigenen Welt ausbrechen und eine neue Welt kennenlernen möchten.
Bewertung
5/5
20.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Späte Mutterschaft
Die 57-jährige Surie Eckstein erfährt am Tag nach der Hochzeit eines ihrer zehn Kinder, dass sie schwanger ist mit Zwillingen. Wie soll sie das ihrem Mann, dem Rabbi Yidel erklären? Was werden ihre Kinder denken und vor allem auch die Mitglieder der chassidischen Gemeinde in Williamsburg, in der sie lebt? Mit viel augenzwinkerndem Witz und viel Liebenswürdigkeit berichtet die Autorin in dieser aussergewöhnlichen Geschichte. Eine Intelligente Auseinandersetzung mit Mutterschaft sowie mit der chassidischen Glaubensgemeinschaft in New York.
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5/5
11.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Große Empfehlung!
Es war so spannend, in diese ganz fremde Welt einzutauchen. Als Außenstehende, die damit bis jetzt keine Berührungspunkte hatte, sind einem die strengen Regeln und Lebensweisen oft suspekt. Oft konnte ich Surie's Verhalten nicht nachvollziehen und war über ihre Denkweisen und die ihres Umfeldes frustriert, aber ich wage zu behaupten dass es genau darum geht. Gerade deswegen finde ich dieses Buch ganz wichtig, es hat mich gefordert, berührt und ist noch lange nachgeklungen.
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