Von der Autorin des Wuhan Diary : Ein großer, aufrüttelnder Roman über die Unfreiheit von Frauen im modernen China
Nicht lang ist es her, da schien Yingzhi die Welt offen zu stehen: Aufgewachsen im ländlichen China hatte sie es geschafft, als Sängerin in einer kleinen Band bekannt zu werden. Ihr Traum von einem freien und selbstbestimmten Leben war zum Greifen nah, bis eine Affäre alles zum Einsturz bringt. Yingzhi wird schwanger und ist gezwungen, den Vater des Kindes zu heiraten und in sein Elternhaus einzuziehen – so will es die Tradition. Als die Schulden ihres spielsüchtigen Mannes zu hoch werden und Yingzhi Geld verdienen soll, öffnet sich ein kleines Fenster, das ihr einen kurzen Blick auf die Freiheit schenkt. Doch dann gerät ihr eine kleine Unbedachtheit zum Verhängnis und gipfelt in einer Katastrophe für sie und ihre ganze Familie.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
J. Kaiser
5/5
09.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Traditionen in China
Fazit: Dies ist die Geschichte der Unfreiheit der Frauen im modernen China. Yingzhi scheint die Welt offen zu sein. In einer Band hat sie es als Sängerin geschafft bekannt zu werden. Alles weitere schien in Griffnähe zu sein. Bis eine Affäre das Ganze zum Einsturz brachte. Sie wird schwanger und gezwungen den Mann ihres Kindes zu heiraten. Nicht genug damit, sie muss auch in das Elternhaus ihres Mannes einziehen. So verlangt es die Tradition. Ihr Mann Guiquing ist faul und zudem ein Spieler. Als die Schulden zu hoch werden, muss Yingzhi Geld verdienen. Das Lesen der Auseinandersetzungen des Paares ist manchmal fast nicht zu ertragen. Das dieses Buch ist nicht einfach zu lesen. Wer ein empfindsames Gemüt hat, sollte dieses Buch besser nicht lesen. Das Eintauchen in eine fremde Welt habe ich sehr aufschlussreich empfunden. Doch eines muss man sich klar sein, es sind nicht unsere Werte, welche man hier liest. Das Lesen des Buches kann ich gleichwohl empfehlen.
BücherBummler
5/5
07.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fang Fang - Wütendes Feuer
Die junge Yingzhi träumt von Freiheit und Reichtum. Um ihr Ziel zu erreichen, beginnt sie, in einer Karaoke-Band auf Hochzeiten und anderen Feiern zu singen, und scheut sich auch nicht, ihre körperlichen Vorzüge einzusetzen. Doch als sie schließlich durch eine unwesentliche Affaire schwanger wird, sieht Yingzhi sich gezwungen, den Vater ihres Kindes zu heiraten und ihre großen Träume auf andere Weise zu verwirklichen. Was sich als schwer erweist, denn ihr Mann entpuppt sich als arbeitsscheuer Trinker, der alles Geld zum Spieltisch trägt. Die Beziehung der beiden wird immer aggressiver und gewaltgeladener, bis Yingzhi den einen Schritt macht, der die Lage außer Kontrolle geraten lässt...
Das Erste, was mich in „Wütendes Feuer“ von Fang Fang geradezu angesprungen hat, war die Grobheit des Umgangstons. Selbstredend bin auch ich Opfer des stereotypen Glaubens an den jederzeit aufs äußerste höflichen Chinesen, aber wie hier, auch mit Respektspersonen wie Eltern und Alten, geredet wird… Da hätte ich selbst bei einer jener in den 1990ern so beliebten Talkshows die Augen weit aufgerissen.
Auf der anderen Seite wirkte der Text oft hölzern und unbeholfen auf mich, wobei es mir unmöglich ist, zu sagen, ob es so gewollt ist oder sich um ein Problem der Übersetzung handelt. Das sehr interessante Nachwort des Übersetzers Michael Kahn-Ackermann (unbedingt lesen!) lässt ahnen, dass die Übertragung keine leichte Aufgabe war.
Das Leseerlebnis wird dadurch jedenfalls nur unwesentlich gestört. Ich fand diesen Einblick in das Leben einer Frau im modernen China, die trotz aller gesetzlich festgelegten Gleichberechtigung doch an den Traditionen und den Ansichten der Gesellschaft scheitert, sehr berührend. Dabei ist Yingzhi keine große Sympathieträgerin. Sie ist weder Unschuldslamm noch pures Opfer. Ihr Verhalten kann man, je nach moralischer Einstellung, oft als dumm bis inakzeptabel einstufen. Was die Geschichte nur um einiges an Vielschichtigkeit bereichert.
Was der Roman für mich aber am meisten ausgestrahlt hat, war die Bedrückung und die Ausweglosigkeit. Die Spirale aus Gewalt, die sich immer weiter in die Tiefe bohrt und schließlich außer Kontrolle gerät, ist nicht leicht auszuhalten.
Ein brutales Buch, ein wichtiges Buch, ein Buch, das uns alle angeht. Große Leseempfehlung!
Bücherbummler
5/5
07.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die junge Yingzhi träumt von…
Die junge Yingzhi träumt von Freiheit und Reichtum. Um ihr Ziel zu erreichen, beginnt sie, in einer Karaoke-Band auf Hochzeiten und anderen Feiern zu singen, und scheut sich auch nicht, ihre körperlichen Vorzüge einzusetzen. Doch als sie schließlich durch eine unwesentliche Affaire schwanger wird, sieht Yingzhi sich gezwungen, den Vater ihres Kindes zu heiraten und ihre großen Träume auf andere Weise zu verwirklichen. Was sich als schwer erweist, denn ihr Mann entpuppt sich als arbeitsscheuer Trinker, der alles Geld zum Spieltisch trägt. Die Beziehung der beiden wird immer aggressiver und gewaltgeladener, bis Yingzhi den einen Schritt macht, der die Lage außer Kontrolle geraten lässt... Das Erste, was mich in „Wütendes Feuer“ von Fang Fang geradezu angesprungen hat, war die Grobheit des Umgangstons. Selbstredend bin auch ich Opfer des stereotypen Glaubens an den jederzeit aufs äußerste höflichen Chinesen, aber wie hier, auch mit Respektspersonen wie Eltern und Alten, geredet wird… Da hätte ich selbst bei einer jener in den 1990ern so beliebten Talkshows die Augen weit aufgerissen. Auf der anderen Seite wirkte der Text oft hölzern und unbeholfen auf mich, wobei es mir unmöglich ist, zu sagen, ob es so gewollt ist oder sich um ein Problem der Übersetzung handelt. Das sehr interessante Nachwort des Übersetzers Michael Kahn-Ackermann (unbedingt lesen!) lässt ahnen, dass die Übertragung keine leichte Aufgabe war. Das Leseerlebnis wird dadurch jedenfalls nur unwesentlich gestört. Ich fand diesen Einblick in das Leben einer Frau im modernen China, die trotz aller gesetzlich festgelegten Gleichberechtigung doch an den Traditionen und den Ansichten der Gesellschaft scheitert, sehr berührend. Dabei ist Yingzhi keine große Sympathieträgerin. Sie ist weder Unschuldslamm noch pures Opfer. Ihr Verhalten kann man, je nach moralischer Einstellung, oft als dumm bis inakzeptabel einstufen. Was die Geschichte nur um einiges an Vielschichtigkeit bereichert. Was der Roman für mich aber am meisten ausgestrahlt hat, war die Bedrückung und die Ausweglosigkeit. Die Spirale aus Gewalt, die sich immer weiter in die Tiefe bohrt und schließlich außer Kontrolle gerät, ist nicht leicht auszuhalten. Ein brutales Buch, ein wichtiges Buch, ein Buch, das uns alle angeht. Große Leseempfehlung!
gst
aus Pirna
5/5
23.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
China zwischen Tradition und Zukunft
Yingzhi wartet im Gefängnis auf die Vollstreckung ihres Todesurteils. Wie es dazu kam, wird in diesem Roman geschildert, der mich tief eintauchen ließ in ihr erbärmliches Leben.
Früh geschwängert ist sie gezwungen, bei den sie ablehnenden Schwiegereltern zu leben. Während ihr Mann Guiqing sich beim Majong-Spiel vergnügt und das von ihr durch Singen in einer Band verdiente Geld versäuft, soll sie auf der Obstplantage helfen. Doch so ein Leben will sie sich nicht gefallen lassen, sie begehrt auf, was alles noch viel schlimmer macht. Brutal wird versucht, sie in die alten Sitten und Gebräuche zu zwängen.
Die chinesische Autorin Fang Fang (*1955) hat sich in unseren Breiten erst durch das Wuhan Diary, ein Tagebuch über die Ereignisse während der Quarantäne in der am härtesten von der Covid-19-Pandemie betroffenen Millionenmetropole Wuhan einen Namen gemacht. Doch zu schreiben begann sie schon früher. Bis 1982 studierte sie an der Wuhan-Universität chinesische Literatur, arbeitete dann als Redakteurin einer Fernsehstation, schrieb Drehbücher für TV-Serien und veröffentlichte ihren ersten Roman. Eine Erzählung, für die sie 1989 den "Nationalen Preis für herausragende Romane" erhielt, gilt als eines der ersten Werke der damals in China neu aufkommenden Gattung des Neorealismus. 2021 veröffentlichte der Hoffmann und Campe-Verlag den Roman Weiches Begräbnis, übersetzt von Michael Kahn-Ackermann.
Der hat sich nun ein Jahr später auch dem Roman „Wütendes Feuer“ angenommen und ihn mit einem sehr aufschlussreichen Nachwort ausgestattet. Hier erfährt man, dass der Roman 2002 zum ersten Mal veröffentlicht wurde und zeitlich in der ersten Hälfte der neunziger Jahre spielt. Das sind die Jahre eines gigantischen gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, der bis in die Gegenwart andauert. Während wir im Westen nur die schnelle wirtschaftliche Entwicklung des Landes zur Kenntnis nehmen, entgeht uns die gesellschaftliche Revolution.
Die wird in diesem Roman thematisiert und hat mich völlig vor den Kopf gestoßen. Yingzhis Leben ist für mich unvorstellbar. Ihre Emanzipationsbestrebungen werden regelrecht niedergeknüppelt und die von ihr angestrengte Scheidung unmöglich gemacht – egal ob von ihrer eigenen Familie oder von der eingeheirateten. Das Buch ist in einer schnörkellosen Sprache geschrieben und teilweise so spannend, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte. Auf der anderen Seite kam ich kaum mit dem Kopfschütteln ob der in meinen Augen unvorstellbaren Zustände hinterher.
Fazit: Ein gut lesbarer, erschütternder Roman, der einen guten Einblick in das chinesische Landleben Ende des vergangenen Jahrhunderts gibt. Leseempfehlung!
annlu
5/5
14.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
bedrückende Geschichte um die Unterdrückung von Frauen im ländlichen China
„Das ist die Regel, die seit jeher in unserer Familie gilt. Du bist in unsere Familie gekommen und hast dich an diese Regel zu halten.“
China in den Neunzigern: Yingzhi ist am Land aufgewachsen und möchte ihr Leben genießen. Als sie die Chance bekommt, in einer Band zu singen, malt sie sich eine wunderbare Zukunft aus. Doch dann lässt sie sich auf Guiqing ein, wird prompt schwanger und ist gezwungen, ihn zu heiraten. Nun lebt sie in einem anderen Dorf, bei Schwiegereltern, die sie hassen, mit einem Mann, der ihr Geld versäuft und verspielt. Yingzhi will nicht aufgeben und sieht sich doch immer einem Schicksal gegenüber, dem sie nicht entrinnen kann.
Das erste Kapitel zeigt Yingzhi im Gefängnis – dass die Sache nicht gut ausgehen wird, weiß der Leser so schon von vornherein. Ihre Gedanken schweifen zurück zu dem Moment, wo ihr das Leben eine unglaubliche Chance bot – um dann in diesem Desaster zu enden.
Die Bücher der Autorin haben es an sich, dass sie einen hohen Grad an Gesellschaftskritik beinhalten. Hier ist es der Wandel, der in der Moral und Gesellschaft nach dem Umbruch in China in den frühen Neunzigern stattfand. Wir befinden uns in einer ländlichen Gegend, in der dieser Wandel in einem Rückschritt auf alte Traditionen und Werte besteht. Über die Stellung der Frau zu samt ihrer Machtlosigkeit zu lesen, war nicht immer einfach. Sie wird von ihren Schwiegereltern in eine Rolle gedrängt, die sie nicht annehmen will. Ihr Widerstand führt allerdings nur dazu, dass ihr nutzloser Mann auch noch handgreiflich wird. Selbst bei brutalsten Übergriffen hilft ihr ihre Familie nicht weiter. Wie sehr sie selbst im System gefangen ist, zeigen ihre Gedanken – sie kann sich nicht einmal ausmalen, vor ihrem Mann zu fliehen und weit weg zu ziehen. So klammert sie sich an kleine Hoffnungsschimmer und trifft Entscheidungen, die man als Leser nicht immer gutheißen kann.
Unwillkürlich habe ich die Geschichte zeitlich viel früher angesiedelt. Die Erläuterungen im Nachwort, dass wir uns hier am Ende des letzten Jahrhunderts handeln, hat mich sehr ernüchtert, bin ich doch in dieser Zeit aufgewachsen und kenne sie als eine sehr viel emanzipiertere. Trotz der Tatsache, dass es hier von Schicksalsschlägen nur so wimmelt und die Situation von Yingzhi düster und bedrückend wirkt, hat die Geschichte einen Sog auf mich gewirkt, der mich das Buch an einem Abend hat lesen lassen.
Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat aus dem Nachwort erwähnen, das die Geschichte passend beschreibt: *In diesen Strudel gesellschaftlicher, kultureller und moralischer Umwälzungen gerät das junge, lebenshungrige und attraktive Bauernmädchen Yingzhi, und sie verbrennt darin.*
Fazit: Hier sind einige Spoilerwarnungen angebracht – Gewalt in der Ehe und die Machtlosigkeit einer Frau gegenüber einem unterdrückenden System machen das Buch zu keiner leichten Lektüre. Dennoch hat es mich in seinen Bann gezogen und ich kann eine absolute Leseempfehlung dafür aussprechen, dass hier Gesellschaftskritik auf eine Art und Weise verpackt wurde, die unter die Haut geht.
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4/5
23.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine unglaublich bewegende Geschichte
"Wütendes Feuer" war ein unglaublich bewegendes, aber auch bedrückendes Buch.
Ich hätte bei dieser kurzen Seitenanzahl nicht mit so einer tiefgründigen Geschichte gerechnet und vor allem nicht wie sehr sie mich mitnimmt.
Das Buch war alles andere als angenehm zu lesen, jedoch gibt einen erschreckenden Einblick in die Geschichte Chinas, welche mich hier wirklich sehr interessiert hat.
Ich kann das Buch nur wärmsten weiterempfehlen, jedoch sollte man sich bewusst sein, dass dies kein unterhaltendes Buch ist, sondern eines bei dem man die ganze Zeit emotional mitgenommen wird.
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