»Eure Blicke begegnen sich in der Stille. Es braucht keine Worte. Dies ist eine ehrliche Begegnung.« Zum ersten Mal sehen sie sich in einem Pub in South East London. Beide sind schwarz, beide haben schon in der Schule nicht recht dazugehört. Und beide versuchen nun als junge Künstler - er ist Fotograf, sie Tänzerin - ihren Platz zu finden in der englischen Hauptstadt, die sie mal umarmt und mal abstößt. Sie teilen so viel miteinander, die Liebe zu afroamerikanischen Autoren, zum Hip- Hop, und er weiß schon bei der ersten Begegnung, dass sie füreinander bestimmt sind. Aber sie bewegen sich nicht im luftleeren Raum,und die Welt kann ein grausamer Ort sein. Caleb Azumah Nelson erzählt auf schmerzlich schöne Weise die große Liebesgeschichte zweier junger Menschen und erkundet zugleich Fragen von Identität, Diskriminierung und Unterdrückung. Wie (über)lebt man in einer Welt, in der man nicht gesehen wird, in einer Gesellschaft, die einem ein Label aufdrückt? Was heißt es, jedes Mal Angst haben zu müssen, sobald man seine Wohnung verlässt, was, verletzlich zu sein, wenn nur Stärke zu zählen scheint? Und wie fühlt es sich an, in der Liebe Geborgenheit zu finden - und wieder zu verlieren? Caleb Azumah Nelson hat einen der aufre- gendsten und aufrichtigsten, einen der wichtigsten Debütromane des Jahres geschrieben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
30.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Angesehen werden ist das eine, gesehen werden etwas ganz anderes
Gibt es schicksalhafte Begegnungen? Die beiden Hauptprotagonisten in diesem Buch begegnen sich zufällig und haben sofort eine Verbundenheit zueinander. Beide haben mit denselben Außeinandersetzungen zu kämpfen und fühlen sich vom Anderen verstanden. Sie Tänzerin, Er Fotograf, beide schwarz, beide Außenseiter. Es geht in der Geschichte um Rassismus, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Identität, die Suche nach Freiheit, Kunst, Musik, Schmerz, Liebe, Angst. Wie findet man seinen Platz in einer Welt, wenn man jemand ist, der Angst haben muss, sobald er das Haus verlässt. Was tut man, wenn man nicht gesehen und nicht gehört wird. Wie wird man frei.
Jedes Wort in dem diesem Buch hat mich getroffen und ist in meinem Kopf hängen geblieben. Die Du-Perspektive sorgt für eine intensive Gefühlswelt und lässt den Leser voll und ganz mitfühlen. Es macht einem bewusst, was einem vorher vielleicht nicht richtig klar war. Was für eine Aussagekraft und Stärke dieses Buch hat, genau wie ihre Protagonisten. Es geht darum jemanden wirklich zu sehen. Die Ungerechtigkeit und Grausamkeit mancher Menschen hat mich mehr als wütend und fassungslos zurückgelassen. Gleichzeitig spendet das Buch viel Trost. Die Sprache ist so schön. Es ist einfach großartig. Lest es unbedingt!
Bewertung
aus Wien
5/5
08.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbares Erlebnis
“Du zu sein heißt, sich zu entschuldigen und oft besteht diese Entschuldigung in Unterdrückung, und diese Unterdrückung ist unbewusst. Spuck es aus. Warte nicht, bis das Wasser steigt. Entschuldige dich nicht. Vergib dir selbst.“
Freischwimmen ist ein stiller Roman voller Poesie, Verzweiflung und Schönheit. Es geht um Liebe, um das Gefühl nicht zu passen, fremd zu sein, nicht als Mensch wahrgenommen zu werden. Dabei gleichzeitig die Sorge zu haben gesehen und nicht gesehen zu werden. Die Kunst verleiht Linderung, in den Büchern kann sich der Protagonist wiederfinden, in der Musik seinen Rhythmus spüren.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, einem guten Freund beim Erzählen zu zuhören. Ein wunderbares Erlebnis, das fast zu schnell vorbei war. Einfach schön, dass es solche Bücher gibt.
Bewertung
4/5
25.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einzigartig mit jeder Seite
Eine Geschichte, die irgendwie hängen geblieben ist und starke Gefühle auslösen kann. Einzigartig, aufgrund so vieler Dinge: Die Du-Perspektive, die Charaktere und die Stimmung. Sehr melancholisch und traurig, eine Geschichte über das Lieben, das Schwarz sein, den Verlust und die Angst, welche das Leben mit sich bringt. Auf mich hat es gewirkt, als würde der Erzähler im Nebel stehen, alles scheint irgendwie unnahbar und schwer. Man muss sich darauf einlassen, aber dann ist es eine wunderschöne Geschichte!
Lia48
3/5
28.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schöne, ausgefallene Sprache - die Du-Form muss man jedoch hierbei mögen
„Wir werden nicht gesehen. Wir werden nicht gehört. Wir werden falsch wahrgenommen. Wir, die wir laut und wütend sind, wir, die wir kühn und frech sind. Wir, die wir Schwarz sind.“
INHALT:
„Ich glaube, an dem Abend lag etwas in der Luft, das ich erst gespürt habe, als ich ihr begegnet bin. Etwas, das ich im Rückblick nicht ignorieren konnte.“
Er lernt sie auf einer Party kennen, die Freundin seines besten Freundes. Sie spüren, dass da mehr zwischen ihnen ist. Dass sie füreinander bestimmt sind.
Beide verstehen sie sich als Künstler, lieben die Musik, sie tanzt, er fotografiert. Und noch etwas verbindet sie: Sie kennen dieses Gefühl, anders zu sein. Nicht dazuzugehören. Dieser Schmerz in der Brust. Denn beide sind Schwarz und in London damit in der Minderheit.
Wie geht man mit Unterdrückung und Diskriminierung um, die einem begegnen? Wie steht es mit der Angst, auf die Straße zu gehen? Wohin mit all den Gefühlen? Welche Wege soll man gehen, um zu sich selbst zu finden?
MEINUNG:
Kennt ihr diese Bücher, die einen wundervollen Schreibstil haben, die voller wunderschöner Sätze stecken, die man sich am liebsten alle anstreichen würde, und trotzdem kommen die Figuren bei euch gefühlsmäßig einfach nicht an euch heran?
Wie gerne wollte ich das Buch lieben, der Klappentext klang so interessant! Ich kann mir auch vorstellen, dass andere Leser*innen es mögen werden. Ich persönlich hatte jedoch mit der Erzählform meine Schwierigkeiten: Denn der Roman wurde in der Du-Form verfasst. Dafür sollte man offen sein. Zwischendurch gelang mir das auch immer wieder. Doch die meiste Zeit führte dies bei mir zu zu viel Abstand zum namenlosen Protagonisten, er wirkte dadurch so unnahbar auf mich.
Zudem musste ich die Zeilen häufig mehrmals lesen, da mir nicht immer sofort klar war, was sich auf die Gedanken und Handlungen der Hauptfigur bezog, was nicht, und wie ich es deuten sollte. Daher ist das Buch weniger etwas für nebenbei – ihr solltet etwas mehr Konzentration mitbringen, als ich zum Zeitpunkt des Lesens zur Verfügung hatte.
Wäre das Buch in einer anderen Erzählperspektive geschrieben worden, hätte es bei mir wohl einen absoluten Volltreffer landen können! Denn die ausgefallene & poetische Sprache, die Themen (wie Unterdrückung & Diskriminierung von BPoC, Liebe & Beziehung, Angst & Wut), die philosophische Note, ein gewisser Charme und auch die Handlung sind mir sonst sehr positiv aufgefallen.
Die Geschichte schreitet langsam voran und bleibt überwiegend im Hier und Jetzt, weshalb ich zum Inhalt gar nicht mehr verraten möchte.
Mir hat das Buch nochmals gezeigt, mit welchen Gefühlen, manche Minderheiten (BPoC) konfrontiert werden und was das für sie und ihren Alltag bedeuten kann.
FAZIT: Wer mit der Du-Perspektive in Romanen kein Problem hat, dem kann ich das Buch sehr ans Herz legen. Ich persönlich hatte mit der Erzählform leider große Probleme – der Protagonist blieb mir zu unnahbar. 3-3,5/5 Sterne
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