Krisen können Ökonomien von innen heraus verändern, neue Epochen einleiten und Kultursysteme neu konfigurieren. Beispiele sind die Renaissance, die Aufklärung, das industrielle Zeitalter, die Konsumgesellschaft, die POP-Ära u.a Viele dieser Epochen hatten ebenfalls symbolische Auslöser, die etwas zum Durchbruch brachten, was latent bereits in der Gesellschaft vorhanden war. Die Coronakrise beendet die Ära der ungebremsten Erhitzung und Beschleunigung, des Steigerungswahns der letzten Jahrzehnte und der entfesselten Industrialisierung. Dieses Buch knüpft an Die Zukunft nach Corona an, ohne eine Corona-Bilanz zu sein. Es kreist erneut um den Begriff der RE-GNOSE, der zu einer Art Kultbegriff geworden ist. Es zeigt die aktuellen Mindshifts und erklärt wie sich die Zukunft in uns immer wieder neu erfindet.
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Meinung aus der Buchhandlung
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Der Blick in die Zukunft ist wie eine kurze Einsicht in eine Kristallkugel. Mal bekommt man eine richtige Voraussage und dann liegt man halt wieder daneben. Das ist einfach in der Prognose und der Wahrscheinlichkeit vieler Dinge geschuldet. Mal passiert es genau so wie von vielen Spezialisten vorausgesagt und dann liegt man mal wieder völlig daneben. Beim aktuellen Buch des Wiener Zukunftsforschers Matthias Horx ist das auch nicht anders. Einiges wird von ihm sicher richtig vorausgesagt sein, bei einigen Dinge des aktuellen Buches bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass das so nicht eintreten wird.
Zu Beginn seines Buches gibt er einen allgemeinen Überblick über die Lage in Deutschland und der Welt. Aktuell in diesem Fall heißt Stand März 2021. Da sich diese Lage jedoch zur Zeit fast täglich ändert, ist natürlich nicht mehr alles ganz genau so wie von ihm zu (vermutlich) Jahresanfang beschriebener Situation. Die allgemeine Impfpflicht kommt, zumindest bis jetzt, in einigen Teilen der Bevölkerung nicht. Auch wenn manche Länder hier bereits vorpreschen, man denke etwa an die Impfpflicht bei Gesundheitsberufen in Italien, so wird dieses heiße Eisen von den meisten westeuropäischen Ländern noch nicht angegriffen.
Was ich hingegen sehr interessant fand, ist eine These, welche er in der Mitte des Buches aufgreift. In seiner Jugend im Deutschland der 1980er Jahre war, im Gegensatz zu heute, eine ganz andere Krankheit die große Bedrohung der modernen Welt. Die Rede ist von Aids, einer Krankheit die ursprünglich Ende 1970er Jahre zuerst aufgetreten ist. Wann genau lässt er offen. Es ist ja ein Buch über die Zukunft nicht ein historischer Abriss über andere Krankheiten. Das Schreckgespenst der damaligen Zeit, der Ausbruch einer neuen, weltweiten Krankheit, ist somit kein völlig neues Problem. Er widerspricht somit den allgemeinen Katastrophenszenarien, dass das nur alle 100 Jahre passiert. Ein sehr nüchterner und guter Blick auf diese Dinge, wie ich finde.
Auch sehr interessant fand ich seine Ansichten zum Thema Wohnen, welches er im ersten Drittel des Buches aufgreift. Herr Horx ist der Meinung, dass viele Millionen Menschen nun erneut über ihre Wohnungssituation nachdenken werden. Laut seiner Prognose ändert sich etwa alle 40-50 Jahre die Lebenssituation großer Teile der Bevölkerung eines westlichen Landes dermaßen stark, dass man das schon in Jahrzehnte einteilen kann. Ein mir völlig neuer Blick auf das Leben in einer Wohnung. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen zu Hause sind, und das haben wir ja gerade durch diverse Lockdowns hinter uns gebracht, zieht es erneut Menschen aufs Land. In Zeiten, in welchem viele, von der breiten Masse der Gesellschaft, geliebte Freizeitmöglichkeiten eben nicht möglich sind, zieht es viele Menschen, „hinaus aufs Land“.
Dass der genau gegenteilige Trend, zurück in die Stadt zu ziehen, allerdings auch nicht neu ist, zeigt er hier mal wieder gekonnt. Er ist außerdem ein großer Bewunderer des verstorbenen Statistikers Hans Rosling, welchen er an mehreren Stellen zitiert. Daneben kommen diverse Soziologen und andere Zukunftsforscher, vor allem Jaron Lanier, zu Wort. Dieser hat sich bereits in den frühen 2000er Jahren darüber Gedanken gemacht wie das Internet sich weiterentwickelt. Mehrere interessante Ansätze, jedoch hätten mich mehr seine eigenen Ideen interessiert, als alle 4-6 Seiten einen weiteren Autor zu zitieren. Gut aber mit Abschlägen.
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