Texas, 1976: Odessa steht kurz vor dem nächsten Ölboom. Während die Männer der Stadt den kommenden Wohlstand feiern, kennen und fürchten ihre Frauen die Gewalt, die immer zu folgen scheint.
Als die vierzehnjährige Gloria Ramírez mehr tot als lebendig auf der Veranda von Mary Whiteheads Ranch gefunden wird, wissen Mary und die anderen Frauen von Odessa, was jetzt passieren wird. Aber sie wissen auch, dass sie dieses Mal zusammenhalten werden.
Eine eindringliche Erkundung der Schnittstellen von Gewalt, Herkunft und Klasse.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Dirk Knappe
aus Hagen
5/5
04.02.2023
eBook (ePUB)
"Warum ist das kleine Jesuskind nicht in Texas zur Welt gekommen? Weil es hier keine drei Weisen und keine Jungfrau gab". | Aus „Wir sind dieser Staub“
Elisabeth Wetmore erzählt mit eindringlichen Worten eine Geschichte über Gewalt gegen Frauen in einer von Männern dominierten Welt.
Dabei lernen wir beeindruckende, in Erinnerung bleibende Charaktere kennen und tauchen in eine starke Geschichte ein, die Nachdenklichkeit, Wut und Ohnmacht transportiert.
Die Grundlage der Story ist ein Beispiel dafür, dass mangelnde Bildungschancen und fehlende Verteilungsgerechtigkeit gesellschaftlich relevanter Güter ua zu Benachteiligung, Neid, Konkurrenz, Ausgrenzung und (sexualisierter) Gewalt führen (können). Ein Paradebeispiel für Gesellschaften, die gewinnmaximierend produzieren und zu einer "Existenzweise des Habens" degenerieren.
Ein grandioses, wichtiges und unbedingt lesenswertes Romandebüt von Elisabeth Wetmore!
Bewertung
aus Thun im Kanton Bern
5/5
06.02.2022
eBook (ePUB)
tolles Buch
Das ist die traurige Geschichte eines Mädchens, das von einem Cowboy in einer südlichen Region der USA, wo gerade Erdöl entdeckt worden ist und somit ein gewisser „Aufschwung“ und Reichtum erwartet werden, vergewaltigt wird. Der Vergewaltiger wird zwar geschnappt, aber der Kontext, die Kultur, die Mentalitäten (alles sehr männlich, weiss, traditionell, konservativ) haben zur Folge, dass das Gericht die offensichtliche Ungerechtigkeit nicht zu tilgen vermag. Aus der Sicht von Frauen geschrieben; aus der Sicht der Opfer. Sie rennen gegen die weisse Macho-Kultur an.
Gut geschrieben, mit Spannung und Mitgefühl, ohne Dramatik; ein klassisches Thema.
Sonja
aus Freiburg
4/5
22.07.2023
eBook (ePUB)
Frauen in einer Welt der Männer
Wir befinden uns in den 70er Jahren in Odessa, Texas kurz vor dem nächsten Ölboom. Hier wird Gloria, 14 Jahre, von einem jungen Ölarbeiter vergewaltig und fast Tod geschlagen. Sie kann sich zur Ranch der hochschwangeren Mary Rose retten. Aus Angst zieht diese mit ihren Kindern in die Stadt, die dortige Nachbarin Corrine trauert um ihren Mann Potter und kümmert sich um die 10jährige Debra Ann, deren Mutter Ginny aus der Stadt geflüchtet ist. Außerdem wird Mary Rose von Suzanne unterstützt, die krampfhaft versucht, ihrer Familie zu entfliehen. Und die 17jährige Mutter Klara versucht über die Runden zu kommen. Mit der Tat an Gloria werden Ereignisse losgetreten, die die wahre Stärke der Frauen offenbart, aber auch wie schlecht die Welt ist.
Kordula Leisse und Jodie Ahlhorn lesen die sieben Frauen, ich kann nicht sagen, ob sie es abwechseln tun, oder ob jeder Sprecherin Personen zugeordnet wurden, da ich nur reingehört habe, um sagen zu können, dass beide einen sehr guten Job machen mit angenehmen Stimmen.
Die sieben Frauen erzählen uns ihre Geschichte, was ihnen früher passiert ist und wie es ihnen jetzt geht. Keine Frau hatte es leicht und jede versucht das Beste daraus zu machen. Und keine lassen die Ereignisse kalt, auf die ein oder andere Weise beeinflusst es all ihre Leben.
Es ist keine schöne Geschichte, denn das Leben ist nicht immer schön und ich denke, die Autorin hat das Leid der Frauen gut eingefangen und wie sehr eine Frau kämpfen muss, um nicht komplett in Langeweile oder Gewalt verloren zu gehen.
Mir hat das Buch sehr gefallen, wenn auch die Kapitel viel zu lang waren. Die Erzählweise variiert, je nachdem wir folgen. Bei den Kindern geht es eher um die erwachsenen um sie herum und bei den Erwachsenen geht es viel um die eigene Geschichte und Verzweiflung. Der Stil ist sehr ruhig und fast emotionslos, fast wie ein Bericht und das, obwohl es um so starke Emotionen geht, wie Trauer, Wut, Verzweiflung und Liebe. Und das macht das Buch besonders, wenn auch etwas makaber, aber ich denke die Realität war viel schlimmer bzw. ist es noch für viele Frauen auf der Welt. 4,5 von 5 Sterne.
gaby2707
aus München
5/5
28.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Debüt, das mich mitgerissen hat
Die 14-jährige Gloria Ramírez denkt an einen netten Abend mit einem netten Jungen. Doch es soll so ganz anders kommen. Vergewaltigt und zerschunden, die Füße von Glasscherben und die Hände von Stacheldraht zerschnitten, Gesicht und Arme zerkratzt vom Sand der Wüste, in der es nichts gibt außer Mesquitebäume, Moskito- und Büffelgras, Ölpumpen, Bohrrückstände, Klapperschlangen, Kojoten, Truthahngeier. Sie taumelt auf die Terrasse von der hoch schwangeren Marie Rose Whitehead, die ihr mit einer Waffe in der Hand die Türe öffnet. Ihre Tochter ruft den Krankenwagen und den Sheriff, der den jungen Dale Strickland, der seinen Rausch ausgeschlafen hat und nun heran rast um Gloria mitzunehmen, verhaftet.
Was dann für Marie Rose Whitehead beginnt, ist ein Spießrutenlauf. Sie wird bedroht und beschimpft. Sie verlässt sogar ihr Farm im Outback und zieht in die Stadt. Und sie ist die Einzige, die im späteren Prozess gegen Dale Strickland aussagt.
Odessa im Westen von Texas ist eine Stadt voller Männer. Männer, die nach Öl bohren, Männer, denen Frauen zu gehorchen haben und zu Willen zu sein. Dagegen lehnt man sich nicht auf. Die jungen Frauen in diesem unwirtlichen Landstrich kennen es nicht anders. Sie werden mit 15 spätestens mit 17 schwanger. Nur wenige schaffen den Absprung und verlassen die Stadt.
Frauen verlieren ihre Männer, wenn sie versuchen, doch noch schnell über einen Bahnübergang zu fahren oder sie im Auto einschlafen; sie sich betrinken und aus Versehen erschießeb; beim Angeln, wenn sie im See ertrinken; wenn sie ein Bullenkalb erschrecken und das ihnen dann vor die Brust tritt; bei einer Schießerei im Motel oder wegen eines Schwefelwasserstofflecks in der Nähe von Gardale. Oder wegen Chrystal oder Medikamenten.
Und wie sterben Frauen? Normalerweise, wenn Männer sie umbringen.
Elizabeth Wetmore zeichnet das Bild von Odessa, einer Stadt in Texas, in den 1970er Jahren. Ich kann mir beim Lesen die ratternden Ölpumpen, den roten staubigen Wüstensand, die endlose Weite und die Langeweile der Menschen hier gut vorstellen. Aber die Arbeit auf den Ölfeldern bietet die einzige Chance auf schnelles, gutes Geld und damit ein besseres Leben.
Die Autorin lässt Gloria, die sich jetzt Glory nennt, Corrine Shepard, deren Mann Potter an Krebs verstorben ist, Ginny Pierce, Suzanne Ledbetter, die sich mit Avon Produkten etwas dazu verdient, die junge Debra Ann und Karla Sibley aus ihrem Leben erzählen.
Es sind Geschichten von einer Machogesellschaft, von Macht- und Hilflosigkeit, von Ungerechtigkeit und hilflosem Ausgeliefertsein, von Unrecht und Unglück, von Sexismus, Rassismus und dem Ausharren in unglücklichen Beziehungen. Aber es gibt auch die Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, die aus ihrer hoffnungslosen Lage versuchen das Beste machen.
Die Autorin hat einen sehr klaren, deutlichen und lebendigen Erzählstil. Ihre düsteren Bilder prägen sich ein und ich habe bei ihren Schilderungen mehr als einmal schlucken müssen. Sie erzählt eine Geschichte, die aber in all ihrer Düsternis auch kleine helle Flecken der Hoffnung enthält. Und vor allem mit einem Ende, das mir sehr gut gefallen hat.
Claudia
aus Barsinghausen
4/5
11.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Staub und Öl
Der Ort Odessa in Texas liegt in einer unspektakulären, trockenen Gegend und wäre ohne das Erdöl sicher nicht gewachsen. Als sich im Jahr 1976 der nächste Ölboom ankündigt kommt aber nicht nur mehr Wohlstand sondern auch Gewalt in die Stadt. Die vierzehn-jährige Gloria überlebt es nur knapp, schafft es zum Haus von Mary Rose und diese hat genug.
Die Stimmung, die Gegend hat die Autorin gut geschildert. Es ist schwer zu ertragen mit welcher Ignoranz Glorias Fall behandelt wird und das Leben dort kommt mir auch schwer ertragbar vor. Durch den Klappentext habe ich allerdings etwas anderes erwartet, denn z.B. einen großartigen Zusammenhalt der Frauen kann ich nicht erkennen. Wobei einige dann mehr Kraft, Mut und auch Wut haben.
Die Schilderungen der Autorin sind schon intensiv, wirken bedrückend auf mich. Dort würde ich nicht leben wollen. Von der Umgebung her, den Ölfeldern und den Menschen. Es wirkt schon recht deprimierend, hat aber auch viele Zwischentöne. Dabei entwickelt die Geschichte einen gewissen Sog.
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5/5
21.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der texanische Ölboom aus einer anderen Perspektive betrachtet
Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte rund um die Misshandlung einer jungen Mexikanerin durch einen weißen Mann auf einem Ölfeld durch das Buch.
Und doch ist es nur ein kleiner Teil der ebenso aufwühlenden, wie fesselnden, ebenso grausamen wie hoffnungsvollen Geschichte, die Wetmore hier vor den Augen der Leser entspinnt.
Kraftvoll, einfühlsam, sich dabei auch nicht vor den dunklen Orten scheuend, ist dies eine Geschichte über Frauen, die Gesellschaft und wie die einen in der anderen behandelt werden.
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4/5
11.04.2022
eBook (ePUB)
Sehr bewegend
Ein 14-jähriges Mädchen, Gloria Ramirez, hofft auf einen netten Abend mit einem jungen Mann - sie wird vergewaltigt und flüchtet sich auf eine Ranch.
Der Vergewaltiger wird zwar gefasst, aber der Gerechtigkeit wird nicht genüge getan. Weiße, reiche Männer entscheiden...
Aus der Sicht der Frauen geschrieben, mit Spannung und leider auch noch immer mit Parallelen zu Kulturen und Ländern in der Gegenwart.
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