Die Geschichte ist eine Mischung aus Angst und Hoffnung, erzwungener Selbstständigkeit und verlorener Kindheit.
Cover und Klappentext spiegeln den Inhalt des Romans sehr gut wider. Insbesondere die minimalistische Gestaltung gefällt mir unheimlich gut.
Der Roman katapultiert den Leser zunächst zurück in die 90er Jahre, genauer gesagt beginnt die Geschichte 1997 und reicht schlussendlich mit einem kurzen Kapitel bis ins Jahr 2014.
Es ist die Geschichte zweier Schwestern: Kine und Nico. Sie leben bei ihrer alkoholkranken, tablettenabhängigen und manisch-depressiven Mutter Eleonora/Nora, die vom Vater der Mädchen getrennt lebt. Die vernachlässigten und allein gelassenen Mädchen wissen sich durch Routine und selbst aufgestellten Regeln zu helfen. Zum Beispiel ist jedem Wochentag ein bestimmter Pullover zugeordnet. Die oberste Regel heißt nämlich: n i c h t auffallen. Aber auch ihre Mutter haben sie relativ gut (dem Kindes-/Jugendalter angemessen) durchschaut und diese in „3 verschiedene Mütter“ kategorisiert. Dadurch können die Mädchen, je nachdem welche Mutter „da“ ist, ihr eigenes Verhalten anpassen und auf das Verhalten der Mutter reagieren.
Es wird explizit und äußerst authentisch dargestellt, was es für die Mädchen bedeutet, unter diesen Umständen zu leben. Es ist eine Mischung aus Angst und Hoffnung, erzwungener Selbstständigkeit und verlorener Kindheit. Die Schwestern wünschen sich Geborgenheit und umsorgt zu werden. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit alleine im Einkaufszentrum und richten abends im Bett zusammen eine Wohnung mit den Sachen ein, die sie im Einkaufszentrum entdecken. Die Mädchen geben dennoch nicht auf, halten an Träumen und Hoffnung fest. Ein Selbstschutz!
Doch schlussendlich werden sie erwachsen und sind somit in ihrer eigenen von der Vergangenheit geprägten Realität angekommen.
Spannend zu verfolgen ist, wie unterschiedlich sich die beiden Schwestern entwickeln und wie sie zu ihrer Mutter und sich selbst stehen (werden).
Ebenfalls gut dargestellt sind die surrealen Vorstellungen seitens der Mutter über das Verhältnis zu ihren Töchtern. Denn den inneren Konflikt, den die Schwestern schon immer durchstehen mussten, stehen in keinem Verhältnis zu den Erwartungen der Mutter.
Die Worte, die die Autorin Mirthe van Doornik insbesondere in den ersten Kapiteln gefunden hat, sind eindringlich, emphatisch, berührend und echt! Es ist ein Roman, den ich sehr gerne weiterempfehlen kann.
Vielen Dank an den Haymon Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Runenmädchen
5/5
14.09.2021
eBook (ePUB)
Cover und Klappentext…
Cover und Klappentext spiegeln den Inhalt des Romans sehr gut wider. Insbesondere die minimalistische Gestaltung gefällt mir unheimlich gut. Der Roman katapultiert den Leser zunächst zurück in die 90er Jahre, genauer gesagt beginnt die Geschichte 1997 und reicht schlussendlich mit einem kurzen Kapitel bis ins Jahr 2014. Es ist die Geschichte zweier Schwestern: Kine und Nico. Sie leben bei ihrer alkoholkranken, tablettenabhängigen und manisch-depressiven Mutter Eleonora/Nora, die vom Vater der Mädchen getrennt lebt. Die vernachlässigten und allein gelassenen Mädchen wissen sich durch Routine und selbst aufgestellten Regeln zu helfen. Zum Beispiel ist jedem Wochentag ein bestimmter Pullover zugeordnet. Die oberste Regel heißt nämlich: n i c h t auffallen. Aber auch ihre Mutter haben sie relativ gut (dem Kindes-/Jugendalter angemessen) durchschaut und diese in „3 verschiedene Mütter“ kategorisiert. Dadurch können die Mädchen, je nachdem welche Mutter „da“ ist, ihr eigenes Verhalten anpassen und auf das Verhalten der Mutter reagieren. Es wird explizit und äußerst authentisch dargestellt, was es für die Mädchen bedeutet, unter diesen Umständen zu leben. Es ist eine Mischung aus Angst und Hoffnung, erzwungener Selbstständigkeit und verlorener Kindheit. Die Schwestern wünschen sich Geborgenheit und umsorgt zu werden. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit alleine im Einkaufszentrum und richten abends im Bett zusammen eine Wohnung mit den Sachen ein, die sie im Einkaufszentrum entdecken. Die Mädchen geben dennoch nicht auf, halten an Träumen und Hoffnung fest. Ein Selbstschutz! Doch schlussendlich werden sie erwachsen und sind somit in ihrer eigenen von der Vergangenheit geprägten Realität angekommen. Spannend zu verfolgen ist, wie unterschiedlich sich die beiden Schwestern entwickeln und wie sie zu ihrer Mutter und sich selbst stehen (werden). Ebenfalls gut dargestellt sind die surrealen Vorstellungen seitens der Mutter über das Verhältnis zu ihren Töchtern. Denn den inneren Konflikt, den die Schwestern schon immer durchstehen mussten, stehen in keinem Verhältnis zu den Erwartungen der Mutter. Die Worte, die die Autorin Mirthe van Doornik insbesondere in den ersten Kapiteln gefunden hat, sind eindringlich, emphatisch, berührend und echt! Es ist ein Roman, den ich sehr gerne weiterempfehlen kann.
Bewertung
aus Braunschweig
5/5
27.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nico & Kine...
...wachsen in den 1990er Jahren nach der Scheidung der Eltern bei der Mutter auf.
Empathisch und ohne Abwertungen ihrer ProtagonistInnen erzählt Mirthe van Doornik, wie es ist mit einem Suchtkranken Familienmitglied groß zu werden.
Der Roman beginnt in den 1990er Jahren, wird wechselweise aus Sicht von Kine und dann aus der Sicht der älteren Schwester Nico erzählt.
Beide gehen sie sehr unterschiedlich mit der alkoholabhängigen Mutter um.
Während Kine sich Sorgen macht und kümmert ist es Nico, die zunehmend Distanz zur Mutter - genannt Nora - sucht.
Lange halten die Schwestern fest zusammen. Doch als Nico volljährig ist kommt es zu einem Bruch und sie geht ihrer Wege.
Werden die Schwestern sich wieder sehen?
"Uns zusammen halten." von Mirthe van Doornik - aus dem niederländischen übersetzt von Andrea Kluitmann - ist ein absolutes Lesehight für FreundInnen von tiefgründigen Romanen, für Menschen die sich gerne in andere Perspektiven hinein denken möchten.
Obwohl das Thema bedrückend ist, heitern die Schwestern auf ihre ganz eigene Art die Atmosphäre immer wieder auf und schenken kleine Lichtblicke.
Minni28
aus Abtswind
5/5
13.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Authentisch und berührend
Kine und Nico haben keine schöne Kindheit. Ihre Mutter ist alkoholabhängig und so müssen sie ihr Leben ziemlich alleine meistern. Es herrscht eine große Hoffnungslosig- und auch Auswegslosigkeit.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Autorin erzählt sehr berührend und authentisch diese Geschichte und Nico und Kine sind wirklich sympathisch. Es wird hier nicht mit erhobenen Finger auf die suchtkranke Mutter gezeigt, sondern einfach erzählt wie es ist. Es wird nichts beschönigt. Es gibt sogar ein paar humorvolle Szenen und das macht dieses Buch zu etwas besonderen. Mir gefällt es sehr gut, es ist eine gelungene und wirklich lesenswerte Geschichte.
J. Kaiser
4/5
17.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrückliche Geschichte
Klapptext: Wir sind Glückspilze, Kine, wir können tun, was wir wollen. So tröstet Nico ihre kleine Schwester. Denn die sehnt sich nach einer Mutter, die sich kümmert. Nicos und Kines Mutter ist dazu nicht in der Lage, sie ist alkoholkrank und mit sich selbst und ihren psychischen Problemen beschäftigt.
Fazit: Jede Sucht hinterlässt Spuren. Sei es beim Suchtkranken selber, oder auch bei allen um sie herum. Nico und Kine die beiden Schwestern müssen früh Verantwortung für sich selber übernehmen. Es sind Alltagsdinge. Einsteigen immer in den ersten Metrowagen. Sie stützen sich selber, ihre Mutter hat mit den eigenen Problemen zu kämpfen. Der Leser gewinnt einen Eindruck, was es heisst, wenn jemand der Sucht verfallen ist. Die beiden Schwestern stützen sich gegenseitig und haben ihre Träume. Man erlebt im Buch die Kindheit, das Heranwachsen und das Erwachsen sein. Das Buch zu lesen, verlangt vom Leser einiges. Doch das soll niemand daran hindern es zu Lesen. Man erkennt auch den Tiefgang, den das Buch aufzeigt. Sehr empfehlenswert.
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