Die junge Imani kümmert sich aufopfernd um ihren Geliebten Germano, der sich schwer versehrt in ein abgelegenes Dorf am Flussufer gerettet hat. Währenddessen tobt der Krieg zwischen der portugiesischen Krone und dem mosambikanischen Herrscher Ngungunyane immer erbarmungsloser: Die schwer bewaffneten, aber entmutigten Portugiesen, die weder die Sprache noch das Land verstehen, auf der einen Seite und das riesige Heer des Ngungunyane, der selbst einen Krieg gegen das eigene Volk führt, auf der anderen. Schließlich fasst Imanis Vater einen verzweifelten Entschluss: Er will Imani dem Herrscher zur Frau anbieten - damit sie ihn tötet. Sprachgewaltig lässt Mia Couto ein einschneidendes Kapitel der mosambikanischen Geschichte und portugiesischen Kolonialzeit wiederauferstehen.
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Ein lusitanisch-mozambikanisch…
Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 18.05.2021
Bewertungsnummer: 2790580
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein lusitanisch-mozambikanisches Epos. "The Clash of Civilizations" Die Mythen des Landes dienen Mia Couto als Inspiration zu seiner Imani-Trilogie. Hier beschreibt er die Geschichte Mosambiks Ende des 19. Jahrhunderts und den Krieg gegen den König des Gaza-Reiches. Es dominieren zwei gegensätzliche Pole: Portugiesen und Mosambikaner. Europa und Afrika. Imanis Erzählungen sind der rote Faden und jedes Kapitel wird von einem Zitat, Sprichwort oder einer afrikanischen Sage eingeleitet. Anschaulich werden einzelne Persönlichkeiten gezeichnet wie Imanis Vater, einen Marimba-Spieler oder Pater Rudolfo, ein Mann zwischen zwei Hautfarben und zwei Geschlechtern und seine zauberkundige wundenheilende Gefährtin Bibliana. Die italienische Bordellbesitzerin Bianca Vanzini. Und natürlich König Ngungunyane mit seinen Frauen und sein Gegenspieler Zixaxa. Germano de Melo, Imanis Geliebter. Andrea Alvaro, Kapitän der Kriegsmarine. Mouzinho de Albuquerque, Oberbefehlshaber, der den König gefangen nimmt. Im März 1896 erreicht das Schiff Lissabon. Mit an Bord auch die schwangere Imani, auf ein Wiedersehen mit Germano hoffend. Ihr neugeborener Sohn wird ihr weggenommen. Sie wird weder ihn noch Germano je wiedersehen. Germanos letzter Brief ist ein feiger Abschiedsbrief: er liebe sie und sei ihr treu, aber es gebe keine gemeinsame Zukunft, habe es nie gegeben. Neben der Liebesgeschichte nimmt der Krieg zwischen den Portugiesen und dem König des Gaza-Reiches einen bedeutsamen Platz ein. Sinistre rassistische Denkgebäude: Die Weißen brauchen einen Feind wie den König. Sie brauchen diesen gedemütigten Herrscher, um den Afrikanern und auch den Europäern ihre Macht zu demonstrieren, als ob sie die Herren des Kontinents seien, von dem sie nichts wissen und nichts kennen außer ein paar Weilern. Sie sehen in den Afrikanern nur gottlose, feiernde, singende und tanzende Wesen. Europa hat Afrika nicht erobert. Imani, eine starke junge Frau, die sich zwischen den beiden Welten wie ein Fisch im Wasser bewegt und die doch der eigenen Herkunft, dem eigenen Schicksal nicht entgehen kann, strahlt wie ein Leuchtturm in diesem umfangreichen Werk. Mia Couto skizziert ein Panorama der Menschheit mit eindrucksvollen Wort-Bildern und verbindet historische Fakten mit afrikanischen Mythen. Ganz unerwartet der narrative Schluss, ein gekonnt eingesetzter stilistischer Überraschungseffekt dieses Romans, aus dem die Traurigkeit über die Unvereinbarkeit der Welten, der Menschen, der Seelen atmet. Mia Couto ist es gelungen, in ausführlichen Schilderungen die komplexen Denk- und Handlungsweisen beider Parteien zu schildern. Die Fotos einiger real existierenden historischen Personen aus im Anhang komplettieren dieses unbedingt lesenswerte, unbedingt empfehlenswerte Buch. Eine Metapher der afrikanischen Denkweise: Schuhe statt bloßer Füße. Die Schuhe werden Teile Deines Körpers werden. Deine Schritte werden nie mehr Deine eigenen sein. Du wirst Wege beschreiten, die Dich von dir selbst weit weg führen. Und wenn Du die Schnürsenkel zusammenziehst, wird es Deine Seele sein, die Du einschnürst.
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