Warum sich nicht einfach verkriechen und zu Tode trinken? Eine besorgte Freundin leiht der unglücklichen Sascha Geld und schickt sie nach Paris, in jene Stadt, in der sie vor Jahren glücklich war. Sie soll auf andere Gedanken kommen. Aber was für Gedanken sollen das sein? In Paris hat Sascha einst ihre große Liebe gefunden - und mehr als das verloren. Wie betäubt lässt sie sich durch das Paris der 1930er Jahre treiben, besucht die Cafés, Bars und Restaurants, in denen sie damals war, macht flüchtige Bekanntschaften, etwa mit einem Mann, den sie »Gigolo« nennt. Immer wieder trifft sie Menschen, die sie von früher kennt, die aber vorgeben, sie nicht mehr zu erkennen. überall, so scheint es, wird sie schief angeschaut, überall spürt sie Ablehnung. Am schlimmsten ist es, wenn sie nachts in ihrem schäbigen Hotelzimmer sitzt, an die dreckige Decke starrt oder - noch schlimmer - in den Spiegel und in ihr Inneres. Gleichzeitig hofft sie, dass nicht wieder dieser René an ihrer Tür klopft und sie diesen Nichtsnutz zum Teufel schicken muss. Und dann wieder hat sie Angst, dass René nicht kommt.
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Wenn die Gedanken die Gefühle beherrschen …
Herbstrose (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 18.01.2026
Bewertungsnummer: 2984596
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Daheim in London hätte sich Sasha beinahe zu Tode getrunken, deshalb hat ihr eine Freundin Geld geliehen, dass sie nach Paris fahren kann, um auf andere Gedanken zu kommen. Dort, wo sie sich einst wohlfühlte und glücklich war, soll sie das Leben wieder genießen. Doch auch in Paris wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und kann ihren Gefühlen nicht entfliehen. Sie wandert durch die Stadt, trinkt weiterhin zu viel und geht in Bars, wo sie sich mit Männern trifft. Ihre Erinnerungen gehen zurück in die Zeit, damals, als sie ihre große Liebe Enno heiratete, ein Kind bekam – und beide auf tragische Weise wieder verlor. Sie versucht verzweifelt, ihre innere Leere mit Alkohol und Männerbekanntschaften zu bekämpfen …
Jean Rhys, geb. 1890 auf der Karibikinsel Dominica, gest. 1979 in Exeter/England, war die Tochter eines walisischen Vaters und einer kreolischen Mutter. Sie kam 1907 nach England, wo sie bald in Armut lebte, als Aktmodell arbeitete und vom Geld verschiedener Männer lebte. Während der 1920er Jahre zog sie nach Paris, hatte aber stets Heimweh nach der Karibik. In diese Zeit fiel auch der Beginn ihrer Alkoholkrankheit. 1923 fing Rhys an zu schreiben – bis 1939 wurde vier Romane von ihr veröffentlicht, die meist autobiografische Züge tragen. Dann geriet sie für beinahe drei Jahrzehnte in Vergessenheit, bis sie sich 1966 mit einem neuen Roman wieder meldete. Die Autorin war insgesamt dreimal verheiratet und hatte zwei Kinder, von denen eines frühzeitig verstarb. In ihrem Todesjahr 1979 wurde sie als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt.
Auch der Roman „Guten Morgen, Mitternacht“ aus dem Jahr 1939 trägt offensichtlich autobiografische Züge. Er spielt in Paris in den 1930er Jahren und in den Erinnerungen der Protagonistin in den 1920ern und ist aus der Sicht von Sasha geschrieben. Es ist wie ein innerer Monolog, eine traurige, depressiv-melancholische Geschichte, nicht einfach zu lesen und zu verarbeiten. Dennoch schafft es die Autorin, den Leser/die Leserin zu fesseln und mitten hinein zu ziehen in das Chaos der Gedanken, Gefühle und inneren Zustände der Protagonistin. Diese ist zwar nicht gerade sympathisch, trotzdem ist man förmlich eins mit ihr. Man nimmt das Buch zur Hand, man versinkt darin und kann es nicht mehr weglegen, bis man es beendet hat.
Fazit: Ein Buch das schnell gelesen ist, aber noch lange nachhallt. Meine uneingeschränkte Empfehlung!
Meinung aus der Buchhandlung
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Ich vermute, dass vielen LeserInnen die Autorin Jean Rhys kein Begriff sein wird. Soweit ich mich erinnere, las ich vor vielen Jahren einmal ihr Buch "Sargassomeer", wodurch sie mir gut im Gedächtnis blieb.
Der von Grete Felten übersetzte Roman "Guten Morgen, Mittagnacht" erzählt die wunderbar traurige Geschichte einer Frau in Paris. Gestisch und subtil. Eine kleine Entdeckung und zu Unrecht fast vergessen.
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