Red Hook, Brooklyn/New York: ein Arbeiterviertel kurz vor der Gentrifizierung. Es ist Sommer. Die Hitze drückt. Aus Langeweile beschließen die beiden Teenager June und Val, auf einem Plastikfloß aufs Meer hinauszupaddeln. In der Schwärze der Nacht gehen sie verloren, und nur Val überlebt. Halb bewusstlos und verletzt wird sie an Land gespült.
Das tragische Ereignis geht nicht spurlos an den Bewohnern des Viertels vorbei. Unter ihnen Cree, ein aus der Spur geratener Jugendlicher, der sich zum Hauptverdächtigen der Polizei macht, Fadi, ein aufstrebender libanesischer Bodega-Besitzer, der aus der Trauersituation Profit schlagen will, und Jonathan, ein gescheiterter Musiker, der mit seinen zerstörten Träumen und den Sünden seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. In einer kristallklaren Sprache erzählt Ivy Pochoda von der menschlichen Zerbrechlichkeit und Widerstandskraft, von Hoffnungsschimmern in der Trostlosigkeit - und einem dunklen Geheimnis, das Visitation Street bis zur letzten Seite zum hoch spannenden Thriller macht.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Elke
aus Vaihingen an der Enz
5/5
22.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Red Hook, Brooklyn
Eine Sommernacht in Red Hook, dem heruntergekommenen Hafenviertel an der Südspitze Brooklyns. Es ist schwül, die Hitze drückt. Außer Langeweile nichts geboten für June und Val. Zwei Teenager, ein rosa Schlauchboot, gegenüber die glitzernden Lichter der Metropole. Hier der Alltag, dort die Verheißung. Das tragische Ende dieses Ausflugs offenbart sich im Licht des Tages, denn es ist nur Val, die zurückkehrt. Angespült und halbtot. June bleibt verschwunden. Das Viertel in Aufruhr, Unfall oder Verbrechen?
Eine Ausgangssituation, die Spannung verspricht, oder? Aber wenn man Ivy Pochodas „Visitation Street“ auf die Thriller-Elemente reduzieren wollte, würde man diesem großartigen Roman Unrecht tun, denn die eigentliche Hauptfigur ist Red Hook, dessen Brüchigkeit in den Tagen nach Junes Verschwinden deutlich zutage tritt. Die Gegend ist schäbig, die Häuser abgewohnt, ein glanzloses Viertel, und dennoch Heimat. Aber die Veränderung klopft schon an, machen doch Gerüchte über ein Kreuzfahrtterminal die Runde. Und dass nach dessen Bau sich die gesamte Struktur Red Hooks verändern wird, steht außer Frage. Die einen versprechen sich Wohlstand davon, wie beispielsweise Fadi, Betreiber eines Minimarkts, Knotenpunkt und Nachrichtenumschlagplatz des Viertels. Andere wiederum haben gemischte Gefühle, befürchten sie doch, dass dessen Seele durch die Gentrifizierung unwiderruflich verschwinden wird.
Wir begegnen den verschiedensten Menschen, jeder für sich besonders und mit Val verbunden. Am eindrücklichsten bleibt ihr Freund Cree im Gedächtnis, der schwarze Junge, dessen Vater erschossen wurde und dessen Mutter mit den Toten spricht. In besagter Nacht wurde er auf dem Pier gesehen, und in Verbindung mit seiner Hautfarbe reicht das schon aus, dass er für die Polizei zum Verdächtigen Nr. 1 im Fall der vermissten June wird. Jonathan, der verkrachte Musikerlehrer, der Val aus dem Wasser gezogen hat und sich seither für sie verantwortlich fühlt. Nicht zu vergessen Ren, der Sprayer, der durch die Straßen huschende Schatten, der an den unterschiedlichsten Stellen auftaucht und tiefer als vermutet mit dem Hook verwurzelt ist. Allesamt in beeindruckender Weise angelegt und charakterisiert.
Pochodas Beschreibungen sowohl der Umgebung als auch der Personen sind subtil, tauchen in das Innerste ein und schaffen so eine Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Sie lenkt den Blick auf Tragödien, auf das Geheime, das verbindet und trennt und die Wahrnehmung des Selbst und der Umgebung verändert. Großartig, und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.