Authentisch, kompetent, unbestechlich: In seinem Corona-Tagebuch hat der Arzt und Public Health Experte Martin Sprenger seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen während des Shutdowns und seiner Zeit als Mitglied der Corona-Taskforce der österreichischen Bundesregierung minutiös festgehalten.
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aus Kirchberg am Wagram
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25.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
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4/5
30.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr aufschlussreicher Blick hinter einen Teil der Corona-Kulisse
Mein Interesse an Autor Sprenger, Professor für Public Health in Graz, entsprang der Tatsache, dass er vier Wochen lang ‚Insider‘ war und auch nach seinem Rücktritt aus Protest den ‚Lockdown‘ im März vehement verteidigt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, was die rätselhafte Eskalation der Regierung Kurz unmittelbar nach Erreichen aller Ziele betrifft. Statt planvoller, kontrollierter Öffnung kündigte der Kanzler in einer Pressekonferenz Ende März ‚hundertausend Tote‘ an, statt zu ermutigen, verbreiteten er und sein grüner (!) Gesundheitsminister Anschober Panik. In den Tagen danach bekam Sprenger die subtile Macht der Regierung zu spüren und entzog sich ihr durch Rücktritt vom Ehrenamt. Vier Wochen lang hatte er vergeblich für einem Blick auf’s Ganze geworben, also die Abwägung vom Nutzen des Lockdowns und seinen Schaden an anderer Stelle, sei es in der Wirtschaft, aber besonders in allen übrigen Teilen der Gesundheitsversorgung. ••• Sprengers Blick ist sehr persönlich und wirkt daher sehr authentisch, gerade auch die Schilderung der eigenen anfänglichen Unsicherheit und des eigenen Lernprozesses. Trotz der zeitweiligen Nähe zum Zentrum der Macht blieb diese ihm letztlich verborgen und rätselhaft, ist der Titel also sehr treffend gewählt. Es wurde dennoch ein aufschlussreiches Buch, ein Blick hinter die Kulissen zumindest der Wissenschaft, die sich alles andere als egalitär darstellt, sondern als mit mehr oder eben weniger Zugang zur Macht ausgestattet. Es lässt einiges von dem erahnen, was bei uns in Deutschland in dieser Hinsicht gelaufen sein und noch laufen könnte. Die immer zu spürende Loyalität verleiht der am Ende vehementen Kritik umso mehr Gewicht. ••• Martin Sprenger selbst scheint eine gewisse Sturheit und Wahrhaftigkeit auszuzeichnen, die mir sehr gefällt, dazu eine Prise Selbstironie als ‚gelernter Österreicher‘, die seine beiläufige allgemeine Kritik an der österreichischen Gesellschaft und ihren besonderen Gepflogenheiten legitimiert. ••• Der eine Punkt Abzug fällt nicht leicht, doch lange zitierte, bereits anderweitig veröffentlichte Passagen erschweren stellenweise die ansonsten leicht und gut lesbare Lektüre. | https://www.rubikon.news/autoren/winnie-schneider
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