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Der Mann im roten Rock

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

14.01.2021

Abbildungen

96 Farb- und schwarzweisse -Abbildungen

Verlag

Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

21,8/14,5/2,7 cm

Gewicht

604 g

Farbe

Rost / Beige

Auflage

3. Auflage

Originaltitel

The Man in the Red Coat

Übersetzt von

Gertraude Krueger

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-462-05476-7

Beschreibung

Rezension

»Julian Barnes neues Buch ›Der Mann im roten Rock‹ ist ein geistreicher, fulminanter Essay über die Kunst und das Leben – und zugleich das Plädoyer für ein weltoffenes Europa.« ("WDR 3 Mosaik")
»Dieses seltsame, aufregende, abseitige Buch über eine eher fremde Epoche [ist] hochaktuell.« ("rbb Kultur")
»ulian Barnes (75) ist ein begnadeter Erzähler. In seinem neuesten Werk schildert er die wahre Geschichte des französischen Gynäkologen und Dandys Jean Samuel Pozzi (1846–1918) und schafft wie nebenbei ein Porträt des Fin de siècle und ein Plädoyer für ein geeintes Europa nach dem Brexit.« ("Blick, Schweiz")
»Grandios.« ("Die Zeit")
»Eine hochliterarische Kultur- und Gesellschaftsgeschichte voll Esprit und Eleganz.« ("Kleine Zeitung")
»Ein Sachbuch, das sich aber über Normen hinwegsetzt.« ("Nürnberger Zeitung")
»Julian Barnes schafft es, und mit einer vergnüglichen, lehrreichen, überraschenden Lektüre den Spiegel vorzuhalten und uns aufzufordern uns ein Beispiel an den Menschen der Zeit zu nehmen, über den Tellerrand zu schauen, mit Ehrgeiz, Lebensbedingungen zu verbessern durch gegenseitiges Lernen und Lehren und einem europäischen Miteinander.« ("HilLA")
»›Der Mann im roten Rock‹ ist eine meisterliche Annäherung an einen Menschen und dessen Zeit, gleichermaßen tiefgründig wie leichthändig geschrieben. Und darüber hinaus ein Stoff, der uns näher ist, als man zunächst glauben mag.« ("Gießener Anzeiger")
»Ein fabelhaft-kurzweiliges Porträt der Belle Epoque.« ("Oberösterreichische Nachrichten")
»Barnes schreibt sich durch einen weltumspannenden Kulturkosmos und von Gemälde zu Gemälde, wie immer sind seine Kunstanalysen brillant.« ("Die Zeit Literaturbeilage")

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

14.01.2021

Abbildungen

96 Farb- und schwarzweisse -Abbildungen

Verlag

Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

21,8/14,5/2,7 cm

Gewicht

604 g

Farbe

Rost / Beige

Auflage

3. Auflage

Originaltitel

The Man in the Red Coat

Übersetzt von

Gertraude Krueger

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-462-05476-7

Herstelleradresse

Kiepenheuer & Witsch GmbH
Bahnhofsvorplatz 1
50667 Köln
DE

Email: produktsicherheit@kiwi-verlag.de

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  • yellowdog

    4/5

    14.01.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die schöne Epoche Der…

    Die schöne Epoche Der englische Schriftsteller Julian Barnes hat mit Der Mann im roten Rock ein essayistisches Werk über eine Zeit der Jahrhundertwende in Frankreich vorgelegt, das sehr unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt stellt er den Arzt Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), der viele bekannte Persönlichkeiten kannte. Es ist ein scharfsinniges Buch und sehr interessant. Man folgt Barnes gerne, wenn er nicht nur Pozzis Leben folgt sondern auch immer wieder die Leben vieler andere einbezieht: Oscar Wilde, Robert de Montequieu, Maupassant, Marcel Proust, Sarah Bernhardt und viele andere. Die Geschichten dieser Persönlichkeiten sind vielfach miteinander verquickt. Julian Barnes schreibt detailreich, ohne sich darin zu verlieren. In der Summe entsteht ein Gesamtbild! Ein opulentes, lesenswertes Buch!

  • sleepwalker

    3/5

    18.06.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    „Im Juni 1885 kamen drei…

    „Im Juni 1885 kamen drei Franzosen in London an. Einer war ein Prinz, einer war ein Graf und der Dritte war ein einfacher Bürger mit einem italienischen Familiennamen. Der Graf beschrieb den Zweck der Reise später als »intellektuelle und dekorative Einkaufstour«“. Damit fängt Julian Barnes‘ neuestes Werk „Der Mann im roten Rock“ an. Kein Roman, keine Biografie, sondern ein Essay über die Belle Époque, das Fin de Siècle im Allgemeinen und den Arzt Dr. Samuel Jean Pozzi, der John Singer Sargent für dessen Gemälde „Dr. Pozzi at Home“ (so heißt das Bild vom Mann im roten Rock tatsächlich) 1881 Modell gestanden hat, im Besonderen. Für mich ein Buch, das ich zwischen einzigartig und eigenartig ansiedle. Zugegebenermaßen kannte ich vor der Lektüre weder Julian Barnes noch Dr. Pozzi und die Belle Époque konnte ich nur grob einordnen. Aber jetzt, da ich das Buch zu Ende gelesen habe, weiß ich wesentlich mehr. Viel zu wenig über den Arzt, aber sehr viel über die Zeit, in der er lebte. Über ihn habe ich erfahren, dass er ein visionärer Gynäkologe war und ein Arzt für die Reichen und Schönen. Dass er ein Dandy, Lebemann und Kunstsammler war, widerlich gut aussah und dass er von 1848 bis 1918 lebte. Außerdem lernte ich etwas über seinen mehr oder weniger illustren Dunst- und Freundeskreis, in dem sich neben Grafen und Prinzen auch bekannte Persönlichkeiten wie Sarah Bernhardt Oscar Wilde bewegten. Über die Zeit der Belle Époque erzählt Julian Barnes locker und im Plauderton von großer Geschichte und kleinen, intimen Geschichten. Er schreibt über Duelle, zeitgenössische Literatur und Kunst und zeichnet damit ein deutliches Bild der Zeit und des dekadenten Lebens der damaligen High Society. Sprachlich fand ich das Buch sehr gut formuliert, wenn auch manche Sätze sehr lang und verschachtelt sind. Aber der Inhalt ist durch die Fülle an Personen und die unglaubliche Masse an wichtigen und unwichtigen Informationen sehr überladen und hat mich manchmal fast erschlagen. Ich kam mir vor wie in einem Spinnennetz. Ausgehend von der Mitte (dem Gemälde vom Mann im roten Rock) flicht der Autor viele Fäden in alle möglichen Richtungen. Ich klebte wie eine Fliege in der Mitte, unfähig, das Buch wegzulegen, aber auch nicht wirklich begeistert davon. Wer sich für ein Sittenbild der Belle Époque interessiert, der ist mit dem Buch hervorragend bedient. Wer sich aber eine Biografie des Arztes erhofft, wird wohl ebenso überrascht und eventuell enttäuscht sein, wie ich und sich durch die Menge an Information leicht überfahren fühlen. Die kleine Prise Politik, die der Autor einfließen lässt, fand ich allerdings sehr erleuchtend: er beleuchtet die Unterschiede zwischen England und Frankreich bezüglich der Frauenrechte, Korruption, Auffassung von Recht und Gesetz, lässt seine Protagonisten philosophisch angehaucht einen Blick auf Europa werfen, was aus heutiger Sicht, nach vollzogenem Brexit sogar fast poetisch anmutet. Aber leider gibt es zu Dr. Pozzi, der eigentlich die Hauptperson des Buchs sein sollte, gar nicht so viele Fakten, denn er hat selbst nicht wirklich viel hinterlassen. Das meiste, was man über ihn erfährt, stammt aus den Tagebüchern seiner Tochter oder Briefen und so verkommt er eher zum Nebendarsteller in einem Buch über sich selbst. Hauptdarsteller ist die Zeit, in der er lebt und Julian Barnes zeichnet ein gelungenes Sittenbild, was aber nicht das ist, was ich erwartet habe und was Klappentext und Buchbeschreibung versprochen haben. Mir lag das Buch daher nicht wirklich und ich vergebe drei Sterne.

  • Xirxe

    aus Bad Pyrmont

    3/5

    04.03.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Haben Sie schon einmal von…

    Haben Sie schon einmal von Samuel Pozzi gehört, der von 1848 bis 1918 lebte? Er war Arzt, ein Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie. Und auch sonst ein sehr umtriebiger Mensch, der seiner Zeit in Vielem weit voraus war. Julian Barnes hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns diesen Mann ein wenig näher zu bringen – und nicht nur ihn. Wir lernen seine Freunde, weitere Bekannte und Unbekannte kennen und die Zeit, in der er lebte. Im Plauderton erzählt Barnes nicht nur von Dr. Pozzi und seinen zahlreichen amourösen Verhältnissen, sondern auch eine Vielzahl von Anekdoten über bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten. Beispielsweise worauf Charles de Gaulles Abneigung gegenüber den Briten zurückzuführen war (Faschoda) oder Näheres zum Entdecker des Tourette-Syndroms. Keine Frage, wer sich für die Belle Époque interessiert, wird hier eine reichhaltige Fundgrube an historischen wichtigen aber auch belanglosen Informationen entdecken. Und nicht nur an Schriftlichem: Der Verlag hat aus dieser Lektüre ein wunderschönes Buch gemacht, gedruckt auf hochwertigem Papier mit zahlreichen Farb- und Schwarzweißbildern, die viele der damaligen Persönlichkeiten auf Gemälden oder Photos abbilden. Nur die Biographie des Herrn Dr. Pozzi kommt leider etwas zu kurz, wie ich finde. Julian Barnes‘ Begeisterung an dieser Epoche und seinen Menschen (zumindest denen aus der gehobenen Schicht) ist überdeutlich zu spüren, was bedauerlicherweise nicht immer zum Vorteil der Lesenden gereicht. Es scheint, als wolle er uns so viel wie möglich an seinem immensen Wissen teilhaben lassen, und so werden viele der erzählten Dinge nur angerissen – zu knapp, wie ich häufig fand. Gerade Dr. Pozzi, dessen Gemälde das Cover des Buches zeigt, kommt meiner Meinung nach leider, wie schon erwähnt, viel zu kurz. Dies mag daran liegen, dass es über und von seiner Person nicht sehr viele Hinterlassenschaften gibt wie beispielsweise Briefe, Tagebücher o.ä. Wenn, dann sind es meist Dokumente aus zweiter oder dritter Hand wie beispielsweise das Tagebuch seiner Tochter oder die Briefe Sarah Bernhardts an Dr. Pozzi. So entsteht zwangsläufig ein ziemlich fragmentarisches Bild des titelgebenden Mannes ‚im roten Rock‘, während sein Freund Robert de Montesquiou-Fezensac wesentlich häufiger Erwähnung findet. So ist dieses Buch trotz des Titels kein Porträt einer einzelnen Person, sondern vielmehr ein Panorama der Belle Époque mit vielen Informationen aus jener Zeit – Klatsch, Tratsch und Belangloses mit inbegriffen.

  • Wedma

    3/5

    14.01.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Kurz gesagt: Eine passable…

    Kurz gesagt: Eine passable Lektüre, wenn man an Geschichte interessiert ist und viel Geduld mitbringt. Oft genug habe ich mich allerdings gefragt, warum erzählt uns der Werte Autor das Ganze? Eine Menge an unnützem Wissen, was da auf einen prasselt. Dick überkleistert mit Effekthascherei, muss ich leider hinzufügen. Weshalb viel Geduld erforderlich: Hier geht es hauptsächlich nicht um den Mann im roten Rock. Vielmehr ist es ein Portrait der Zeit in Paris der Belle Époque. Dieses Zeitalter wurde hier detailreich, für mein Dafürhalten zu detailreich vorgestellt. Zwischendurch, insb. in der ersten Hälfte, musste ich denken: Warte mal. Das soll doch eine Art Biografie eines Arztes sein, der seiner Zeit voraus war. Aber seitenlang ging es um Dandytum, dieses Thema wurde so intensiv beackert, dass ich den Eindruck gewann, dies wäre einer der roten Fäden hier. Über die Duelle erfährt man auch allerhand, wie all dies zustande gekommen war und wer so alles bei den Duellen und anderem Blödsinn mitgemacht hatte, welche Bedeutung dem beigemessen wurde, welche Logik dahintersteckte usw. Man liest an mehreren Stellen von Sarah Bernhardt, Oskar Wilde und noch vielen anderen Prominenten dieser Zeit, die man aus dem Stehgreif kennt und von noch vielen weiteren, die man nicht kennt. Schön ist, dass ihre Portraits passend zum Text dabei sind. Es gibt eine ganze Reihe an Persönlichkeiten, die mit zumindest paar Zeilen den Eingang in dieses Werk geschafft haben. So manche Charakterisierung fiel aber ganz schön ausführlich aus, was recht oft passierte, sodass die Frage auftauchte, wozu all die Unmenge an Details gut sein sollte? Oder ist es schlicht die Unfähigkeit zu streichen und alles verwursten wollen, was einem bei den Recherchen unter die Hände kam? Und nun der Punkt, der mich durch das gesamte Werk gestört hatte: Es wurde so oft und herzhaft in die Schublade sex sells gegriffen, dass ich mich fragen musste, ob der werte Autor die Leser für so primitiv hält, dass dies als ein unbedingter Teil angesehen wurde, da man sonst sein Werk nicht anrühren würde. Offenbar war man der Meinung, man müsse mit solchen Ausführungen diese Geschichte „aufwerten“. Solche Vorgehensweise offenbart vor allem zwei Dinge: Geringschätzung der Leser und eigene Unfähigkeit zu schreiben, i.e. das gewählte Thema so packend und unterhaltsam darzubieten, dass sex sells gar nicht nötig wäre. Natürlich kann man sagen, das passt in die Zeit, mag sein. Aber deshalb soll das Portrait der Zeit mit dem Zeug nicht unbedingt zugekleistert werden. Viele Wege führen nach Rom. Und nicht zwangsläufig über die besagte Schublade. Ansonsten gab es auch interessante, aufschlussreiche Ausführungen, z.B. der Vergleich der Franzosen mit Engländern, was die Ehe, die Rolle der Liebe in der Ehe usw. angeht. Es ging u.a. noch um Gott und die Welt. Solche philosophisch angehauchten Gedanken, die mit der Weltanschauung eines lebenserfahrenen Mannes zu tun haben, taten dem Ganzen richtig gut. Sie brachten oft die Dinge auf den Punkt und werteten das Werk ungemein auf. Streckenweise fühlte ich mich prima unterhalten. Hin und wieder gab es Grund zum Auflachen oder Schmunzeln. Fazit: Es eher ein Werk über diese Zeit, schon allein, wenn man auf das Verhältnis schaut, wie viel Seiten darauf verwendet wurden, über den Arzt zu referieren und wie viele über die damalige Prominenz und ihre fragwürdigen Sitten. Das Verhältnis ist schätzungsweise 20/80. Kann man lesen. Muss man aber nicht unbedingt. Gekürzt.

  • Bories vom Berg

    aus München

    2/5

    02.06.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Literarischer Bastard Das…

    Literarischer Bastard Das neueste Werk des englischen Schriftstellers Julian Barnes mit dem Titel «Der Mann im roten Rock» gehört zu den essayistischen seines umfangreichen Œuvres. Der Titel bezieht sich auf den französischen Arzt Samuel Pozzi, den er in einer Londoner Galerie auf einem Gemälde entdeckt hatte, das nun das Titelbild ziert. Das Leben dieses Mode-Arztes und Salonlöwen dient ihm allerdings nur lose als roter Faden durch die Belle Époche in Paris, zu deren gesellschaftlicher Elite der begnadete Frauenarzt gehörte. Seine Biografie bietet Barnes Anlass zu allerlei Betrachtungen vor allem gesellschaftlicher Themen, die der bekanntermaßen frankophile Schriftsteller immer wieder zu neuen Vergleichen der beiden so unterschiedlichen Nationen nutzt. Es beginnt mit der Reise dreier Franzosen nach London, zu der Pozzi 1885 mit dem Schriftsteller Robert de Montesquiou und dem Komponisten Edmond de Polignac aufbrach. Seine Begleiter waren beide homosexuell, während der blendend aussehende und charmante Pozzi, unglücklich verheiratet, als ausgesprochener Womanizer galt. Womit einer der thematischen Schwerpunkte dieses Essays schon genannt ist, es gibt reichlich schwule Männer in diesem Buch, Oscar Wilde dürfte deren bekanntester Vertreter sein. Immer wieder kommt Barnes auf dessen berühmten Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» zurück, zitiert daraus und setzt sich in verschiedenen Aspekten damit auseinander. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt in diesem Werk über eine wichtige historische Epoche ist die Beschäftigung mit der zeitgenössischen Kunst, vor allem der Malerei. Gleich zu Beginn geht Barnes darauf ein, beschreibt präzise analysierend das lebensgroße Ölgemälde des Arztes. Inhaltlicher Schwerpunkt ist jedoch das dekadente Gesellschafts-Leben jener Zeit mit all dem Klatsch und Tratsch, den amourösen Skandalen, dem in Frankreich noch lange praktizieren Duell-Unwesen, aber auch mit den politischen Ereignissen. Die Dreyfus-Affäre ist das populärste Beispiel dafür, er kritisiert aber ebenso heftig den Kolonialismus. Wie er sich übrigens im Nachwort auch als ein vehementer Gegner des Brexit outet, den er als ebenso verblendet brandmarkt, für ihn eine englische, nicht britische Fehlentscheidung, wie er ausdrücklich betont! Man ist an ein Who’s Who erinnert angesichts der Figurenfülle dieses Buches, zu der nicht wenige Dandys gehören wie die drei Reisenden zu Beginn. Eine für Frankreich spezifische Gattung von Männern übrigens, der sich Julian Barnes sehr ausführlich widmet. Er wird nicht müde, all die Größen des Fin de Siecle aufmarschieren zu lassen mit seinem pompösen Figuren-Ensemble, ihre Beziehungen untereinander zu beschreiben und zu deuten. Gleich zu Beginn taucht da Henry James auf, der amerikanisch-englische Schriftsteller, von Flaubert bis Proust fehlt kaum einer der berühmten französischen, wobei Joris-Karl Huysmans mit seinem Roman «Gegen den Strich» deutlich häufiger herangezogen und zitiert wird als Oscar Wilde. Prominenteste Frau ist Sarah Bernardt, als Schauspielerin der erste Weltstar überhaupt, Patientin von Pozzi, die ihn nur Doctor Dieu nannte und wohl auch seine Geliebte war, - nichts Genaues weiß man nicht! Was Julian Barnes hier nach umfangreichen Recherchen in lockerem Stil, angereichert mit fast 100 Abbildungen, pointenreich berichtet, ist natürlich auch mit englischem Humor durchmischt. Das macht die Lektüre der vielen Krisen und Skandale zwar unterhaltsam, seine häufigen Abschweifungen allerdings führen mit unzähligen Anekdoten und auf kontemplativen Nebenwegen oft ins Leere. Bei seiner episodenhaften Erzählweise geht dann der innere Zusammenhang zuweilen verloren und es wird langweilig. Im Verbund mit der Überfülle an Figuren, von denen viele allenfalls Insidern bekannt sein dürften, wird das Lesen recht beschwerlich. Der überraschend romanhafte, allerdings ja authentische Schluss rettet diesen weder als Essay noch als Biografie überzeugenden literarischen Bastard dann auch nicht mehr.

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