Der international agierende Konzern LoveStar mit Sitz in Island hat eine Methode gefunden, um die Menschheit komplett fernzusteuern. Träume werden entschlüsselt und zu Geld gemacht, der Tod wird zu einem großen Spektakel vermarktet, und die einzig wahre Liebe wird jedem Menschen unwiderruflich per Algorithmus zugerechnet. Ein junges Paar jedoch versucht, sich der totalen Gleichschaltung zu widersetzen und seine ganz individuelle Liebe zu retten - während die Welt ins Chaos stürzt ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Buchstabenträumerin
5/5
20.11.2020
eBook (ePUB)
Mit „LoveStar“ wagt Andri…
Mit „LoveStar“ wagt Andri Snær Magnason einen absurden, düsteren, tragischen, wahnwitzigen, bitterbösen und überraschend humorvollen Blick in die Zukunft der Menschheit. Tatsächlich ist es die spannendste Dystopie, die mir seit langem begegnet ist. In ihr denkt und entwickelt der Autor und Umweltaktivist Magnason konsequent die digitale und mediale Gesellschaft weiter, gießt sie zu einem fragwürdigen Endprodukt und beschreibt gleichermaßen ihr selbst verursachtes Ende. Es ist eine Reise durch die Abgründe der menschlichen Konsumgesellschaft, in der Menschen von Werbung beeinflusst und gesteuert werden und den Blick für das echte Leben vollkommen aus den Augen verloren haben. Ein durch und durch faszinierender Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite erstaunt, überrascht und gefesselt hat. Das Zentrum all diesen Geschehens bilden die gewaltigen, bahnbrechenden Ideen von LoveStar sowie die Liebesgeschichte von SigrÍður und Indriði. Beginnen wir mit LoveStar, dem Namensgeber des Romans. Die Erfolgsgeschichte von LoveStar beginnt mit der Erforschung von Vogelwellen. Diese Wellen ermöglichen es einem Vogelschwarm, in absolutem Gleichklang zu fliegen, ohne offenkundige Signale untereinander auszutauschen. LoveStar hat es geschafft, diese Vogelwellen für den Menschen zu adaptieren, um Geräusche, Bilder und andere Signale ohne zwischengeschaltete Geräte zwischen Menschen übermitteln zu können. Der „handfreie moderne Mensch“ war geboren. Kabel und Leitungen gehören der Vergangenheit an, Menschen können sich Bilder und Filme direkt auf die Augenlinse übertragen lassen, sie telefonieren ohne Handy, sie hören Radio ohne Kopfhörer und können sogar als Werbetreibende arbeiten, indem die ISTAR (die Image-, Marketing- und Öffentlichkeitsbereich der LoveStar Stimmungsabteilung) an ihrem Sprachnerv andockt und die Menschen für Werbebotschaften instrumentalisiert. Alles in allem ist diese Geschichte absolut verrückt! Dennoch wirkt nichts an den Haaren herbeigezogen und unglaubwürdig. Alles ist eine logische Konsequenz von Entwicklungen, die wir heute schon in Grundzügen in unserer Gesellschaft beobachten können. Angesiedelt ist LoveStars Imperium im Öxnadalur auf Island, was für mich ein starker Anreiz war, dieses Buch lesen zu wollen. Ich verbinde mit Island insbesondere Dunkelheit und Abgeschiedenheit sowie eine gewisse magische und mysteriöse Aura. Hier scheint alles möglich, hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, was gerade dem Genre Dystopie natürlich sehr zuträglich sein kann. Und ich wurde nicht enttäuscht. Zudem hat mich die Biografie des Autors sehr beeindruckt und man spürt zwischen all der Absurdität und des Humors dennoch die Ernsthaftigkeit, mit der Magnason ihm wichtige Themen aufbereitet hat. Zum Ende hin klingt der Roman apokalyptisch-philosophisch-infernalisch aus (in Ermangelung einer treffenderen Beschreibung). Denn wann sind Grenzen der Beeinflussung und Kontrolle erreicht? Ab wann entgleitet die Selbstwahrnehmung eines Menschen aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner vermeintlichen Unfehlbarkeit hin zu einem Gottkomplex? Hier erhebt sich der Roman nochmals über die Ebene der Konsum-, Marketing- und Gesellschaftskritik hinaus, was für mich ein sehr rundes Ende und vor allem eine logische Konsequenz von allem Vorangegangenen war. Großartig. „LoveStar“ von Andri Snær Magnason ist eine atemberaubende, erschreckende, teils groteske und gleichzeitig irrsinnig lustige Dystopie, die einen zum Lachen und Weinen bringt. Schon nach den ersten Sätzen geriet ich einen Sog, der bis zur letzten Seite nicht nachließ. Eine kluge Beobachtung unserer Gesellschaft, unseres Konsums sowie der Kontrolle, die Konsum und Werbung auf unser Leben haben. Gleichzeitig geht der Autor der Frage nach, wann digitaler, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt in Machtmissbrauch und Größenwahnsinn umschlagen. Sehr empfehlenswert und für mich schon jetzt ein Buch, das Kultstatus erlangen kann.
Bewertung
aus Speyer
5/5
03.11.2020
eBook (ePUB)
Ein anderes Buch ...
Dass Andri Snær Magnasons „LoveStar“ dereinst auf Bestsellerlisten auftauchen wird, scheint nicht zu befürchten – wohl aber zu hoffen. Worum geht’s denn da?
LoveStar handelt vom gleichnamigen isländischen Konzern LoveStar, der eine Methode gefunden hat, Menschen fernzusteuern: ihr Innerstes wird zu Geld gemacht, eine Tochtergesellschaft vermarktet den Tod, man bekommt seinen Partner von einem Algorithmus einer weiteren LoveStar-Tochtergesellschaft quasi zugewiesen. Doch ein junges Paar versucht sich dem zu widersetzen und seine Liebe zu leben, derweil die Welt im Konsumrausch ins Chaos taumelt ...
Wo fängt man denn nun damit an, was man von der Geschichte hält? Am besten mit Island: Krimis von dort kennt man ja einige, Belletristik? Eher weniger … wer sich aber schon näher mit Island befasst hat, ahnt, dass das schräg sein könnte (wie mancher isländische Film oder auch Musik bzw. Künstler von dort beweisen) – und das ist es! Nun ist das Setting als solches durchaus nicht neu (dass Magnason auch Regisseur ist könnte sich für eine evtl. anstehende Verfilmung als günstig erweisen), erschreckend bleibt es allemal – und vor allem erschreckend wenig weit weg. Wer sich nicht dabei ertappt fühlt, an die eine oder andere amerikanische Datenkrake zu denken, lebt offenbar nicht im Jahr 2020. Noch bizarrer wird es aber, da gleich zu Beginn des Buches in bester Hitchcock-ManierVögel vom Himmel stürzen – und das ist nur ein Teil der verrücktspielenden Natur, die Magnason auch sehr plastisch schildert. Wenn man zumindest glaubt, ein Konzept dahinter zu erkennen, werden einen Magnasons irre Einfälle durchaus zu unterhalten wissen. Vermutlich deshalb braucht man ein bisschen, um sich in der Geschichte, der Denke, der Welt von „LoveStar“ zurechtzufinden, doch wenn man diesen ersten möglichen Widerstand überwindet, wird man belohnt. Und das auch durch Magasons Schreibstil, der gleichermaßen direkt wie abwechslungsreich und eigenwillig ist und durchaus feinen Spott transportiert. Somit saß ich nach der Lektüre erstmal staunend da und musste das Gelesene verdauen: Ein anderes, ein intelligentes, dystopisches, aber nicht „hoffnungsloses“ Buch – meines Erachtens unbedingt lesenswert, aber nicht leicht verdaulich.
Bianca Penz
5/5
25.02.2021
Buch (Taschenbuch)
"Lovestar" ist eine Mischung aus...
"Lovestar" ist eine Mischung aus Science Fiktion-Utopie und Liebesgeschichte. Eine tolle Mischung die einen sofort in ihren Bann zieht. Für jeden der gerne mal über den Tellerrand hinausschaut.
Bewertung
aus Köln
3/5
25.11.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein erschreckendes Zukunftsszenario, das am Ende die Hoffnung auf eine neue, bessere und echtere Welt macht, mir insgesamt aber zu satirisch war
Die Firma LoveStar hat eine Methode entwickelt, um Menschen zu überwachen und fernzusteuern. LoveDeath wurde hervorgebracht, um den Tod zu vermarkten. Für die Menschen ist es zum Ziel geworden, sich im Todesfall mit einer Rakete in den Himmel schießen zu lassen, um als Sternschnuppe wieder auf die Erde zu fallen. InLove handelt dagegen mit der Liebe und berechnet den wahren Partner. Ein eigens errichteter Vergnügungspark in Öxnadalur, im Norden Islands, wurde zur Pilgerstätte für Sterbende und ihre Angehörigen und berechnete Partner auf der Suche nach ihrem Pendant.
"Lovestar" stellt die Dystopie durch zwei Erzählstränge dar: der Firmengründer Lovestar, der mit einem Samenkorn auf der Suche nach LoveGod ist und die beiden Liebenden Indriði und SigrÍður, die seit fünf Jahren zusammen sind und damit umgehen müssen, dass SigrÍður mit einem anderen Mann berechnet wurde.
Das Buch ist bereits vor knapp 20 Jahren erschienen, wurde nun wieder neu aufgelegt und ist als Zukunftsszenario zeitlos.
Das Buch handelt vom Leben in einer Konsumgesellschaft, in der es nur noch darum geht, möglichst viel auf Personen zugeschnittene Werbung zu betreiben, um Produkte zu verkaufen. Dabei werden arme Seelen oder skrupellose Menschen zu Krähern. Die Gesellschaft ist zudem hochtechnisiert. Als "handfreier" Mensch ist man auf keinerlei Schalter oder Kabel mehr angewiesen, Geräte funktionieren vollautomatisch.
Es geht um Kontrolle und Perfektion. Kinder, die Probleme bereiten, können zurückgesetzt werden, so dass Eltern im zweiten Anlauf eine neue Chance bekommen, es besser zumachen. Indriði ist so ein Zweitgeborener, der als Kind unter dem Druck stand, erneut bei schlechtem Betragen zurückgesetzt zu werden.
Das Buch enthält viele fantastische Ideen, konfrontiert den Leser mit so manch skurriler Situation, so dass die Geschichte so übertrieben grotesk ist, dass man sie kaum noch ernst nehmen kann. Die Kritik des Autors an der modernen Konsumgesellschaft ist mir ein wenig zu sehr an die Spitze getrieben, auch wenn der Kern der Geschichte wichtig und als Mahnung zu verstehen ist. Szenen, wie der Wolf, der Menschen im Ganzen verschlingen kann, ohne sie zu verdauen und mit einem Reißverschluss geöffnet werden kann, rufen dagegen eher Kopfschütteln hervor.
"Lovestar" ist ein erschreckendes Zukunftsszenario, das am Ende die Hoffnung auf eine neue, bessere und echtere Welt macht, mir in Gänze allerdings zu satirisch war.
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