"Wiesenstein" ist die Geschichte eines irrend-liebenden Genies und einer untergehenden und sich doch dagegenstemmenden Welt. Ein überwältigender Roman.Der alte Mann, eine Berühmtheit, Nobelpreisträger, verlässt mit seiner Frau das Sanatorium, wo beide Erholung gesucht haben, und wird mit militärischem Begleitschutz zum Zug gebracht. Doch es ist März 1945, das Sanatorium Dr. Weidner liegt im eben zerstörten Dresden und der Zug fährt nach Osten. Gerhart und Margarete Hauptmann nämlich wollen nirgendwo anders hin als nach Schlesien, in ihre Villa "Wiesenstein", ein prächtiges Anwesen im Riesengebirge. Dort wollen sie ihr immer noch luxuriöses Leben weiterleben, in einer hinreißend schönen Landschaft, mit eigenem Masseur und Zofe, Butler und Gärtner, Köchin und Sekretärin – inmitten der Barbarei.Aber war es die richtige Entscheidung? Überhaupt im Dritten Reich zu bleiben? Und was war der Preis dafür? Können sie und ihre Entourage unbehelligt leben, jetzt, da der Krieg allmählich verloren ist, russische Truppen und polnische Milizen kommen? Und das alte Schlesien untergeht?Hans Pleschinski erzählt erschütternd und farbig, episodenreich und spannend vom großen, genialen Gerhart Hauptmann, von Liebe und Hoffnung, Verzweiflung und Angst. Er erzählt vom Ende des Krieges, dem Verlust von Heimat, von der großen Flucht, vergegenwärtigt eine Welt, die für uns verloren ist, und das Werk Gerhart Hauptmanns, auch mit unbekannten Tagebuchnotizen. -
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wieder gelingt Hans Pleschinski (nach Königsallee und Thomas Mann) mit dem Roman über Gerhart Hauptmanns letzte Jahre im luxuriösen Anwesen Wiesenstein ein Portät des Dichters mit all seinen Widersprüchen. Gleichzeitig entsteht ein faktenreiches Bild einer untergehenden Welt. Unglaublich gut erzählt, realistisch und vieles mit feiner Ironie.
Bewertung
5/5
05.08.2021
eBook (ePUB)
Gerhard Hauptmann und Wiesenstein
"Wiesenstein" ist eine beeindruckende Mischung aus Roman und Sachbuch. Geschildert wird das letzte Lebensjahr von Gerhard Hauptmann, der nach einem Sanatoriumsaufenthalt unbedingt zurück in seine "Burg zum Schutz und Trutz" Wiesenstein will. Diese liegt allerdings in Schlesien und dort tobt im März 1945 der Krieg. Hauptmann ist zu alt, zu krank und zu stur um zu erkennen, dass seine "heile" Welt gerade zusammenbricht. Beharrlich klammert er sich an sein privilegiertes Leben und blendet die Wahrheit aus. "Wiesenstein" ist nicht leicht zu lesen, aber es lohnt sich!
Bewertung
5/5
03.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Wiesenstein
"Eine Burg zum Schutz und Trutz" nannte Gerhart Hauptmann seine Villa "Wiesenstein" im Riesengebirge.
In diese "mystische Schutzhülle seiner Seele" kehrte er noch im März 1945 heim. Der Autor beschreibt das Ende des großen Schriftstellers vor dem Hintergrund des Endes des Zweiten Weltkrieges.
Bewertung
5/5
07.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zeitenwende stimmungsvoll und intelligent aufgearbeitet
Um dieses Buch zu lesen, sollte man ein gewisses Interesse für Literatur(geschichte) aufbringen und Freude an einem etwas komplexeren Sprachstil haben. Man sollte sich auch Zeit nehmen, um die Gedankengänge der Personen und die literarischen Zitate besser aufzunehmen, was sich in meinen Augen unbedingt lohnt. Leser, die durch ihre Lektüre mit Vollgas und permanentem Spannungsbogen rasen möchten, sind bei anderen Autoren sicherlich besser aufgehoben. Mir hat dieses anspruchsvolle und unterhaltsame Buch sehr gut gefallen. Und es hat meine Neugier auf Gerhart Hauptmann (wieder)erweckt.
TochterAlice
aus Köln
5/5
18.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der alte Mann und das…
Der alte Mann und das Gebirge: Das Riesengebirge in Niederschlesien, genauer gesagt. Dort haust der alte Mann, nämlich der berühmte Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann, zum Ende des zweiten Weltkriegs und will auch nicht fort aus seiner schlesischen Heimat, obwohl er nicht nur dort bekannt ist wie ein bunter Hund. Auch, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland schon das Feuer unter dem Allerwertesten brennt - Hauptmann gilt als eine der Ikonen Deutschlands und wird auch jetzt noch hofiert und gut versorgt - wie es übrigens unter allen Regierungen der Fall war. Hauptmann ist kein Nazi, aber er hat es sich bequem gemacht im Regime, kann er doch in seinem geliebten Haus Wiesenstein wohnen bleiben und wird mit allem Komfort versorgt, den man sich nur denken kann. Dafür erwartet das Regime das ein oder andere flammende Statement zur rechten Zeit - nun ja, aus Hauptmanns Sicht kein allzu großes Opfer. "Wiesenstein", der Roman, der nach Hauptmanns Haus, nach seiner Trutzburg sozusagen - denn genau als solche sieht er sein in jüngeren Jahren erworbenes und selbst geschaffenes bzw. zumindest erweitertes Heim - gibt die aller- aber wirklich allerletzten Zuckungen des Nationalsozialistischen Deutschland wider und beginnt unmittelbar nach der Bombardierung Dresdens, die Hauptmann ausgerechnet in der Stadt bzw. in deren unmittelbaren Umgebung erleben musste. Jetzt soll es heimgehen und so zieht der bereits bettlägerige Hauptmann gemeinsam mit seiner Frau Margarete in Begleitung der Sekretärin Annie Pollak und des sich gerade erst angedienten Masseurs Paul Metzkow entgegen allen Flüchtlingsströmen alle düsteren Vorhersagen ignorierend gen Osten: Nur nach Hause, lautet die Devise! Und zum ersten Mal kommt ein Bedürfnis zum Vorschein, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Roman zieht: die Menschen in seiner Umgebung, hier also Annie und Paul, erhoffen sich Schutz durch die Nähe zu Gerhart Hauptmann, Sicherheit vor feindlichen Truppen, ebenso aber eine gewisse Gewährleistung von Komfort - was 1945 vor allem bedeutet, satt zu werden und etwas zum Anziehen zu haben, vielleicht sogar zum Wechseln. Und daheim auf Wiesenstein wartet noch ein ganzes (naja, kleines, aber immerhin) Bataillon von Bediensteten mit denselben Erwartungen. Der Hauptteil des Romans, auf Wiesenstein, hat etwas Unwirkliches, ja Groteskes. Autor Hans Pleschinski vermag diese Endzeitstimmung, die auch in Haus Wiesenstein herrschte, trotz einiger Längen und Umständlichkeiten, die ich empfunden habe, unglaublich kraftvoll und dicht, mit einer starken Präsenz wiederzugeben. Fast empfand ich mich als Teil der Hauptmann'schen Entourage. Das "normale" Leben, auch wenn es das eines alten, ja sterbenden Mannes und seines Umfelds ist, in harten Zeiten und in einer Gegend, die quasi schutzlos ist, zumindest im Verlauf des Romans dazu wird - das hat etwas sehr, sehr Frappierendes, betroffen machendes. Ein kluger, unglaublich umfangreich recherchierter Roman, der dem Thema dank eindringlicher Schilderung eine kraftvolle Präsenz einzuhauchen vermag! Ja, es gibt Passagen, in denen Hauptmanns Werke seitenweise zitiert werden. Ja, es gibt Passagen, in denen der Meister parodiert, oder vielmehr: bloßgestellt wird. Ja, diese Teile fügen sich nahtlos in den Roman. Nein, ich habe sie nicht gerne gelesen, überhaupt nicht gerne. Aber ich muss auch nicht jede Kleinigkeit dieses absolut opulenten Werkes, nein: Meisterwerkes schätzen, um es in seiner Gesamtheit würdigen zu können. Und das tue ich hiermit und empfehle es jedem weiter, der Romane über signifikante historische Personen und Entwicklungen so liebt wie ich. Die Lektüre ist eine wahre Herausforderung, aber was für eine! Ich jedenfalls knie nieder vor einem Meilenstein der deutschen Literatur!
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