Karl-Markus Gauß ist "Spezialist fürs Entlegene" (NZZ). Nach "Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer" erzählt er nun feinfühlige Geschichten von besonderen Orten und Menschen in Europa
Was man immer schon von Karl-Markus Gauß lesen wollte: Ob er über einen muslimischen Sommelier im albanischen Berat berichtet oder die verblüffende Geschichte des größten Truppenübungsplatzes Mitteleuropas erzählt, ob er den Reichtum der europäischen Sprachen preist oder die sensationshungrigen Gaffer von heute mit den Besuchern der Gladiatorenkämpfe von einst kurzschließt, immer folgen wir den Spuren eines feinfühligen Flaneurs, der aus Einzelheiten ein welthaltiges Ganzes formt.
In seinem neuen Buch besticht der "Spezialist fürs Entlegene" (NZZ) als eigensinniger Aufklärer, als Meister vieler Genres und eleganter Stilist.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
1 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
verdienter Preisträger Das…
Juti aus HD am 03.04.2022
Bewertungsnummer: 2766444
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
verdienter Preisträger Das hatte ich noch nie: Während ich dieses Buch lese, erhält es den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und ich sage zu Recht. (Sonst lese ich Bücher erst nach der Preisverleihung.) Ursprünglich glaubte ich, das Buch handle von Reisereportagen. In der Tat beginnt es mit der wohl schönsten albanischen Stadt Berat, wo ein mohammedanischer Sommelier die Weine erklärt, obwohl er nie einen Tropfen Alkohol getrunken hat. Auch die Bäcker-Bacher Kreuzung in Salzburg fällt wie die tschechische Stadt Trebic mit einem Judenviertel ohne Juden und Venedig durch die Hintertür in diese Kategorie. Aber dann, mitten im 1. Kapitel wird es politisch. Erst moniert der Autor, dass fotografierende Neugierige Rettungskräfte behindern, dann beklagt er das die Demut – laut Augustinus die Mutter aller Tugenden – von den Politikern in allen Situationen als unterschätztes Machtmittel gerne benutzt wird. Auch der „Konkurrent“ wird zum „Mitbewerber“ oder gar zum „Marktbegleiter“. Abschließend wundert er sich über die europäische Übersetzungskultur, doch das Englische wird mehr und mehr zu Universalsprache. Das 2. Kapitel beschreibt zunächst den größten Truppenübungsplatz Österreichs zwischen Döllersheim und Allensteig, der ganze Dörfer den Erdboden gleich machte, dann behandelt es die Kloake als Kulturleistung, bevor die titelgebende Geschichte von einer Mathematikerin spricht, die als Stadtführerin in der Vielvölkerstadt arbeitet. Das Kapitel mit dem Roma-Mädchen Nadica, das in Österreich so schlecht behandelt wurde, dass es zurück nach Serbien möchte. Im 3.Kapitel thematisiert Gauß das Ende der Habsburger-Monarchie, die sich in den Krieg flüchten musste und vergleicht dann Österreich-Ungarn mit Jugoslawien und der Europäischen Union. Dann beschreibt die Auferstehung der Gotschee, einem Gebiet im Grenzland von Slowenien und Kroatien, im Internet. Der Grenzfluss Pruth, die fiktiven natürlichen Grenzen (Bsp.: Görlitz oder Komorn an der Donau), der unterschiedliche Umgang mit einer Grenze in der Peripherie und im Zentrum, Grenzen gegen Flüchtlinge und Zukunftsaussichten stehen dann im Mittelpunkt. Dann fragt sich Gauß, was der Osten ist und wie Wien in 50 Jahren aussieht. Traditionelle Minderheiten wie die Burgenlandkroaten verschwinden, dafür kommen neue, die z.B. Arabisch sprechen. Der Schluss des Buches scheint autobiografisch von der Hinwendung des Autors zum Schreiben zu handeln. Erst sein Deutschlehrer, dann seine Leseliste, dann seine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn auf einer Lesereise. Für ein Buch über Gallizien hätte er den Titel „Das reiche Land der armen Leute“ gewählt, in Deutschland sei es umgekehrt. Das Werk schließt mit einer Beschreibung einer Wanderung am Monte Pasubio zwischen Südtirol und Venedig, wo Gauß ein Gewitter voraussagt. Die Füllen an Informationen lassen nur 5 Sterne zu. Zitat: In meinem Land geht die Krise nicht unter. (Kaiser Franz Joseph 114)
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.