Jack und Ronnie treten gemeinsam aus dem Schatten des Zweiten Weltkriegs auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Jack ist Entertainer, Ronnie Zauberer. Sie kommen beide aus dem berüchtigten Londoner East End und steigen im flirrenden Showgeschäft der Fünfzigerjahre zu Stars auf. Evie, Ronnies Assistentin und Verlobte, beginnt heimlich eine Affäre mit Jack. Aus Freunden werden Rivalen. Wenig später verschwindet Ronnie während eines Auftritts und bleibt unauffindbar – als könnte er wirklich zaubern. Ein überraschender, hypnotischer Roman über zwei Männer im Rampenlicht, die sich in dieselbe Frau verlieben.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
5/5
22.03.2020
Hörbuch-Download
Eine besondere Geschichte
Der große britische Erzähler hat eine wunderbare kleine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und Liebe verfasst. Jeder einzelne der drei Hauptcharaktere fühlt sich nach kurzer Zeit wie ein enger Freund an und die magische Atmosphäre wirkt noch lange nach. Höchster Hörgenuss.
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sommer 1959. Der letzte in den 50er Jahren. Ronnie, Zauberer aus Leidenschaft, bekommt in der Show seines Freundes, dem flinken Jack, seine eigene Nummer. Er bekommt Unterstützung von der bezaubernden Evie White, von nun an seine Assistentin und später seine Verlobte. Doch weshalb wirft Evie noch im selben Sommer ihren Verlobungsring ins Meer? Wie kam Ronnie zur Zauberei? Und was hat es mit Pablo, dem Papagei auf sich? In den 60er Jahren ist nichts mehr so wie es war. Als Evie 75 Jahre alt ist, wirft sie einen Blick auf ihr magisches Leben im Rampenlicht. Und auf die beiden Männer, die stets neben ihr standen. Ein Buch wie der Sommer. Mal wärmt es das Herz, mal sitzt es drückend schwer auf der Brust. Ein zauberhafter Roman für helle Tage.
TochterAlice
aus Köln
5/5
20.05.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hier schreibt Graham Swift…
Hier schreibt Graham Swift von Zauberern und anderen bunten Vögeln. Auch wenn es zunächst gar nicht so schillernd losgeht in diesem kurzen Roman, der doch alles beinhaltet, was man sich nur wünschen kann! Vor allem eine glasklare Sprache und einen stimmigen, fesselnden Stil, beides bleibt in der exzellenten Übersetzung bestens erhalten! Im Mittelpunkt steht Ronnie, zunächst ein kleiner, verschüchterter Junge, den es zu Beginn der Bombardierungen auf London im Zweiten Weltkrieg - was mehr oder weniger gleichbedeutend mit dem Beginn des Krieges selbst ist - aufs Land verschlägt. Er wird, wie Abertausende anderer britischer Kinder auch, evakuiert und wird von seinen Gasteltern mehr oder weniger verzaubert - denn er kommt mehr oder weniger in ein Paradies. In dem er auch noch das Zaubern lernt. Diese Fertigkeit will er Jahre später zu seinem Beruf machen - gemeinsam mit Jack, seinem Freund aus Armeezeiten, träumt er von einer Karriere auf der Bühne. Zu der dieser ihm irgendwann, mittlerweile zum Moderator einer kleinen Show geworden, ihm tatsächlich verhilft. Und fast auch noch zu einer Braut. Aber eben nur fast. Warum das so ist und wie es kommt, dass Jack ebenso plötzlich von der Bühne verschwindet wie er auf ihr landet - das beschreibt Graham Swift ebenso lakonisch wie fesselnd. Und das Publikum - in diesem Falle wir, die Leser - bleibt mindestens ebenso nachdenklich zurück wie Evie, Ronnies Fast-Ehefrau... Ein überaus lohnendes Stück englischer Literatur, das aus meiner Sicht nur einen einzigen Mangel aufweist: es ist viel zu schnell zu Ende!
https://lieslos.blog/
5/5
27.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die magische Welt des Showbusiness und vieles mehr…
„Da sind wir!“ - Ich muss gestehen: mir gefällt der Titel nicht.
Er ist nichtssagend bzw. irreführend.
Der Originaltitel hingegen,„Here we are“, lässt Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Bilder, die zu der Geschichte passen.
Obwohl der Roman nur 159 Seiten hat, geht es um so vieles:
Erscheinen und Verschwinden...
Illusionen und Tricks...
Zauber und Magie...
Die Welt des Showbusiness...
Mütter und Väter...
Beziehungen und Dreieckskonstellationen...
Krieg...
Kindliche Nöte und Strategien, um mit den Gegebenheiten klar zu kommen...
Schuldgefühle...
Jack, der Entertainer und Ronnie, der Zauberer, haben sich beim Militärdienst in England kennengelernt.
Nach ihrer Militärzeit bleiben sie in Kontakt und 1958 verhilft der als Alleinunterhalter erfolgreiche Jack seinem Freund Ronnie zu einem Engagement in seiner Show im Seebad Brighton.
Evie wird Ronnies Assistentin und ... Verlobte.
Und dann verschwindet Ronnie...
All das erfährt man schon auf den ersten Seiten.
Währenddessen lässt Graham Swift beiläufig Andeutungen und Bemerkungen einfließen, die Fragen aufwerfen, den Leser neugierig machen und die Spannung steigern.
Dann drosselt er das Erzähltempo und lenkt den Blick in eine andere Richtung.
Wir lesen vom Aufwachsen des 1931 geborenen Ronnies in ärmlichen Verhältnissen in London und davon, wie und wo er die Kriegsjahre verbracht hat und wer sein „Zaubermeister“ wurde.
Aber Swift erzählt diese Biographie nicht einfach. Er bringt sie uns höchst empathisch nahe und zeigt dabei ein außerordentliches Einfühlungsvermögen in das Innenleben eines Kindes.
Standen zu Beginn Neugier und Spannung im Vordergrund, so verfolgt man jetzt mit einer Vielzahl von Gefühlen diesen feinfühligen Schilderungen. Empörung, Traurigkeit, Freude... wunderbar, wie er die verschiedenen Emotionen im Leser zum Klingen bringt.
Im weiteren Verlauf erzählt Swift abwechselnd von Ronnie, Evie und Jack.
Wie bei einem Puzzle fügen sich die einzelnen Teilchen zu einem Gesamtbild und am Ende ist so manche, aber nicht die entscheidende Frage des Lesers beantwortet.
Es ist beeindruckend, was in so einem schmalen Bändchen alles erzählt werden kann. Und nicht nur WAS erzählt werden kann, sondern vor allem, WIE es erzählt werden kann.
Graham Swift spielt mit den Zeitebenen und mit den Perspektiven. Fließend und gekonnt schwenkt er den Spot in der Horizontalen zwischen den verschiedenen Protagonisten und in der Vertikalen zwischen den Zeiten hin und her.
Kein Wort ist zu viel, keines zu wenig.
Die Lektüre verlangt Aufmerksamkeit. Würde man einen Satz überlesen, hätte man etwas verpasst.
Klare Leseempfehlung!
Ingrid von buchsichten.de
aus Erkelenz
5/5
13.03.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Roman „Da sind wir“ des…
Im Roman „Da sind wir“ des Engländers Graham Swift wird die 25-jährige Revuetänzerin und Protagonistin Evie White von zwei Männern geliebt. Einer von ihnen ist Jack Robinson, 28 Jahre alt und bereits eine Saison lang als Conférencier im Theater auf dem Brighton Palace Pier erfolgreich. Sein gleichaltriger Freund Ronnie Deane, den er beim Militärdienst kennengelernt hat, interessiert sich schon seit seiner Kindheit für die Zauberei, ist bei der Ausübung seiner Künste aber weniger erfolgsverwöhnt. Bei seinen Auftritten nennt er sich „Pablo“ wie der Papagei, der ihm einmal sehr nahe war und den er vermisst. Jack bietet ihm eine Shownummer im aktuellen Programm unter der Bedingung an, dass er mit einer Assistentin auftritt. Ronnie und Evie lernen sich beim Vorstellungsgespräch kennen. Die gemeinsamen Proben bringen sie einander näher. Während das Publikum immer begeisterter von den Auftritten des Paars ist, beginnen Evie und Jack während einer Abwesenheit von Ronnie eine Liebesbeziehung. Die Haupthandlung spielt Ende der 1950er. Die langen Schatten des Krieges sind verblasst, Kleinkunst und Kino erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Seebad Brighton vergnügen sich die Menschen und genießen die entspannte Atmosphäre. Einen besonderen Anziehungspunkt bildet das auf einem der Piers gelegene Theater. Während man auf der Bühne von Gesang, Zauberei, Tanz und Akrobatik mit viel Glitzer und Glanz verwöhnt wird, atmet der Gast vor und nach seinem Besuch die Seeluft ein und hört das Rauschen des Meeres. Gleiches konnte ich bei meinem Aufenthalt vor einiger Zeit auch erfahren. Leider gibt es das Theater heute nicht mehr, aber ebendort bieten sich einige andere Vergnügungen an. Während ich als Leser wenig über die Kindheit von Jack und Evie erfahren konnte, folgte ich Ronnie zu einer für ihn entscheidenden Zeit Anfang der 1940er Jahre. Damals erlebte er eine ganz andere Seite von Familie und Erziehung als die, in der er heranwuchs. Diese Zeit hat sein Denken und Handeln nachhaltig geprägt. Der Ausspruch „Da bin ich“ oder auch „Da sind wir“, den er damals oft gehört hat, vermittelte ihm, dass Glück möglich, aber auch flüchtig ist. Das hat ihn geerdet und nicht nur durch seine Zauberkunst weiß er, dass nicht immer alles, was man zu sehen glaubt, der Realität entspricht. Gleichzeitig hat er es geschafft, einen seiner Träume zu leben und Evie ergänzt nicht nur seine Auftritte, sondern er wünscht sie sich an seiner Seite zur Verwirklichung eines weiteren. Bis er erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben. Im Buch „Da sind wir“ erzählt Graham Swift von Schein und Sein und der Flüchtigkeit der Dinge, von glanzvollen Bühnenauftritten und der Zeit jenseits der öffentlichen Bewunderung, in dem die Maskerade abgelegt wird und die Alltagsrollen eingenommen werden. Sein einfühlsam geschriebener Roman verknüpft heitere und tragische Momente, die zeigen, wie schmerzlich und freudig Leben ist. Gerne empfehle ich den Roman weiter.
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