Katja Lewina hat Bock, und sie schreibt darüber. Wäre sie ein Mann, wäre das kein Ding. So aber ist sie: »Schlampe«, »Nutte«, »Fotze«, »Hoe« ...
Seit #metoo werden die Rufe nach der potenten Frau laut und lauter. Aber hat eine, die ihr sexuelles Potenzial jenseits von »stets glatt rasiert und gefügig« lebt, in unserer Gesellschaft tatsächlich einen Platz?
Lewina führt die Debatte über weibliches Begehren fort und erforscht entlang ihrer eigenen erotischen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt. Kindliche Masturbation, Gynäkolog*innenbesuche, Porno-Vorlieben oder Fake-Orgasmen: Kein Thema ist ihr zu intim. Und nichts davon so individuell, wie wir gern glauben. Aber die Krusten unserer Sozialisation lassen sich abkratzen! Und so ist Sie hat Bock mehr Empowerment als Anprangern, mehr Anleitung zur Potenz als Opferdenke. Denn nach der Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten und Tabus ist es an der Zeit, den Weg zur Selbstermächtigung einzuschlagen.
»Es liegt in unserer Hand, unsere Spielregeln zu schreiben, im Leben und beim Sex.«
Katja Lewina
»Es kribbelt zwischen den Beinen, Schweißausbrüche, lachen und schämen. Was will man bitte mehr? Es ist so gut geschrieben! Ich liebe es.«
Charlotte Roche
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
15.07.2026
eBook (ePUB)
Offen, ehrlich und wieder einmal unbequem – im besten Sinne
Nachdem ich bereits „Er hat Bock“ gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf „Sie hat Bock“ – und wurde nicht enttäuscht. Katja Lewina schafft es auch hier, ein Thema, über das viele Menschen noch immer nicht offen sprechen, direkt, humorvoll und gleichzeitig sehr reflektiert anzusprechen. Mit ihrer gewohnt unverblümten Art hinterfragt sie gesellschaftliche Vorstellungen rund um weibliche Lust, Körper, Beziehungen und die Erwartungen, die an Frauen gestellt werden. Besonders gefallen hat mir, dass sie nicht einfach nur Missstände aufzeigt, sondern zum Nachdenken anregt und Mut macht, die eigene Sexualität und die eigenen Bedürfnisse ernster zu nehmen. Der Schreibstil ist locker, persönlich und manchmal provokant – genau das macht das Buch so lebendig. Manche Aussagen fordern heraus, aber gerade dadurch bleibt vieles im Kopf und regt zu Gesprächen an. Ein wichtiges Buch über Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und einen offenen Umgang mit Sexualität. Wie schon bei „Er hat Bock“ nimmt Katja Lewina kein Blatt vor den Mund und lädt dazu ein, eingefahrene Vorstellungen zu hinterfragen. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die bereit sind, über Sex, Gesellschaft und sich selbst neu nachzudenken.
Bewertung
5/5
01.11.2022
eBook (ePUB)
Besser spät als nie
Schade, dass ich dieses Buch erst jetzt gelesen habe. Lewina schreibt so offen, ehrlich, einfach und doch klug, lustig und ernst an den richtigen Stellen, dass man jeder Frau - und hey, eigentlich auch jedem Mann (vor allem den jungen) dieses Buch nur empfehlen kann.
Bewertung
5/5
14.07.2021
eBook (ePUB)
Willkommen im Patriarchat!
Ein unterhaltsames und lehrreiches Buch mit viel Wahrheit, Ungemütlichen und heiteren Themen über das gesellschaftliche Bild der Frau und ihre Schattenseiten.
An manchen Stellen wird die weibliche Leserin wahrscheinlich mit der Autorin innerlich brodeln oder auch jammern.
Auf eine sympathische und direkte Art und Weise werden hier die misogynen Probleme dargestellt und mit ein paar Tipps versucht diese aufzulösen.
Für wissende Feministen*innen nicht neues aber sehr unterhaltsam.
Bewertung
aus Bamberg
5/5
07.04.2021
eBook (ePUB)
interessanter als gedacht
Nach Lesen des Klappentextes habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Die ersten Seiten sind knall hart ehrlich und erinnern mich eher an eine Biographie. Diese Ahnung überkommt mich beim Lesen öfters mal. Außerdem habe ich ab und zu das Gefühl, ein Mann schreibt das Buch. Die Buchstimme ändert sich immer mal wieder von Frau zu Mann und wieder zurück. Das bringt mir etwas aus dem Konzept. Gleichzeitig bin ich in machen Punkte ihrer Meinung und finde das wir uns zu oft in Schubladen, Kartons denken oder Stempel aufdrücken lassen. Sie spricht wirklich jedes Thema rund um die Sexualität an. Bei manchen Themen, erinnere ich mich an meine Erlebnisse und muss ihr recht geben oder habe das ganz anderes erlebt. Doch regt es einem zum Nachdenken an und gibt auch einen den Mut offener darüber zu sprechen. Während des Lesen dieses Buches, habe ich sehr offen darüber mich unterhalten und habe so einige sehr interessant Gespräche geführt, die ich vielleicht so gar nicht gehabt hätte. Es ist ein ehrliches Buch ohne schönreden oder gar wohlgesonnen zu sein. Bringt einem zum Nachdenken über sein eigenes Verhalten.
Yvonne S.
aus Coburg
5/5
07.04.2021
eBook (ePUB)
Lassen wir uns nicht länger von anderen verformen, formen wir uns selbst
In „Sie hat Bock“ geht es um untenrum, na ihr wisst schon, was ich meine; um die dunkle Höhle, die ab und an Begegnung mit einem Zauberstab hat. Was? Nein um Himmelswillen, wir sind hier nicht bei Harry Potter gelandet, wie kommt ihr bloß darauf? Ich dachte, ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt. Spaß beiseite, liebe Leser, jetzt wird‘s ernst: Zeit offen miteinander zureden und ihr müsst keine Angst haben, das Lord Voldemort um die Ecke kommt, nur weil hier alles beim Namen genannt wird.
„Sie hat Bock“ zeigt auf, wie tabuisiert unsere heutige Gesellschaft ist, ja selbst unsere Sprache im Hinblick auf gewisse Körperregionen. Bücher dieser Qualität sollten in der Schule gelesen werden, um endlich mit falschen Moralvorstellungen und Mythen aufzuräumen, die häufig das spätere Liebesleben prägen.
Die Autorin lässt mich zwischen ihre Beine gucken und dafür brauche ich mich nicht zu schämen. Was ich total witzig finde, ist die Tatsache, dass Frau Lewina gegen Push Up-BH’s die gleiche Abneigung hat wie ich.
Die Sprache in ihrem Buch ist direkt und es liest sich wie ein Befreiungsschlag. Viele Schwerpunktthemen sind mir bekannt, bei anderen bringt Frau Lewina mich dazu, sie zu hinterfragen, und ich verstehe nicht, weshalb ich einiges davon immer widerspruchslos akzeptiert habe. Sie plaudert ungeschönt über eigene Erlebnisse. Ihr sprachlicher Gestus ist oft distanziert, schamlos, dabei immer direkt und etwas humorvoll.
Ihre ehrliche und offene Einstellung vermittelt ein Selbstverständnis, auch ihren Kindern Gegenübern, das ich großartig finde.
Das Buch teilt sich in 29 Kapitel von angenehmer Länge. Frau Lewina spricht über kindliche Erfahrungen, den ersten Besuch beim Frauenarzt, genauso, wie von Unterwerfung, vorgetäuschte Höhepunkte, Intimrasur und wechselnde Partner in einer offenen Beziehung. Verschiedene Praktiken, Gerüche und Körperflüssigkeiten werden dabei nicht ausgespart.
Ihr ist nichts peinlich und ebenso glaubhaft vermittelt sie, dass sich eine Frau für nichts an ihrem Körper schämen muss. Sie schildert ihre Erlebnisse, manchmal lebhaft, dann kühl, was bei einigen Erzählungen besser ist. Frau Lewina hat neben Schönem auch Schlimmes erlebt und die Distanz in ihren Worten macht es in diesen Momenten für sie vielleicht erträglicher.
Die Texte beeindrucken durch ihre Authentizität. Frau Lewina hält weder ihre frühkindliche Naivität zurück, noch ihre späteren Lusterlebnisse und zu welchen Recherchen sie diese geführt haben.
Wie fest verankert fragwürdige Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft sind, erlebe ich in Leserunden. Hier werden selbst weibliche Nebenfiguren aus Büchern von den Leserinnen gnadenlos in die Kategorien gut/anständig und schlecht/billig sortiert, sobald sie oft wechselnde Partner haben. Und das nur, weil sie sich das Recht nehmen, ihre Lust zu leben. Und diese Verurteilungen von unseresgleichen zu lesen, nicht zwingend von Männern, erschrecken mich.
Und so lange es die Freiheit für die Frau, ihr Liebesleben so zu gestalten wie sie es will, es nicht einmal in Bücher schafft, wie soll sie da in unserer Gesellschaft Einzug halten? Die heuchlerische Doppelmoral, die bei vielen vorherrscht, stößt mich ab und gerade von jungen Frauen habe ich in der heutigen Zeit mehr gelebte Freizügigkeit und Entfaltung erwartet - aber Fehlanzeige!
Stattdessen boomen Schönheitsoperationen, die nicht einmal vor dem Genital halt machen, nur um einer fragwürdigen Norm zu entsprechen. Wo bleibt da die Selbstliebe und die Freiheit so zu sein, wie Frau eben von Natur aus ist.
„Sie hat Bock“ stimmt einen Song auf den verdammt bewundernswerten Körper jeder Frau an und diesem Lied lausche ich mit größter Verzückung. Ich hoffe, diese Noten erreichen alle Frauen dieser Welt. Das Buch revolutioniert sicher nicht das Weltverständnis auf das bestehende Frauenbild, aber es bringt hoffentlich mehr eigenes Verständnis für die persönlichen Bedürfnisse auf und schenkt damit innere Freiheit.
Mein Fazit:
Ich identifiziere mich nicht mit jeder Aussage von Frau Lewina. Dazu sind wir Frauen einfach zu individuell. Persönlich möchte ich keine Dreadlocks an, oder zwischen den Beinen züchten. Ganz einfach aus dem Grund, weil es mir nicht gefällt. Und genauso unterschiedlich ticken wir Frauen in Sachen Liebe. Aber wie sollen Männer sich in diesem Dschungel aus Lügenkonstrukten und auferlegten Dogmen zurechtfinden, wenn es viele Frauen schon nicht schaffen.
Dieses wertvolle Buch kann ein hilfreicher Wegweiser für jede Frau sein und hat mich wunderbar unterhalten. Von mir bekommt „Sie hat Bock“ 5 befreiende Sterne von 5 und eine unbedingte und absolute Leseempfehlung.
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