Seit dem tragischen Tod ihres Mannes hat Mel die Kölner Wohnung kaum verlassen. Als aber ein Sturz ihre Großmutter Lene ans Bett fesselt, muss Mel in den rauen Westerwald reisen. Die wortkarge Lene hat ihr schon als Kind Angst eingejagt. Doch auf dem einsamen Bauernhof, wo nachts der Wind in den Bäumen flüstert und um die alten Mauern streicht, nähern sich die beiden vom Leben gezeichneten Frauen einander zögerlich an. Lenes dramatische Geschichte, die endlose Weite ihrer Heimat und nicht zuletzt der attraktive Hausarzt, Noah Berkamp, öffnen Mels Herz allmählich wieder für die Frage, was das Leben noch für sie bereithalten mag ...
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Bewegend
Katjas Bücher und Rezepte aus Dresden am 31.03.2022
Bewertungsnummer: 1686434
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Autorin und das Buch habe ich erst vor ein paar Tagen in Leipzig auf einer Lesung kennengelernt und in dem Zuge dann auch das Buch gekauft. Ein paar Tage später wollte ich dann „nur mal kurz reinlesen“ … und konnte nicht mehr aufhören. Ich konnte nicht mehr aufhören, die packende und aufwühlende Geschichte zu lesen.
Dabei muss ich sagen, dass es mir Mel die ersten 50 Seiten über nicht wirklich leicht gemacht hat. Ihre unglaublich tiefe Trauer, ihr zurückziehen von der Welt, von den Freunden, war mir Too Much, zu viel. Aber mal ehrlich, weiß ich, wie ich reagieren würde, wenn ein von mir so geliebter Mensch stirbt? Das ich nicht genauso reagieren würde?
Nachdem Mel aber im Westerwald, auf dem Windhof, angekommen ist, nahm die Geschichte Fahrt auf. So wunderschön, so emotional, so berührend.
Zwei Erzählstränge gibt es hier in diesem Buch: zum einen die Gegenwart mit der trauernden Mel, der kranken Oma und dem attraktiven Hausarzt Noah und zum anderen die Vergangenheit, welche uns in die Jahre 1935 bis 1945 führt, eine der dunkelsten Epochen Deutschlands.
Während sich der Erzählstrang in der Gegenwart mit den zentralen Themen Vergangenheitsbewältigung, Trauerbewältigung und einem Neuanfang auf verschiedenen Ebenen befasst, erleben wir in der Gegenwart das „Erwachen“ der Nazis, die Vertreibung der Juden und sehr viel Gewalt. Auch das Thema „Ersatzbraut“, das mit bis zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht bekannt war, kommt zur Sprache. Und hier sind wir Zeugen, wie eine „arrangierte“ Ehe mit dem Ehemann der verstorbenen Schwester zum großen Glück für die junge Lene wird.
Es war wunderschön mit anzusehen, wie Lene kämpft, um ihr Glück mit Paul und dem kleinen Sohn; um die Sicherheit ihrer jüdischen Magd und Freundin Ruth. Ihr Mut, ihre Tapferkeit haben mich berührt. Ihre Stärke war so unglaublich. Das entsetzliche dieser Zeit, die Grausamkeiten und ihre Folgen für alle, all das beschreibt die Autorin mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie, und dennoch oder gerade deswegen sehe ich die diese Gräueltaten direkt vor mir.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und dadurch liest sich das Buch flott und sehr gut. Die Beschreibungen sind detailliert und plastisch, so dass der Windhof mit seiner Vergangenheit und der Gegenwart vor dem inneren Auge lebendig werden. Genauso übrigens wie die Charaktere des Buches.
Zurück in der Gegenwart erleben wir eine Veränderung, eine Entwicklung bei Mel. Ihr gelingt es, auch mit Hilfe der Geschichte die Lene erzählt, einen Abschluss in ihrer Trauer zu finden. Und das ist alles andere als leicht, ist doch ihr Mann immer präsent und ein Abschiednehmen von ihm kommt ihr wie Verrat vor. Ihren Zwiespalt hat die Autorin sehr präsent gestaltet, mit viel Feingefühl und Empathie der Protagonistin gegenüber. Ich kann mir den Zwiespalt sehr gut vorstellen, in dem sie steckt.
Für mich war dieses Buch eine wunderbare Entdeckung. Ich habe es verschlungen und kann es wärmstens weiterempfehlen. Von mir gibt es definitiv 5 Sterne und ich freue mich schon auf das für September angekündigte neue Buch der Autorin.
„Zu Lieben bedeutet nicht, jemanden zu finden, mit dem man leben möchte,
sondern jemanden zu finden, ohne den man nicht mehr leben kann.“
Zwei Frauenschicksale, die…
Eva_G am 10.02.2022
Bewertungsnummer: 2759887
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zwei Frauenschicksale, die niemanden unberührt lassen Mel hat seit dem Tod ihres Mannes ihre Kölner Wohnung kaum mehr verlassen und schleppt sich von einem Therapeuten zum nächsten, doch keiner kann ihr helfen. Innerlich hat sie den plötzlichen Tod ihrer großen Liebe und Seelenverwandten noch lange nicht verarbeitet und nur die Tabletten helfen ihr, die Tage zu überstehen. Als dann der Anruf ihrer Eltern kommt, dass ihre Großmutter Lene sich schwer verletzt hat und nun Unterstützung braucht und ob sie nicht zu ihr auf den Hof im Westerwald ziehen kann, ist sie hin- und hergerissen, sagt a,ber ihren Eltern zuliebe ja. Dort im Westerwald ist alles unverändert und auch Lene ist widerspenstig wie immer und doch ist da etwas, das Mel wieder schlafen lässt und sie die Trauer für einige Zeit vergessen lässt. Auch der Landarzt Noah berührt sie tiefer, als sie es gerne zulassen würde, doch immer in Gedanken an ihren verstorbenen Mann, kann sie die Gefühle nicht zulassen. Lene erkennt in Mel viele Parallelen zu sich selbst und beginnt eines Nachts, ihr ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die kaum jemand bisher kennt... Sonja Roos hat eine flüssige und gut zu lesende Sprache, sodass die Seiten nur so dahinfliegen. Durch die Erzählweise, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt, bleibt es immer emotional und spannend und der Leser möchte immer weiterlesen. Ich habe mich sofort in der Geschichte wohlgefühlt und konnte bereits nach wenigen Seiten nicht mehr aufhören zu lesen. Die Trauer von Mel konnte ich gut nachvollziehen und fand sie nie unsympathisch deswegen, auch Lene ist mir schnell ans Herz gewachsen, denn sie wirkt zwar etwas grantig, aber in ihrem Inneren ist sie ein sehr mitfühlender Mensch, den das Leben hart gemacht hat. Ich bin immer noch tief berührt vom Schicksal der alten Frau und habe hin und wieder eine Träne vergossen, schon deshalb wird mir der Roman noch lange im Kopf bleiben und gehört zu meinen Highlights in diesem Jahr.
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