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Niemals ohne sie Roman

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Rezension

»Ein ungewöhnlicher Familienroman, der fesselnd konstruiert ist und eine archaische Welt mit der modernen verbindet.« ("Wiener Zeitung")
»Ein Buch, das packt und berührt.« ("Morgenpost am Sonntag")
»Sehr berührende Charaktere.« ("Buchprofile (Michaelsbund) / Medienprofile (Borromäusverein)")
»Das ist nicht nur gut gemacht, das ist auch gut geschrieben. Ergreifend, witzig, tragisch, mit Figuren, die einen nicht mehr loslassen.« ("WDR")
» ... ein lesenswertes, leises Buch über versehrte Menschen und den Versuch, mit einem Verlust zu leben.« ("letteratura")
»Jocelyne Saucier zieht den Leser ins Innerste der Erde und zeigt ihm Betörendes und Wundersames.« ("Le Monde de Livres")
»Ergreifend, witzig, tragisch, mit Figuren, die einen nicht mehr loslassen – ein Meisterwerk.« ("VOIR")
»Wie in Ein Leben mehr ... bedient sich Saucier auch in Niemals ohne sie einer packenden Sprache, die den Leser unweigerlich in eine erdverbundene, wilde, zärtliche und stellenweise sehr brutale Welt zieht. Damit erzeugt sie Spannung bis zur letzten Seite.« ("Kreuzer, Leipzig")
»Ein rauer, zarter Roman, der mit seiner ganzen Verklärung zugunsten der Legendenbildung einen Kern überwältigend wahren Zusammenhalts entblößt, dessen gigantische Stärke und ebenso große Schwäche.« ("Stadtkind Hannover")

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.05.2020

Verlag

Insel

Seitenzahl

255

Maße (L/B/H)

19/12,2/2,2 cm

Gewicht

239 g

Farbe

Schwarz / Messing

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Les héritiers de la mine

Übersetzt von

Sonja Finck + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-458-36480-1

Rezension

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.05.2020

Verlag

Insel

Seitenzahl

255

Maße (L/B/H)

19/12,2/2,2 cm

Gewicht

239 g

Farbe

Schwarz / Messing

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Les héritiers de la mine

Übersetzt von

  • Sonja Finck
  • Frank Weigand

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-458-36480-1

Herstelleradresse

Insel Verlag GmbH
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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Hinreißend geschrieben! Herzerwärmend, aber auch traurig

gst aus Pirna am 07.07.2021

Bewertungsnummer: 1524224

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Mutter Cardinal hat 21 Kindern das Leben geschenkt. Vater Cardinal ist sehr stolz darauf, dass alle überlebt haben. Zumindest behauptet er das, als er im Alter für seine erfolgreiche Suche nach Erzvorkommen eine Auszeichnung erhalten soll. Leicht war das Leben in einer so großen Familie nicht. Trotzdem erinnert sich der Nachwuchs gerne an die Kindheit. Sechs Geschwister, unter ihnen der Jüngste und der Älteste erzählen vom armseligen, aber glücklichen Familienleben. Obwohl der Vater ein gutes Gespür für Metalladern in Gesteinen hatte, war die Familie nie wohlhabend. Ihr Reichtum bestand im Zusammenhalt in der Familie. Èmilienne, das älteste Mädchen, das sich schon sehr früh um die Jüngsten kümmern musste, damit sich die Mutter in der Küche den Kochtöpfen widmen konnte, erzählt: Jeder musste "seinen Anspruch in einem Haus verteidigen, in dem nichts, rein gar nichts, nicht einmal einSchlafplatz, uns persönlich gehörte. Wir schliefen indem Bett, das gerade frei war, und zogen an, was wir in den Kleiderhaufen meiner Waschküche fanden. " Was relativ harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer verzwickten Familiengeschichte, in der jeder dem anderen etwas vormacht. Erst als nach 30 Jahren wieder alle zusammenfinden, wird das Geschehene aufgearbeitet. Der Roman der kanadischen Schriftstellerin Jocelyne Saucier erschien 2001 in französischer Sprache. 18 Jahre später brachte ihn der Insel-Verlag in der Übersetzung von Sonja Finck und Frank Weigand auf den deutschen Büchermarkt. Die Hommage an ein außergewöhnliches Familienleben ist mitreißend geschrieben und hat mich vollends von der 1948 geborenen, begnadeten Schriftstellerin überzeugt. Für mich war das ihr drittes Buch, aber ich hoffe, dass es nicht das letzte sein wird.

Hinreißend geschrieben! Herzerwärmend, aber auch traurig

gst aus Pirna am 07.07.2021
Bewertungsnummer: 1524224
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Mutter Cardinal hat 21 Kindern das Leben geschenkt. Vater Cardinal ist sehr stolz darauf, dass alle überlebt haben. Zumindest behauptet er das, als er im Alter für seine erfolgreiche Suche nach Erzvorkommen eine Auszeichnung erhalten soll. Leicht war das Leben in einer so großen Familie nicht. Trotzdem erinnert sich der Nachwuchs gerne an die Kindheit. Sechs Geschwister, unter ihnen der Jüngste und der Älteste erzählen vom armseligen, aber glücklichen Familienleben. Obwohl der Vater ein gutes Gespür für Metalladern in Gesteinen hatte, war die Familie nie wohlhabend. Ihr Reichtum bestand im Zusammenhalt in der Familie. Èmilienne, das älteste Mädchen, das sich schon sehr früh um die Jüngsten kümmern musste, damit sich die Mutter in der Küche den Kochtöpfen widmen konnte, erzählt: Jeder musste "seinen Anspruch in einem Haus verteidigen, in dem nichts, rein gar nichts, nicht einmal einSchlafplatz, uns persönlich gehörte. Wir schliefen indem Bett, das gerade frei war, und zogen an, was wir in den Kleiderhaufen meiner Waschküche fanden. " Was relativ harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer verzwickten Familiengeschichte, in der jeder dem anderen etwas vormacht. Erst als nach 30 Jahren wieder alle zusammenfinden, wird das Geschehene aufgearbeitet. Der Roman der kanadischen Schriftstellerin Jocelyne Saucier erschien 2001 in französischer Sprache. 18 Jahre später brachte ihn der Insel-Verlag in der Übersetzung von Sonja Finck und Frank Weigand auf den deutschen Büchermarkt. Die Hommage an ein außergewöhnliches Familienleben ist mitreißend geschrieben und hat mich vollends von der 1948 geborenen, begnadeten Schriftstellerin überzeugt. Für mich war das ihr drittes Buch, aber ich hoffe, dass es nicht das letzte sein wird.

Familiengeheimnisse...

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 20.06.2023

Bewertungsnummer: 3029553

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillgelegten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – und dem Ende eines kargen Daseins. Aber beides wird den Cardinals verwehrt, und so schmieden sie einen explosiven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigstens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befreiungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird. (Klappentext) Das Ungewöhnliche an der Familie Cardinal ist schon einmal die schier unglaubliche Anzahl ihrer Kinder: 21 sind es, und sie erziehen sich weitestgehend selbst. Der Vater, ein Erzsucher, verkriecht sich stets in seinen Keller, um weiter zu forschen, Gesteinsproben zu analysieren und Pläne zu schmieden; die Mutter steht gefühlt ständig am Herd, um die Bande satt zu bekommen. Nur des Nachts, wenn alle Kinder in ihren Betten liegen, geht die Mutter leise durch ihre Zimmer und deckt sie zu - die einzige Zeit am Tag, wo die Mutter für jedes einzelne Kind da ist, kostbar und selten. Die Kinder sind alles andere als brav, im ganzen Dorf verschrieen, und auch untereinander ist der Umgang nicht gerade zimperlich. Sie wohnen in der kleinen Bergarbeitersiedlung Norcoville in der kanadischen Provinz Québec, weil der Vater dort einst ein Zinkvorkommen entdeckte und eine Gesellschaft dort daraufhin eine Mine errichtete - allerdings ohne den Vater entsprechend zu entlohnen. Doch nun ist die Mine stillgelegt, der Vater fühlt sich um so mehr um seinen Lohn geprellt. Mit einem seiner Söhne betritt er in aller Heimlichkeit die geschlossene Mine, denn er ist sich sicher: dort ist noch mehr zu finden. Und tatsächlich stößt er auf eine unschätzbar wertvolle Ader, die er diesmal aber nicht melden wird, sondern sich selbst zunuzte machen will. Doch es läuft nicht alles wie geplant, und es steht zu befürchten, dass der Vater auch diesmal nichts vom großen Kuchen abbekommen wird und er sich zudem noch vor dem Gesetz verantworten mus. Dynamit durchzieht die Kindheit aller Sprösslingen der Cardinals. Am siebten Geburtstag darf jedes der Kinder das erste Mal unter Aufsicht des Vaters seine erste Stange Dynamit zünden und wird dabei mit den Gefahren des Sprengstoffs vertraut gemacht. Dynamit ist es auch, worum sich das das große Familiengeheimnis rankt - ein Geschehnis, das alle für immer verändern wird, auch wenn niemand mehr darüber spricht. Der Pakt des Schweigens hat jedenfalls seinen Preis. Wer alt genug ist, verlässt die Familie unwiederbringlich, und Treffen werden fortan tunlichst vermieden. Doch 30 Jahre später soll der Vater auf einem Kongress als erfolgreicher Erzsucher geehrt werden - und alle Familienmitglieder sind geladen. Eine explosive Mischung… Erzählt wird die Geschichte nacheinander aus der Perspektive von sechs Kindern der Cardinals. Dabei gleitet die Erzählung rasch von der Skizzierung der jeweiligen Gegenwart hin zu den Erinnerungen an damals. Diese fallen durchaus unterschiedlich aus, was zum einen dem verschiedenen Kenntnisstand zuzuschreiben ist, zum anderen aber auch der Bewertung und Einschätzung von Situationen. Dadurch entsteht nach und nach ein komplexes Bild - von dem Zusammenleben als Großfamilie, von den Ereignissen im Dorf, von dem Unglück und den individuellen Strategien mit den Folgen umzugehen, von dem Leben danach. Jedes der inzwischen schon lange erwachsenen Kinder gibt andere Details preis, bis sich die ganze Tragödie offenbart. Gelesen werden die jeweiligen Perspektiven (ungekürzte Hörbuchausgabe: 6 Studen und 9 Minuten) von verschiedenen Sprecher:innen: Devid Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Benno Fürmann, Robert Stadlober und Sabin Tambrea. Diese Aufteilung erscheint mir passend, auch wenn mir von der dysfunktionalen aber verschworenen Famiie niemand so recht sympathisch war. Zwischendurch gab es für mein Empfinden auch einige Längen, wenn derselbe Sachverhalt durch einen Perspektivwechsel zum zweiten oder dritten Mal wiederholt wurde. Erst die Offenbarung des Familiengeheimisses sorgt dann wieder für Spannung, und zwar ob während der Ehrung des Vaters schließlich doch die ganze Wahrheit ans Licht kommt… Ein ungewöhnlicher Familienroman, interessant konzipiert, düster und bedrückend, aber auch eindringlich und stellenweise fast surreal in der Darstellung. Ein Roman, der einen in den Bann zieht…   © Parden  

Familiengeheimnisse...

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 20.06.2023
Bewertungsnummer: 3029553
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillgelegten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – und dem Ende eines kargen Daseins. Aber beides wird den Cardinals verwehrt, und so schmieden sie einen explosiven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigstens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befreiungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird. (Klappentext) Das Ungewöhnliche an der Familie Cardinal ist schon einmal die schier unglaubliche Anzahl ihrer Kinder: 21 sind es, und sie erziehen sich weitestgehend selbst. Der Vater, ein Erzsucher, verkriecht sich stets in seinen Keller, um weiter zu forschen, Gesteinsproben zu analysieren und Pläne zu schmieden; die Mutter steht gefühlt ständig am Herd, um die Bande satt zu bekommen. Nur des Nachts, wenn alle Kinder in ihren Betten liegen, geht die Mutter leise durch ihre Zimmer und deckt sie zu - die einzige Zeit am Tag, wo die Mutter für jedes einzelne Kind da ist, kostbar und selten. Die Kinder sind alles andere als brav, im ganzen Dorf verschrieen, und auch untereinander ist der Umgang nicht gerade zimperlich. Sie wohnen in der kleinen Bergarbeitersiedlung Norcoville in der kanadischen Provinz Québec, weil der Vater dort einst ein Zinkvorkommen entdeckte und eine Gesellschaft dort daraufhin eine Mine errichtete - allerdings ohne den Vater entsprechend zu entlohnen. Doch nun ist die Mine stillgelegt, der Vater fühlt sich um so mehr um seinen Lohn geprellt. Mit einem seiner Söhne betritt er in aller Heimlichkeit die geschlossene Mine, denn er ist sich sicher: dort ist noch mehr zu finden. Und tatsächlich stößt er auf eine unschätzbar wertvolle Ader, die er diesmal aber nicht melden wird, sondern sich selbst zunuzte machen will. Doch es läuft nicht alles wie geplant, und es steht zu befürchten, dass der Vater auch diesmal nichts vom großen Kuchen abbekommen wird und er sich zudem noch vor dem Gesetz verantworten mus. Dynamit durchzieht die Kindheit aller Sprösslingen der Cardinals. Am siebten Geburtstag darf jedes der Kinder das erste Mal unter Aufsicht des Vaters seine erste Stange Dynamit zünden und wird dabei mit den Gefahren des Sprengstoffs vertraut gemacht. Dynamit ist es auch, worum sich das das große Familiengeheimnis rankt - ein Geschehnis, das alle für immer verändern wird, auch wenn niemand mehr darüber spricht. Der Pakt des Schweigens hat jedenfalls seinen Preis. Wer alt genug ist, verlässt die Familie unwiederbringlich, und Treffen werden fortan tunlichst vermieden. Doch 30 Jahre später soll der Vater auf einem Kongress als erfolgreicher Erzsucher geehrt werden - und alle Familienmitglieder sind geladen. Eine explosive Mischung… Erzählt wird die Geschichte nacheinander aus der Perspektive von sechs Kindern der Cardinals. Dabei gleitet die Erzählung rasch von der Skizzierung der jeweiligen Gegenwart hin zu den Erinnerungen an damals. Diese fallen durchaus unterschiedlich aus, was zum einen dem verschiedenen Kenntnisstand zuzuschreiben ist, zum anderen aber auch der Bewertung und Einschätzung von Situationen. Dadurch entsteht nach und nach ein komplexes Bild - von dem Zusammenleben als Großfamilie, von den Ereignissen im Dorf, von dem Unglück und den individuellen Strategien mit den Folgen umzugehen, von dem Leben danach. Jedes der inzwischen schon lange erwachsenen Kinder gibt andere Details preis, bis sich die ganze Tragödie offenbart. Gelesen werden die jeweiligen Perspektiven (ungekürzte Hörbuchausgabe: 6 Studen und 9 Minuten) von verschiedenen Sprecher:innen: Devid Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Benno Fürmann, Robert Stadlober und Sabin Tambrea. Diese Aufteilung erscheint mir passend, auch wenn mir von der dysfunktionalen aber verschworenen Famiie niemand so recht sympathisch war. Zwischendurch gab es für mein Empfinden auch einige Längen, wenn derselbe Sachverhalt durch einen Perspektivwechsel zum zweiten oder dritten Mal wiederholt wurde. Erst die Offenbarung des Familiengeheimisses sorgt dann wieder für Spannung, und zwar ob während der Ehrung des Vaters schließlich doch die ganze Wahrheit ans Licht kommt… Ein ungewöhnlicher Familienroman, interessant konzipiert, düster und bedrückend, aber auch eindringlich und stellenweise fast surreal in der Darstellung. Ein Roman, der einen in den Bann zieht…   © Parden  

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Niemals ohne sie

von Jocelyne Saucier

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Lukas Bärwald

Thalia St. Pölten

Zum Portrait

5/5

Unter uns

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Es gibt Romane, die einen gefangen nehmen durch die Kunstfertigkeit ihrer Sprache oder die Unerhörtheit ihrer Handlung. Und wenn eine Autorin daherkommt, die bewusst auf beides verzichtet und der es trotzdem gelingt, einen gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen, hat man einen heutzutage besonders rar geworden Schatz vor sich. Joceylne Saucier, die bereits mit „Ein Leben mehr“ ein bemerkenswertes Buch ablieferte, erzählt die Geschichte einer Familie, die in einem denkbar kleinen Ort, tief in den Wäldern Kanadas lebt. 21 Kinder haben die Eltern zur Welt gebracht, doch in der Gegenwart haben sich die Mitglieder der Familie fast ebenso viele Jahre lang schon nicht mehr alle miteinander gesehen. An Robert Seethalers „Das Feld“ erinnernd, wechselt alle 20 bis 30 Seiten die Erzählstimme von einem Kind zum anderen und schon bald erfährt man von einem tragischen Vorfall und Geheimnis, das dafür sorgte, dass sich die Familie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr in ihrer Gesamtheit zusammenfand. Denn damals beschloss ein kleiner Teil der Geschwister, diese Tragödie mit allen Mitteln vor ihrer Mutter zu vertuschen, da diese die Wahrheit nicht verkraften würde. Laufen sie durch das Treffen in der Gegenwart also nun Gefahr, dass ihre jahrzehntelangen Lügen auffliegen? Auf direkte und schnörkelweise erzählt die frankokanadische Autorin von der Bürde des Geheimnisses und wie es auf unterschiedliche Art die Biografien der mitwissenden Geschwister zwei Jahrzehnte lang geprägt hat. Ihre Sprache ist leise und klug, von großer Emotionalität geprägt und dabei niemals in Pathos oder Kitsch abdriftend. Eine außergewöhnliche Stärke des Buchs liegt in der Art, wie Jocelyn Saucier die Erwartungshaltung und emotionale Befindlichkeit der LeserInnen wiederholt unterläuft: Indem nach und nach die verschiedenen Kinder ihre eigene Wahrnehmung der Familie schildern, entstehen unterschiedliche Eindrücke dieser 23 Menschen, die eben erfreulich mehr sind als Figuren mit einer einzelnen Funktion in ihrem Buch, sondern scheinbar reale Personen, die sich einfachen Kategorisierungen zwischen Schwarz und Weiß entgegenstellen. „Niemals ohne sie“ erinnert an die besten Momente und Erzähltechniken aus Richard Russos „Diese gottverdammten Träume“, Seethalers „Das Feld“ oder David Grossmans „Kommt ein Pferd in die Bar“ und beeindruckt dabei mit einer ebenso einfachen wie innovativen Geschichte von zutiefst Menschlichem. Ein definitiver Höhepunkt der Frühjahrsproduktion 2019.
  • Lukas Bärwald
  • Buchhändler/-in

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Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Es gibt Romane, die einen gefangen nehmen durch die Kunstfertigkeit ihrer Sprache oder die Unerhörtheit ihrer Handlung. Und wenn eine Autorin daherkommt, die bewusst auf beides verzichtet und der es trotzdem gelingt, einen gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen, hat man einen heutzutage besonders rar geworden Schatz vor sich. Joceylne Saucier, die bereits mit „Ein Leben mehr“ ein bemerkenswertes Buch ablieferte, erzählt die Geschichte einer Familie, die in einem denkbar kleinen Ort, tief in den Wäldern Kanadas lebt. 21 Kinder haben die Eltern zur Welt gebracht, doch in der Gegenwart haben sich die Mitglieder der Familie fast ebenso viele Jahre lang schon nicht mehr alle miteinander gesehen. An Robert Seethalers „Das Feld“ erinnernd, wechselt alle 20 bis 30 Seiten die Erzählstimme von einem Kind zum anderen und schon bald erfährt man von einem tragischen Vorfall und Geheimnis, das dafür sorgte, dass sich die Familie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr in ihrer Gesamtheit zusammenfand. Denn damals beschloss ein kleiner Teil der Geschwister, diese Tragödie mit allen Mitteln vor ihrer Mutter zu vertuschen, da diese die Wahrheit nicht verkraften würde. Laufen sie durch das Treffen in der Gegenwart also nun Gefahr, dass ihre jahrzehntelangen Lügen auffliegen? Auf direkte und schnörkelweise erzählt die frankokanadische Autorin von der Bürde des Geheimnisses und wie es auf unterschiedliche Art die Biografien der mitwissenden Geschwister zwei Jahrzehnte lang geprägt hat. Ihre Sprache ist leise und klug, von großer Emotionalität geprägt und dabei niemals in Pathos oder Kitsch abdriftend. Eine außergewöhnliche Stärke des Buchs liegt in der Art, wie Jocelyn Saucier die Erwartungshaltung und emotionale Befindlichkeit der LeserInnen wiederholt unterläuft: Indem nach und nach die verschiedenen Kinder ihre eigene Wahrnehmung der Familie schildern, entstehen unterschiedliche Eindrücke dieser 23 Menschen, die eben erfreulich mehr sind als Figuren mit einer einzelnen Funktion in ihrem Buch, sondern scheinbar reale Personen, die sich einfachen Kategorisierungen zwischen Schwarz und Weiß entgegenstellen. „Niemals ohne sie“ erinnert an die besten Momente und Erzähltechniken aus Richard Russos „Diese gottverdammten Träume“, Seethalers „Das Feld“ oder David Grossmans „Kommt ein Pferd in die Bar“ und beeindruckt dabei mit einer ebenso einfachen wie innovativen Geschichte von zutiefst Menschlichem. Ein definitiver Höhepunkt der Frühjahrsproduktion 2019.

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