Produktbild: Ástas Geschichte

Ástas Geschichte Roman

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9,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

14.10.2019

Verlag

Piper ebooks

Seitenzahl

464 (Printausgabe)

Dateigröße

3966 KB

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Karl-Ludwig Wetzig

Sprache

Deutsch

EAN

9783492995092

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Format

ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

14.10.2019

Verlag

Piper ebooks

Seitenzahl

464 (Printausgabe)

Dateigröße

3966 KB

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Karl-Ludwig Wetzig

Sprache

Deutsch

EAN

9783492995092

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“Das Leben ist eben ein Miststück.”

Bewertung am 21.08.2020

Bewertungsnummer: 328828

Bewertet: eBook (ePUB)

“Manchmal. Manchmal ist es ein Miststück, jetzt allerdings nicht.” /// Dieser Roman ist nah dran an diesem Leben, das so schön und so derart häßlich sein kann. Auch dieses Buch erfüllt das Besondere der nordischen Literatur, die Wahrhaftigkeit, das Unprätenziöse, Unverblümte, die Schönheit wie die Rauheit, die genauen Beobachtungen, die große Empathie mit den Figuren (auch mit ihren häßlichen Seiten), ohne jegliche aufgesetzte Weinerlichkeit oder selbstbemitleidende Resignation, wobei die Schicksale tief ins Mark treffen. “Ástas Geschichte” ist eigentlich eine isländische Familiengeschichte, beginnend mit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein “Lied, in dem Menschen verlieren, was sie lieben und darum Trauer zum roten Faden ihres Lebens wird.” Es steht zu befürchten, dass es keinen Mittelweg gibt: “Die Distanz zwischen Liebe und Hass ist in etwa die gleiche wie zwischen Leben und Tod. Unermesslich und winzig zugleich.” /// Stefánsson ist ganz klar einer der Großen (auch wenn dieser Roman nicht besonders viel Beachtung fand). Er ist in seiner Rolle als Autor außerdem ein Soziologe, ein so ernsthafter wie humorvoller Philosoph, Psychologe und ein Therapeut, der seine Erfahrungen und Lebensweisheiten hier und da in den Text einsprenkelt. Sie passen sich in die Erzählung ein und sind durchweg willkommen. “Wer sich seiner Vergangenheit nicht stellt, bekommt irgendwann große Probleme.” /// Erzählen heißt Leben. Solange erzählt wird, wird nicht gestorben. Wie bei Tommi Kinnunens “Wege, die sich kreuzen” wird das Phänomen der “Anbauten”, bzw. das Weiterspinnen von Leben, von Geschichten, angerissen, wenn von einem Anbau die Rede ist, “der irgendwann an das alte Haus geklebt wurde und jetzt, wellblechverkleidet, an ihm hängt wie ein betrunkener Jugendlicher an einem älteren Menschen.” Sigvaldi erzählt (sich) sein Leben, als er sterbend auf dem Asphalt liegt. “Wörter sind Bewegung. Sie verhindern, dass die Luft stagniert und fault.” Die alternde Ásta schreibt Briefe gegen ihre Traurigkeit: “Ich empfinde sogar Freude, aber das Leben fällt mir wieder schwer, sobald ich den Stift weglege, das Dasein wird schwerer, schwarzer Schnee. Und ich sehe keinen Grund, warum ich am Leben bleiben sollte.” Wenn die Sätze enden, verebben die Tage, verfliegen die Träume. Wenn Wörter stehen bleiben, enden Wege und Sterne verlöschen. Literatur spendet Trost und gibt Anlass zu Hoffnung: “Manchmal ist die verdammte Literatur das Einzige, was es schafft, das Dasein zu beschreiben, wie es wirklich ist.” /// So tritt auch der Erzähler als Figur in den Vordergrund: “Windstille. Haben deine Worte genügend Kraft, um die Freude zurückzuholen, die schwindet – neue Bedeutung zu schaffen, wenn alles schal geworden ist? Nein. Du musst dich mehr anstrengen. Im Westen jedoch herrscht Windstille.” Hier spricht einer, dem bewusst ist, dass das Leben nicht unendlich ist und die verbleibende Zeit rasch allzu knapp werden kann, dass dreißig oder vierzig Jahre “schneller vergehen, als wir uns vorzustellen wagen.” Einmal prangert dieser Erzähler “die Liste der 1001 Bücher, die du gelesen haben solltest, bevor du stirbst” an: “Bevor du stirbst. Solltest du nur die lesen und keine anderen? Warum dann diese? Kannst du dich mit ihnen an den Tod wenden, geben sie dir einen Vorsprung in der Dunkelheit? Soll uns Literatur vornehmlich auf den Tod vorbereiten, anstatt uns dazu bringen, besser zu leben?” /// Überhaupt, die Dunkelheit. “Klart es wieder auf? Wer wird das erleben? Wer wird das Dunkel überleben, das jetzt auf die Welt fällt?” Die Dunkelheit bekommt auch politisches Gewicht: “Zwar war ich schockiert wie alle um mich herum, dass nun bald die dunklen Mächte mit dem siegesgewissen Grinsen der Dummheit auf dem mächtigsten Stuhl der Welt Platz nehmen würden.” (Gestern hat Biden anlässlich seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat versprochen, sein Land wieder "aus der Dunkelheit" zu führen.) Und doch lautet die Grundfrage des Romans: “Wie spaltet man die Dunkelheit? Und kann man vor sich selbst weglaufen? Wenn es keinen Weg aus der Welt gibt.” Bücher können es vielleicht am ehesten. Und noch lange vor COVID weiß der Erzähler um die Bedeutsamkeit: “All die Alltäglichkeiten genießen, die so schrecklich fehlen, wenn sie uns abhanden kommen.” /// “Ich bin sicher auf dem falschen Planeten gelandet. Hier ist alles so seltsam.” /// “Ich möchte in einer Welt leben, sagte der alte Mann, in der man Menschen trauen kann. Das ist sicher kindisch von mir, aber ich bin sturer als der Teufel und werfe mein kleines Gewicht in die Waagschale.” /// Und dann: Natürlich die Natur. “Kaum etwas auf dieser Welt ist schöner als eine Landschaft im Mondlicht. Wer nie in einer mondscheinbeschienenen Augustnacht draußen war, wenn die Berge nicht länger irdisch sind, das Meer sich in Silber verwandelt und die Wiesenhöcker die Form von schlafenden Hunden annehmen, der hat kaum richtig gelebt, der muss etwas ändern.”

“Das Leben ist eben ein Miststück.”

Bewertung am 21.08.2020
Bewertungsnummer: 328828
Bewertet: eBook (ePUB)

“Manchmal. Manchmal ist es ein Miststück, jetzt allerdings nicht.” /// Dieser Roman ist nah dran an diesem Leben, das so schön und so derart häßlich sein kann. Auch dieses Buch erfüllt das Besondere der nordischen Literatur, die Wahrhaftigkeit, das Unprätenziöse, Unverblümte, die Schönheit wie die Rauheit, die genauen Beobachtungen, die große Empathie mit den Figuren (auch mit ihren häßlichen Seiten), ohne jegliche aufgesetzte Weinerlichkeit oder selbstbemitleidende Resignation, wobei die Schicksale tief ins Mark treffen. “Ástas Geschichte” ist eigentlich eine isländische Familiengeschichte, beginnend mit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein “Lied, in dem Menschen verlieren, was sie lieben und darum Trauer zum roten Faden ihres Lebens wird.” Es steht zu befürchten, dass es keinen Mittelweg gibt: “Die Distanz zwischen Liebe und Hass ist in etwa die gleiche wie zwischen Leben und Tod. Unermesslich und winzig zugleich.” /// Stefánsson ist ganz klar einer der Großen (auch wenn dieser Roman nicht besonders viel Beachtung fand). Er ist in seiner Rolle als Autor außerdem ein Soziologe, ein so ernsthafter wie humorvoller Philosoph, Psychologe und ein Therapeut, der seine Erfahrungen und Lebensweisheiten hier und da in den Text einsprenkelt. Sie passen sich in die Erzählung ein und sind durchweg willkommen. “Wer sich seiner Vergangenheit nicht stellt, bekommt irgendwann große Probleme.” /// Erzählen heißt Leben. Solange erzählt wird, wird nicht gestorben. Wie bei Tommi Kinnunens “Wege, die sich kreuzen” wird das Phänomen der “Anbauten”, bzw. das Weiterspinnen von Leben, von Geschichten, angerissen, wenn von einem Anbau die Rede ist, “der irgendwann an das alte Haus geklebt wurde und jetzt, wellblechverkleidet, an ihm hängt wie ein betrunkener Jugendlicher an einem älteren Menschen.” Sigvaldi erzählt (sich) sein Leben, als er sterbend auf dem Asphalt liegt. “Wörter sind Bewegung. Sie verhindern, dass die Luft stagniert und fault.” Die alternde Ásta schreibt Briefe gegen ihre Traurigkeit: “Ich empfinde sogar Freude, aber das Leben fällt mir wieder schwer, sobald ich den Stift weglege, das Dasein wird schwerer, schwarzer Schnee. Und ich sehe keinen Grund, warum ich am Leben bleiben sollte.” Wenn die Sätze enden, verebben die Tage, verfliegen die Träume. Wenn Wörter stehen bleiben, enden Wege und Sterne verlöschen. Literatur spendet Trost und gibt Anlass zu Hoffnung: “Manchmal ist die verdammte Literatur das Einzige, was es schafft, das Dasein zu beschreiben, wie es wirklich ist.” /// So tritt auch der Erzähler als Figur in den Vordergrund: “Windstille. Haben deine Worte genügend Kraft, um die Freude zurückzuholen, die schwindet – neue Bedeutung zu schaffen, wenn alles schal geworden ist? Nein. Du musst dich mehr anstrengen. Im Westen jedoch herrscht Windstille.” Hier spricht einer, dem bewusst ist, dass das Leben nicht unendlich ist und die verbleibende Zeit rasch allzu knapp werden kann, dass dreißig oder vierzig Jahre “schneller vergehen, als wir uns vorzustellen wagen.” Einmal prangert dieser Erzähler “die Liste der 1001 Bücher, die du gelesen haben solltest, bevor du stirbst” an: “Bevor du stirbst. Solltest du nur die lesen und keine anderen? Warum dann diese? Kannst du dich mit ihnen an den Tod wenden, geben sie dir einen Vorsprung in der Dunkelheit? Soll uns Literatur vornehmlich auf den Tod vorbereiten, anstatt uns dazu bringen, besser zu leben?” /// Überhaupt, die Dunkelheit. “Klart es wieder auf? Wer wird das erleben? Wer wird das Dunkel überleben, das jetzt auf die Welt fällt?” Die Dunkelheit bekommt auch politisches Gewicht: “Zwar war ich schockiert wie alle um mich herum, dass nun bald die dunklen Mächte mit dem siegesgewissen Grinsen der Dummheit auf dem mächtigsten Stuhl der Welt Platz nehmen würden.” (Gestern hat Biden anlässlich seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat versprochen, sein Land wieder "aus der Dunkelheit" zu führen.) Und doch lautet die Grundfrage des Romans: “Wie spaltet man die Dunkelheit? Und kann man vor sich selbst weglaufen? Wenn es keinen Weg aus der Welt gibt.” Bücher können es vielleicht am ehesten. Und noch lange vor COVID weiß der Erzähler um die Bedeutsamkeit: “All die Alltäglichkeiten genießen, die so schrecklich fehlen, wenn sie uns abhanden kommen.” /// “Ich bin sicher auf dem falschen Planeten gelandet. Hier ist alles so seltsam.” /// “Ich möchte in einer Welt leben, sagte der alte Mann, in der man Menschen trauen kann. Das ist sicher kindisch von mir, aber ich bin sturer als der Teufel und werfe mein kleines Gewicht in die Waagschale.” /// Und dann: Natürlich die Natur. “Kaum etwas auf dieser Welt ist schöner als eine Landschaft im Mondlicht. Wer nie in einer mondscheinbeschienenen Augustnacht draußen war, wenn die Berge nicht länger irdisch sind, das Meer sich in Silber verwandelt und die Wiesenhöcker die Form von schlafenden Hunden annehmen, der hat kaum richtig gelebt, der muss etwas ändern.”

Isländische Literatur

yellowdog am 03.02.2021

Bewertungsnummer: 1258113

Bewertet: eBook (ePUB)

Der isländische Autor Jon Kalman Stefansson hat schon beeindruckende Romane geschrieben, z.B. Himmel und Hölle oder Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit. Jon Kalman Stefanssons Bücher haben einen hohen Ton. Das gilt auch für Astas Geschichte, sein zwölfter Roman, doch diesmal ist er besonders intensiv. Ich mag lyrische Prosa, doch diesmal war es wirklich viel auf einmal. Es wird die Geschichte einer Frau in Island erzählt. Es beginnt mit den fünfziger Jahren, aber es wird nicht durchgehend chronologisch linear erzählt, es gibt immer wieder Passagen mit Astas Eltern, Helga und Sigvaldi. Das ist gut ineinander verzahnt. Immer wieder wird aber auch die Romankonstruktion auseinandergenommen. Packende Passagen gibt es, als Asta auf den Hof kommt, auf dem sie dann leben wird und sie Josef trifft. Dann sind da endlich auch mal Dialoge im Vordergrund. Wenn der Autor anfängt, richtig zu erzählen, kann er mich am meisten überzeugen. Die Gefühle Astas werden transparent. Es wird überreich an Emotionen und Atmosphäre. Astas Geschichte ist ein Roman, mit dem man sich schwer tun kann, der aber sicher auch einiges bietet.

Isländische Literatur

yellowdog am 03.02.2021
Bewertungsnummer: 1258113
Bewertet: eBook (ePUB)

Der isländische Autor Jon Kalman Stefansson hat schon beeindruckende Romane geschrieben, z.B. Himmel und Hölle oder Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit. Jon Kalman Stefanssons Bücher haben einen hohen Ton. Das gilt auch für Astas Geschichte, sein zwölfter Roman, doch diesmal ist er besonders intensiv. Ich mag lyrische Prosa, doch diesmal war es wirklich viel auf einmal. Es wird die Geschichte einer Frau in Island erzählt. Es beginnt mit den fünfziger Jahren, aber es wird nicht durchgehend chronologisch linear erzählt, es gibt immer wieder Passagen mit Astas Eltern, Helga und Sigvaldi. Das ist gut ineinander verzahnt. Immer wieder wird aber auch die Romankonstruktion auseinandergenommen. Packende Passagen gibt es, als Asta auf den Hof kommt, auf dem sie dann leben wird und sie Josef trifft. Dann sind da endlich auch mal Dialoge im Vordergrund. Wenn der Autor anfängt, richtig zu erzählen, kann er mich am meisten überzeugen. Die Gefühle Astas werden transparent. Es wird überreich an Emotionen und Atmosphäre. Astas Geschichte ist ein Roman, mit dem man sich schwer tun kann, der aber sicher auch einiges bietet.

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Ástas Geschichte

von Jón Kalman Stefánsson

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Ralf Rother

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

Zum Portrait

4/5

Liebe währt nicht ewig

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

In meiner zweiundzwanzigsten Quarantäne-Besprechung möchte ich auf den Roman „Ástas Geschichte“ von Kalman Stefánsson hinweisen. Der Autor gehört schon seit längerer Zeit zu den großen Erzählern Islands. Die Geschichte, die hier als ein Roman erzählt wird, ist die leidliche und leidenschaftliche Geschichte des Mädchens und der Frau Ástas. Erzählt wird der Lebenslauf mit all den Brüchen, losen Enden, Verwicklungen, Diskontinuitäten, Täuschungen und Enttäuschungen, die ein Leben mit sich bringt, das eine Liebes- und Familiengeschichte hätte sein sollen, sich in aber in dysfunktionalen Beziehungen auflöst. Zwar mag es in der Intention des Romans angelegt sein, den Lebenslauf kontinuierlich und sinnvoll zu entwickeln, doch widersetzt sich das Leben selbst diesem Ablauf: „Das Bedürfnis nach Kontinuität aber ist mächtig. Etwas in einen Zusammenhang zu bringen gibt uns das Gefühl, jedes Leben habe seine Bedeutung, sei nicht zufällig, kontingent, sondern habe immer so verlaufen müssen – wodurch das Universum Sinn und Bedeutung bekäme. Selbstverständlich ist das auch der Grund dafür, dass ich diese Erzählung von Ástas Leben mit dem Moment angefangen habe, in dem ihr Leben begann. Es war ein Fehler.“ Da sich das Leben dem Leben widersetzt und sich nicht zu seinem Sinn und seiner Bedeutung aufschwingt, sondern sich vielmehr der Kontingenz und dem Verlust an Eigensinn preisgibt, kann Kalman Stefánsson nur den Fehler begehen, mit jenem Moment zu beginnen, der Ástas Anfang sein wird. Alles, was dann folgt, ist weit entfernt von einer chronologischen – und d.h. bedeutungsvollen – Entwicklung des Lebens. Denn: „Sobald sich die erste Erinnerung in unserem Gedächtnis eingewurzelt hat, hören wir auf, chronologisch zu empfinden und zu denken, und von da an leben wir ebenso sehr in dem, was vergangen ist, wie in dem, was gerade vergeht.“ Der Lebenslauf wird zu einer verdrehten Schlaufe, voller Wiederholungen, loser Enden und dysfunktionalen Ereignissen. Die Liebe – auf Isländisch „Ásta“ – währt wie ihre Küsse nicht ewig.
  • Ralf Rother
  • Buchhändler/-in

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4/5

Liebe währt nicht ewig

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

In meiner zweiundzwanzigsten Quarantäne-Besprechung möchte ich auf den Roman „Ástas Geschichte“ von Kalman Stefánsson hinweisen. Der Autor gehört schon seit längerer Zeit zu den großen Erzählern Islands. Die Geschichte, die hier als ein Roman erzählt wird, ist die leidliche und leidenschaftliche Geschichte des Mädchens und der Frau Ástas. Erzählt wird der Lebenslauf mit all den Brüchen, losen Enden, Verwicklungen, Diskontinuitäten, Täuschungen und Enttäuschungen, die ein Leben mit sich bringt, das eine Liebes- und Familiengeschichte hätte sein sollen, sich in aber in dysfunktionalen Beziehungen auflöst. Zwar mag es in der Intention des Romans angelegt sein, den Lebenslauf kontinuierlich und sinnvoll zu entwickeln, doch widersetzt sich das Leben selbst diesem Ablauf: „Das Bedürfnis nach Kontinuität aber ist mächtig. Etwas in einen Zusammenhang zu bringen gibt uns das Gefühl, jedes Leben habe seine Bedeutung, sei nicht zufällig, kontingent, sondern habe immer so verlaufen müssen – wodurch das Universum Sinn und Bedeutung bekäme. Selbstverständlich ist das auch der Grund dafür, dass ich diese Erzählung von Ástas Leben mit dem Moment angefangen habe, in dem ihr Leben begann. Es war ein Fehler.“ Da sich das Leben dem Leben widersetzt und sich nicht zu seinem Sinn und seiner Bedeutung aufschwingt, sondern sich vielmehr der Kontingenz und dem Verlust an Eigensinn preisgibt, kann Kalman Stefánsson nur den Fehler begehen, mit jenem Moment zu beginnen, der Ástas Anfang sein wird. Alles, was dann folgt, ist weit entfernt von einer chronologischen – und d.h. bedeutungsvollen – Entwicklung des Lebens. Denn: „Sobald sich die erste Erinnerung in unserem Gedächtnis eingewurzelt hat, hören wir auf, chronologisch zu empfinden und zu denken, und von da an leben wir ebenso sehr in dem, was vergangen ist, wie in dem, was gerade vergeht.“ Der Lebenslauf wird zu einer verdrehten Schlaufe, voller Wiederholungen, loser Enden und dysfunktionalen Ereignissen. Die Liebe – auf Isländisch „Ásta“ – währt wie ihre Küsse nicht ewig.

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