»Herkunft ist Zufall und wird doch als Absicht verwendet ...« Saša StanišićIn HERKUNFT geht es um Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Es geht um den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart oft auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.Gelesen von Saša Stanišić.(Laufzeit: 5h 39)
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus München
5/5
13.05.2020
Hörbuch-Download
Hab‘s geliebt!
Es war eine Freude dieses Buch zu hören, vor allem weil der Autor mit ganzem Herzen vorliest.
Zudem sehr lehrreich...
Bewertung
5/5
23.06.2025
eBook (ePUB)
Identität und Heimat
Stanisic geht in Herkunft auf eine unglaublich persönliche Ebene und erzählt auf eine fesselnde Art und Weise von dem Land, das er verlassen musste und welches es nun nicht mehr gibt. Von Kindheit und dem Erwachsensein, vom Fliehen und Ankommen, von Eltern und Großeltern, von Deutschland, Jugoslawien und allem dazwischen.
Bewertung
aus Dortmund
5/5
12.05.2025
Buch (Taschenbuch)
Wunderbar
Die Geschehnisse werden sehr lebendig, hörbar, spürbar, riechbar. Gut zu lesen und dennoch mit Tiefgang.
Und in gewisser Weise bekommt man dann noch gleich mehrere Bücher in einem ;-).
E.S.
5/5
10.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Humorvoll und fantastisch geschrieben
Die Sprache des Autors, sein Schreibstil und der humorvolle Umgang mit seiner eigenen Biographie sind einfach toll! Die alternativen Enden waren zwar persönlich nicht so meins, haben mich aber an die Bücher meiner eigenen Jugend in den 90er-Jahren erinnert.
SternchenBlau
5/5
31.12.2023
Buch (Taschenbuch)
Drachen der Erinnerung
Wow! Obwohl es um die ganz großen Themen geht, wie Identität, Demenz und Krieg, liest sich „Herkunft“ mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Ich bin durch die Seiten geflogen. Saša Stanišić erzählt die Geschichte in Erinnerungshäppchen, die sich schnell weglesen, sein Sprachwitz und die pointierten Anekdoten machten das Buch für mich zu einem Vergnügen. Stanišić spielt mit der Sprache wie auf einer ausgefeilten Klaviatur. Und die Herkunft? Es ist weder seine Mutter-, noch seine Vatersprache, es ist SEINE Sprache.
„Heimat, sage ich, ist das, worüber ich gerade schreibe. Großmütter. Als meine Großmutter Kristina Erinnerungen zu verlieren begann, begann ich, Erinnerungen zu sammeln.“
Es ist eine Liebeserklärung an die Großmutter und ein sprachliches Fest. In dieser Schönheit stockte mir wieder der Atem, weil da war wieder der Krieg (im früheren Jugoslawien), der sich aus dem Leben derer, die ihn erleben mussten, nie heraus subtrahieren lässt. Es gibt Erinnerungen meiner Mutter, die hat sie mir so erzählt, dass sie sich für mich wie meine eigene anfühlen, wie sie als knapp 3jährige an der Treppe zum Luftschutzkeller steht. Ein merkwürdiges Gefühl, ich weiß, dass war nicht ich, aber so fühlt es sich an, als hätte ich das erlebt.
Nun das absolut Verblüffende: Saša Stanišić erzählt seine „Herkunft“ so intensiv, so nahbar, so authentisch, dass sich seine Erinnerungen wie meine anfühlen. Ich war in Višegrad und ich bin mit seiner Großmutter auf einen Berg gestiegen. Ich habe Drachen gesehen. Wenn Stanišić beschreibt, wie sein Sohn etwas sagt, dann schiebt sich darüber das Bild meines Sohnes, fast im gleichen Alter ist, diese Sätze sagen. Stanišić Geschichte ist Teil der Herkunft dieses Landes hier, der Bundesrepublik Deutschland, weil er Teil dieses Landes ist, weil Migration Teil dieses Landes
„Wie schön ist das denn? Alle Menschen der Welt wertschätzen! Wie einfach es klingt.“
Beim Lesen folgt man Stanišić und nie weiß man, was „stimmt“ von diesen Erinnerungen. Aber der Autor würde nie behaupten, dass er es selbst ganz genau wüsste:
„Eine Geschichte gibt es dazu. Was an ihr wahr ist und was nicht, kann ich nicht sagen.“
Das Buch ist sicherlich nichts für Menschen, die eine Fakten ganz „ordentlich“ erzählt bekommen möchten. Nichts für Menschen, die glauben, es gäbe keinen Zweifel in Bezug auf die Erinnerung, die denken, Authentizität würde bedeuten, dass man etwas Eins zu Eins abbilden könnte. „Herkunft“ ist Literatur, keine persönlichen Annalen des Autors. Dass Stanišić dies so transparent offen legt, erzählt so viel über Literatur und auch die Herkunft an sich. Wer sind wir als Menschen, wie können wir überhaupt so etwas wie Herkunft konstruieren?
Dies ist nicht zuletzt eine politische Frage und „Herkunft“ ist nicht zuletzt ein politisches Buch, wenn es die Parallelen aufzeigt von den aufkommenden nationalistischen „Bewegungen“ in Jugoslawien damals und den Wahlsiegen von „rechtspopulistischen“ Parteien heute.
„Heute ist der 29. August 2018. In den letzten Tagen haben tausende in Chemnitz gegen die offene Gesellschaft in Deutschland demonstriert. Migranten wurden angefeindet, der Hitler-Gruß hing über der Gegenwart.“
Herkunft lässt sich nie verstehen ohne die Gegenwart und so nimmt er immer wieder auch Bezug auf das Heute. So habe ich Stanišić kennengelernt, als Autor, der sich klar gegen rechts positioniert, später auch gegen die Relativierung von Handke. Trennung von Werk und Autor? „Herkunft“ beweist, dass dies eh nie möglich ist. Ich hatte etwas Angst sein Buch zu lesen, weil ich den Autor so schätze. Es gibt keinen Grund dafür. „Herkunft“ hat mich restlos begeistert, wehmütig und wunderschön:
„Ich glaube, dass es wenig Schlimmeres gibt, als zu wissen, wo man hingehört, aber dort nicht sein zu können.“
Fazit
Ich könnte noch so viel mehr Stellen zitieren, die mich bis ins Mark berührt haben. Aber lest bitte selbst! Begeisterte 5 von 5 Sternen. Mein fast achtjähriger Sohn fragt mich gerade, über welches Buch ich schreibe. Über eines, das ich ihm ganz bestimmt zu lesen gebe, wenn er etwas älter ist.
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5/5
15.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig.
Die Geschichte der Herkunft ist auch die der Ankunft, der Zukunft, des Heimatlandes, das man verlassen musste, der neuen Heimat, in der man seinen Platz erst finden muss. In der Biografie des Autors finden sich Tausende von junge Menschen wieder, die in den 90-er Jahren das gleiche Schicksal teilten. Absolut authentisch, wundervoll, einfühlsam und auch witzig geschrieben.
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5/5
07.09.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von erzähltem Leben und lebendigem Erzählen
Wer bist du? Wo kommst du her? Wo ist dein Zuhause?
Fragen, die einem ein Leben hindurch immer wieder gestellt werden und manchmal leicht, manchmal schwerer zu beantworten sein scheinen. Saša Stanišić gibt keine verbindlichen Antworten, er erzählt einfach. Dabei gibt nicht Chronologie der Biografie seiner Familie die Reihenfolge vor, sondern er lässt sich stattdessen treiben von verstreuten Erinnerungen und sich auftuenden Assoziationen.
Aufgewachsen in Jugoslawien, mit 15 Jahren vor Jugoslawien nach Deutschland geflohen. Die Sprache gelernt, sich verliebt, sowohl in Wörter als auch Frauen, Freunde gefunden, verloren, erfolgreich geworden, Kind bekommen. So kann eine rudimentäre Lebensgeschichte aussehen, aber dem Preisträger der Leipziger Buchmesse geht es nicht um scheinbare Fakten, sondern Geschichten: Und so erzählt er entlang wichtiger Menschen, Themen und Orte kreuz und quer durch seine Biografie, lässt Familienstammbäume und Nachbarschaften entstehen, nur um gleich wieder zu hinterfragen, ob all dem wirklich so war oder nur eine (von ihm selbst) erfundene Geschichte.
Aus diesen mäandernden Geschichten entsteht ein erzähltes Leben oder aber ein Leben, das Erzählungen hervorbringt.
Eine der zentralen Figuren des Buches ist seine Großmutter, die in der Gegenwart einer der letzten Eckpfeiler der Familie in Bosnien ist. Gegen Ende ihres Lebens verliert sie immer mehr die Hoheit über die Zeitleiste ihres Lebens: Menschen, Orte und Jahre vermischen sich. Was vor Jahrzehnten war, scheint heute zu sein und heute ist oft sehr weit weg. Und so wirkt es nur folgerichtig, dass der einzige Weg, um aus diesem in Unordnung geratenen Leben wieder etwas Ganzes zu machen ist, eine Geschichte zu erzählen.
Saša Stanišić erzählt genau dieses Kapitel, welches gleichzeitig auch das Buch abschließt, auf außergewöhnliche und zugleich formal wie inhaltlich stimmige Weise: „Der Drachenhort“ ist eine Liebeserklärung an Großmutter und slawische Mythologie sowie eine Hommage an die Rollenspielabenteuer aus der Jugend des Autors zugleich. Denn hier entscheiden die LeserInnen selbst über den Fortlauf der Handlung. Am Ende jedes längeren Textabschnittes wird man vor die Entscheidung gestellt, wie der Protagonist handeln soll. Dementsprechend setzt sich der Text auf unterschiedlichen Seiten fort und es kommt zu verschiedenen Enden der Odyssee von Großmutter und Enkel.
„Herkunft“ begeistert wie sein herausragender Roman „Vor dem Fest“ mit einem poetisch-innovativen, dabei aber immer leichtfüßigen Stil, der niemals kopflastigem Bildungsprotz daherkommt. Teil Fakt, Teil Fiktion ist dieses Buch ein außergewöhnlich Beispiel für die fließende Grenze zwischen Literatur und Realität, Erinnerung und Erdachtem. Eine definitiver Höhepunkt der literarischen Produktion von 2019.
„Ich muss los“, sage ich.
„Quatsch, niemand muss heute irgendwohin“.
„Welcher Tag ist heute?“
Großmutter sagt: „Alle Tage.“
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