Wie wird ein Terrorist zum Terroristen? Der achtzehnjährige Ahmed wächst bei seiner irischen Mutter in New Jersey auf. Sein Vater, ein Araber, hat die Familie früh verlassen. Aber die Trennung der Eltern liegt lange zurück, und in der Gegend gibt es viele kaputte Familien. Außerdem ist Ahmed ein ausgezeichneter Schüler, der im amerikanischen System Karriere machen könnte. Doch er ist auch ein Grübler und ein Idealist und auf der Suche nach seinen Wurzeln. Immer weiter kapselt er sich von seiner Umwelt ab. Und dann sitzt er eines Tages am Steuer eines Wagens voller Sprengstoff ... "Updike zielt mit diesem Aufklärungsthriller in das Herz des amerikanischen Traumas" (Focus)
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Vom Extremisten zum Terroristen
Mario Pf. aus Oberösterreich am 10.03.2008
Bewertungsnummer: 577780
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Diese Teufel wollen mir meinen Gott nehmen., mit diesen Worten beginnt John Updikes Terrorist. Im Grunde sagt das bereits einiges über das Buch aus, denn es behandelt sozusagen die Innenansichten eines islamistischen Extremisten, der im Grunde doch nur ein einfacher Außenseiter ist.
Ahmed Mulloy ist ein guter Schüler und anständiger Junge, aber auch gläubiger Muslim und zudem Sohn einer irisch-amerikanischen Mutter deren ägyptischer Mann sich nach der Heirat und Verleihung der Staatsbürgerschaft aus dem Staub gemacht hat. Somit musste sie Ahmed alleine erziehen und obwohl sie eher ungläubig ist hat sie ihrem Sohn ermöglicht Koranunterricht zu nehmen, um sich dem verlorenen Vater und seiner Kultur etwas näher zu fühlen. Gemeinsam leben sie in einer Wohnung des Schwarzenviertels von New Prospect. Es ist genau diese Unangepasstheit, die Ahmed von seinen Mitschülern abhebt und zum Ziel der Aggressionen des Schlägers Tylenol gemacht hat.
Doch Ahmed ist nicht alleine in dieser Welt die ihm so ablehnend gegenübersteht, denn neben Joryleen, die ihm offensichtlich Zuneigung entgegenbringt, macht sich sein Vertrauenslehrer Jack Levy ernsthaft Sorgen um die weitere Entwicklung und Karriere des begabten Jungen, auch wenn er kurzzeitig eine Affäre mit dessen Mutter beginnt. Anstatt sich für ein College zu entscheiden will Ahmed nämlich auf Anraten seines Imams Lastwagenfahrer werden... (und das aus einem bestimmten Grund)
Ob Updikes Darstellung eines Islamisten korrekt ist, gerade weil Ahmed durchaus sympathisch wirkt, sei dahingestellt, das Buch liest jedoch sehr angenehm und man kann sich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Auch der Stil ist sehr ansprechend, selbst wenn man sonst kein Freund Updikscher Beziehungsdramen ist, denn das Buch trifft genau den richtigen Nerv, es macht betroffen, lässt einen erkennen, wie jemand zu einem Selbstmordanschlag oder anderen fanatischen Handlungen getrieben werden kann. Ferner schildert John Updike die Folgen des 11. Septembers für Muslime in den USA, welche seitdem mit erheblich mehr Misstrauen und falschen Verdächtigungen zu kämpfen haben.
Terrorist ist kein typischer Agenten- oder Spionagethriller, wer also Explosionen und hollywoodreife Gewaltexzesse sucht ist hier etwas falsch, das gibt es eine Tür weiter, weil Terrorist ist schlichtweg dramatisch, ein interessantes Experiment den Weg eines Extremisten vom einsamen jungen Mann zum potentiellen Selbstmordattentäter zu zeigen.
Fazit:
Das Buch ist gut, schon weil es Verständnis schafft und vertieft, wobei John Updike über einen angenehm zu lesenden Stil verfügt und mit Ahmed Mulloy einen sympathischen Protagonisten geschaffen hat.
Terror und Fundamentalismus...
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 16.08.2014
„Amerika! Wie man das Land hier hassen kann, verstehe ich nicht."
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
John Updike ist ein toller Autor und einer der ganz wenigen, denen der Pulitzer-Preis zweimal zugesprochen wurde. In „Terrorist“ beschreibt Updike eine westliche Welt im Abstieg und einen jungen US-Amerikaner auf der Suche nach dem Absoluten – spannend, klarer Stil, mit überraschendem „Showdown“.
„Amerika! Wie man das Land hier hassen kann, verstehe ich nicht. Ich bin als junger Mann hierher gekommen, nur mit meinem Bruder …, und es gab keine Spur von all dem Hass und den Schießereien wie in meinem Land, wo alle zu irgendwelchen Stämmen gehören. Christen, Juden, Araber, gleichgültig, schwarz, weiß, irgendwas dazwischen – hier kommen alle miteinander aus. Hast du was Gutes zu verkaufen, dann kaufen's die Leute. Hast du Arbeit zu vergeben, dann finden sich auch Leute dafür. Alles ist klar und deutlich, zumindest an der Oberfläche.“
Aber „es gibt da einen gewissen Hunger nach, wie soll man's nennen, nach dem Absoluten, da alles so relativ ist und die ökonomischen Kräfte ihnen sofortige Befriedigungen und Kreditkartenschulden aufdrängen … Die Leute wollen zu simplen Unterscheidungen zurück – schwarz und weiß, richtig und falsch -, nur sind die Dinge eben nicht so simpel.“
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