Der Sommer 1789 ist herrlich warm und so schön, dass man die Hungersnot im vorangegangenen bitterkalten Winter leicht vergessen kann, zumindest in den Palästen. Im Volk aber wächst die Unzufriedenheit über die Willkür und Dekadenz der herrschenden Klassen, bis die drückende Hitze schließlich kaum mehr auszuhalten ist. Eines Nachts versammeln sich erste Gruppen in der Dunkelheit. Waffenarsenale werden gestürmt, Theaterrequisiten geplündert. Aus falschen Speeren werden echte Schlagstöcke. Die Kirchenglocken in Paris schlagen Alarm, doch zu spät: Am Morgen des 14. Juli hat sich die Menge bereits vor den Toren der Bastille versammelt - sie wird Europa für immer verändern. Éric Vuillard schildert die Geburtsstunde der französischen Revolution als bildreiches Panorama voller Miniaturen, die uns daran erinnern, dass Freiheit auch Gleichheit aller Menschen vor der Geschichte bedeutet.
»Eine Liebeserklärung an die menschliche Vorstellungskraft in einem überwältigenden Text. Ein Buch mit emotionaler Kraft, das zugleich auch das Elend unserer Zivilisation spiegelt.« - Le Monde des Livres
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Dormagen
5/5
03.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
14.Juli Paris:So könnte es gewesen sein
14.Juli, von Eric Vuillard
https://images.app.goo.gl/FRVNxXoeGS9G4Nwt8
Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli - wer kennt nicht das Gemälde der wohlproportionierten Heroin mit halb entblößter Brust, in der linken die Bajonette bewerte Flinte und in der rechten die blau-weiß- rote Fahne, umgeben von wilden Gesellen und martialischem Pulverdampf. Von Eugene Delacroix 1830 gemalt ( „Die Freiheit führt das Volk“, Louvre) hat es mein Bild vom 14.Juli 1789 und vom Chaos an diesem Tag geprägt. Unter dem Eindruck des Buches „ 14. Juli“ von Eric Vuillard entlarvt sich mir das Delacroix-Bild als enthemmte Propaganda, zwar gefälliger anzusehen, aber nicht viel besser als die ach so scheußliche Germania auf dem Niederwald-Denkmal.
Nichts könnte den Unterschied zwischen Delacroix’s Bild und Vuillards Schilderungen bildhafter beschreiben als der höchst aufmerksam blickende Knabe im Bild links unten, der die Ehre hat, Viillards Buchdeckel zu zieren. Eine Superidee, den Knaben dorthin zu platzieren.
Vuillard beschreibt nämlich einen Aufstand der kleinen Leute, der Schuster, Obdachlosen, Laternenanzünder, Huren, der ständig besoffenen Raufbolde und Herumtreiber, der verzweifelten Mütter und Großmütter, .... Er beschreibt das Elend in Paris anno 1789, den Hunger, die unmenschlichen Lebensverhältnisse, und die Wut, die aller Orten aus diesem Elend erwächst. Die Wut auf ein System, das nur
einer Minderheit nutzt und gefällt, und nur für diese ein Staat ist. Der Leser vollzieht problemlos nach, wie sich aus Wut Gewalt entwickelt, und natürlich Gegengewalt. In den Tagen vor dem 14. Juli wird es zunehmend lauter in Paris und die Nächte werden heller, von den Feuern.
Und dann dieser eine Tag, an dem sich diese Wut entlädt, ohne Zündung durch irgendwelche Drahtzieher, ohne heroische Marie mit Gewehr und Fahne. Kleine Leute, wie der Knabe links unten im Bild wachsen an diesem Tag über sich selbst hinaus, wie ein stotternder junger Anwalt, der auf den Tisch vor dem Café de Foy springt und die erste Rede seines Lebens hält: „Sie planen eine Bartholomäus-Nacht für die Patrioten!“
Und wo ist König und Königin? Er auf der Jagd, sie pflückt Kapuzinerkresse.
Währenddessen werden in dem Chaos in Paris Helden geboren: dank Eric Vuillard haben Sie nun einen Namen, manchmal ein Gesicht. Todesmutig klettern sie Seile und Leitern hoch, zertrümmern Ketten und ihre Hände, stürzen sich teilweise lachend auf die verdutzten Wachsoldaten, viele fallen im Kugelhagel, einige gelangen ans Ziel, an das Pulver, die Kanonen, die Gewehre.
Das Buch: „14. Juli“ ist ein Geschichtsbuch, klar. Es vermittelt jedoch keine Sicht einer „ Historikerschule“, sondern es wirkt unglaublich authentisch: So könnte es tatsächlich gewesen sein. Ein Jahrtausend - Ereignis wundervoll beschrieben.
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Bewertung
5/5
02.05.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
So macht Geschichte Spaß!
Ein bildgewaltiges, kraftvolles Epos, dass die Ereignisse um den Sturm auf die Bastille aus den Perspektiven verschiedener Figuren mitreißend und phantasievoll erzählt. Ein echter Lesegenuss!
Juti
aus HD
3/5
26.09.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte des kleinen…
Die Geschichte des kleinen Mannes Eigentlich mag ich Vuillards Stil. Ein historisches Thema herunter gebrochen auf das Niveau des einfachen Menschen. Leider war die französische Revolution bisher nicht mein Hauptthema. So war mir nicht immer klar, wozu das Thema wichtig ist. 1789 war ein warmer Sommer nach einem kaltem Winter und die Menschen hatten Hunger, saßen in der Bastille, weil sie Schulden hatten. Der Sturm erfolgte dann spontan. Ich habe das Buch auf der Reise und im Zug gelesen. Man wird häufiger abgelenkt, dennoch lassen die kurzen Kapitel einen immer wieder zurück in den Stoff kommen. 3 Sterne
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