Leipzig. Sommer. Universität, Fußball-WM und Volksküche. Gute Freunde. Eine Geburtstagsfeier. Anna sagt, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Aussage steht gegen Aussage. Nach zwei Monaten nah an der Verzweiflung zeigt Anna Jonas schließlich an, doch im Freundeskreis hängt bald das Wort "Falschbeschuldigung" in der Luft. Jonas' und Annas Glaubwürdigkeit und ihre Freundschaften werden aufs Spiel gesetzt.
Der Roman "nichts, was uns passiert" thematisiert, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht.
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Vergewaltigung passiert anderen Leuten: Schwieriges Thema gut umgesetzt
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 26.09.2025
Bewertungsnummer: 2607795
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Leipzig im Sommer 2014 während der Fußball-WM. Anna hat ihr Studium beendet und jobbt in einer Kneipe. Auf der Geburtstagsfeier eines Freundes passiert es. Sie sagt danach, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr.
Erst nach 2 Monaten, die Anna am Rande der Verzweiflung verbracht hatte, zeigt sie Jonas doch noch an.
“Anna musste es erzählen. Sie hatte mit niemandem darüber gesprochen, vielleicht würde es ihr danach besser gehen. Doch sie konnte nicht. Sie konnte das Wort nicht in ihrem Mund formen. Wenn sie es aussprach, würde es Wirklichkeit werden, würde sie sich damit auseinandersetzen müssen.”
Im Freundeskreis und an der Universität brodelt die Gerüchteküche, bald ist von einer Falschbeschuldigung die Rede. Annas Freundschaften zerbrechen, ihr geht es psychisch schlecht. Sie hatte auf der Party sehr viel getrunken, hatte einen Filmriss und kann sich nicht mehr an alles erinnern. Nur dass sie nein gesagt hatte, da ist sie sich sicher.
“Wenn es ein Opfer gab, musste es auch einen Täter geben. War Jonas ein Täter? Oder war alles nur ein Missverständnis? Vielleicht hatte sie etwas falsch verstanden. Waren ihre Erinnerungen real? Was war während ihres Filmrisses passiert?”
Das Geschehen und die Gerüchte bekommen eine Eigendynamik, unter der sowohl Anna als auch Jonas leiden. Anna wird als Lügnerin hingestellt; die Ermittlungen der Polizei ziehen sich in die Länge. Die Situation ist unerträglich. Als Jonas Name als Täter bekannt wird, verliert auch er seine Freunde und sogar seinen Job.
“Jonas war kein böser Mensch. Er hatte etwas Schlimmes getan, das war ein Unterschied. Er war kein Teufel, und er musste nicht wie einer behandelt werden. Nein wahrscheinlich könnte sie ihm nie verzeihen, sagte Anna.”
Bettina Wilpert hat sich keinen einfachen Fall ausgesucht für ihren Roman. Nichts ist eindeutig, als Leser*in weiß man nicht sicher, was wirklich passiert ist. Der Roman gibt beiden, Anna und Jonas, eine Stimme. Die Autorin hat in einem ruhigen, sachlichen Ton dargestellt, welche Folgen eine Vergewaltigung auf das Opfer sowie den Täger und deren Umfeld hat – und wie die Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht.
“Auch wenn man als Frau anscheinend immer damit rechnen muss und es das Schlimmste zu sein scheint, was passieren kann, ist es doch nichts, was wirklich geschieht. So wie es keinen Krieg in Deutschland gibt oder man ständig Angst haben muss zu sterben. Vergewaltigung passiert anderen Leuten.”
Kein einfaches Thema, das die Autorin jedoch hervorragend umgesetzt hat.
Opfer sind immer die anderen.Opfer ist man nie selbst. Oder?
Bewertung am 28.05.2021
Bewertungsnummer: 513178
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieses Buch tut weh, macht wütend, verzweifelt und hallt noch lange nach.
Zwischen Falschbeschuldigung und Vergewaltigung erfahren wir in einer Art Protokoll verschiedene Ansichten über das, was in der Nacht im Juni passiert ist. Und was jetzt passieren soll.
Wie geht man mit so viel Unsicherheit um, stellt man sich auf eine Seite?
Ich kann nicht beschreiben, wie sehr mich dieses Buch doch aufwühlen konnte.
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