Über die vielfach unterschätzte Notwendigkeit von Bibliotheken im 21. Jahrhundert.
Die Benutzer strömen in Scharen in die Lesesäle und Gruppenarbeitsräume der wissenschaftlichen Bibliotheken. Dabei scheint ihre Aufgabe in Zeiten des Internets immer unklarer zu werden: Ist nicht das Wichtigste schon im Netz verfügbar? Welche Funktion hat die Bibliothek dann noch - ist sie ein Learning Center? Ein Logistikzentrum der Information? Ein sozialer Ort? Macht Teilen und Tauschen das Wesen der Bibliothek aus?
Dieses Buch handelt davon, dass wissenschaftliche Bibliotheken eine Hauptaufgabe haben, und zwar seit den ältesten Tagen von Ninive und Alexandria: Die Verantwortung für die Verfügbarkeit des Wissens. Ihr Zweck ist, Auskunft zu ermöglichen über den jeweils erreichten Stand der Erkenntnis. Die Realisierung dieser Idee wird für die einzelne Bibliothek zur Quadratur des Kreises. Bibliotheken müssen viel enger zusammenwirken als früher. Die Idee der Bibliothek funktioniert nur noch im System der Bibliotheken. Doch in Deutschland sitzen die Bibliotheken mit ihren unerledigten Gemeinschaftsaufgaben in der Föderalismusfalle. Damit die Idee der Bibliothek zur Geltung kommen kann, braucht es eine beherzte Bibliothekspolitik.
Der ehemalige Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek blickt auf Geschichte und Gegenwart der Bibliotheken und fragt nach ihrer Bedeutung für die Zukunft.
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Bibliotheken als ein Ort der…
LichtundSchatten am 26.11.2018
Bewertungsnummer: 2730554
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Bibliotheken als ein Ort der Überraschungen. Ein wirklich lesenswertes Buch über den aktuellen Stand der Wissensaufbereitung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Sie sind an der Schnittstelle zwischen Wissens-Schaffung und Vermittlung dieser Informationen an alle Interessierten damit beschäftigt, wichtige, zentrale Medien zu beschaffen und auf dem aktuellen Stand zu halten. Waren dies früher fast ausschließlich das Buch und Fachzeitschriften, so kommen heute ein Vielzahl von digitalen Medien und Konzepten der Verteilung hinzu. Hinter die Mauer einer Bibliothek zu schauen auf die Arbeitsweise und Verträge, den Erwerb und Verteilung war für mich als Bibliophilen mehr als spannend und aufschlussreich. Eine Vielzahl neuer Quellen erschlossen sich und neue Ideen wurden präsent. Einfach hervorragend und vor allem verständlich formuliert. Besonders gut gefallen hat mir die Definition einer Bibliothek, aus der sich eine Reihe von Maßnahmen ableiten. „Aber ihre schönste Aufgabe besteht darin, ein Ort zu sein, wo Nutzer etwas finden, das sie nicht gesucht haben.“ So ist es. Und leider stehen Bibliotheken heute unter einem großen finanziellen Druck eben nur „just in time“ das Nachgefragte vorzuhalten. Aber dem ist eben nicht so: „Gute Bibliotheken sind für Überraschungen gut.“ Und reichen so über den eigenen Erfahrungs- bzw. Suchhorizont hinaus, sie gehen hinter banale Suchalgorithmen und Tante Google Suchen. Neben die Publikation von Forschungsergebnissen ist heute auch die Veröffentlichung der zugrunde liegenden Daten getreten, ein unglaublicher Aufwand. Ganze Webseiten werden heute in ihrer Entwicklung gespeichert, das Medienmix wird immer vielfältiger und verlangt zudem die Speicherung von Bildern, Videos, Radio-Podcast-Sendungen. Welche Schwierigkeiten und Chancen sich dadurch ergeben, der Autor Michael Knoche gibt eine Idee der dahinter lauernden Probleme und Chancen. Hätten Sie’s gewusst? In Deutschland gibt es 10.000 öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken mit rund 220 Mio Besuchern, Besucherfrequenz stark steigend. Sie leisten damit einen Beitrag zum Grundgesetz, das in Artikel 5, Absatz 1 vorsieht, dass sich jeder ungehindert aus allgemein zugänglichen Quellen unterrichten kann. Michael Knoche beschränkt sich auf die 1000 wissenschaftlichen Bibliotheken, also die Staats-, Hochschul- und Spezialbibliotheken, obwohl der generelle Duktus auch in kleinerem Maßstab für alle anderen Bibliotheken gilt. Der Grad der Vernetzung weltweit, auch in anderen Sprachen, dürfte bei wissenschaftlichen Bibliotheken natürlich eine weitaus größere Rolle spielen. Bibliothekare sind heute zentrale Wissensmittler für die Zukunft, die Erhaltung und Pflege von Wissen ist nach wie vor im analogen Bereich einfacher als im digitalen (schneller Wechsel von Software-Programmen), dort müssen übergreifende zukunftsfähige, immer lesbare Daten vorgehalten werden, was nicht so einfach ist wie man es vermuten würde. Open Access Zugänge werden immer wichtiger und alte Copyright-freie Bücher finden sich heute im Netz problemlos. Jede Bibliothek wird heute durch das Netz ergänzt, aber ihre realen Orte sind immer noch Plätze der Inspiration. „Wer beispielsweise einmal im Main Reading Room der New York Public Library an einem der Tische aus weißer Eiche gesessen hat, wird die vibrierende Stille von sechshundert anderen konzentriert arbeitenden Menschen als stimulierend empfunden haben.“ Oder in der schönsten aktuellen Bibliothek, nach meinem Empfinden, in der Stuttgarter Stadtbibliothek! Wer alle Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Bibliothek aus fundierter Quelle erfahren möchte, liegt mit diesem Buch richtig. Es eröffnet überraschende Perspektiven und hält eine Vielzahl von Ideen und neuen Möglichkeiten bereit. Ich merke immer wieder, wenn ich in Bibliotheken bin, wieviel neue Dinge hinzugekommen sind, die den Erwerb von Medien bzw. dem enthaltenen Wissen neue Wege eröffnen.
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