Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern. Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigen die beiden Politologen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, woran wir erkennen, dass demokratische Institutionen und Prozesse ausgehöhlt werden. Und sie sagen, an welchen Punkten wir eingreifen können, um diese Entwicklung zu stoppen. Denn mit gezielter Gegenwehr lässt sich die Demokratie retten – auch vom Sterbebett.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
18.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Pflichtlektüre für Demokraten
Die Autoren schildern an verschiedenen Beispielen aus aller Welt, wie eine Demokratie vor die Hunde gehen kann und worauf wahre Demokraten achten müssen, damit das nicht passiert. Denn Demokratien vergehen, wie die Autoren schreiben, nicht mit einem lauten Knall, sondern leise, ungesehen. Es werden spannende Einblicke in andere Demokratien der Welt zu erhalten, wie diese untergegangen sind oder sich sogar gegen ihre Gegner behaupten konnten. Das Buch orientiert sich aber sehr stark an den USA, was man im Hinterkopf behalten sollte. Alles in allem ein Must-Read für Demokraten und alle, die sich für Demokratie(-geschichte) interessieren.
Juti
aus HD
4/5
30.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Amerikanische Geschichte…
Amerikanische Geschichte eines besorgten Bürgers „Der demokratische Rückschritt beginnt heute an der Wahlurne“ (S.13). Ungarn, Polen, Türkei, Russland, aber auch Peru, Venezuela und Kolumbien werden als weitere Beispiele angeführt. Selbst eine Wahl muss nicht demokratisch sein, wenn wie in Ungarn eine Zwei-Drittel-Mehrheit dazu genutzt wird die Wahlbezirke so zu manipulieren, dass die Fidesz-Partei trotz Verlusten mit 44,5% der Stimmen immer noch zwei Drittel der Mandate hat (vgl. S.105). Dieses Buch definiert 4 Punkte, woran ein autoritärer Herrscher zu erkennen ist: 1. Ablehnung demokratischer Spielregeln 2. Leugnung der Legitimität politischer Gegner 3. Tolerierung von oder Ermutigung zur Gewalt 4. Bereitschaft die bürgerlichen Freiheiten einschließlich der Medien einzuschränken (Leider wiederholen die Autoren diese lange Tabelle von S.32ff auf S.78ff nur, dass fett gedruckt wird, was auf Trump zutrifft). Trump erfüllt alle 4 Punkte. Aber es ist die Frage, ob in Amerika trotz Trump nicht der amerikanische Rechtsstaat funktioniert. Zwar verstößt Trump gegen die ungeschriebenen Gesetze der Politik wie gegenseitige Achtung und Zurückhaltung, aber noch stoppt das Oberste Gericht Trump. Einige Republikanische Senatoren haben ihre rote Linie gezogen, wie weit sie mit Trump gehen wollen. Besorgnis macht den Autoren, dass Putin und Erdogan erst nach Krisensituation zu autoritären Herrschern wurden (es bleibt fraglich, ob z.B. Erdogan nicht den Putsch gegen ihn gewollt hat). Trotzdem sind sie in der Bevölkerung weiterhin beliebt (vgl. S.223). Wir lernen aus der amerikanischen Geschichte, dass frühere Präsidenten wie z.B. Washington ihr Amt sehr zurückhaltend ausgeübt haben. Erst unter Roosevelt wurde in der Verfassung verankert, dass ein Präsident nur zwei Amtszeiten regieren darf. Nach dem Bürgerkrieg gab es ein interessantes Phänomen: „Viele Südstaatendemokraten empfanden die Bürger- und Wahlrechte von Afroamerikanern als fundamentale Bedrohung. Erst als beide Parteien darauf verständigten, diese Rechte nicht mit Zwang durchzusetzen, schuf das die Basis, die gegenseitige Achtung wiederherzustellen. Die Entrechtung von Afroamerikanern rettete die weiße Vorherrschaft und die Dominanz der Demokratischen Partei im Süden, was zum Überleben der Demokraten auf Bundesebene beitrug. Nachdem die Rassengleichheit von der Tagesordnung gestrichen war, versiegten die Ängste der Südstaatendemokraten. Erst danach begann die Feindschaft zwischen den politischen Lagern abzuflauen (S.146f).“ In den 60er Jahren wandelte sich das Wählerverhalten. Ethnische Minderheiten wählen heute überwiegend die Demokraten, während die weißen, religiösen Menschen vor allem die Republikaner wählen. Die Autoren sind ziemlich sauer auf die Republikanische Partei, weil diese ihre „Wächterfunktion“ nicht ausgeübt hat. Trump hätte gar kein Präsidentschaftskandidat werden dürfen. Das liegt auch daran, dass die Republikaner sich davor fürchten, dass die Wählerschichten der Demokraten in Zukunft demographisch bedingt stärker wächst. Sie bekämpfen dies in den Südstaaten undemokratisch mit eine Verschärfung der Wahlgesetze, so dass nicht mehr alle Afroamerikaner zur Wahl gehen können (s.o.). Leider hat in den letzten Jahrzehnten der Respekt zwischen den Parteien abgenommen. Der Präsident nutzt mehr seine Macht und die Opposition filibustert viel häufiger, d.h. es werden endlos lange Reden im Senat gehalten. Dass diese Polarisation weiter zunimmt sehen die Autoren als wahrscheinlichstes Zukunftsmodell. Dagegen würde die Einführung eines Sozialstaates wie in Skandinavien helfen. Andere Modelle sind ein Wahlsieg der Demokraten und die Regierung Trump bleibt eine Episode oder das Horrorszenario, dass die Republikaner ihre Macht dazu nutzen auch die Mehrheit im Obersten Gericht zu gewinnen, so dass dieses einen autoritären Präsidenten nicht stoppen kann. Insgesamt ein inhaltsreiches Buch. Aber nur 4 Sterne, da es zu viele Wiederholungen gibt.
Bewertung
5/5
01.03.2026
eBook (ePUB)
Lehrstunde in politischer Bildung
Die Autoren legen in einem Streifzug durch die Geschichte und die Welt dar, was eine Demokratie ausmacht und was sie am Leben erhält. Politische Bildung auf hohem Niveau - und ebenso gut verständlich. Der Leser/die Leserin kann immer wieder Bezug zu den Vorgängen auf der politischen Bühne ziehen und wird eingeladen, vieles kritisch zu hinterfragen. Jeder Bürger kann hier viel Wissen und v.a. den Geist des demokratischen Zusammenlebens herausziehen. Sehr wertvoll wie ich finde!
Bewertung
aus Nörten-Hardenberg
5/5
31.01.2021
eBook (ePUB)
Sollte man gelesen haben
Vergangenheit und Gegenwart werden hier gut an Beispielen erläutert. Vor allem, dass man nicht alles in Schrift und Gesetz festhalten kann, wenn man beschreibt wie eine Demokratie funktionieren soll. Es gehört auch eine wesentliche Portion gesunder Menschenverstand, Rechtsempfinden und Moral dazu, kurz man muss wissen wann es gut ist, auch wenn es gesetzlich erlaubt wäre.
Tilman Weigel
aus Nürnberg
3/5
02.09.2019
Buch (Taschenbuch)
Leider hält das Buch nicht,…
Leider hält das Buch nicht, was es verspricht. Nur am Anfang gehen die Autoren darauf ein, wie Demokratien sterben. Der Rest des Buches ist eine Abrechnung mit Donald Trump und der Republikanischen Partei. Dabei versuchen die Autoren, obwohl Wissenschaftler, auch gar nicht, ihre Sympathie für die Demokratische Partei zu verhehlen, was sehr unprofessionell wirkt.
Von Alexander Hamilton, der einer der Gründerväter der USA war, stammt der folgende Satz: "Als Demagogen fingen sie an, als Tyrannen endeten sie“. Dieses Zitat steht für die aktuelle Situation, in der sich die Demokratie befindet. Die Autoren, Professoren in Harvard, zeigen am Beispiel der USA unter Donald Trump auf, wie die demokratische Ordnung ausgehöhlt wird und wie dagegen vorgegangen werden kann. Dieses Phänomen ist nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt, wie die Beispiele Putin, Chávez, Orbán oder Erdogan zeigen. Auch hier in Europa steht die Demokratie unter Druck, sind Grundrechte nicht mehr garantiert und werden Gesellschaften von Populisten gespalten. Ein wichtiges Buch - leider. (Siehe auch: Judt, Das vergessene 20. Jahrhundert)
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