Originaltitel: The Picture of Dorian Gray. Erstdruck in: "Lippincott's Monthly Magazine", Juli 1890. Erste Buchausgabe (mit 6 neuen Kapiteln und vielen Änderungen): London, New York, Melbourne (Ward Lock and Co.) 1891. Hier in der Übers. v. Hedwig Lachmann und Gustav Landauer.
Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors.
Herausgegeben von Karl-Maria Guth.
Berlin 2016.
Textgrundlage ist die Ausgabe:
Wilde, Oscar: Das Bildnis des Dorian Gray. Übers. v. Hedwig Lachmann und Gustav Landauer, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1972
Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt.
Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Giovanni Boldini, Selbstportrait, 1865.
Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
32 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Wilde Verführung in edler Verpackung
Alrik Gerlach aus NordWestMecklenburg am 26.08.2025
Bewertungsnummer: 2577774
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Manchmal stolpert man über ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern regelrecht zelebriert werden will – und genau das hier ist so ein Schätzchen. Diese Schmuckausgabe von Das Bildnis des Dorian Gray ist nicht einfach ein Roman, es ist ein dekadenter Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Schönheit und Abgrund. Wilde selbst hätte wahrscheinlich die Hälfte seiner Bosheiten zurückgehalten, wenn er gesehen hätte, wie edel dieses Buch daherkommt. Veredelung, Illustrationen, kleine geheime Extras zwischen den Seiten – ich schwöre, beim Durchblättern hatte ich das Gefühl, Lord Henry würde gleich mit einem Glas Absinth neben mir auftauchen und mich in irgendein dunkles Laster hineinreden.
Und der Inhalt? Zeitlos, bissig, böse – wie guter Champagner, der sich weigert, schal zu werden. Dorian ist so unsympathisch faszinierend, dass man ihm am liebsten einen Spiegel vor die Nase knallen würde, nur um zu sehen, ob er endlich Risse kriegt. Basil ist das gute Gewissen, das man selbst oft ignoriert, und Henry? Tja, der Typ ist quasi der Vorläufer jedes modernen Influencers – nur mit mehr Stil und noch mehr Zynismus.
Was mich wirklich weggeblasen hat, ist diese Mischung aus morbider Eleganz und schwarzem Humor. Wilde schreibt Sätze, die man sich tätowieren lassen könnte – am besten gleich auf die Seele. Das Buch verführt, verdirbt und am Ende bleibt man mit einem süßbitteren Kater zurück, der irgendwie richtig gut tut.
Kurz: Diese Schmuckausgabe ist nicht nur fürs Regal, sondern für Herz, Kopf und ein kleines bisschen für die eigene dunkle Seite. Wer sich darauf einlässt, bekommt kein simples Leseerlebnis, sondern eine Einladung zu einem verruchten Maskenball, bei dem Schönheit, Sünde und Abgrund ein verdammt heißes Dreieck bilden.
Sind wir nicht alle ein bisschen Dorian?
Christian1977 aus Leipzig am 09.05.2023
Bewertungsnummer: 1938422
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
England, im späten 19. Jahrhundert: Für den Maler Basil Hallward ist der junge Dorian Gray nicht einfach nur ein Modell, das sich von ihm porträtieren lässt. Vielmehr erkennt Basil in ihm eine Art Muse, die ihn zu ungekannten Höchstleistungen antreibt. So ist es nicht verwunderlich, dass das Bildnis seine wohl beste Arbeit aller Zeiten wird. Und auch Dorian ist verliebt in sein Porträt und seine eigene Schönheit. In einem beseelten Moment äußert er den Wunsch, dass seine Schönheit und Jugend doch für alle Zeiten existieren und stattdessen das Bild altern möge. Ein faustgleicher Pakt ganz ohne Mephistopheles, aber mit ähnlich fatalen Folgen. Denn Dorian hat in diesem Moment offenbar seine Seele verkauft. Während sich nach einer unglücklich endenden Liebesbeziehung erste Falten im Porträt zeigen, erstrahlt Dorian im alten, jungen Glanz...
Oscar Wildes einziger Roman aus dem Jahre 1891 sorgte seinerzeit nicht nur wegen der zahlreichen homoerotischen Anspielungen für einen Skandal. Der Ire wurde 1895 wegen "homosexueller Unzucht" zu zwei Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Verarmt und gebrochen starb er 1900 im Alter von nur 46 Jahren in Paris.
"Das Bildnis des Dorian Gray" gilt als Klassiker der Weltliteratur. Seit 1901 wurde er über zwei Dutzend Mal ins Deutsche übertragen und vielfach neu aufgelegt. Braucht es also eine weitere Neuausgabe, noch dazu zu einem recht stattlichen Preis von 28 Euro? Unbedingt, wenn sie so kunstvoll illustriert ist, wie die jüngst bei Reclam erschienene Ausgabe in der Übersetzung von Ingrid Rein. Denn die Illustrationen der italienischen Zwillingsschwestern Anna und Elena Balbusso machen aus dem Buch fast schon ein eigenes Kunstwerk. Nur dass sich auf ihren Bildern glücklicherweise keine Spuren des Verfalls zeigen. Bereits das Cover deutet die Detailverliebtheit der erstmals auf dem deutschen Buchmarkt erscheinenden Künstlerinnen an. Für die Leserschaft lohnt es sich, den Blick schweifen zu lassen. Da blickt beispielsweise Edvard Munchs "Madonna" im Hintergrund gemeinsam mit Basil und seinem Freund Lord Henry Wotton, einer der wohl schillerndsten Figuren der Literaturgeschichte, auf Dorians Porträt. So kühn wie überraschend, wenn man bedenkt, dass die "Madonna" erst 1894/95 entstand - und damit vier Jahre jünger ist als Oscar Wildes Roman. Später bekommen die Bilder passend zur Geschichte nicht nur in den Farbtönen eine düsterere Note. Insgesamt entfalten die Bilder in Verbindung mit der Lektüre eine erstaunlich intensive Wirkung.
Nun ist eine Buchrezension, die sich lediglich auf die Bilder aber nicht auf den Text bezieht, wohl keine vollständige. Deshalb der Hinweis, dass sich die Lektüre des Buches selbstverständlich auch seinetwegen lohnt. Wilde fabuliert so ausschweifend und manieriert, wie seine Figuren leben. Diese Ansammlung dekadenter Dandys, die ,ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer oder auf Verluste, in der Regel nichts tut und sich täglichen Vergnügungen hingibt, ist schon ein ganz spezielles Ensemble. Und während der Titel-"Held" Dorian Gray auf immer dunklere Pfade gerät, scheint die Wurzel allen Übels doch seine Freundschaft zu dem oben bereits kurz erwähnten Lord Henry Wotton zu sein. Tatsächlich bleibt Wotton dadurch als eigentlicher Antiheld in Erinnerung - und als interessanteste Figur eines insgesamt schillernden Casts. Zudem weist "Das Bildnis des Dorian Gray", anders als bei Klassikern manchmal üblich, einen veritablen Spannungsbogen auf, der bisweilen an klassische Schauergeschichten erinnert. Und letztlich weist Reclam im Klappentext nicht zu Unrecht auf die Aktualität des Werks hin. In Zeiten zahlreicher Selbstdarstellungen und dem Streben nach Jugend und Schönheit, sind wir nicht vielleicht selbst eine Gesellschaft vieler kleiner Dorians?
Die neue Reclam-Ausgabe von "Das Bildnis des Dorian Gray" ist eine hinreißend gelungene, die ich jedem ans Herz legen kann. Dem bibliophilen Bücherfreund, weil er mit ihr ein wirklich besonderes Kunstwerk seiner Sammlung hinzufügen kann. Dem Liebhaber des Romans, weil er mit den Illustrationen eine ganz neue Perspektive erhält. Und dem Erstleser ohnehin, weil es in naher Zukunft wohl keine annähernd so schöne Ausgabe wie diese geben wird.
Ein Meisterwerk, dass man gelesen haben muss! Die Filme sind nicht empfehlenswert, daher das Buch umso mehr!! Hat noch eine sehr große Relevanz zu Heute, da die Schönheit eines der wichtigsten Kriterien ist für die Gesellschaft und andere wiederum komplett ignoriert werden. Viele würden immer noch ihre Seele ‚verkaufen‘, um für immer jung zu bleiben und genauso viele verstellen sich und sind nicht mehr sie selber nur um angesehen in der Gesellschaft zu sein. Wirklich super Buch!!!! Mit super Zitaten !!!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.