Als Blanca nach Cadaqués kommt, in das Ferienhaus der Familie an der spanischen Costa Brava, ist sie nicht allein. Beide Exmänner sind da, die gemeinsamen Kinder, Freundinnen, der Geliebte, sie alle füllen das Haus mit Leben.
Für Blanca beginnt eine entrückte Zeit: Stunden auf dem Boot, Frühstück unterm blauen Himmel, Gespräche bis tief in die Nacht, Alkohol, Sex. Und es wäre alles wie immer - würde die verstorbene Mutter ihr nicht auf Schritt und Tritt begegnen und Blanca dazu zwingen, sich zu einer folgenreichen Einsicht durchzuringen.
Auch das wird vergehen ist gravitätisch und leicht, melancholisch und komisch, sanft und heftig, es ist die ergreifende Geste eines langsamen Abschieds - ein wahrhaftiger Roman über Mütter und Töchter, über die Bodenlosigkeit der Trauer und die vertrackten Schönheiten des Lebens.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
aus Memmingen
5/5
26.02.2016
eBook (ePUB)
Kein stiller Abschied
Blanca nimmt auf ihre ganz eigene Weise Abschied von ihrer kürzlich verstorbenen Mutter. Mal liebevoll, mal wütend, mal philosophisch, mal traurig, mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern, sehr ehrlich, ein Abschied in kleinen Schritten unter lieben Menschen (ihre Kinder, ihre beiden Exmänner, ihr Geliebter, ihre Freundinnen und das Kindermädchen). Dazu reist Blanca in das Sommerhaus ihrer Mutter in Cadaqués. Sie denkt an ihre Mutter und Erlebnisse mit ihr zurück und findet sie in jedem Winkel ihres Herzens. Durch Sex mit ihrem Exmann und ihrem Geliebten, dem Flirt mit einem Fremden und dem ein oder anderen Joint versucht sie sich von ihrer Trauer abzulenken. Körperkontakt scheint für sie die einzige Möglichkeit zu sein, für kurze Zeit den Tod ihrer Mutter zu vergessen.
Das Cover erschien mir anfangs wenig einfallsreich. Doch beim Lesen wurde mir klar, dass der Schatten zur Mutter passt, die die Tochter wie ein solcher auf Schritt und Tritt verfolgt. Unglaublich sinnige und feinfühlige Schachtelsätze die die sehr unterschiedlichen Gefühlsregungen von Blanca und auch ihren Charakter gut widerspiegeln - gelingen Milena Busquets genauso schön wie ein bisweilen herber Humor. Sie zeichnet das Bild einer Tochter, die sich durch den Tod ihrer Mutter selbst zu finden versucht. Blanca als Ich-Erzählerin spricht ihre Mutter direkt an, was das Buch sehr gefühlvoll und intim macht. In phantasievoller Sprache erzählt diese Geschichte von der Liebe einer Tochter zu ihrer Mutter. Wie alt wir schon sind! Nicht? Stell dir vor, wie das in zwanzig Jahren ist. Wir fangen ja gerade erst an, das Alter zu üben, aber noch ist es ein Witz, ein fernes Dunkel. bleibt mir in guter Erinnerung. Blancas ungewöhnliche, zeitweise sehr egoistische Lebensweise und ihre Sucht nach Bestätigung als Frau macht sie mir nicht besonders sympathisch. Dennoch kann ich mit ihr fühlen. Dieser Roman ist wahrlich Eine Liebeserklärung an die verstorbene Mutter und ein langsamer, aber keineswegs stiller Abschied.
Hannelore
aus Schweinfurt
4/5
12.02.2016
eBook (ePUB)
Sehr atmosphärisch
Anders als das Cover vielleicht verspricht beginnt das Buch mit einer Beerdigung. Blancas Mutter hat es gewagt sie alleine zu lassen und zu sterben. Noch dazu kommt, daß Blanca vierzig geworden ist und damit anscheinend nur schwer zurechtkommt. Sie kann sich zwar vorstellen sehr jung zu sein oder in hohem Alter, doch vierzig oder fünfzig geht garnicht. Entsprechend verlassen kommt sie sich jetzt vor. An der Trauerfeier nehmen viele Bekannte teil unter anderem auch ihr Ex Oscar. Sie hat ein sehr turbulentes Leben geführt, es gibt zwei Ex und drei Kinder und einen Geliebten. Trotz aller Trauer hat sie im Anschluß an die Beerdigung sofort Sex mit dem Ex Oscar, der sowieso der Meinung ist, Sex ist ein Allheilmittel. Er rät ihr auch zu einem längeren Aufenthalt im Sommersitz der Familie in Cadaques. Dort wird es richtig bunt! Der Sommer wird heiß in jederBeziehung und alle sind da. Die drei Kinder, die zwei Ex mit ihren Frauen und Freundinnen, ihre Freundin, der Geliebte und der geheimnisvolle Fremde, den sie das erstemal auf der Trauerfeier gesehen hat.
Was alles so abgeht und ob Blanca in ihrer Trauerverarbeitung weiter kommt, sollten sie liebe Leserin sich selber erlesen!
Das Buch hat mir im Großen und Ganzen gefallen, obwohl Blanca mir sehr oberflächlich vorkommt und sie augenscheinlich wohl eher ein Problem mit ihrem jetzigen Alter und dem Gefühl hat, keine mehr extrem nahestehende Person zu haben. Aus Verzweiflung , so erscheint es mir, bietet sie ihrem Ex Oscar die Wiederheirat an, dann hätte sie wieder jemanden.
Milena Busquets Schreibstil gefällt mir gut, sehr atmosphärisch! Wir sind beim Sex mit dem Ex dabei und erfahren genau wie er aussieht. Auch bei anderen Ereignissen fühlt man sich genau hineinversetzt und kann sich alles sehr gut vorstellen.
Sonja
aus Freiburg
3/5
18.08.2025
eBook (ePUB)
Trauer / Lebensentscheidungen
Nach dem Tod ihrer Mutter fühlt sich Blanca verloren, so packt sie ihre beiden Kinder, ihre Freundinnen, ihre beiden Ex-Ehemänner und ihrer verheirateten Geliebten ein um im Ferienhaus etwas zur Ruhe zu kommen, aber da gibt es noch den Unbekannten, der auf der Beerdigung ihrer Mutter war.
Und so folgen wir Blanca, wie sie mit Sex, Drogen und Gesprächen ihr Leben neu sortieren muss. Denn wenn sie auch mit Anfang 40 ihre Mutter nicht mehr wirklich braucht, bricht doch eine Konstante aus ihrem Leben, die sie nachhaltig erschüttert.
Leider konnte ich keinen richtigen Zugang zu den Figuren finden, vielleicht liegt es an der modernen Art zu leben, ohne, dass ich Trauer anders empfinde. Aber es ist eine sehr Bildreiche Darstellung über das Chaos, den der Tod eines wichtigen Menschen verursachen kann.
Bewertung
aus Stuttgart
2/5
27.02.2016
eBook (ePUB)
Ja, auch das wird vergehen!
Nach dem Tod ihrer Mutter fährt Blanca auf den Sommersitz der Familie am Meer, nach Cadaqués. Begleitet wird sie von ihren beiden Exmännern, den gemeinsamen Kindern, Freundinnen und ihrem Geliebten. Immer wieder beschäftigt sie sich in ihren Gedanken mit ihrer Mutter, Erinnerungen tauchen auf, während um sie herum und mit ihr zusammen das Leben weiter geht. Nach und nach nimmt sie endgültig Abschied von ihrer Mutter, während sich auch ihr Leben neu arrangiert.
Bandwurmsätze, die teilweise über eine halbe Seite gehen und auf manchmal unlösbare Weise ineinander verschachtelt sind; lange Abschnitte (bis zu 5 Seiten) sowie eine verwirrende Personenanzahl der Einstieg in die Geschichte ist nicht leicht, und während ich noch überlegte, wer denn nun wer ist in dieser Erzählung und in welchem Verhältnis er zu Blanca steht, bin ich dem roten Faden nur noch hinterhergehechelt. Erzählt wird aus Blancas Sichtweise, und dabei gerät die Protagonistin von Höxchen auf Stöxchen, so dass meine Verwirrung nur noch größer wurde. Alles verschwimmt, Zeiten, Personen, Erlebnisse. Ich fühlte mich einfach nur zugetextet, während mir immer klarer wurde, dass Blanca nie meine Freundin werden könnte. So vieles von ihr verstand ich nicht und/oder konnte es nicht nachvollziehen. Immer wieder hielt ich inne, überlegte, was will das Buch mir sagen, und fand keine Antwort darauf. Bis hin zum Schluss hielt ich durch, ohne eine Antwort darauf zu erhalten.
Auch das wird vergehen und zum Glück auch die Lektüre dieses Buches. Das dachte ich, als ich das Buch letztendlich durchgelesen hatte und weglegen konnte.
Xirxe
aus Hannover
5/5
16.02.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Blancas Mutter ist verstorben,…
Blancas Mutter ist verstorben, die wohl der wichtigste Mensch in ihrem Leben war und Blanca zu dem Menschen 'machte', der sie heute ist. Nicht immer entwickeln sich aus solchen Erkenntnissen positive Gefühle, doch in diesem Fall entstand eine große Liebe. Blanca liebt ihre Mutter über alles und in den Tagen nach deren Tod ist sie ihr fast immer gegenwärtig, bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten. Die Ich-Erzählung aus Blancas Perspektive habe ich wie einen Brief an die Mutter empfunden: Sie erzählt ihr von den Tagen nach der Beerdigung, wie sie sich versucht abzulenken und dennoch stets auf's Neue ihre Mutter in den Vordergrund rückt. Menschen, Orte, Gesten, Gefühle - immer wieder werden dadurch Erinnerungen hervorgerufen, denen Blanca sich hingibt. Voller Wehmut und Schmerz, aber auch mit Zärtlichkeit, Freude und voller Liebe. Dies mag nun Manchen allzu sehr nach Rosarot klingen, doch es gibt auch Rückblicke, die deutlich machen, dass die Mutter-Tochter-Beziehung nicht nur harmonisch war. Doch die Liebe überwiegt... In diesem Buch gibt es so viele wunderbare und schöne Sätze, dass ich vermutlich ganze Wände damit tapezieren könnte ;-) Beispiele gefällig? Also: "Du hast mich so rigoros und nachhaltig gegen jede nicht spielerische Form von Unterwerfung erzogen, dass ich noch nicht einmal Feministin werden musste." oder "In deinen Augen rechtfertigte die Liebe eigentümliche Verhaltensweisen, die du unter allen anderen Umständen verurteilt hättest. Wenn ein Kellner ... dir die Suppe über's Kleid schüttete und du, eben dabei, dich zu beschweren, vom Maître erfuhrst, er sei verliebt ..., sahst du ihn wohlwollend an und sagtest: "Ach so, na dann..." Und aßest seelenruhig weiter in deinem suppendurchtränkten Rock." oder ""Leichtigkeit ist eine Form von Eleganz", sage ich, "leicht und fröhlich zu leben ist sauschwer." "Du verwechselst Leichtigkeit mit Schlendrian, Blanquita."" Vielleicht ist es das, was das Leben von Blanca und ihrer Familie ausmacht: Die Leichtigkeit und die Liebe, was sich auch in den noch immer sehr guten Beziehungen zu ihren Ex-Ehemännern zeigt, den Vätern ihrer beiden Söhne. Doch es ist nicht nur die Liebe zum andern Geschlecht, sondern ganz allgemein die Liebe zum Leben, die Liebe an sich. Deutlich wird das besonders auf den letzten Seiten, wo Blanca ihrer Mutter eine wundervolle Dankesrede und Liebeserklärung schreibt, die alleine schon das ganze Buch lohnt. "Von dir habe ich die Liebe auf den ersten Blick als einzig mögliche Form, sich zu verlieben (du hattest recht), die Liebe zur Kunst, zu den Büchern, den Museen, zum Ballett, die Freigiebigkeit in Gelddingen, die großen Gesten in den passenden Momenten, die Rigorosität im Handeln und im Reden. Das völlige Fehlen von Schuldgefühlen und die Freiheit und die Verantwortlichkeit, die damit verbunden sind.... Du hast mir auch das irre Lachen geschenkt, die Freude am Leben, die völlige Hingabe, den Spaß an jedem Spiel, die Abneigung gegen alles, was in deinen Augen das Leben kleiner machte und einem die Luft nahm: Knauserigkeit, Mangel an Loyalität, Neid, Angst, Dummheit und Grausamkeit. Und den Sinn für Gerechtigkeit. Die Aufsässigkeit. Das überwältigende Erkennen von Glück in den Momenten, wenn man es in Händen hält und ehe es wieder davon fliegt.... Und die Grandezza, eine Fähigkeit, die Dinge zu benennen, sie zu sehen, eine aufrichtige Toleranz den Schwächen und Unzulänglichkeiten anderer Menschen gegenüber...". Auch wenn das Hauptthema dieses Buches der Tod eines Menschen sein mag, ist es für mich viel mehr eine Hommage an das Leben und die Liebe.
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