Dieser Mann ist ein Gewinner. Deshalb vertreibt er sich, gerade achtzig geworden, die Zeit mit Preisausschreiben. Vor allem aber lebt er in seinen Erinnerungen. Schon in der Schule war seine Liebe zu den Frauen größer als die zur Mathematik. Er arbeitete in einer Reifenwerkstatt und als Fensterputzer, bis er eines Morgens die Papiere eines tödlich verunglückten Motorradfahrers fand. Da verwandelte sich der junge Kent Andersson aus Schweden in Dr. Kurth Wasser, den DDR-Flüchtling und approbierten Arzt. Der ist als Schlafforscher ebenso begabt wie als Womanizer. Irgendwo zwischen Hochstapler und Glückspilz erfindet er sich immer wieder neu – und steht uns dabei vielleicht näher als wir denken.
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Meinung aus der Buchhandlung
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Ich muss zugeben, es ist schon etliche Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Buch von Lars Gustafsson zur Hand nahm. Es war 1978 der Roman Der Tod des Bienenzüchters.
So ist die Lektüre seines neuen Romans Doktor Wassers Rezept für mich eine kleine Erinnerungsfahrt, mit all den Geschichtsklitterungen, die absichtlich oder unabsichtlich vorgenommen werden, wenn man sich oder anderen sein Leben erzählt.
Im neuen Roman Doktor Wassers Rezept wird auch ein Leben erzählt. Ein Leben mit vielen Sprüngen, Lügen, Übertreibungen und Hochstapeleien. Die Geschichte eines Lebens, das nie so passiert ist, wie es gelebt wurde. Ein Leben als Fälschung, das uns Doktor Wasser als erfolgreiches Lebensrezept verkauft.
Es ließe sich sagen, es ist das Leben eines Hochstaplers, der aufgrund eines Zufalls die Identität eines Unfalltoten annahm. Jedoch will uns Lars Gustafsson keine Felix Krull-Geschichte erzählen, die von sozialen Ungerrechtigkeiten und sozialem Aufstieg handelt.
Kent Andersson, der die Identität des Doktor Wassers übernahm, ergriff die Gelegenheit, um seinem Leben zu entfliehen: Nein, einen Sinn hat das Leben nicht. Aber man kann ihm einen Sinn geben. Vielleicht was es das, was ich tat.
Fälschungen, Lügen, Hochstapeleien und Übertreibungen sollen dem Leben dienen. Das Leben ist nichts anderes wie ein falsches Leben. Eine Fälschung, ein Imitat.
Als Doktor Wasser entlarvte Kent Andersson einen anderen Hochstapler, der nach seiner Enttarnung sich das Leben nahm. So gesehen ist das Leben auch riskant und bedarf einer gewissen Geschicklichkeit. Mit dieser gewiss banalen Geschicklichkeit endet das Leben des faschen Doktor Wassers, der am Ende seines Lebens Preisausschreiben in Reklamebroschüren ausfüllt.
Mit diesem kleinen Roman erweist sich Lars Gustafsson einmal mehr als stiller Zeichner menschlicher Existenz.
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